Die Division 1 1967/68 war die 30. Austragung der professionellen französischen Fußballliga. Meister wurde zum vierten Mal seit 1957 die AS Saint-Étienne, die ihren Titel zu verteidigen vermochte.
Erster Spieltag war der 17. August 1967, der letzte Spieltag fand außerplanmäßig erst am 5. Juli 1968 statt (siehe hierunter). Eine dreiwöchige „Winterpause“ gab es zwischen dem 18. Dezember und 6. Januar.Pierre Minier: 1943-2003 – Football Club de Nantes, le doyen de l’élite. Cahiers intempestifs, Saint-Étienne 2003, ISBN 2-911698-23-1, S. 277–280
Vereine Teilnahmeberechtigt waren die Vereine, die die Vorsaison nicht schlechter als auf dem 16. Platz abgeschlossen hatten, dazu zwei direkte Aufsteiger aus der zweiten Division und die zwei Sieger der Relegationsrunde. Von den Letztgenannten hatte der Toulouse FC anschließend allerdings seine Lizenz an Red Star verkauft und war in der Division 1 nicht mehr vertreten. Somit spielten in dieser Saison folgende Mannschaften um den Meistertitel: drei Klubs aus dem äußersten Norden (Racing Lens, US Valenciennes-Anzin, OSC Lille), zwei aus Paris bzw. Champagne-Ardenne (Racing Paris-Sedan, „Lizenzerwerber“ Red Star FC), drei aus dem Nordosten (FC Sochaux, Racing Strasbourg, Aufsteiger FC Metz), vier aus dem Nordwesten (FC Rouen, Stade Rennes UC, FC Nantes, SCO Angers), einer aus dem Südwesten (Girondins Bordeaux), sechs aus dem Südosten (Titelverteidiger AS Saint-Étienne, Olympique Lyon, Olympique Marseille, Relegationssieger AS Aix, OGC Nizza, AS Monaco), einer aus Korsika (Aufsteiger AC Ajaccio).
Saisonverlauf Es galt die Zwei-Punkte-Regel; bei Punktgleichheit gab die Tordifferenz den Ausschlag für die Platzierung. Zu dieser Saison hatte der französische Fußballverband generell den Austausch eines Spielers pro Mannschaft erlaubt, ohne dass dafür eine Verletzung vorliegen musste.L’Équipe/Gérard Ejnès: Coupe de France. La folle épopée. L’Équipe, Issy-les-Moulineaux 2007, ISBN 978-2-915535-62-4, S. 333
Bei Titelverteidiger Saint-Étienne hatte es einen Trainerwechsel gegeben, der aber keine negativen Auswirkungen nach sich zog, weil der scheidende Jean Snella und der ihn ablösende Albert Batteux eine sehr ähnliche Konzeption verfolgten. Dazu kamen punktuelle Verstärkungen des Spielerkaders, wobei insbesondere die Ankunft eines jungen Angreifers aus Mali am Jahresende 1967 für Schlagzeilen sorgte: Salif Keïta kam auf eigene Initiative per Taxi vom Flughafen Le Bourget zum Stade Geoffroy-Guichard und erhielt dort nach einer Trainingseinheit einen Vertrag. In 18 Punktspielen erzielte er dann noch zwölf Tore für ASSE.Rethacker, S. 105; Beaudet, S. 95 Der Kampf um die Meisterschaft verlief spannungslos, denn die „Grünen“ aus Saint-Étienne setzten sich vom Start weg an die Tabellenspitze. Erstmals am elften Spieltag mussten sie, gegen Angers, eine Niederlage hinnehmen, der zwei Wochen später eine weitere gegen Paris-Sedan folgte. Dennoch geriet der erste Platz nie in Gefahr, und am Ende drückte ihre „kolossale Überlegenheit“ sich in einem Rekord-Vorsprung von elf Punkten auf Vizemeister Nizza aus.Beaudet, S. 95f.; Rethacker, S. 114 Der beste Sturm und die beste Abwehr der Liga hatte sich zudem Mitte Mai bereits den Landespokal und damit auch den Doublé gesichert; für Trainer Batteux war dies sogar bereits der zweite „Doppelgewinn“ nach zehn Jahren, der ihm damals mit Stade Reims gelungen war.
