mini|hochkant|Wappen derer von Stenglin Stenglin ist der Name eines ursprünglich süddeutschen Patriziergeschlechts, das im 16. Jahrhundert in den Reichsadel erhoben wurde, im 18. Jahrhundert nach Norddeutschland kam und dort zu einem dänischen und mecklenburgischen Adelsgeschlecht wurde.
Geschichte Augsburg mini|hochkant|Marx (I.) Stenglin, * 1494; † 1559, Handelsmann und Ratsherr, erhielt 1518 den kaiserlichen Wappenbrief mini|hochkant|Jeremias Jakob Stenglin († 1645), 1632–1635 Augsburger Bürgermeister mini|hochkant|Zacharias (II.) Stenglin, * 1604; † 1674, Diplomat, nahm 1647/48 als Frankfurter Gesandter am Westfälischen Friedenskongress teil Die Familie Stenglin war zunächst ein in Ulm und Kempten nachgewiesenes Kaufmanns- und Patriziergeschlecht. Die belegte Stammreihe beginnt mit Georg Stenglin (auch: Stängel, * um 1420), Gerichtsverwandter in Schwabmünchen.Christoph Franke, Moritz Graf Strachwitz von Groß Zauche und Camminetz: Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon. Band XIV, Band 131 der Gesamtreihe GHdA, C. A. Starke Verlag Limburg an der Lahn 2003, S. 91 f. Sein Sohn Ulrich (I.) Stenglin kam 1448 nach Augsburg, wo am 14. September 1518 seine Söhne, die Brüder Ulrich (II.), Matheus, Marx (I.) und Hans Stenglin durch Kaiser Maximilian I. die Anerkennung ihres alten, auf das Jahr 1354 zurückgeführten Adels als Reichsadel erhielten. 1629 erwirkte Daniel Stenglin, Bürger zu Augsburg, die österreichische Adels- und Rotwachsfreiheit und Besserung des den Vorfahren … verliehenen Wappens.Zeitschrift des Ferdinandeums fur Tirol und Vorarlberg, 3/20 (Dritte Folge. Zwanzigstes Heft.) (1876), Hrsg. Verwaltungs-Ausschuss, Druck der Wagner’schen Universitäts-Buchhandlung, Innsbruck 1876, S. 168 (Digitalisat).
Die Stenglin unterhielten geschäftliche Beziehungen nach Antwerpen, Venedig, L’Aquila, Genua, Bozen, Lissabon, Delft, Hamburg, Wien, Straßburg, Frankfurt am Main und Leipzig. Erfolgreichen Fernhandel trieben sie vorrangig mit Gewürzen, Baumwolle, Seide und Leinwand, aber auch mit Farbstoff (Brasilholz), Zucker und Seife. Jeremias Jakob Stenglin († 1645) war von 1632 bis 1635 Stadtpfleger (Bürgermeister) in Augsburg. Sein Vetter war Zacharias (II.) Stenglin († 1674), der 1647/48 von der Reichsstadt Frankfurt als Diplomat zum Westfälischen Friedenskongress entsandt war. mini|hochkant|Philipp Heinrich I. von Stenglin, * 1688; † 1759, Bankier und Kaufmann in Hamburg
Hamburg Im 17. Jahrhundert kam das Geschlecht durch Marx Philipp Stenglin (1653–1737) nach Hamburg. Er führte ein gutgehendes Handelshaus und war Reeder von sieben Schiffen. Sein Sohn Philipp Heinrich (I.) Stenglin (* 12. Februar 1688 in Hamburg; † 19. Oktober 1759 ebenda) erwirtschaftete durch Bankgeschäfte, besonders in österreichischen Kupfer-Anleihen, ein enormes Vermögen. Er wurde Mitglied im Kollegium der Oberalten und war, so Johann Georg Büsch, der erste Hamburger, dessen Vermögen bei seinem Ableben eine Million Taler Banco betrug.Johann Georg Büsch's sämmtliche Schriften. Siebenter Band (Ueber banken und Münzen), B. Ph. Bauer, Wien 1816, S. 314. (Digitalisat) Sein repräsentatives Wohnhaus Neuer Wall 26–28 ließ er sich 1722 von Johannes Nicolaus Kuhn erbauen; auch das Haus Neuer Wall 70–74 war in seinem Besitz.
Sein gleichnamiger Sohn Philipp Heinrich (II.) Stenglin (* 1. Januar 1718 in Hamburg; † 17. Oktober 1793 im Herrenhaus Plüschow) setzte die Geschäfte seines Vaters fort, die jedoch unter dem Siebenjährigen Krieg litten. Er wurde dänischer Kammerherr, 1759 von Kaiser Franz I. in den Reichsfreiherrnstand erhoben und erhielt am 1. Februar 1765 die dänische Adelsnaturalisation.
