mini|300x300px|Ochtendung von Westen Ochtendung ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Mayen-Koblenz in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Maifeld an, die ihren Verwaltungssitz in der Stadt Polch hat.
Geographie Geographische Lage Der Ort liegt oberhalb des Nettetals auf dem zur Vordereifel gehörenden Maifeld, dem südöstlichen Teil der Eifel.
Gemeindegliederung Zu Ochtendung gehören die Wohnplätze Achtwinkelhof, Alsingerhof, Emmingerhof, Flöcksmühle, Fressenhof, Heselermühle, „In den Wannen“, Korbsmühle, Häusergruppe Lohmühle, Münsterhof, Haus Oberholz, Oberwertsmühle, Sackenheimerhöfe (ehemaliger Ortsteil von Bassenheim), Haus Schleewiesenmühle, Steinstückhof, Waldorferhof und „Auf den Heselen“.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind Lonnig, Bassenheim, Plaidt, Kruft und Saffig.
Geologie Ochtendung liegt in einem ehemaligen Vulkangebiet. Die nahegelegenen erloschenen Vulkane Karmelenberg und Tönchesberg sowie die nördlich gelegene Wannengruppe zeugen von vulkanischer Aktivität in verschiedenen Zeiträumen.
Geschichte Ortsgeschichte Der Name des Ortes Ochtendung leitet sich aus dem Wort Thing, Ding, (Ochtendung von „of demo dinge“) ab. Ein Thing war zu früheren Zeiten der Begriff für ein Gericht, oder genauer gesagt: für den Ort, an dem Gericht gehalten wurde.
Kaiser Karl IV. verlieh Ochtendung am 8. Januar 1354 Frankfurter Stadtrecht. Im Jahr 1563 umfasste die Ortschaft unter dem Namen Ochtendunk 75 Feuerstellen, 1683 waren es 64. Landesherrlich gehörte sie bis Ende des 18. Jahrhunderts zum Kurfürstentum Trier und bildete zunächst einen eigenen Amtsbezirk mit Sitz auf der Burg Wernerseck, unterstand später aber der Verwaltung des Amtes Münster-Maienfeld. Trotz vorhandener Befestigungen wurde Ochtendung insbesondere im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648), aber auch bei weiteren Auseinandersetzungen, wiederholt verwüstet. Bei einem großen Brand im Jahr 1734 wurden große Teile des Dorfes zerstört. Betroffen war auch die alte St.-Martin-Kirche, sie wurde 1769 bis 1771 neu errichtet.
Im Jahr 1794 nahmen französische Revolutionstruppen das linke Rheinufer ein. Von 1798 bis 1814 gehörte Ochtendung zum Kanton Polch im Rhein-Mosel-Departement. Aufgrund der auf dem Wiener Kongress (1815) getroffenen Vereinbarungen wurde die Region dem Königreich Preußen zugeordnet. Unter der preußischen Verwaltung gehörte der Ort von 1816 an zum neu gebildeten Kreis Mayen im Regierungsbezirk Koblenz und damit ab 1822 zur Rheinprovinz.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Ochtendung innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Vorher eher landwirtschaftlich geprägt, begann wegen der verkehrsgünstigen Lage der Abbau der reichhaltigen Bims- und Lavavorkommen.
mini|Kirche St. Martin (2005) Die aus dem 18. Jahrhundert stammende St.-Martin-Kirche musste 1957 wegen zunehmender Bauschäden abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden, der 1958 konsekriert wurde.
Am 7. November 1970 wurde der Landkreis Mayen aufgelöst. Aus einem Teil des Kreises, zu dem auch Ochtendung gehörte, wurde zusammen mit dem größten Teil des ebenfalls aufgelösten Landkreises Koblenz der neue Landkreis Mayen-Koblenz gebildet.
Der wirtschaftliche Aufschwung führte in den vergangenen Jahrzehnten zur Ausweisung neuer Wohn- und Gewerbegebiete sowie zum Bau des Jakob-Vogt-Stadions (2003) und der Kulturhalle Ochtendung (2006).
Einwohnerentwicklung Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Ochtendung; die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:
mini|400px|Einwohnerentwicklung von Ochtendung von 1815 bis 2017 nach nebenstehender Tabelle
Jahr Einwohner 1815 980 1835 1.384 1871 1.824 1905 2.518 1939 2.966 1950 3.518 1961 3.712 Jahr Einwohner 1970 4.067 1987 3.910 1997 4.970 2005 5.228 2017 5.423 2019 5.460 2022 5.595
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Ochtendung besteht aus 22 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.
Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD CDU FDP FWG Ich tu’s Gesamt 2024 8 12 1 – 1 22 Sitze 2019 10 9 – – 3 22 Sitze 2014 10 9 – 2 1 22 Sitze 2009 11 7 – 2 2 22 Sitze 2004 9 10 – 2 1 22 Sitze FWG = Freie Wählergruppe Ochtendung e. V. Ich tu’s = Ich tu’s –DIE BÜRGER– Initiative e. V.
Bürgermeister Hans-Georg Hammes (CDU) wurde am 8. Juli 2024 Ortsbürgermeister von Ochtendung. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 hatte er sich mit einem Stimmenanteil von 56,9 % gegen seinen Amtsvorgänger durchgesetzt.
