Gresgen () ist ein Ortsteil der Stadt Zell im Wiesental im Landkreis Lörrach in Baden-Württemberg. Die bis 1974 eigenständige Gemeinde hat rund 480 Einwohner. Ihr Ortskern liegt etwa 2,5 km westlich des Zeller Stadtkerns. Die 706 Hektar große Gemarkung von Gresgen erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung auf dem Bergrücken zwischen den Tälern der Wiese und der kleinen Wiese. Gresgen wurde 1113 erstmals urkundlich erwähnt und gehörte im Gegensatz zu allen anderen Zeller Orts- und Stadtteilen zur protestantischen Markgrafschaft Baden-Durlach und nicht zum katholischen Vorderösterreich.
Geografie Geografische Lage Gresgen ist der westlichste Ortsteil der Stadt Zell im Wiesental und liegt auf einer Hochebene im Bergland, das das Obere Wiesental vom Tal der Kleinen Wiese trennt, und damit im Süden des Naturparks Südschwarzwald. Der Ortskern liegt auf ,Landkreis Lörrach. Band II, S. 893. zur Gemarkung gehören außerdem der hohe Rümmelesbühl und weitere Erhebungen, die sich bis auf fast erstrecken.
Gresgen grenzt im Westen an den Ortsteil Tegernau der Gemeinde Kleines Wiesental, im Süden an den Schopfheimer Ortsteil Enkenstein, im Süden und Osten an Hausen im Wiesental, im Osten an die Kernstadt Zell, im Nordosten an den Zeller Ortsteil Adelsberg und im Norden an Elbenschwand (Gemeinde Kleines Wiesental). Gleichzeitig bildet die Hauptstraße durch Gresgen einen Pass zwischen dem Kleinen und Großen Wiesental.
Geologie und Klima mini|Die Bergkuppe des Rümmelesbühls ist als Naturdenkmal geschützt.
Der Ort liegt im Gebiet der Wasserscheide zwischen der Wiese und ihrem Nebenfluss, der Kleinen Wiese. Der Untergrund von Gresgen ist mit karbonischenRegierungspräsidium Freiburg/Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau: Rohstoffbericht Baden-Württemberg 2006 -Gewinnung, Verbrauch und Sicherung von mineralischen Rohstoffen, Freiburg i. Br., S. 32. Online verfügbar auf . magmatischen Gesteinen aufgebaut, wobei Malsburger Granit dominiert (siehe auch Geologie der Stadt Zell). Die besiedelte Fläche ist geprägt von ausgedehnten, in der Zeit des Paläozoikum entstandenen Rumpfflächen, die die Anlage größerer Äcker erlaubten und damit eine frühe Besiedlung begünstigten. Weiterhin für die Landschaft prägend waren die Gletscher der Riß-Eiszeit: Am Übergang zwischen Kleinem und Oberen Wiesental kam es zu einer Transfluenz der Gletscher, deswegen befinden sich vor allem in Gresgen und dem benachbarten Adelsberg größere Mengen von Geschiebe.
Klimatisch macht sich die Höhendifferenz von rund 300 Metern gegenüber Zell bemerkbar. So beginnt die Apfelblüte in den Bergorten wie Gresgen in der Regel erst Mitte Mai und damit rund eineinhalb Wochen später als im Tal. Auch ist die Niederschlagsmenge gegenüber der Zeller Kernstadt höher, die durchschnittlichen Temperaturen sind etwas niedriger.Landkreis Lörrach. Band II, S. 884–887.
Naturlandschaft
Auf Gresger Gemarkung gibt es zwei Naturdenkmale, die Bergkuppe des Rümmelesbühls und eine Weidbuche im Erlenboden.Datenauswertebögen zu END 83361030003 und FND 83361030006, abgerufen am 16. Juni 2012 vom
Geschichte mini|Gresgen mit Nikolauskirche, Gemälde von Ernst Schleith Gresgen wurde in einer Urkunde vom 7. April 1113 erstmals urkundlich erwähnt, als der Edle Walcho von Waldeck seinen Besitz an das Kloster St. Blasien verschenkte und dabei auch das Dorf Greskon nannte.Die eigentliche Urkunde ist heute nicht mehr vorhanden, es bestehen lediglich Abschriften einer deutschen Übersetzung; für diese siehe unter anderem Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, Band 2, 1851, S. 194 () oder das Urkundenbuch St. Blasien, Urkunde Nr. 95. Gresgen war damals wahrscheinlich schon länger besiedelt. Der wohl von Grasinchoven herrührende Ortsname deutet auf eine Besiedlung im 9. oder 10. Jahrhundert hin.Landkreis Lörrach. Band II, S. 921. Die Besiedlung erfolgte wohl ungefähr zur gleichen Zeit wie in Wieslet und Tegernau.Hugo Ott: Studien zur spätmittelalterlichen Argrarverfassung im Oberrheingebiet, Stuttgart, 1970, S. 165.
