Die pakistanische Cricket-Nationalmannschaft (; ), deren Spieler auch unter den Spitznamen Shaheens, Green Shirts, Men in Green und Cornered Tigers bekannt sind, vertritt Pakistan auf internationaler Ebene in der Sportart Cricket. Das Team wird vom Pakistan Cricket Board (PCB) geleitet und ist seit 1952 Vollmitglied im International Cricket Council. Die Mannschaft besitzt somit Teststatus.
Pakistan ist die siebtälteste Nationalmannschaft im Test Cricket und bestritt seinen ersten Test 1952 in Indien. Vor der Teilung Indiens im Jahr 1947 haben einige Spieler, die später Teil des pakistanischen Teams waren, auch schon für Indien gespielt. Pakistans größte Erfolge bisher sind der Gewinn der Weltmeisterschaft 1992, der Champions Trophy 2017, der World Twenty20 2009 und zwei Titel beim Asia Cup (2000 und 2012). Sieben ehemalige pakistanische Spieler wurden in die ICC Cricket Hall of Fame aufgenommen.
Geschichte Anfangsjahre mini|links|Spielbericht des Matches zwischen Sindh und Australien in Karatschi am 22. November 1935 im The Sydney Morning Herald Cricket wurde in Pakistan bereits vor dessen Unabhängigkeit 1947 im Land gespielt; der Sport war von den Briten in ihre damalige Kronkolonie Britisch-Indien gebracht worden, wo er schnell an Beliebtheit gewann. Das erste dokumentierte Cricketspiel fand am 22. November 1935 zwischen Sindh und Australien in Karatschi statt. Dem Spiel wohnten etwa 5.000 Einwohner der Stadt bei.
Nach der Unabhängigkeit mini|Die pakistanische Cricket-Nationalmannschaft wird vor ihrer Abreise nach Indien vom Premierminister Khawaja Nazimuddin verabschiedet mini|Waqar Hasan (links) und Imtiaz Ahmed (rechts) während des zweiten Tests gegen Neuseeland 1955 in Lahore Nach der Teilung Indiens 1947 und der damit verbundenen Gründung des Staates Pakistan entwickelte sich eine professionelle Cricket-Szene im neuen Land. Am 1. Mai 1949 erfolgte die Gründung des Board of Cricket Control Pakistan (BCCP) und am 28. Juli 1952 wurde Pakistan auf Empfehlung Indiens bei einer Vollversammlung der Imperial Cricket Conference (heute International Cricket Council, ICC) im Londoner Lord’s zum Vollmitglied ernannt. Im Vergleich zu Pakistan durchlief Indien als Nachfolgerstaat Britisch-Indiens nicht so eine schnelle Entwicklung im Cricket. Zum ersten Kapitän der neuen Nationalmannschaft wurde Abdul Hafeez Kardar ernannt.
Pakistans erstes Test Match fand im Oktober 1952 im Feroz Shah Kotla Ground in Delhi statt. Es war Teil einer Serie von fünf Test Matches in Indien, die der Gastgeber mit 2–1 gewann, mit zwei Remis. 1954 besuchte Pakistan erstmals England und erzielte in der Testserie ein 1–1 Unentschieden. Der pakistanische Sieg im Oval, bei dem Fazal Mahmood zwölf Wickets erzielte, war der erste Auswärtssieg der Mannschaft in England. Das erste Test Match auf heimischem Boden trug Pakistan im Januar 1955 im Bangabandhu National Stadium Dhaka aus (Dhaka gehöre damals noch zu Pakistan, ist aber inzwischen die Hauptstadt von Bangladesch). Gegner war wieder Indien und auch dieses Spiel war Teil einer Serie von fünf Test Matches. Die übrigen Spiele fanden in Bahawalpur, Lahore, Peschawar und Karatschi statt. Zum ersten Mal in der Geschichte des Test Cricket endeten alle fünf Matches einer Testserie in einem Remis. Im selben Jahr besuchte erstmals Neuseeland Pakistan für eine Testserie zwischen beiden Ländern. Im ersten Test Match gewann der Gastgeber mit einem Run und im zweiten mit vier Wickets. Der letzte Test der Serie endete in einem Remis, wodurch Pakistan seine erste Testserie gewann (mit 2–0).