Die Saison 1967/68 sah mit Ajaccio zum ersten Mal in der Ligahistorie eine korsische Mannschaft in der Division 1, der nach Saisonende mit dem SEC Bastia gleich eine weitere folgen sollte. Ebenfalls eine – allerdings „mit sportethischen Gesichtspunkten kaum konforme“ – Premiere stellte der Lizenzkauf durch Red Star aus Saint-Ouen dar.Beaudet, S. 94 Umso positiver wurde der Weg der „Roten Teufel“ aus Rouen bewertet, die während der gesamten Hinserie zusammen mit Neuling Aix das Tabellenende geziert hatten. Dann fügten sie Anfang 1968 Saint-Étienne eine von dessen insgesamt nur fünf Niederlagen bei und holten im letzten Saisondrittel noch genauso viele Punkte wie der Meister, wodurch sie den Abstieg verhindern konnten, obwohl die Liga zur Folgesaison wieder auf 18 Teilnehmer reduziert wurde.Beaudet, S. 96f. Aus der Division 2 kehrte neben Bastia Olympique Nîmes in die höchste Spielklasse zurück, und auch Strasbourg nutzte die Barrages zum Ligaverbleib.
Der französische Fußball war von den politischen und sozialen Ereignissen des Pariser Mai '68 nicht unberührt geblieben. Zuerst am Wochenende um den 22. Mai fiel ein kompletter Spieltag aufgrund eines Spielerstreiks aus; diese von der Fußballergewerkschaft UNFP organisierte Aktion richtete sich gegen den „Vertrag auf Lebenszeit“, der einen Profi bis zu seinem 35. Geburtstag an seinen ersten Verein band. Außerdem besetzten auch Vertreter von Amateurklubs die Geschäftsstelle der Fédération Française de Football unter der Losung „Der Fußball den Fußballern!“ fünf Tage lang und setzten unter anderem eine satzungsmäßige Beteiligung der Aktiven bei Verbandsentscheidungen durch; ihre ersten gewählten Vertreter waren Raymond Kopa und Michel Hidalgo. Der 38. Spieltag konnte deshalb erst Anfang Juli ausgetragen werden.Beaudet, S. 97; Guillet/Laforge, S. 167; Rethacker, S. 115; Fédération Française de Football (Hrsg.): 100 dates, histoires, objets du football français. Tana, o. O. 2011, ISBN 978-2-84567-701-2, S. 118/119
Abschlusstabelle
(M) amtierender französischer Meister (P) amtierender französischer Pokalsieger (N) Neuaufsteiger aus der Division 2 1966/67 (R) Relegationssieger (L) Aufstieg durch Lizenzkauf
Kreuztabelle ASAixACAjaSCOAngGi.BorRCLenOSCLilOl.LyoOl.MarFCMetASMonFCNanOGCNizRStFCSUCRenFCRouASStÉRCP-SFCSocRCStrUSVal AS Aix2:41:35:12:22:12:01:20:10:02:63:10:02:34:11:14:20:00:31:1 AC Ajaccio8:24:03:02:02:12:22:22:11:25:32:10:02:05:31:12:01:11:01:4 SCO Angers9:13:00:01:21:33:12:20:03:01:31:12:21:13:01:02:31:11:01:0 Girondins Bordeaux3:03:01:26:12:10:01:21:03:06:24:01:06:21:01:22:03:01:20:1 Racing Lens4:11:24:22:11:11:05:11:11:31:30:02:41:12:11:33:00:21:01:0 OSC Lille2:11:22:11:20:11:12:00:00:12:00:21:12:01:02:22:00:10:00:3 Olympique Lyon4:32:18:02:03:01:13:23:11:20:31:10:02:12:11:10:22:20:00:0 Olympique Marseille3:22:03:12:02:00:02:12:02:11:00:22:03:12:22:11:00:10:02:0 FC Metz3:13:01:12:02:11:03:13:02:01:11:21:16:11:11:11:52:01:02:0 AS Monaco1:10:15:01:22:33:12:11:03:13:02:20:12:11:30:32:11:02:10:1 FC Nantes5:11:00:11:11:02:11:01:11:10:00:04:22:00:01:11:11:13:00:2 OGC Nizza1:01:02:11:10:03:10:31:14:10:25:12:10:34:01:21:01:02:02:1 Red Star FC2:14:13:31:03:20:21:12:00:12:00:11:13:10:21:13:01:20:11:0 Stade Rennes UC4:01:01:11:01:04:11:03:10:01:11:14:03:00:10:31:11:12:11:1 FC Rouen5:03:10:13:00:11:03:11:20:02:11:21:00:22:03:00:01:03:21:2 AS Saint-Étienne3:14:03:01:03:03:01:12:04:01:01:23:11:13:03:02:12:04:03:0 Racing Paris-Sedan3:02:03:11:21:11:12:31:13:03:01:00:10:03:02:05:22:03:11:1 FC Sochaux1:13:12:00:14:12:13:11:13:20:01:00:21:01:23:00:43:01:13:1 Racing Strasbourg1:00:05:10:11:02:00:11:00:02:03:10:02:11:12:10:10:21:40:1 US Valenciennes-Anzin1:00:02:12:01:13:02:01:01:21:12:10:11:02:10:21:23:10:00:1
Relegationsrunde Die beiden Vereine der Division 1 trugen je zwei Relegationsspiele gegen die Zweitdivisionäre aus. Begegnungen zwischen Mannschaften aus der gleichen Liga gab es nicht. Die beiden bestplatzierten Teams spielten in der folgenden Saison in der Division 1.