Im 13. Jahrhundert erfolgten weitere urkundliche Erwähnungen, meistens zugunsten des Klosters St. Blasien. Am 11. August 1260 verkauften Ulrich von Kienberg und seine Söhne Hartmann und Heinrich ihren Besitz bei Gresgen („Graissichon“) und um Schönau an das Kloster St. Blasien.Urkundenbuch St. Blasien, Urkunde Nummer 411. Die erste urkundliche Erwähnung einer Kirche in Gresgen war am 20. Dezember 1267, als das Kloster Wettingen einen Teil seiner Besitztümer verkaufte, sich dabei jedoch unter anderem die Rechte über die Kirche in Gresgen („Creschen“) vorbehielt.Rudolf Wackernagel, Rudolf Thommen: Urkundenbuch der Stadt Basel. Band 1, Basel, 1890, Urkunde Nr. 495; (). 1278 schenkten Dietrich und Adelheid von Rotenberg, einer Seitenlinie der Herren von Rötteln, ihren Besitz dem Kloster St. Blasien. Genannt wurden dabei auch zwei Höfe in Graeslingen, womit ebenfalls Gresgen gemeint sein könnte.Urkundenbuch St. Blasien, Urkunde Nr. 531; für die Zuordnung und ihre Umstrittenheit siehe dort Anmerkung 2.
Das Patronat des Klosters Wettingen über die Gresger Kirche endete, als die Pfarrei Höllstein mit ihren Filialen Nordschwaben und Gresgen ebenfalls zum Kloster St. Blasien kam, was vor 1307 erfolgt sein muss.Landkreis Lörrach. Band II S. 923. Etwa zur gleichen Zeit gab es eine Adelsfamilie, die sich nach dem Ort von Gressekon nannte, allerdings nur zwischen 1289 und 1305 in Urkunden auftrat.Landkreis Lörrach. Band II, S. 922; für die Nennung von 1289, siehe Joseph Dambacher: Urkunden zur Geschichte der Grafen von Freiburg (Nachträge zum 13. Jahrhundert. Fortsetzung). In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. Band 11, 1860, S. 379 f. (Google Books).
Das Kloster St. Blasien und vor allem seine Propstei Weitenau wurden damit zu einem wichtigen Grundbesitzer in Gresgen. Gemäß dem Weitenauer Urbar von 1344 hatte die Propstei 151 Jauchert als Lehen vergeben, daneben bestand ein Zinshof unbekannter, aber beträchtlicher Größe.Hugo Ott: Studien zur spätmittelalterlichen Argrarverfassung im Oberrheingebiet, Stuttgart, 1970, S. 163–166. Die Vogtei der Propstei Weitenau lag seit spätestens 1361 bei den Markgrafen von Hachberg.Michael Buhlmann, Benediktinisches Mönchtum im mittelalterlichen Schwarzwald (= Vertex Alemanniae, Heft 10/1–2), St. Georgen 2004, online auf michael-buhlmann.de.
Nach dem Aussterben der Hachberger 1503 kam die Landeshoheit über die Weitenauer Gebiete und damit auch Gresgen an die Markgrafen von Baden. Spätestens ab Mitte des 16. Jahrhunderts gehörte Gresgen zur Vogtei des benachbarten Tegernau und wurde von dort aus auch verwaltet.Landkreis Lörrach. Band II, S. 922. Bei der badischen Erbteilung 1535 kam Gresgen an Baden-Durlach, dessen Markgraf Karl II. 1556 die Reformation einführte. Dies rief in Gresgen zunächst Widerstand hervor: Ein Teil der Bevölkerung weigerte sich, die protestantischen Gottesdienste in Tegernau zu besuchen und ging lieber ins benachbarte, habsburgisch-vorderösterreichische und damit katholisch gebliebene Zell zur Kirche. Dies änderte sich erst nach strengen Strafandrohungen durch den Markgrafen.Fräulin: Neue Geschichte der Stadt Zell. S. 270, Landkreis Lörrach, Band II, S. 923.
1695 ist in Gresgen erstmals eine Winterschule nachgewiesen, die anfangs eine Filiale der Schule in Tegernau war. 1712 wurden einige Ausbesserungen an der Gresger Kirche vorgenommen, doch bereits 1763 war sie wiederum so baufällig, dass ein Neubau erforderlich wurde. Eine weitere Umgestaltung erfolgte 1790.Landkreis Lörrach. Band II, S. 923. 1770 wurde im Ort eine erste Gastwirtschaft eingerichtet und 1784 folgte die zweite, der noch bestehende Löwen.Landkreis Lörrach. Band II, S. 924; Fräulin: Neue Geschichte der Stadt Zell. S. 271.
mini|Karte von Gresgen (1879) Um 1700 erhielt Gresgen einen eigenen Vogt, ein halbes Jahrhundert später einen Stabhalter. Zur Durchsetzung der vom Stabhalter ausgesprochenen Strafen wurde 1795 ein „Bürgerhäuslein“ errichtet.Landkreis Lörrach. Band II, S. 922 f.
