Die Straßenbahn Ostrava ist ein Straßenbahnbetrieb in Ostrava in Tschechien. Er ist heute nach Prag und Brünn der drittgrößte des Landes. Betreiber ist der Dopravní podnik Ostrava (Verkehrsbetrieb Ostrava; DPO).
Geschichte Lokalbahn Přívoz–Mährisch Ostrau–Witkowitz / Moravsko-ostravské místní dráhy mini|Konzession für die Lokalbahn Přívoz – Vítkovice aus dem Jahr 1894 mini|Dampflokomotive WITKOWITZ der BLEG aus dem Jahr 1894 im Technischen Museum von Brünn Die österreichische Nordbahn von Wien nach Krakau verlief – wie viele Eisenbahnen der Eisenbahnfrühzeit – meist in weiter Entfernung zu den Städten und Ortschaften. Vor allem in den Niederungen von March und Oder war die Strecke auf dem kürzestmöglichen Weg völlig geradlinig trassiert worden. Der Bahnhof von Mährisch Ostrau befand sich darum in Přívoz (Oderfurt), etwa drei Kilometer nördlich der Stadt. Dorthin verkehrten Pferdeomnibusse.
Um die Verkehrsverhältnisse zu verbessern, ersuchte der Bürgermeister von Mährisch Ostrau, Anton Lux im Jahr 1882 um eine Vorkonzession zum Bau einer Pferdestraßenbahn vom Gasthof „Am grünen Baum“ zum Bahnhof in Přívoz. Das Projekt wurde im Jahr 1887 vom Handelsministerium genehmigt, aber nicht realisiert.
Der Wiener Kaufmann Julius Modern konzipierte schließlich eine normalspurige Lokalbahn von Přívoz über Mährisch Ostrau nach Witkowitz. Für den örtlichen Güterverkehr waren zahlreiche Schleppgleise vorgesehen. Die Vorkonzession wurde am 29. Dezember 1893 an die Brünner Local-Eisenbahn-Gesellschaft (BLEG) verkauft. Die BLEG erhielt am 27. Mai 1894 die Konzession „zum Baue und Betriebe einer als normalspurige Localbahn (Dampftramway) auszuführenden Locomotiveisenbahn von der Station Mährisch Ostrau der privilegierten Kaiser Ferdinands-Nordbahn über Ostrau nach Witkowitz“.Reichsgesetzblatt Nr. 123/94 für die im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder Am 18. August 1894 wurde die Strecke eröffnet. Den Betrieb führte die BLEG selbst.
Auf der Strecke wurden anfangs vier Dampflokomotiven, 15 Personenwagen und sechs Güterwagen eingesetzt. Die Höchstgeschwindigkeit betrug außerhalb der Ortschaften 15 km/h und in den Ortsbereichen 10 km/h, die Fahrzeit für die Gesamtstrecke betrug 42 Minuten. Schleppgleise für den Güterverkehr gab es zum Güterbahnhof in Přívoz, zum Städtischen Schlachthof und zur Brauerei und Malzfabrik Strassmann. 1896 wurde die Firma Schmelz in Havran angeschlossen, 1898 das Brünner Bierlager, 1899 die Böhmische Aktienbrauerei.
Die erste Erweiterung der Lokalbahn führte ab 1. Oktober 1896 von der Altstadt zur Reichsbrücke, wo ab 1904 jenseits der Landesgrenze Anschluss an die Lokalbahn Polnisch-Ostrau–Hruschau und ab 1909 an die Lokalbahn Ostrau–Karwin bestand. Am 8. Mai 1899 ging die fast drei Kilometer lange Zweigstrecke vom Salomonschacht über Marienberg nach Hulwaken in Betrieb.
Das ungarische Unternehmen Ganz & Co. baute 1897 ein Elektrizitätswerk in Mährisch Ostrau. Daraufhin wurde ein Konzept zur Elektrifizierung der im Personenverkehr bedienten Strecken vorgelegt. Der elektrische Bahnbetrieb begann am 1. Mai 1901. Bis 1923 wurde auch die Bedienung der Schleppbahnen auf elektrischen Betrieb umgestellt.
