mini|Flugabwehrkanonenpanzer Gepard Ein Flugabwehrpanzer ist ein gepanzertes Fahrzeug, das zur Flugabwehr und gegebenenfalls zur Luftraumüberwachung auf kurze und mittlere Distanzen verwendet wird.
Begriff Der Begriff Flugabwehrpanzer ist in dieser Form nur im deutschen Sprachraum gebräuchlich. Im englischen Sprachgebrauch sind die Begriffe anti-aircraft vehicle (Flugabwehrfahrzeug), self-propelled anti-aircraft weapon (abgekürzt SPAA, selbstfahrende Flugabwehrwaffe) oder self-propelled air defense system (abgekürzt SPAD, selbstfahrendes Luftverteidigungssystem), im russischen Sprachgebrauch der Begriff Зенитная самоходная установка (abgekürzt ЗСУ, selbstfahrende Flugabwehrlafette) üblich. In beiden Fällen ist der Inhalt des Begriffes nicht auf gepanzerte Waffensysteme beschränkt. Der Begriff Flakpanzer als Abkürzung für Flugabwehrkanonenpanzer lässt sich im deutschen Sprachgebrauch erstmals mit Sicherheit 1944 belegen, als das auf dem Fahrgestell des Panzers IV basierende Waffensystem als „Flakpanzer (2 cm) mit Fahrgestell Panzer IV (Sd.Kfz. 161/4)“ bezeichnet wurde.Spielberger: Der Panzerkampfwagen IV und seine Abarten. S. 114 ff. Sein im selben Jahr gebauter Vorgänger auf dem gleichen Fahrgestell erhielt dagegen die Bezeichnung „Panzerflak-Selbstfahrlafette (3,7 cm) auf Panzerkampfwagen IV (Sd.Kfz. 161/3)“.Spielberger: Der Panzerkampfwagen IV und seine Abarten. S. 109. Im Sprachgebrauch der Bundeswehr werden für derartige Fahrzeuge allgemein die Bezeichnungen Flugabwehrkanonenpanzer, kurz FlakPanzer, und Flugabwehrraketenpanzer, kurz FlaRakPanzer, benutzt. Im Sprachgebrauch der NVA wurden derartige Fahrzeuge, sofern sie mit Kanonen bewaffnet waren, allgemein als Fla-Selbstfahrlafette, abgekürzt Fla-Sfl, bezeichnet.Kopenhagen: Die Landstreitkräfte der NVA.
Einteilung Eingeteilt werden die Fahrzeuge konstruktiv in Flugabwehrkanonenpanzer und Flugabwehrraketenpanzer sowie Mischformen.
Flugabwehrkanonenpanzer mini|Sensor zur Messung der Mündungsgeschwindigkeit an der Kanone des Flakpanzers Gepard Die Bewaffnung moderner Flakpanzer besteht aus Maschinenkanonen, die für die Luftabwehr modifiziert oder entwickelt wurden. Diese Waffen haben zwar eine relativ geringe Reichweite, zeichnen sich aber durch eine hohe Kadenz aus. Mit der dadurch erzeugten Geschoßwolke wird eine ausreichend hohe Vernichtungswahrscheinlichkeit erreicht. Zum Einsatz kommen zumeist einrohrige Waffensysteme, von denen teilweise jedoch mehrere gleichzeitig verwendet werden. Auch Gatling-Kanonen oder andere mehrläufige Waffensysteme finden Verwendung, wenn auch vergleichsweise selten. Die kompakte Bauweise ermöglicht hohe Richtgeschwindigkeiten, was den Kampf gegen tieffliegende schnelle Ziele erleichtert.
Bei modernen Flakpanzern werden die Zieldaten mit Hilfe eines Radargerätes oder optoelektronischer Sensoren ermittelt. Unter Berücksichtigung von Kurs und Geschwindigkeit des Luftzieles und der Flugzeit der Geschosse werden der Vorhaltepunkt berechnet und die Richtwerte für die Waffen ermittelt. Gerichtet werden die Waffen automatisch mit Hilfe elektrischer oder hydraulischer Richtantriebe. Einige Flakpanzer verfügen über Sensoren zur Messung der Temperatur, der Mündungsgeschwindigkeit und anderer für die Ballistik relevanter Parameter. Diese fließen in die Berechnung der Richtwerte ein, was die Genauigkeit erhöht. Moderne Flakpanzer sind in der Lage, den Feuerkampf sowohl im Stand als auch während der Fahrt zu führen.
Verschossen werden im Kampf gegen Luftziele Splittergranaten. Durch die hohe Rasanz der Flugbahn und die hohe Feuergeschwindigkeit eignen sich Flakpanzer auch zum Kampf gegen Ziele am Boden. In diesen Fällen werden auch panzerbrechende Granaten eingesetzt.
