mini|hochkant=1.7|St.-Antonius-Kirche mit vorgelagertem Querschiff mini|Innenansicht mini|Kirche 1921 mini|Kirche innen 1921 Die römisch-katholische St.-Antonius-Kirche in Egg ZH ist eine dem heiligen Antonius von Padua geweihte Wallfahrtskirche. Auf Grund ihrer Bedeutung für katholische Pilger wird sie auch „Klein-Padua am Pfannenstiel“tagesanzeiger.ch, Tages-Anzeiger vom 31. Januar 2012; abgerufen am 31. März 2012. genannt. Neben der Kirche Maria Lourdes in Zürich-Seebach ist St. Antonius Egg die einzige katholische Wallfahrtskirche im traditionell reformierten Kanton Zürich.

Geschichte Vorgeschichte Die mittelalterliche Kirche von Egg wird im Jahr 858 erstmals urkundlich erwähnt, als Landolt seinen Anteil an der basilica ekka mit dem Kloster St. Gallen gegen einen Besitz in Höngg austauscht. In den Jahren 1340–1350 wurde an Stelle der ersten Kirche ein neuer Bau im gotischen Stil errichtet, der im Jahr 1743 einem neu erbauten Langhaus weichen musste; der gotische Turm wurde allerdings beibehalten. Als es im Jahr 1524 in Zürich zur Reformation kam, wurde auch in Egg die Kirche fortan für reformierte Gottesdienste weiterverwendet. Der katholische Kult war in darauf im Kanton Zürich bis 1807 verboten.Bischöfliches Ordinariat Chur (Hrsg.): Schematismus. S. 203.

Als im 18. Jahrhundert die Niederlassungsfreiheit eingeführt wurde, zogen infolge der Industrialisierung auch wieder Katholiken in den Kanton Zürich. Das Toleranzedikt von 1807 erlaubte zunächst in der Stadt Zürich wieder katholische Gottesdienste. Als 1862 das Kloster Rheinau aufgehoben wurde, bestätigte das sogenannte Erste zürcherische Kirchengesetz neben Zürich auch in Winterthur, Rheinau und Dietikon eine katholische Kirchgemeinde (die letzten beiden Orte waren traditionell katholische Orte). Weitere Kirchgemeinden wurden jedoch nicht öffentlich-rechtlich anerkannt, weshalb die Gründung weiterer Pfarreien auf privat- und vereinsrechtlicher Basis vorgenommen werden musste. Mit Hilfe von Fördervereinigungen wie dem Piusverein (gegründet 1857) und der Katholischen Gesellschaft für inländische Mission (gegründet 1863) entstanden ab den 1860er Jahren in kurzer Folge etliche Seelsorgestationen und spätere Pfarreien im Kanton Zürich: Männedorf (1864), Gattikon-Thalwil/Langnau (1864), Horgen (1865), Pilgersteg-Rüti/Wald (1866), Wald und Bubikon (1873), Uster (1876), Langnau (1877), Rüti (1878), Wädenswil (1881), Bülach (1882), Wetzikon (1890), Bauma (1894), Adliswil (1894), Pfungen (1895), Dübendorf (1897) und Küsnacht (1901). So kam es, dass um 1900 im Kanton Zürich bereits 20 katholische Pfarreien existierten, darunter auch die Pfarrei Uster, von der St. Antonius Egg eine Tochterpfarrei ist.Christian Renfer: Katholische Kirche Bülach. S. 4–5.Peter Niederhäuser und Flurina Pescatore: St. Peter und Paul. Die Mutterkirche von Katholisch-Winterthur. S. 7–17.