Philipp Heinrichs Bruder Daniel Stenglin (* 25. Dezember 1735 in Hamburg; † 23. Mai 1801 ebenda) wurde im September 1761 an der Universität Bützow zum Doktor der Rechte promoviert, etablierte sich dann aber als Kaufmann in Hamburg und wurde 1765 dänischer Etatsrat. Er erbte die weithin berühmte Kunstsammlung seines Vaters.Matthias Oesterreich: Des Herrn Daniel Stenglin in Hamburg Sammlung von Italienischen, Holländischen und Deutschen Gemählden. Birnstiel, Berlin 1763. (Digitalisat) Die bedeutendste Privatsammlung Hamburgs wurde 1822 bei Johannes Noodt versteigert.Thomas Ketelsen: Hamburger Sammlungen im 18. und frühen 19. Jahrhundert. in: Ulrich Luckhardt (Hrsg.): Private Schätze: über das Sammeln von Kunst in Hamburg bis 1933. Christians, Hamburg 2001, S. 22–25. ISBN 3-7672-1383-4.
Mecklenburg mini|hochkant|Philipp Heinrich II. von Stenglin (1718–1793), Reichsfreiherr 1759, Bankier und königlich-dänischer Kammerherr, dänische Adelsnaturalisation 1765 1758 erwarb Philipp Heinrich (II.) von Stenglin die Vogtei Plüschow im Amt Grevesmühlen, bestehend aus den Gütern Plüschow, Barendorf, Boienhagen, Friedrichshagen mit Overhagen, Jamel, Meierstorf mit Sternkrug, und Testorf. In Plüschow ließ er 1763 ein neues Herrenhaus als Sommersitz für sich und seine erste Frau Antoinette (1727–1768), Tochter des Hamburger Bürgermeisters Conrad Wiedow, errichten.Sabine Bock: Plüschow. Geschichte und Architektur eines mecklenburgischen Gutes. Thomas Helms Verlag, Schwerin 2013. Nach Antoinettes Tod heiratete er 1769 Elisabeth, geb. Stralendorff.
Ebenfalls im Jahr 1802 verkaufte Philipp Heinrichs Sohn, Conrad Philipp Baron von Stenglin (1749–1835), die Vogtei Plüschow an den Erbprinzen Friedrich Ludwig zu Mecklenburg. Die Familie erwarb daraufhin andere mecklenburgische Güter wie Beckendorf (ab 1815), Berendshagen (1814–1844), Hohen Luckow (1810–1829), Groß und Klein Renzow (1802–1830). Die Brüder Conrad Philipp auf Renzow und Hohen Luckow, Stammherr der sogenannten älteren Linie, und Otto Christian (1764–1851) auf Beckendorf, Domherr in Lübeck und Stammherr der jüngeren Linie, wurden am 11. November 1824 in die Mecklenburgische Ritterschaft rezipiert. Auch der letzte überlebende Lübecker Domherr nach der Säkularisation 1803 war ein von Stenglin: Karl Freiherr von Stenglin (* 12. August 1791 in Kiel; † 15. März 1871 in Genf), der mit Karoline Gräfin Hessenstein (1804–1891), der jüngsten Tochter von Kurfürst Wilhelm I. von Hessen-Kassel und Karoline von Schlotheim, verheiratet war. Eine Leinwandskizze der Genremalerin Caroline von der Embde Porträt einer Dame stellt vermutlich die gebürtige Hessenstein, vermählte Stenglin, dar. Das Bild gehört zum Inventar der mhk.
Im 19. Jahrhundert traten mehrere Mitglieder der Familie in mecklenburgische Hofdienste und erreichten hohe Stellungen. Philipp Heinrich Ludwig von Stenglin (1785–1844) wurde Oberforstmeister von Gelbensande. Adolf Freiherr von Stenglin (* 1. Juni 1822 auf Hohen Luckow; † 28. März 1900 in Meran) und Otto Henning Freiherr von Stenglin (* 3. Februar 1802 in Erfurt; † 6. Juni 1885 in Schwerin) waren Hofmarschälle in Schwerin, Christian Freiherr von Stenglin (1843–1928) wurde 1892 zum Oberlandstallmeister und Leiter des Landgestüts Redefin berufen. Sein Sohn Otto Detlev Hartwig Karl (1877–1957) setzte diese Tradition als Landstallmeister und Gestütsdirektor in Wickrath fort, ebenso sein gleichnamiger Enkel Christian von Stenglin (1914–2002) als Landstallmeister und Leiter des Niedersächsischen Landgestüts Celle.Landstallmeister a. D. Dr. Christian Freiherr von Stenglin verstorben (PDF; 1,2 MB). Der Forstmeister Otto-Henning von Stenglin (1857–1944) war mecklenburgisch-schwerinscher Kammerherr, sein Sohn Alexander von Stenglin (1887–1948) Oberst i. G., dessen zweiter Sohn Victor von Stenglin wiederum namhafter Buchhändler auf dem Fischland Darß.