Das Reglement sah für die Relegation allerdings eine Abweichung gegenüber dem Ligabetrieb vor, die 1967/68 zum Tragen kam; wenn hier zwei oder mehr Mannschaften punktgleich waren und davon Aufstieg beziehungsweise Nichtaufstieg abhing, gab nicht das bessere Torverhältnis den Ausschlag, sondern die Teams wurden zunächst nach Ligazugehörigkeit und gegebenenfalls anschließend nach ihrer Platzierung in der gleichen Division eingereiht.Grégoire-Boutreau/Verbicaro, S. 138 und 302 TabelleKreuztabelle STR NÎM REI LEN Racing Strasbourg 3:0 2:1 – Olympique Nîmes 0:0 – 3:1 Stade Reims 2:0 – 2:2 Racing Lens – 0:1 2:3
Die Meistermannschaft AS Saint-Étienne 1. AS Saint-Étienne70px|zentriert Tor: Georges Carnus (38/-) Abwehr: Roland Mitoraj (37/4), Bernard Bosquier (36/4), Georges Polny (36/-), Vladimir Durković (34/-), Francis Camerini (8/-), José Pelletier (2/-), Gérard Farison (1/-) Mittelfeld: Georges Bereta (36/5), Aimé Jacquet (35/3), Robert Herbin (27/3), Jean-Michel Larqué (21/5) Angriff: Hervé Revelli (32/23), Rachid Mekhloufi (30/7), André Fefeu (27/9), Salif Keïta (18/12), Frédéric N’Doumbé (11/-), Patrick Parizon (1/-) Trainer: Albert Batteux Dazu kamen drei Eigentore.Guillet/Laforge, S. 167, ergänzt aus Stéphane Boisson/Raoul Vian: Il était une fois le Championnat de France de Football. Tous les joueurs de la première division de 1948/49 à 2003/04. Neofoot, Saint-Thibault o. J.Frédéric Parmentier: AS Saint-Étienne, histoire d’une légende. Cahiers intempestifs, Saint-Étienne 2004, ISBN 2-911698-31-2, S. 291
Erfolgreichste Torschützen Pl.SpielerVereinTore1 Étienne Sansonetti AC Ajaccio 262 Hervé Revelli AS Saint-Étienne 233 Fleury Di Nallo Olympique Lyon 18 Joseph Yegba Maya Olympique Marseille 185 Lucien Cossou AS Aix 176 André Guy Olympique Lyon 16 Georges Lech Racing Lens 16 Johny Léonard FC Metz 169 Didier Couécou Girondins Bordeaux 15 Guy Lassalette FC Sochaux 15 Silvester Takač Stade Rennes UC 1512 José Farías Red Star FC 13 Philippe Levavasseur Racing Paris-Sedan 13 Mohamed Salem Racing Paris-Sedan 1315 Jean-Claude Bras US Valenciennes-Anzin 12 Salif Keïta AS Saint-Étienne 12 Charly Loubet OGC Nizza 12 Jacques Simon FC Nantes 12
Siehe auch Division 2 1967/68 Coupe de France 1967/68
Literatur Hubert Beaudet: Le Championnat et ses champions. 70 ans de Football en France. Alan Sutton, Saint-Cyr-sur-Loire 2002, ISBN 2-84253-762-9 Sophie Guillet/François Laforge: Le guide français et international du football éd. 2009. Vecchi, Paris 2008, ISBN 978-2-7328-9295-5 Jean-Philippe Rethacker: La grande histoire des clubs de foot champions de France. Sélection du Reader’s Digest, Paris/Bruxelles/Montréal/Zurich 2001, ISBN 2-7098-1238-X
Weblinks Statistiken auf lfp.fr
Anmerkungen und Nachweise
#1967/68 Kategorie:Fußballsaison 1967/68