Sein Vorgänger Lothar Kalter (SPD) hatte das Amt am 26. Juni 2019 übernommen. Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 wurde er mit einem Stimmenanteil von 55,14 % für fünf Jahre gewählt und trat die Nachfolge von Rita Hirsch (SPD) an, die nach zehn Jahren im Amt nicht erneut kandidierte.Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz:
Wappen
Gemeindepartnerschaften Die Gemeinde unterhält Partnerschaften mit Caiazzo in Italien und La Chaussée-Saint-Victor in Frankreich.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Sehenswürdigkeiten mini|Tumulus von Ochtendung Burg Wernerseck Tumulus (römisches Grabmal) Kulturhalle Ochtendung Katholische Pfarrkirche Kirche St. Martin Rathaus Überrest der historischen Stadtmauer
Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Ochtendung
Siehe auch: Liste der Stolpersteine in Ochtendung
Tourismus Rad- und Skulpturenweg
Wirtschaft und Infrastruktur Bildung In der Ortsgemeinde ist die derzeit zweizügige Grund- und Ganztagsschule St. Martin angesiedelt. Zudem gibt es vier Kindergärten: Das Kinderhaus Regenbogen, die Kindertagesstätte Bienenhaus, die katholische Kindertagesstätte St.Martin und die Kindertagesstätte Krümelkiste. Letztere befindet sich im Gebäude der ehemaligen Hauptschule.
Verkehr Ochtendung liegt in der Nähe der A 48 sowie der A 61 und hat jeweils eine eigene Autobahnabfahrt.
Bis vor einigen Jahren begann die B 258 in Koblenz und führte über Ochtendung nach Mayen und dann weiter bis nach Belgien am Nürburgring vorbei. Der Teil zwischen Koblenz und Mayen wurde wegen der Nähe zur Autobahn 48 abgestuft; seitdem ist dies die L 98.
Die Gemeinde liegt an der ehemaligen Eisenbahnstrecke Koblenz-Lützel–Mayen Ost, die im Dezember 1983 für den Personenverkehr stillgelegt wurde. Nachdem die Trasse Richtung Polch bereits Jahre zuvor zum Bahntrassenradweg umgebaut worden war, wurden bis Juni 2019 auch die Gleise Richtung Bassenheim entfernt und der Maifeld-Radweg um 6,1 km verlängert.
Persönlichkeiten Söhne und Töchter von Ochtendung Carl Albrecht (1746–1833), römisch-katholischer Pfarrer, geboren auf dem Emminger Hof Johann Jakob Kraft (1808–1884), Weihbischof in Trier Jacob Peters (1842–1913), Gutsbesitzer und Politiker Peter Peters (1876–1922), preußischer Landrat Jakob Vogt (1902–1985), Gewichtheber Werner Peters (1906–1990), Landwirt und Politiker (CDU) Josef Rüber (1917–1977), Landwirt und Politiker (CDU) Manfred Pohlen (1930–2024), emeritierter Direktor der Klinik für Psychotherapie des Universitätsklinikums der Philipps-Universität Marburg
Walter Pauli (1953–1975), Polizist und Terroropfer Jürgen Weigt (* 1957), General der Bundeswehr Georg Hollmann (* 1957), Kommunalpolitiker (CDU) Peter Peters (* 1962), Journalist und Fußballfunktionär Harald Paganetti (* 1962), Professor an der Harvard Medical School, Boston
Mit Ochtendung verbunden Kristin Silbereisen (* 1985), Tischtennisspielerin Torsten Welling (* 1985), Politiker (CDU)
Sonstiges miniatur|Schädelkalotte von Ochtendung (Replik) Ein angeblich 1997 im Steinbruch Wannenköpfe bei Ochtendung entdecktes und insbesondere von Axel von Berg wissenschaftlich beschriebenes Schädeldach eines vermeintlichen NeandertalersAxel von Berg: Die Schädelkalotte eines Neandertalers aus dem Wannenvulkan bei Ochtendung, Kreis Mayen-Koblenz. Der älteste Mensch im Rheinland. Sonderdruck aus: Berichte zur Archäologie an Mittelrhein und Mosel. Band 5, 1997.Stefan Flohr, Reiner Protsch von Zieten, Axel von Berg: Morphological analysis of the neanderthal calotte from Ochtendung, Germany. In: Human Evolution. Band 19, Nr. 1, 2004, S. 1–18 doi:10.1007/BF02438906.Axel von Berg, Silvana Condemi, Manfred Frechen: Die Schädelkalotte des Neanderthalers von Ochtendung/Osteifel - Archäologie, Paläoanthropologie und Geologie. In: E&G – Quaternary Science Journal. Band 50, Nr. 1, 2000, doi:10.23689/fidgeo-1389. stammt laut einer im Jahr 2024 erfolgten C14-Datierung aus dem frühen Mittelalter.Verdacht auf weitere Manipulationen: Archäologie-Skandal in Koblenz weitet sich offenbar aus. Auf: swr.de vom 25. November 2024.
Literatur Manfred Rüttgers: Ortsfamilienbuch Ochtendung. (= Familien im Maifeld 7) Cardamina, Weißenthurm 2019; ISBN 978-3-86424-449-0
Quellen Human Evolution, 19,1 S. 1–8 (2004) (Zeitschrift) Terra Nostra, Schriften der GeoUnion Alfred-Wegener-Stiftung, 2006/2 (Kongresszeitschrift)
Weblinks
Internetpräsenz der Ortsgemeinde Ochtendung Heimatverein mit Bildergalerie Kulturhalle Ochtendung Ochtendunger Pfarrkirche St. Martin GenWiki Ochtendung
Einzelnachweise Wilhelm Fabricius: Erläuterungen zum geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz, 2. Band: Die Karte von 1789. Bonn 1898, S. 145, 155, 215/216. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahlen 2019, Stadt- und Gemeinderatswahlen
Kategorie:Ort im Landkreis Mayen-Koblenz