Im Jahr 1907 wurden für den Personenverkehr die neuen Strecken zwischen Hulvaken und Schönbrunn (Svinov) sowie zwischen Marienberg und Witkowitz in Betrieb genommen. Am 1. August 1911 wurde die Firmierung von Brünner Local-Eisenbahn-Gesellschaft (BLEG) in Mährische Lokal-Eisenbahn-Gesellschaft (MLEG) geändert. Der Sitz der MLEG war nun in Mährisch-Ostrau. Nach der Gründung der Tschechoslowakei im Oktober 1918 firmierte die Gesellschaft ab 1920 tschechisch als Společnost moravských místních drah (SMMD). Am 1. Juni 1923 wurden für die drei verkehrenden Linien Nummern eingeführt.
Liniennetz 1923
Linie Verlauf 1 Přívoz, nádraží – Moravska Ostrva, místní nádraží – Vitkovice, závodní hotelOderfurt, Bahnhof – Mährisch Ostrau, Lokalbahnhof – Witkowitz, Werkshotel 2 Svinov – Mariánské Hory – Moravská Ostrava, místní nádraží – Říšský mostSchönbrunn – Marienberg – Mährisch Ostrau, Lokalbahnhof – Reichsbrücke 3 Vitkovice, závodní hotel – Mariánské HoryWitkowitz, Werkshotel – Marienberg
Im Jahr 1924 wurden die bisher eigenständigen Städte und Gemeinden Mariánské Hory (Marienberg), Přívoz (Oderfurt), Vítkovice (Witkowitz), Hrabůvka (Klein Grabau), Nová Ves (Neudorf) und Zábřeh nad Odrou (Heinrichsdorf) nach Mährisch Ostrau eingemeindet. Damit wurde Mährisch Ostrau zur Großstadt. In diesem Zusammenhang wurde das Netz sukzessive in die dazugekommenen Stadtteile ausgedehnt und als Straßenbahn weitgehend zweigleisig ausgebaut.
mini|Wagen 25 der SMMD ist heute historischer Wagen der DPO (2022)
Im Jahr 1926 verkaufte die Stadt Klimkovice (Königsberg) die Lokalbahn Schönbrunn-Witkowitz–Königsberg für 2,5 Mio. Kronen an die SMMD. Die SMMD elektrifizierte die Strecke und verband sie mit ihrem Netz. Am 16. Mai 1926 wurde dort der elektrische Straßenbahnbetrieb im 40-Minuten-Intervall eröffnet.
Am 29. April 1934 erteilte das tschechoslowakische Eisenbahnministerium eine neue Konzession als Kleinbahn. Die SMMD firmierten fortan als Moravsko-ostravské místní dráhy (Mährisch-Ostrauer Lokalbahnen, MOMD).
Nach dem Münchner Abkommen lag ab Oktober 1938 die neue Staatsgrenze zu Deutschland an der Oder. Polen annektierte völkerrechtswidrig den größten Teil des Teschener Schlesiens. Die Linie von Schönbrunn nach Königsberg lag nunmehr auf deutschem Staatsgebiet und war bis 1941 außer Betrieb. Gleichzeitig übernahm die MOMD den Betrieb der im Protektorat Böhmen und Mähren verbliebenen Schmalspurstrecken der Schlesischen Landeseisenbahnen (SLEB), am 1. Mai 1943 wurden sie in das Eigentum übernommen. Gleichzeitig wurde die Strecke Schönbrunn–Königsberg an das Land Schlesien verkauft. Während des Zweiten Weltkrieges wurde als einzige Neubaustrecke die Linie von Zábřeh zur Kaserne im Bielauer Wald (Bělský les) am 20. Dezember 1941 eröffnet.
