mini|270px|Michaeliskirche in Larrieden
Larrieden ist ein Gemeindeteil der Stadt Feuchtwangen im Landkreis Ansbach (Mittelfranken, Bayern). Die Gemarkung Larrieden hat eine Fläche von 8,639 km². Sie ist in 1107 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 7804,07 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Heiligenkreuz, Oberhinterhof und Unterhinterhof.
Geografie Das Pfarrdorf liegt am rechten Ufer der Wörnitz. Der Bachgraben mündet im Ort als rechter Zufluss in die Wörnitz, der Mühlgründleinsgraben als linker Zufluss. Nordwestlich des Ortes grenzt das Starkfeld an, 0,5 km südwestlich liegt das Waldgebiet Hardhölzlein, 0,5 km nördlich liegt das Erlfeld. Die Kreisstraße AN 5 führt nach Tribur (1,7 km nördlich) bzw. zur Kreisstraße AN 42 (2 km südlich) bei Schopfloch. Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Heiligenkreuz (1,4 km nordöstlich) und nach Oberhinterhof (1,4 km südwestlich).
Es gibt fünf Eichen und eine Linde, die als Naturdenkmäler klassifiziert wurden.
Geschichte Ursprünglich waren die Grafen von Oettingen die Lehnsherren des Ortes. Im Jahr 1252 wurde ein „Otto de Lavrieden“ urkundlich erwähnt. Dieser war oettingischer Ministeriale und hatte seinen Stammsitz in Larrieden. Um 1352 saß Friedrich von Lerpaur darauf. Über den weiteren Verbleib des Herrensitzes ist nichts bekannt. Die Landeshoheit ging später an das ansbachische Oberamt Feuchtwangen über.A. Steichele: Das Bisthum Augsburg historisch und statistisch beschrieben, Bd. 3, S. 493.G. Stieber: Historische und topographische Nachricht von dem Fürstenthum Brandenburg-Onolzbach, S. 545. Im Jahr 1732 bestand der Ort aus 31 Anwesen mit 33 Mannschaften. Grundherren waren Feuchtwangische Ämter: das Stiftsverwalteramt Feuchtwangen: 1 Halbhof mit Taberngerechtigkeit, 1 Gütlein mit Backrecht, 6 Gütlein; das Stadtvogteiamt Feuchtwangen: 1 Mahlmühle, 1 Gütlein mit Backrecht, 2 Gütlein mit Schmiederecht; das Kastenamt Feuchtwangen: 1 Halbhof mit Taberngerechtigkeit (die Abgaben gingen an die Pfarrei Larrieden); das Kastenamt Crailsheim: 1 Gütlein; 1 Gütlein, dessen Abgaben an die Pfarrei Mariäkappel gingen; das oettingen-spielbergische Oberamt Dürrwangen: 1 Wirtschaft mit oettingischer Zollstätte, 1 Anwesen mit Bäckerei, 2 Gütlein; die Reichsstadt Dinkelsbühl: 1 Hof, 2 Höfe mit doppelter Mannschaft, 2 Halbhöfe, 7 Gütlein. Außerdem gab es noch 1 Kirche, 1 Pfarrhaus, 1 Schulhaus und 2 Hirtenhäuser.Nach der Vetterischen Beschreibung des Oberamtes Feuchtwangen von 1732 (s. a. Larrieden (Grundherrschaft) auf der Website geschichte-feuchtwangen.de). Gegen Ende des Alten Reiches gab es nur noch 29 Haushalte, von denen 10 feuchtwangisch waren.J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken, Bd. 3, Sp. 279. Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Feuchtwangen.
1806 kam Larrieden an das Königreich Bayern. Mit dem Gemeindeedikt (frühes 19. Jahrhundert) wurde der Steuerdistrikt Larrieden gebildet, zu dem Oberhinterhof und Unterhinterhof gehörten. Wenig später entstand die Ruralgemeinde Larrieden mit den Orten Heiligenkreuz, Oberhinterhof und Unterhinterhof. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Feuchtwangen und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Feuchtwangen zugeordnet (1919 in Finanzamt Feuchtwangen umbenannt). Ab 1862 gehörte Larrieden zum Bezirksamt Feuchtwangen (1939 in Landkreis Feuchtwangen umbenannt) und von 1943 bis 1973 zum Finanzamt Dinkelsbühl, seit 1973 zum Finanzamt Ansbach. Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 8,642 km². Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde diese am 1. Januar 1972 nach Feuchtwangen eingemeindet.
