Als Pink Slime ( für rosa Schleim, auch Schlamm oder Pampe) bezeichnet man umgangssprachlich einige industriell hergestellte Produkte aus Rindfleischsorten, die mit Konservierungsmitteln haltbar gemacht werden. Als Handelsbezeichnung wird „mageres, fein strukturiertes Rindfleisch“ (engl. , LFTB) verwendet.Joel L. Green: Lean Finely Textured Beef: The “Pink Slime” Controversy, S. 5f., Congressional Research Service, April 2012, (PDF), abgerufen am 6. Juni 2014

Ursprung Das Produkt LFTB wurde im Jahr 1991 durch das Unternehmen Beef Products, Inc., USA, erfunden, die zusätzliche Behandlung mit Ammoniak im Jahr 1994.

Der Ausdruck Pink Slime geht auf den Mikrobiologen Gerald Zirnstein zurück, der im Auftrag des US-Landwirtschaftsministeriums diese Erzeugnisse 2002 untersuchte und 2004 diesen Begriff in persönlichen Nachrichten verwendete. Im Jahr 2009 berichtete die New York Times im Rahmen von Fragen zur Lebensmittelsicherheit darüber und stellte fest, dass sowohl Fast-Food- als auch Lebensmittelketten in den USA es als Bestandteil ihres Rinderhacks nutzten.Michael Moss: Safety of Beef Processing Method Is Questioned, The New York Times, 30. Dezember 2009, abger. 2. August 2018 Nachdem der TV-Koch Jamie Oliver dies in einer seiner Sendungen beschrieb und vereinfacht darstellte, wurde der Begriff auf verschiedenen Wegen, wie z. B. weiteren TV-Sendungen und Berichten in sozialen Netzwerken, bekannt. Durch einen Bericht von ABC TV kam es 2012 zu Umsatzeinbrüchen von 80 % und zur Entlassung von über 50 % der Belegschaft bei Beef Products, Inc. AFA Foods, ein wichtiger Zulieferer von LFTB-haltigen Rinderhackfleisch für Schulkantinen, musste kurze Zeit nach dem ABC-TV-Bericht Insolvenz anmelden.

Verfahren besteht ursprünglich – wie der Name besagt – aus Rindfleisch, das Verfahren ist jedoch auch für andere Fleischarten geeignet. Zur Herstellung verwendet man Produktionsreste wie Abschnitte, sonst unverkäufliches Fleisch und Separatorenfleisch. Dieses wird mechanisch zerkleinert und die Fleischfasern werden vom Fett getrennt. Die Fasern ähneln danach in Farbe und Konsistenz zerteiltem Hackfleisch aus Muskelfleisch.

Anschließend wird die Masse mit Ammoniak behandelt. Das Gas löst sich in dem im Fleisch enthaltenen Wasser und es entsteht Ammoniakwasser. Dadurch steigt der pH-Wert des Fleischs und tötet Pathogene ab bzw. reduziert diese auf eine nicht mehr nachweisbare Konzentration. Diese Behandlung ist in erster Linie gegen Kolibakterien (O157:H7), aber auch gegen Salmonellen gerichtet. Nach dieser Behandlung wird es schockgefroren und kann anschließend mit Hackfleisch vermischt werden.

Verwendung

Durch die geringen Herstellungskosten wurde Pink Slime häufig zur erlaubten Streckung von Hackfleisch verwendet, das anschließend als Rohware im Handel angeboten wurde oder zubereitet als Hackfleischgerichte wie Hamburger, Frikadellen und Saucen in der Systemgastronomie und Gemeinschaftsverpflegung (z. B. Schulspeisung). Durch die Kennzeichnungspflicht und das Einsatzverbot von Separatorenfleisch vom Rind ist Pink Slime in der EU kaum verbreitet. Nach der allgemeinen Publizierung und der breiten Kritik in der Bevölkerung haben viele Anwender den Einsatz in der Lebensmittelproduktion beendet.

Kritik Es besteht durch die Behandlung mit Ammoniak die Möglichkeit, vorhandene erhöhte bakterielle Belastungen einschließlich der daraus resultierenden Geruchsentwicklung wirksam zu eliminieren und somit auch Fleisch beginnenden oder fortgeschrittenen Verfalls dem Verarbeitungs- und Verkaufsprozess noch zuzuführen – zumal wenn dieses mit anderem Fleisch vermischt wird. Gemäß New York Times stellte sich in einer langen Bilanz aus Qualitätskontrollen sowohl durch staatliche Organisationen als auch das Produkt abnehmenden Unternehmen heraus, dass mit Ammoniak behandeltes Hackfleisch betreffend E. Coli und Salmonellen relativ häufiger Kontaminationen aufwies. Dies resultierte aus dem Zwiespalt, dass bei entsprechend hohen Dosen an Ammoniak und somit starker mikrobiologischer Wirksamkeit auch unangenehme Ammoniakgerüche am Produkt auftraten, bei entsprechend erniedrigten Dosen jedoch deutlich häufiger mikrobiologische Kontaminationen. Als ein Kritikpunkt wird das verwendete tierische Material häufig als Schlachtabfall bezeichnet, was jedoch nicht dessen gesetzlicher Definition entspricht. Ebenso wird der Einsatz von Ammoniak als Konservierungsmittel von Pink Slime kritisiert. Befürworter weisen darauf hin, dass es ein zugelassener Lebensmittelzusatzstoff (E527) ist. Insbesondere die häufige Verwendung als Wasch- und Reinigungsmittel wird als Argument für die Untauglichkeit in der Lebensmittelherstellung genannt.

Zitate Die Nahrungsmittelexpertin Marion Nestle sagte über Pink Slime:

Gerald Zirnstein, Mikrobiologe des United States Department of Agriculture, schrieb in einer E-Mail von 2002 an Kollegen:

Der britische Fernsehkoch Jamie Oliver sagte:

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Fleischerzeugnis