Am 3. Januar 1947 entschied die Generalversammlung der SMMD, das Unternehmen zu liquidieren und das Eigentum auf die Stadt Ostrava zu übertragen.
Schmalspurige Strecken mini|Schema des Netzes der elektrischen Bahnen zwischen Ostrava, Karviná und Bohumín (Stand 1. Juli 1953)Beginnend ab 1902 entstand jenseits der mährischen Landesgrenze in Österreichisch-Schlesien ein umfangreiches Netz von erst Dampf- später elektrisch betriebenen Lokalbahnen, die teils auch den Charakter von Straßenbahnen hatten. Verknüpfungspunkt im Reiseverkehr war die Reichsbrücke über die Ostrawitza. Übergangsreisende mussten dort die Landesgrenze zunächst zu Fuß überqueren, später wurden zwei Schmalspurlinien direkt nach Mährisch Ostrau geführt.
Städtische Elektrische und Schleppbahnen in Oderberg / Městská elektrická dráha a městské vlečné dráhy v Bohumíně
Am 24. November 1902 erhielt die Stadtgemeinde Oderberg durch Veröffentlichung im Reichsgesetzblatt die Konzession für eine erste schmalspurige Strecke in bosnischer Spur (760 mm). Bis Herbst 1903 wurde sie mit Pferdebahnbetrieb geführt, anschließend bis 1916 als Dampfstraßenbahn. Im Jahr 1916 erfolgte die Elektrifizierung der Strecke; zunächst kam ein ausgeliehener Triebwagen der Schlesischen Landesbahnen zum Einsatz, zwei Jahre später ein eigener Motorwagen.
Die Gesellschaft Städtische elektrische Bahn Bohumín, Städtische Anschlussbahnen Bohumín betrieb die Strecke Neu-Bohumín, Bahnhof – Alt-Bohumín, Freiheitsplatz mit mehreren Anschlussgleisen bis 1947. Danach übernahmen die Landesbahnen (ZD, zuvor Schlesische Landesbahnen) den Betrieb. 1949 wurde die Strecke Teil der Verkehrsbetriebe der Stadt Ostrava. Der Betrieb endete am 1. August 1973.
Lokalbahn Polnisch-Ostrau–Hruschau mini|Personen- und Güterzug auf der Lokalbahn Polnisch-Ostrau–Hruschau (um 1915)
Die Bahn zwischen Hrušov und Polnisch Ostrau bildete den Ausgangspunkt für das spätere ausgedehnte Netz der Schlesischen Landesbahnen. Erste Planungen stammen aus dem Jahr 1896 und sahen normalspurige elektrische Straßenbahnen vor. 1902 wurde das Projekt auf Schmalspur (760 mm) und Dampfbetrieb umgestellt.
1903 gründeten die Marktgemeinde Polnisch Ostrau und die Mährisch-Ostrauer Elektrizitäts-AG die Mährisch-Schlesische Lokalbahn-AG (MSLAG), welche Bau und Betrieb übernahm. Die Konzession wurde per 14. November 1903 erteilt. Der Personenverkehr wurde am 9. Januar 1904 aufgenommen.
Die eingleisige Strecke war rund 4 km lang (Personenverkehr 3,1 km) und führte von der Sodafabrik in Hrušov entlang der heutigen Bohumínská-Straße bis zur Sýkora-Brücke, wo der Personenverkehr endete. Der Güterverkehr führte weiter bis zum Bergwerk Trojice.
1911 wurde die Strecke elektrifiziert; Dampfbetrieb blieb im Güterverkehr erhalten. 1914 ging die Bahn in den Besitz der Schlesischen Landesbahnen über.
Schlesische Landeseisenbahnen (SLEB) / Slezské zemské dráhy (SZD)
Angesichts der rasch wachsenden Agglomeration Ostrava gründete das Land Schlesien die Schlesischen Landeseisenbahnen (SZD). Ab 1912 entstand ein zusammenhängendes Netz, u. a.: 1912: Polnisch Ostrau – Michálkovice. 1912: Karviná, Bahnhof – Fryštát Für diese beiden Strecken wurde die Konzession per 12. Dezember 1912 erteilt.