Entstehungs- und Baugeschichte Die hölzerne Kirche wurde 1921 nach Plänen des Architekten Joseph Löhlein errichtet und am 30. Oktober 1921 eingesegnet. Da der Architekt bereit war, zu günstigerem Preis zu bauen, wenn die Kirche seinem Lieblingspatron gewidmet werde, wurde die neu erbaute Kirche anders als ursprünglich geplant nicht dem Heiligsten Herzen Jesu, sondern dem heiligen Antonius von Padua benediziert. Im Jahr 1925 erfolgte der Bau des alten Pfarrhauses nördlich von der Kirche, sodass ein Seelsorger vor Ort wohnen konnte. Der Bischof erhob daraufhin die Gemeinde zu einer Pfarrei und trennte sie von der Mutterpfarrei Herz-Jesu Uster ab.Bischöfliches Ordinariat Chur (Hrsg.): Schematismus. S. 203. Aufgrund der einsetzenden Wallfahrt nach Egg wurde die ursprünglich kleine Holzkapelle stetig erweitert. 1933 verlängerte man das Kirchenschiff gen Westen und baute eine Empore ein, sodass das Gotteshaus anstatt 150 neu 300 Personen Platz bot. Da auch dies nicht genügte, baute man 1939 ein Querschiff an (zunächst Aula genannt). Auf diese Weise verhinderte man den Abriss des als Wallfahrtskirche beliebten Gotteshauses. Als sich in den 1980er Jahren zeigte, dass die Kirche in einem schlechten baulichen Zustand war, fand im Jahr 1988 ein Wettbewerb unter fünf eingeladenen Architekten für die Instandsetzung der Kirche sowie für die Ergänzung des bestehenden Baus um ein Kirchgemeindezentrum statt. Diesen Wettbewerb konnte der Schweizer Architekt Miroslav Šik für sich entscheiden. Da die Kirchgemeinde zunächst noch das zweite Gotteshaus, die Kirche St. Franziskus in Maur-Ebmatingen bauen musste, konnte erst im Jahr 1991 mit den Vorbereitungen für den Bau des Pfarreizentrums und der Instandsetzung der Egger Kirche begonnen werden., Bauten-Liste von Miroslav Sik; abgerufen am 31. März 2012. Am 15. Mai 1994 erfolgte der Spatenstich für das Kirchgemeindezentrum, das am 3. September 1995 bezugsbereit war. Im neu erstellten grossen Saal wurde daraufhin die Wallfahrt weitergeführt, damit die Kirche einer Totalsanierung unterzogen werden konnte. Diese erfolgte von 1995 bis 1997 nach den Plänen von Miroslav Šik.bi.id.ethz.ch, Curriculum Vitae von Prof. Miroslav Sik an der ETH Zürich; abgerufen am 31. März 2012. Für die Ausführung des Bauvorhabens waren die Architekten IttenBrechbühl verantwortlich. Nach dem Abschluss der Baumassnahmen erfolgte die Weihe der Kirche am 23. März 1997 durch Weihbischof Peter Henrici., Katholisches Pfarrblatt; abgerufen am 31. März 2012. Da sich inzwischen herausgestellt hatte, dass auch das Pfarrhaus eine schlechte Bausubstanz aufwies, wurde dieses im Jahr 2001 durch einen Neubau nach Plänen des Architekten Studer ersetzt.

Gegenüber der Kirche wurde 1931 das Antoniusheim (heute ein Gasthof) und 1933 ein Haus für die Jugend unter dem Namen Jugendhort mit kleinem Saal und Zimmer gebaut. Dieses wurde nach dem Bau des Pfarreizentrums nach 1994 zum Teil zurückgebaut und enthält heute im Wesentlichen den Devotionalienladen. Südlich von der Kirche steht das heutige Pfarrhaus, nördlich von ihr befindet sich das ursprüngliche, erste Pfarrhaus. Als Dank für den überstandenen Zweiten Weltkrieg wurde im Jahr 1945 hinter der Kirche im Freien ein Friedensaltar errichtet., Tabellarischer Überblick der Pfarreigeschichte (Quelle: Antonius Pfarrei Egg).

Zur Pfarrei Egg gehören auch die politischen Gemeinden Oetwil am See und Mönchaltorf. In beiden Gemeinden werden regelmässig katholische Gottesdienste in der reformierten Kirche abgehalten (in Oetwil seit 1967, in Mönchaltorf seit 1976). Die katholische Pfarrei Egg betreibt in Mönchaltorf zudem einen Kirchgemeinderaum im sog. Mönchhof, der 1988 eingeweiht wurde und für den Religionsunterricht und pfarreiliche Anlässe verwendet wird.Website der Pfarrei, Abschnitt Artikel zur Eröffnung Pfarreiraum in Mönchaltorf. Abgerufen am 26. Januar 2014. Ebenso hat die Kirchgemeinde in Oetwil am See im Zentrum Mühlegg einen ökumenisch genutzten Saal sowie zwei Zimmer. Diese Räume wurden 1995 eingeweiht.Archiv der Pfarrei.

Neben der Pfarrei St. Antonius Egg gehört auch das Pfarrvikariat St. Franziskus (Maur-Ebmatingen) zur Kirchgemeinde Egg. Das Pfarrvikariat Maur wurde nach dem Bau der dortigen Kirche im Jahr 1990 gegründet und ist für die Gemeinde Maur samt Ebmatingen und Forch zuständig. In Forch finden in der Kapelle des Zollingerheims regelmässig Gottesdienste statt.Website des Pfarrvikariats Maur. Abgerufen am 26. Januar 2014. Die Kirchgemeinde Egg ist mit ihren 6'685 Mitgliedern (Stand 2021) eine der grösseren katholischen Kirchgemeinden des Kantons Zürich.Katholische Kirche des Kantons Zürich (Hrsg.): Jahresbericht 2021. S. 104.