Flugabwehrraketenpanzer Die Bewaffnung der Flugabwehrraketenpanzer, kurz FlaRakpanzer, besteht aus Flugabwehrraketen. Dabei kommen sowohl infrarot- als auch radargesteuerte Lenkflugkörper zum Einsatz. Infrarotgelenkte Lenkflugkörper sind selbstlenkende Fire-and-Forget-Waffen, die in der Lage sind, Ziele ohne weitere Unterstützung der Feuerplattform, des Schützen oder sonstiger externer Hilfsmittel anzusteuern. Radargesteuerte Lenkflugkörper benötigen ein oder mehrere Radargeräte, die Ziel und Lenkflugkörper ständig erfassen, sowie einen Feuerleitcomputer, der die Lenkkommandos für den Lenkflugkörper berechnet. Dieser Computer kann auch im Lenkflugkörper untergebracht sein.
Mischformen Kombinationssysteme verfügen neben Rohrwaffen auch noch über Raketen zur Bekämpfung von Zielen.
Geschichte
Zeit bis zum Ende des Ersten Weltkrieges mini|Britische QF 3 inch 20 cwt auf Lkw-Fahrgestell Bereits vor Beginn des Ersten Weltkrieges wurden Flugabwehrkanonen auf Lkw-Fahrgestelle montiert. Grund war weniger der Schutz der eigenen Truppen auf dem Gefechtsfeld – dieser war schon wegen der praktisch nicht vorhandenen Bomben- und Schlachtflugzeuge unnötig – als vielmehr die Erhöhung der Mobilität dieser Waffen. Die ursprünglich Ballonabwehrkanonen genannten Geschütze wurden zum Kampf gegen Fesselballone entwickelt, die wiederum für die Fernaufklärung und die Leitung des Artilleriefeuers genutzt wurden. Motorisierte Ballonabwehrkanonen konnten schneller verlegt und zur Bildung von Schwerpunkten eingesetzt werden. Derartige Fahrzeuge wurden in Deutschland unter anderem von Kruppflickr.com, aber auch im Vereinigten Königreich, Frankreich, den USA und in Russland entwickelt.Владимир Розов: Наперегонки с авиацией Mit Beginn des Weltkrieges kam die Bekämpfung von Flugzeugen als Aufgabe für diese Waffen hinzu. Anfänglich wurden auch Flugzeuge vornehmlich für die Aufklärung und Feuerleitung eingesetzt. In zunehmendem Maße wurden jedoch Bomben- und Schlachtflugzeuge entwickelt und hergestellt. Produzierte die deutsche Flugzeugindustrie 1914 294 Aufklärungsflugzeuge (Typ A), aber kein einziges Bomben- oder Schlachtflugzeug, so waren es 1918 465 Schlachtflugzeuge (Typen I und S), 789 Bombenflugzeuge (Typ G) und 7320 Aufklärungs-, Bomben- und Schutzflugzeuge (Typ C).Olaf Groehler: Geschichte des Luftkrieges 1910 bis 1980. Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, 1981. Mit dem zunehmenden Einsatz von Flugzeugen an der Front, aber auch durch den massierten Einsatz von Artillerie wurde ein Schutz der Flugabwehrfahrzeuge notwendig. Folgerichtig panzerte man zumindest die Fahrerhäuser der Fahrzeuge. Vorreiter war hier auf deutscher Seite die Ballonabwehrkanone von EhrhardtBild siehe , dessen Entwurf jedoch abgelehnt wurde. Weitere Beispiele für diese Entwicklung sind die in Russland entwickelten Russo-Balt T mit 76-mm-FlaK und Austin mit 57-mm-FlaK. Als Waffen kamen Kanonen der Kaliber 50 bis 77 mm zum Einsatz, die für den Einsatz als Flug- bzw. Ballonabwehrwaffen abgeändert wurden. Diese Waffen wiesen ausreichende ballistische Leistungen auf, um sowohl Ballone – die über den gegnerischen Stellungen aufstiegen – als auch Flugzeuge zu bekämpfen. Aufgestellt wurden die Waffen auf relativ hohen Sockellafetten, um einen Schwenkbereich von 360° zu erreichen und auch bei hohen Erhöhungswinkeln einen ausreichenden Rohrrücklauf zu ermöglichen. Die hohe Aufstellung und der Platzbedarf für die Bedienung der Waffe beim Schwenken machten jedoch den Schutz schwierig. Zumindest während des Marsches war die Besatzung bei einigen Fahrzeugen durch hochklappbare Bordwände gegen Handfeuerwaffen und Splitter geschützt. Abgeklappt dienten diese Seitenwände als Trittfläche für die Bedienung.