1913: Karviná – Bohumín; Orlová – Orlová Marktplatz 1914: Bohumín – Hrušov
Von 1939 bis 1945 wurden Teile des Netzes als Teschener Kreisbahn weitergeführt.
Lokalbahn Ostrau–Karwin (LBOK) / Místní dráha Ostrava–Karviná (MDOK)
mini|Triebwagen 5 der LBOK (Werksaufnahme Nesselsdorf) Die Planungen für eine Verbindung zwischen Ostrava und Karviná reichen bis 1897 zurück. Das k.k. Eisenbahnministerium genehmigte vorbereitende Arbeiten per Dekret vom 30. Oktober 1897. Die Konzession wurde per 26. Juli 1907 erteilt.
Nach mehreren Projektänderungen entstand eine schmalspurige Bahn mit elektrischer Traktion. Die 19,7 km lange Strecke wurde am 6. April 1909 eröffnet und führte von Moravská Ostrava über Radvanice, Petřvald, Orlová nach Karviná. Der überwiegende Teil verlief auf eigenem Bahnkörper.
Während der Zwischenkriegszeit kam es infolge der Weltwirtschaftskrise zu Verkehrsrückgängen. Nach der Münchner Vereinbarung 1938 wurde die Strecke geteilt, nach 1945 jedoch wieder vollständig betrieben. Am 1. Juli 1949 erfolgte die Eingliederung in die Verkehrsbetriebe der Stadt Ostrava.
Gründung des Verkehrsbetriebes der Stadt Ostrava
Im Mai 1949 wurde rückwirkend zum 1. Januar 1949 der Verkehrsbetrieb der Stadt Ostrava (Dopravní podniky města Ostravy; DPmO) gegründet, der das Eigentum der liquidierten MOMD übernahm. Am 1. Juli 1949 wurde die Lokalbahn Ostrau–Karwin (Místní dráha Ostrava–Karviná; MDOK) und am 1. Oktober 1949 die Schlesischen Landeseisenbahnen (Slezské zemské dráhy; SZD) übernommen und eingegliedert. Im Jahr 1950 wurde auch die Eisenbahnstrecke Petřkovice–Hlučín von den Tschechoslowakischen Staatsbahnen übernommen, elektrifiziert und in das Straßenbahnnetz integriert. Als letzte Übernahme kamen zum 1. Juli 1953 noch die beiden öffentlichen Strecken von Vítkovice nach Zábřeh und Hrabová der Witkowitzer Werkbahn zu den DPmO.
Nach dem Krieg wurde die Bahnstrecke Ostrava-Svinov–Kyjovice-Budišovice elektrifiziert, die 1926 erbaut worden war. In den frühen 1950er Jahren wurden neue Wohnsiedlungen gebaut (vor allem in Zábřeh), wodurch neue Verkehrsbedürfnisse entstanden. Zunächst wurden Omnibuslinien eingerichtet, die später durch eine reguläre Straßenbahnverbindung ersetzt wurden. mini|Historischer Wagen T1 an der Haltestelle Palkovského Im Zusammenhang mit dem Bau der Nová Huť Klementa Gottwalda (NHKG) wurde der Bau einer Straßenbahnstrecke für den Berufsverkehr notwendig. Der erste Abschnitt wurde 1953 fertiggestellt, der zweite ein Jahr später. Die neue normalspurige Strecke war zunächst nicht mit den anderen Strecken verknüpft. Zwischen Hranečník und Výstaviště verlief zunächst noch die schmalspurige Strecke der früheren Lokalbahn Ostrau–Karwin. Ab 1955 wurde die Schmalspurstrecke in diesem Abschnitt durch die DPmO stufenweise auf Normalspur umgebaut.