Insbesondere im Feuchtwanger Raum, in den Tälern von Wörnitz und Sulzach war der Glaube an Druden und Hexen stark verwurzelt. Dieses wird durch die Tatsache belegt, dass noch 1679 die aus Larrieden stammende 70-jährige Bäuerin Marie Krauß nebst deren Stieftochter und Stiefsohn gefangen nach Feuchtwangen abgeführt wurden. Drei Buben von 5, 7 und 9 Jahren hatten im Nachschwätzen von den Alten gehörtes abergläubisches Zeugs gesagt: die Kraußin und ihre Stiefkinder hätten sie auf einer Gabel zu Hexentänzen mitgenommen, in Wölfe, dann wieder in Menschen verwandelt usw. Es wurden viele Verhöre angestellt, bei denen sich der ehrlose Stiefsohn lügnerischer Weise zu all dem abergläubischen Blödsinn bekannte, dessen man ihn beschuldigte und zugleich Stiefmutter und Schwester schwer belastete. Er gedachte, auf diese Weise besser davonzukommen. Da beide Frauen bei der Leugnung dessen, wes man sie anklagte, blieben, wendete man sich an die Rechtsgelehrten der Universität Tübingen, wohin ein eigener Bote geschickt wurde. Und diese Herren, die selbst den ganzen abergläubischen Wahn für bare Münze nahmen, begutachteten, dass die Kraußin und ihre Stieftochter Margarete der Folter zu unterziehen seien.Aus einem im Schlosse zu Thürnhofen befindlichen handschriftlichen Bande von Rechtsgutachten der juristischen Fakultät in Tübingen. Übrigens wurde in Würzburg noch 1749 die siebzigjährige Nonne Renata Seeger wegen angeblicher Zauberei enthauptet und dann verbrannt. Wolfgang Wenzel, die letzten 120 Jahre der Weltgeschichte, Band 1, Seite 59. Die Folterqualen erpressten auch von beiden das erwünschte Schuldgeständnis und so wurden beide auf dem Feuchtwanger Kühwasen als Hexen lebendig verbrannt. Es war der letzte Hexenprozess im Fürstentum Ansbach.Kirchenrat und Dekan i. R. Wilh. Schaudig: Geschichte der Stadt und des ehemaligen Stifts Feuchtwangen, Verlag Sommer & Schorr, Feuchtwangen 1927.Unter einem Drud verstand man ein Wesen, welches sich nachts auf die Brust von Schlafenden setzt und dadurch Alpträume sowie Beklemmung und Atemnot verursacht. Druden sollen meist alt und hässlich sein, es wären überwiegend Frauen, die dazu verdammt sind, sich jede Nacht ein Opfer zum Drücken suchen zu müssen. Dazu könnte sich ihre Seele vom Körper lösen und als Geist durch kleinste Spalten und Schlüssellöcher in ein Zimmer dringen und dann in verschiedener Gestalt erscheinen.Der Ort wurde/wird deshalb auch als Druden-Larreden bezeichnet.
Baudenkmäler In Larrieden gibt fünf Baudenkmäler: Evangelisch-lutherische Pfarrkirche St. Michael, Chorturmkirche, Turm 1760-70, Langhausneubau und Einrichtung 1910; mit Ausstattung; Friedhof, Anlage wohl des 18./19. Jahrhundert, mit Grabsteinen; Friedhofsmauer, Quadermauer, 18./19. Jahrhundert, 1910 wohl verändert. Steinkreuz, mittelalterlich; am Ortseingang Richtung Tribur. Haus Nr. 20: Pfarrhaus, zweigeschossiger giebelständiger Satteldachbau, 1849. Haus Nr. 25: Lehrerhaus, zweigeschossiger traufständiger Satteldachbau, mit Ecklisenen und Geschossgliederung, 1849. Steinweiherfeld: Steinkreuz, mittelalterlich; ca. 1200 m außerhalb des Ortes Richtung Tribur.
Einwohnerentwicklung Gemeinde Larrieden Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970 Einwohner 345 388 406 393 391 398 414 416 412 399 395 370 373 374 385 377 384 351 337 426 407 384 321 310HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahr 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 1987 als Wohngebäude. 71 65 75 79 77 76 72 73 73 Quelle Für die Gemeinde Larrieden zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Althinterhof (S. 5), Heiligenkreuz (S. 38) und Neuhinterhof (S. 63).
Ort Larrieden Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 Einwohner 231 257 250 273 281 249 264 290 210 209 187Häuser 43 41 52 50 47 48 48 53 Quelle
Religion Der Ort ist Sitz der Pfarrei St. Michael und seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt. Die Einwohner römisch-katholischer Konfession sind nach St. Ulrich und Afra (Feuchtwangen) gepfarrt.
Vereine Evangelische Landjugend (ELJ) Freiwillige Feuerwehr Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Posaunenchor Kriegerverein Schützenverein Lange Rute (Fischereiverein)
Söhne und Töchter des Ortes Gustav Aufhammer (1899–1988), Pflanzenbauwissenschaftler und Pflanzenzüchter Konrad Porzner (1935–2021), Politiker (SPD), Staatssekretär und Präsident des Bundesnachrichtendienstes Erwin Porzner (* 1936), Handballspieler und Handballtrainer
Literatur
Weblinks
Fußnoten
Kategorie:Geographie (Feuchtwangen) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Ansbach) Kategorie:Ersterwähnung 1252 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971 Kategorie:Ort an der Wörnitz Kategorie:Gemarkung im Landkreis Ansbach