Eine andere Entwicklungslinie zeichnete sich durch den Einsatz kleinkalibriger Maschinenwaffen ab. Die geringere Wirkung im Ziel wurde durch die höhere Kadenz ausgeglichen. Aufgrund der geringeren Reichweite mussten diese Waffe jedoch in vorderster Linie eingesetzt werden und waren so gegnerischer Waffenwirkung stärker ausgesetzt. Da diese Waffen jedoch wesentlich kompakter waren und eine kleinere Bedienung benötigten, war die Entwicklung von rundum gepanzerten Flugabwehrfahrzeugen möglich.
Zeit zwischen den Weltkriegen mini|Light Tank AA Mk.I In den 1920er Jahren wurden von Tuchatschewski und Triandafillow (Tiefe Operation) in der Sowjetunion, Lidell Hart im Vereinigten Königreich, de Gaulle in Frankreich sowie von Nehring und Guderian in Deutschland Konzepte für eine bewegliche Gefechtsführung entwickelt, die sich hauptsächlich auf gepanzerte Truppen abstützte. Diese Ideen erforderten konsequenterweise auch die Entwicklung entsprechend beweglicher, geschützter Unterstützungsfahrzeuge.
In der Sowjetunion wurden ab Beginn der 1930er Jahre die SU-6 und die SU-8 entwickelt. Für beide Fahrzeuge war die moderne, ursprünglich von Rheinmetall entwickelte 76-mm-Flugabwehrkanone M1931 vorgesehen. Als Basisfahrzeug der SU-6 diente der leichte Panzer T-26, für die SU-8 der schwere Panzer T-28. Bei beiden Fahrzeugen konnte ein Schutz der Bedienung während des Waffeneinsatzes aufgrund der oben beschriebenen Probleme nicht realisiert werden, lediglich während des Marsches war sie teilweise durch hochklappbare Seitenwände geschützt. Der T-26 war zu leistungsschwach, um die schwere Flugabwehrkanone tragen zu können. Da Motor, Kraftübertragung und Fahrgestell permanent überlastet waren, musste die Entwicklung eingestellt werden. Aufgrund von Schwierigkeiten mit der Produktion des T-28 wurde der einzige Prototyp der SU-8 nie fertiggestellt. Der Ansatz, den T-26 mit einer kleineren und leichteren 40-mm-FlaK zu bewaffnen, wurde nicht weiterverfolgt. Lediglich die 76-mm-Fla-Sfl 29-K wurde in sehr geringer Stückzahl produziert. Die auf dem Fahrgestell des schweren Lkw JaA-10 aufgebaute Waffe entsprach konzeptionell den Flugabwehrfahrzeugen des Ersten Weltkrieges und wies aufgrund der fehlenden Panzerung des Fahrerhauses einen geringeren Schutz als die Fahrzeuge von Russo-Balt oder Austin auf. Damit verfügte die Rote Armee zu Beginn des Zweiten Weltkrieges praktisch über keinerlei selbstfahrende Flugabwehrwaffen.
Im Vereinigten Königreich wurde der zweite Prototyp der Birch gun mit einer 75-mm-Kanone ausgerüstet und war zum Kampf gegen Luftziele geeignet. Die Waffe wurde offen auf dem Fahrgestell aufgestellt, die Bedienung war also während des Einsatzes ungeschützt. Das Projekt wurde jedoch 1928 abgebrochen. Vickers Armstrong baute auf dem Chassis des Mk.E 6-ton light tank/Dragon Medium Mark IV tractor einen Flugabwehrpanzer mit der QF 1 pounder pom-pom (Kaliber 40 mm).aviarmor.net (russisch) Von diesem Fahrzeug wurden 26 Exemplare an Siam verkauft und im Französisch-Thailändischen Krieg eingesetzt, damit handelt es sich um den wahrscheinlich weltweit ersten Flakpanzer auf Kettenfahrgestell. Der Light Tank AA Mk.I., ebenfalls eine Entwicklung von Vickers-Armstrong, war mit vier Maschinengewehren ausgerüstet. Vom Light Tank Mk VI wurden sowohl Versionen mit zwei 15-mm-Maschinengewehren als auch mit vier .50cal Maschinengewehren hergestellt. Insgesamt erwies sich der britische Ansatz, kleinkalibrige Maschinenwaffen anstelle großkalibriger Flugabwehrkanonen in die vorhandenen Panzerfahrgestelle zu integrieren, als erfolgreicher als die sowjetischen Bemühungen. Allerdings hatten diese Flugabwehrwaffen eine relativ geringe Reichweite. Auch waren Schutz und Beweglichkeit dieser Panzer nur wenig ausgeprägt.