1956 spielte Australien während seiner Südasientour erstmals ein Test Match gegen Pakistan, das der Gastgeber gewann. Es bowlte Australien im ersten Innings für 80 Runs aus. Als Pakistan für 199 Runs alle seine Wickets verlor, führte es mit 119 Runs. Im zweiten Innings bowlte Pakistan Australien für 187 Runs aus, nach Erreichen der nötigen 68 Runs gewann es schließlich mit neun Wickets. Fazal Mahmood brillierte auch diesmal mit seinem Bowling und nahm 13 Wickets für 114 Runs. 1958 besuchte Pakistan für eine Serie von fünf Tests erstmals die Karibik. Im ersten Test erzielte Pakistan ein Remis. Hanif Mohammad bewahrte seine Mannschaft vor einer Niederlage, nachdem sie im ersten Innings für 106 Runs ausgebowlt worden war und die West Indies zuvor 579 Runs erzielt hatten. Während der Aufholjagd für 473 Runs spielte Mohammad im längsten Test Match Innings von 970 Minuten und erzielte die entscheidenden 337 Runs. Die folgenden drei Test Matches gewannen die West Indies und im letzten Match erzielte Pakistan seinen ersten Sieg gegen diese Mannschaft mit einem Innings und einem Run. Diesmal trug Hanifs Bruder Wazir Mohammad 189 Runs zu Pakistans Ergebnis von 496 Runs in Antwort auf die 268 Runs der Gastgeber bei. Die West Indies wurden im zweiten Innings für 227 Runs ausgebowlt, der Seriensieg war ihnen jedoch mit 3–1 nicht mehr zu nehmen.
Unter Imran Khan zur Weltspitze mini|Der pakistanische Opening Batter Yasir Hameed erwartet ein Bowl von Australiens Brett Lee im Londoner Lord’s, 2004 mini|Pakistans Kapitän Imran Khan und der damalige pakistanische Premierminister Nawaz Sharif mit dem Benson & Hedges World Cup nach dem Sieg Pakistans beim Cricket World Cup 1992 Die Einführung des ODI-Crickets brachte auch für Pakistan neue Aspekte in das internationale Cricket. Das erste ODI bestritt es während der Neuseelandtour 1973 in Christchurch, es unterlag dem Gastgeber jedoch mit 22 Runs. Mit dem ODI-Cricket war die Einführung des Cricket World Cup verbunden. Während das Team beim Cricket World Cup 1975 noch in der Vorrunde ausschied, erreichte Pakistan bei den Turnieren 1979, 1983 und 1987 dreimal hintereinander das Halbfinale. Als Imran Khan 1982 Kapitän der Nationalmannschaft wurde, begann für Pakistan der Aufstieg zur Cricket-Weltspitze. Schon im zweiten Spiel der pakistanischen Englandtour 1982 im Lord’s führte er seine Mannschaft zum ersten Sieg auf englischem Boden in 28 Jahren.
Eines der ersten denkwürdigen Aufeinandertreffen mit Indien war das Finale des Australasia Cup 1986 in Schardscha in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Indien begann am Schlag und erzielte 245 Runs. Als dann Pakistan an der Reihe war, kam Javed Miandad als dritter Schlagmann des Teams ins Spiel und musste zusehen, wie seine Batting Partner in regelmäßigen Abständen ihre Wickets verloren. Als nur noch drei Over zu spielen waren und Pakistan nach wie vor 31 Runs für einen Sieg benötigte, schien Indien als der sichere Sieger festzustehen. Miandad wollte „mit Würde verlieren“, er spielte daher mehrere riskante Schläge und erzielte mehrere Boundaries in Folge. Als dann nur noch ein Ball zu spielen war, benötigte Pakistan noch immer vier Runs. Miandad gelang mit diesem letzten Ball von Chetan Sharma ein Sixer und er verhalf Pakistan so zu einem denkwürdigen Sieg. Seitdem gilt Javed Miandad in Pakistan als Volksheld.