Durch den Frieden von Pressburg fiel Vorderösterreich an Baden, das 1806 Großherzogtum wurde. Dadurch entfiel auch die Grenzlage Gresgens zwischen Baden und Österreich. In den folgenden Jahrzehnten blühte im Wiesental und vor allem in Zell die Textilindustrie auf. Diese beschränkte sich jedoch auf die an den Wasserläufen im Tal gelegenen Gemeinden (neben Zell beispielsweise Hausen, Atzenbach oder das am Angenbach gelegene Rohmatt), höher gelegene Orte wie Gresgen blieben weiter stark landwirtschaftlich geprägt. Zahlreiche Bewohner Gresgens fanden jedoch Arbeit in den Zeller Spinnereien und Webereien.Fräulin: Neue Geschichte der Stadt Zell. S. 304. In Zell wurde 1898 die Sparkasse Zell gegründet (heute Sparkasse Schopfheim-Zell). Gresgen schloss sich ihr 1928 an und wurde Gewährträgergemeinde. Eine erste Zahlstelle wurde 1973 im Obergeschoss des Gresger Rathauses eingerichtet, einige Jahre später wurde das Untergeschoss in eine komplette Zweigstelle umgebaut.Fräulin: Neue Geschichte der Stadt Zell. S. 360.
mini|Gresgen: seit 1974 ein Teil vonZell im Wiesental Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs marschierten französische Truppen durch Gresgen und von dort nach Zell, das am 25. April 1945 besetzt wurde.Fräulin: Neue Geschichte der Stadt Zell. S. 180. Die Franzosen waren in der Folge auch die Besatzungsmacht in Südbaden.
1954 bauten die Vereine gemeinsam eine Festhalle für sportliche, kulturelle und familiäre Veranstaltungen. 1968 folgte das neue Schulgebäude. Am 1. Oktober 1974 wurde Gresgen im Zuge der baden-württembergischen Verwaltungsreform nach Zell im Wiesental eingemeindet. 1980/81 wurde die evangelische Dorfkirche renoviert und 1999 die zu klein gewordene Festhalle durch ein neues Bürgerzentrum als Mehrzweckhalle ersetzt. Es beherbergt auch die Ortsverwaltung, die Feuerwehr und einen Schlachtraum.Fräulin: Neue Geschichte der Stadt Zell. S. 270 f. Auch die Sparkasse verlegte ihre Filiale dorthin. 2006 wurde das Nordic Walking Zentrum Zeller Bergland mit einer Gesamtlänge von 29,4 Kilometern eingeweiht, ein Großteil davon liegt auf Gresger Gemarkung.Badische Zeitung vom 18. September 2006: Nordic-Walking-Zentrum Zeller Bergland offiziell eröffnet, zitiert auf Freiburg-Schwarzwald.de, des Nordic Walking Zentrum Zeller Bergland.
Bevölkerung und Religion Bevölkerung Der Anstieg der Bevölkerung im 18. Jahrhundert ließ auch die Anzahl der Häuser von 32 im Jahr 1752 auf 46 im Jahr 1813 ansteigen.
Die Zahl der Einwohner Gresgens entwickelte sich wie folgt:Für 1720, 1813Landkreis Lörrach. Band II, S. 921 und 923.Für 1852–1970: Bevölkerungsentwicklung: Gresgen, zuletzt aufgerufen am 9. Mai 2019Für 1990: Landkreis Lörrach. Band II, S. 884.Für 2017: auf dem Internetauftritt der Stadt Zell i.W.
Jahr Einwohner 1720 166 1813 321 1852 373 1871 435 1880 409 1890 423 1900 435 1910 470 1925 399 Jahr Einwohner 1933 365 1939 365 1950 394 1956 370 1961 378 1970 428 1990 423 2017 480 2024 455
Religion Durch die Zugehörigkeit zur Markgrafschaft Baden-Durlach wurde die Reformation 1556 auch in Gresgen eingeführt. Da anders als in Zell oder Hausen keine Industriearbeiter zuzogen, blieb es dabei. 1895 betrug der Anteil der Katholiken nur 3 % der Bevölkerung.Landkreis Lörrach. Band II, S. 898.
Die schon vor der Reformation bestehende seelsorgerische Anbindung an Tegernau blieb erhalten, Gresgen gehört zur Evangelischen Kirchengemeinde Neuenweg, Tegernau und Wies. Diese ist Teil der Region Schopfheim im Evangelischen Kirchenbezirk Markgräflerland der Evangelischen Landeskirche in Baden.
Die Zugehörigkeit zu den Religionsgemeinschaften verteilte sich in der Vergangenheit wie folgt:Religionszugehörigkeit 1858 und 1925: Gresgen, zuletzt aufgerufen am 9. Mai 2019Religionszugehörigkeit: Gresgen, zuletzt aufgerufen am 9. Mai 2019
Religionszugehörigkeit in Gresgen Jahr Religion evangelisch katholisch sonstige 1858 98,7 % 1,3 % 0 % 1925 97,0 % 0,3 % 2,8 % 1950 95,9 % 3,0 % 1,0 % 1961 91,5 % 6,1 % 2,4 % 1970 93,9 % 4,2 % 1,9 %
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