Im Einschreibebuch des Klosters Dobbertin befinden sich 11 Eintragungen von Töchtern der Familie von Stenglin von 1824–1905 aus Renzow, Beckendorf und Schwerin zur Aufnahme in das adelige Damenstift. Margarete Freiin von Stenglin (1875–1965) war als Tochter des Oberlandstallmeisters des Landgestüts Redefin Christian Freiherr von Stenglin eine der letzten nach 1945 noch lebenden Konventualinnen im Kloster Dobbertin und ist auf dem Klosterfriedhof begraben.
Elf Mitglieder der Familie von Stenglin waren in der mecklenburgischen Genossenschaft des Johanniterordens organisiert.Mecklenburgische Genossenschaft des Johanniterordens 1861-2011. Druckerei- und Verlagsgesellschaft Rudolf Otto mbH, Berlin 2011, S. 252 f.
Offiziere und Künstler mini|hochkant|Jagdmaler Ernst Hugo von Stenglin mini|hochkant|Grab des Hauptmanns Harald von Stenglin († 1943) in der Kriegsgräberstätte Hofkirchen
Eine Reihe von Familienangehörigen schlug im 19. Jahrhundert die Offizierslaufbahn ein, teils in mecklenburgischen, teils in preußischen, aber auch in österreichischen Diensten. In der Schlacht bei Trautenau 1866, in der Oberstlieutenant Wilhelm Baron Stenglin vom Regiment Erzherzog Karl fiel, standen sich Stenglins auf beiden Seiten gegenüber. Viktor von Stenglin (1825–1897) war zuletzt bis 1892 mecklenburgischer Generalleutnant und Kommandant von Schwerin. Gleichzeitig betätigte er sich als Komponist.Biographisches Jahrbuch und deutscher Nekrolog. 4 (1897), Reimer, Berlin 1900, S. 36*.
Aus dem Augsburger Familienzweig wurde Johann Stenglin (1715–1770), der ab 1745 in Sankt Petersburg wirkte, ein erfolgreicher Kupferstecher. Aus den mecklenburgischen Linien wurden Felix von Stenglin (1860–1941) Schriftsteller, Ernst Hugo von Stenglin (* 1862; gefallen am 10. November 1914 bei Diksmuide), zuerst Jägeroffizier, später JagdmalerFreiherr v. Stenglin †. In: Von Lübecks Türmen, 24. Jahrgang, 5. Dezember 1914, S. 390–391. und Hans von Stenglin (1889–1987),Hans von Stenglin. (PDF; 274 kB). Maler.
Persönlichkeiten Otto Christian von Stenglin (1765–1851), Domherr in Lübeck, großherzogl. meckl.-schwerin. KammerherrJohann Georg Meusel, Johann Wilhelm Sigismund Lindner: Das gelehrte Teutschland im 19. Jahrhundert, nebst Supplementen zur fünften desjenigen im achtzehnten, Achter Band, Hrsg. Johann Samuel Ersch, Meyersche Hof-Buchhandlung, Lemgo 1825, S. 619. (Digitalisat). Carl von Stenglin (1791–1871), letzter Domherr in Lübeck Adolf von Stenglin (1822–1900), großherzogl. meckl.-schwerin. Ober-KammerherrListe der Mitglieder der Balley Brandenburg des Ritterlichen Ordens St. Johannis vom Spital zu Jerusalem 1898, Julius Sittenfeld, Berlin 1898, S. 290 (Digitalisat). Viktor von Stenglin (1825–1897), preuß. Generalleutnant z. D.Der Deutsche Herold. Zeitschrift für Wappen-, Siegel- und Familienkunde, 29. Jg., Hrsg. Herold (Verein), Ad. M. Hildebrandt, Carl Heymanns Verlag, Berlin 1898, S. 26 (Digitalisat). Christian von Stenglin (1843–1928), deutscher Major, Stallmeister und Gestütsdirektor in Redefin Hermann von Stenglin (1846–1931), preuß. Generalmajor a. D. Christian von Stenglin (1914–2002), deutscher Stallmeister und Gestütsleiter Celle Ernst Hugo von Stenglin (1862–1914), deutscher Infanterist und Maler Karl-Andreas Freiherr von Stenglin (1944–2020), deutscher Diplomat Ulrike von Stenglin, deutsche Verlagsleiterin und -lektorin
Wappen Stammwappen Das Stammwappen ist von Blau und Gold der Länge nach geteilt, mit einem aufwachsenden Mann mit einer Ungarmütze und rechts goldener, links blauer Kleidung, vor dessen Rumpf sich zwei schwarze Stäbe kreuzen. Historische Darstellungen zeigen diese Helmzier auch zwischen zwei blau-golden gestreiften Büffelhörnern.
Nach der Stenglin’schen Wappensage soll ein Vorfahre um das Jahr 1360 Kaiser Karl IV. auf der Saujagd das Leben gerettet und infolgedessen vom Kaiser Adel und Wappen erhalten haben. Als nämlich der Kaiser von einem Wildschwein angegriffen wurde, ergriff sein Jagdknappe – der Vorfahre – ein Baumstämmchen (Stenglein), riss es aus und erschlug damit den Keiler. Deshalb werden in den Wappen die Stäbe wiedergegeben.
Freiherrliches Wappen