1987 führte Khan seine Mannschaft zum ersten Testseriensieg in Indien, nachdem die ersten vier Tests in Remis geendet waren und Pakistan den fünften gewann. Darauf folgte der erste pakistanische Seriensieg in England. Dazu kamen in den 1980er Jahren drei achtbare Remis gegen die West Indies. Indien und Pakistan waren 1987 gemeinsame Gastgeber des Cricket World Cup, aber keine der beiden Mannschaften kam über das Halbfinale hinaus. Nach dem Ende des World Cups gab Khan seinen Rückzug vom internationalen Cricket bekannt. 1988 bat ihn der Präsident von Pakistans Mohammed Zia ul-Haq als Kapitän der Mannschaft zurückzukehren, dem er am 18. Januar 1988 nachkam. Kurz nach seiner Rückkehr als Kapitän führte Khan Pakistan durch eine erfolgreiche Tour in die West Indies, bei der er 23 Wickets in drei Test Matches erzielte.
Der Cricket World Cup 1992 in Australien und Neuseeland begann für Pakistan wankelmütig, nachdem es in der Vorrunde, in der alle neun teilnehmenden Mannschaften gegeneinander antraten, drei der acht Gruppenspiele verloren hatte. Als es gegen England nur 74 Runs erzielte, schien es so, als würde Pakistan bereits in der ersten Runde ausscheiden. Das Spiel musste allerdings aufgrund von Regen vorzeitig abgebrochen werden und wurde als unentschieden gewertet. Das Spiel gegen Australien erwies sich jedoch als Wendepunkt und Pakistan gewann alle weiteren Gruppenspiele, während Australien und Indien ausschieden. Im Halbfinale begann Neuseeland als Schlagmannschaft und erzielte 262 Runs. Pakistan schlug in seinem Innings konservativ, verlor aber Wickets in regelmäßigen Abständen. Mit dem Erscheinen von Imran Khan und Saleem Malik kurz hintereinander benötigte Pakistan noch 115 Runs bei einer Net Run Rate von 7.67 für den Sieg, und der Veteran Javed Miandad war der einzige bekannte Batter, der noch auf der Pitch übrig war. Der junge Inzamam-ul-Haq erzielte mit einem durchschlagenden Auftritt 60 Runs aus 37 Bällen. Nachdem Inzamam sein Wicket verloren hatte, benötigte Pakistan noch 36 Runs aus 30 Bällen und der Wicket-Keeper Moin Khan erzielte mehrere Boundaries. Das Spiel wurde schließlich aufgrund einer herausragenden Leistung des jungen Inzamam-ul-Haq gewonnen, der später jahrelang Kapitän der Nationalmannschaft sein sollte. Im Finale trafen mit England und Pakistan zwei Mannschaften aufeinander, die zuvor noch keinen Cricket World Cup gewonnen hatten. Pakistan erzielte in seinem Innings 249/6 und es gelang, England für 227 auszubowlen, womit es mit 22 Runs gewann. Kapitän Imran Khan, der das entscheidende letzte Wicket selbst genommen hatte, nahm die Trophäe schließlich in Empfang. Khan hatte seiner Mannschaft geraten, ab der Gruppenphase wie „in die Enge getriebene Tiger“ (cornered tigers) zu spielen, woraufhin sie alle folgenden Spiele gewann. Pakistans Titelgewinn blieb vor allem für den Wiederaufbau der Mannschaft nach dem Rücktritt von Schlüsselspielern wie Waqar Younis und Saeed Anwar, sowie dem Kapitän Imran Khan, der trotz Verletzung weiterspielte, in Erinnerung. Beim Cricket World Cup 1996, der in Indien, Pakistan und Sri Lanka ausgetragen wurde, unterlag das Team gegen den „Erzrivalen“ Indien im Viertelfinale, während es beim Cricket World Cup 1999 erst im Finale gegen Australien unterlag und beim Cricket World Cup 2003 in Südafrika bereits in der Gruppenphase ausschied. Dagegen gewann es beim Asia Cup 2000 in Bangladesch im Finale gegen Sri Lanka mit 39 Runs seinen ersten Titel bei diesem Turnier.
Auf und Ab in Turnieren mini|links|Test Match Indien gegen Pakistan im M. Chinnaswamy Stadium in Bengaluru, 2007 mini|hochkant|Pakistans Trainer Bob Woolmer starb während der Weltmeisterschaft 2007 mini|links|Wohltätigkeitsspiel Indien gegen Pakistan in den Vereinigten Arabischen Emiraten, 2007