Die Wallfahrt mini|Hochaltar mit Antonius-Statue 1926 Die Wallfahrt zum Hl. Antonius in Egg geht auf die wundersame Genesung von Anton Bolte zurück, dem ersten Pfarrer der Gemeinde. Er hatte von den Ärzten nur noch zwei bis drei Jahre Lebenszeit prognostiziert bekommen. Pfarrer Bolte gelobte, dass er sich ganz für die Seelsorge nach dem Vorbild des Hl. Antonius und der Verehrung dieses Heiligen widmen würde, wenn ihm der Hl. Antonius dazu die Kraft verleihe. Entgegen der ärztlichen Prognose lebte Pfarrer Bolte weitaus länger, sodass er bis zu seinem Tod während 27 Jahren in Egg als Seelsorger tätig sein konnte. Pfarrer Bolte erfüllte daraufhin sein Gelöbnis und begründete die Wallfahrt zum Hl. Antonius in Egg., Tabellarischer Überblick der Pfarreigeschichte (Quelle: Antonius Pfarrei Egg), abgerufen am 31. März 2012. Im Jahr 1926 pilgerte eine Gruppe aus Egg nach Rom zu Papst Pius XI. Dieser überreichte den Pilgern aus Egg eine Antonius-Reliquie aus Padua mit dem Auftrag, der Pfarrer möge sie den Gläubigen auflegen und diese damit segnen.Römisch-katholische Kirchgemeinde und Pfarrkirchenstiftung Egg ZH (Hrsg.): Einweihung der Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Antonius und Eröffnung des Pfarreizentrums St. Antonius. S. 43. Im Jahr 1927 wurde dann ein Kunstschlosser infolge einer Gebetserhörung von Blutvergiftung geheilt., Tabellarischer Überblick der Pfarreigeschichte (Quelle: Antonius Pfarrei Egg). Die Nöte und Anliegen der katholischen Bevölkerung in den darauf folgenden Krisen- und Kriegsjahren förderten die Wallfahrt nach St. Antonius Egg weiter, sodass diese stetig zunahm. So kamen 1933 bereits 70.000 Pilger nach Egg, 1942 waren es 200.000. Zudem entschieden sich zahlreiche Hochzeitspaare, in dieser Kirche unter dem Schutz des Hl. Antonius zu heiraten, sodass die Trauungen von 3 im Jahr 1926 auf 130 im Jahr 1934 und auf 402 im Jahr 1948 anstiegen. Heute sind es jährlich noch ca. 20.000 Menschen, die nach St. Antonius Egg pilgern.tagesanzeiger.ch, Tages-Anzeiger vom 31. Januar 2012; abgerufen am 19. April 2018. Die Popularität der Antoniuskirche Egg als Wallfahrtsort reiht sich in eine für das 20. Jahrhundert in dieser Region typische Ausweitung der Antoniusverehrung ein. Zahlreiche Votivtafeln, dargebracht aus Dank für erhörte Gebete, zeugen von der Bedeutung der Kirche als Pilgerstätte.tagesanzeiger.ch, Tages-Anzeiger vom 31. Januar 2012. Abgerufen am 1. April 2012. Auch der 2012 amtierende Pfarrer der Kirche berichtete in einem Fernsehinterview von Wunderheilungen an Antonius-Pilgern als Gebetserhörungen.[], Schweiz Aktuell vom 23. März 2012 19:00; angerufen von SF Videoportal am 1. April 2012.

Baubeschreibung Kirchturm und Äusseres mini|Portal der Kirche Im Jahr 1921 war die aus Holz erbaute Kirche kleiner als heute und wies statt des Glockenturms lediglich einen Dachreiter auf. Als die Wallfahrt immer grösser wurde, erweiterte man die Kirche im Jahr 1933: Man verlängerte das Gotteshaus nach Osten, baute eine Empore ein und errichtete die heutige Kerzennische als Taufkapelle. Anstelle des Dachreiters entstand südlich der Kirche der heutige Glockenturm. 1939 wurde die Kirche nach Osten erweitert, sodass hinter dem Hochaltar ein zusätzlicher Raum entstand, in dem der Taufstein aufgestellt wurde; die bisherige Taufkapelle konnte dadurch als St. Antonius-Kapelle umgewidmet werden, in der heute die Kerzen angezündet werden. Ebenfalls 1939 entstand das Querschiff, das ursprünglich als Aula bezeichnet wurde. Der Raum zwischen dem Querschiff und dem Glockenturm wurde mit einer Mauer eingefasst, sodass ein Innenhof entstand.Website der Pfarrei, Abschnitt Anfänge. Abgerufen am 26. Januar 2014.

Ein Jahr nach seinem Bau erhielt der Kirchturm seine heutigen Glocken. Das dreistimmige Geläute, die in der Giesserei Fritz Hamm in Staad bei Roschach gegossen wurden, weihte der Bischof von Chur, Laurenz Matthias Vincenz, am 31. Mai 1934. Im Turm befindet sich darüber hinaus noch eine vierte Glocke. Sie war ursprünglich im Dachreiter aufgehängt gewesen. Sie wurde 1863 gegossen und trägt die Inschrift: Die Neugeborenen rufe ich zur Taufe, die verstorbenen Kleinen in das Grab. Diese vierte Glocke kann von der Orgelempore aus mittels eines Seils geläutet werden.Hermann Würsch: Geschichte von Katholisch Egg bei Zürich. S. 20 und 33.