Der Große Preis von Großbritannien 1976 (offiziell XXIX John Player Grand Prix) fand am 18. Juli auf dem Brands Hatch Circuit in Fawkham statt und war das neunte Rennen der Automobil-Weltmeisterschaft 1976.

Berichte Hintergrund miniatur|links|hochkant=1.3|Niki Lauda im Ferrari 312T2 miniatur|links|hochkant=1.3|Brett Lunger im Surtees TS19 miniatur|links|hochkant=1.3|Gunnar Nilsson im Lotus 77 Entsprechend dem jährlichen Wechsel mit dem Silverstone Circuit, wo der Britische Grand Prix des Vorjahres ausgetragen worden war, fand das Rennen 1976 wieder in Brands Hatch statt, wo in der Zwischenzeit im Zuge der Verbesserung der Sicherheit mehrere leichte Umbauten vorgenommen worden waren.

Einige Gaststarter ergänzten das übliche Teilnehmerfeld. Darunter befand sich mit der Debütantin Divina Galica auch erstmals seit dem Auftaktrennen der Saison in Brasilien wieder eine Frau. Da auch Lella Lombardi am Steuer eines der beiden Kunden-Brabham des Teams RAM Racing in die Liste der Teilnehmer zurückkehrte, waren an diesem Wochenende zum ersten und bislang einzigen Mal in der Geschichte der Formel 1 zwei Frauen gleichzeitig für einen Grand Prix gemeldet. Mike Wilds wurde für sein Heimrennen ein privater Shadow DN3 zur Verfügung gestellt. Bob Evans kam am Steuer des zweiten Brabham des RAM-Teams zu seinem einzigen Einsatz in dieser Saison.

Während Chris Amon ins Cockpit des Ensign-Teams zurückkehrte, reduzierten die Teams Walter Wolf Racing und Copersucar-Fittipaldi ihr Engagement aus Kostengründen auf jeweils nur ein Fahrzeug.

In der Fahrerwertung führte Niki Lauda mit 26 Punkten vor Patrick Depailler und James Hunt. In der Konstrukteurswertung führte Ferrari mit 18 Punkten vor Tyrrell und mit 23 Punkten vor McLaren.

Mit Emerson Fittipaldi (zweimal) und Jody Scheckter (einmal) traten zwei ehemalige Sieger zu diesem Grand Prix an.

Training Lauda sicherte sich im Ferrari 312T2 die Pole-Position vor Hunt im McLaren M23 und Mario Andretti im stetig konkurrenzfähiger werdenden Lotus 77. Clay Regazzoni komplettierte im zweiten Ferrari die zweite Startreihe vor Depailler im Tyrrell P34 und Amon, der mit dem Ensign N176 abermals eine überzeugende Trainingsleistung zeigte. Unter den vier Wagen, die die Top Ten komplettierten, befanden sich drei der vier Werks-March.

Neben Wilds scheiterten beide teilnehmenden Damen sowie Jacky Ickx an der Qualifikation für einen der 26 Startplätze. Für Ickx war dies der letzte Einsatz für das Team Wolf-Williams. (Motorsportarchiv.de; abgerufen am 17. März 2012)

Rennen Die beiden in Führung liegenden Ferrari kollidierten unmittelbar nach dem Start in der ersten Kurve, was zu einem Dreher Regazzonis führte. Hunt versuchte, diesem auszuweichen, was jedoch nicht gelang. Sein McLaren verlor nach der Berührung mit dem Ferrari kurz den Bodenkontakt, ein Überschlag blieb jedoch aus. Jacques Laffite prallte in die Streckenbegrenzung, nachdem er ebenfalls mit dem entgegen der Fahrtrichtung ausgerichteten Wagen von Regazzoni kollidiert war. Der Rest des Feldes passierte die Unfallstelle ohne Probleme. Dennoch entschied sich die Rennleitung aufgrund der zahlreich auf der Strecke liegenden Trümmerteile, das Rennen mit der roten Flagge abzubrechen. Unterdessen fuhr Hunt mit beschädigter Aufhängung zu seiner Box und benutzte auf diesem Weg eine Abkürzung.

Während der Unterbrechung herrschte Uneinigkeit darüber, ob Regazzoni und Laffite, die beide unverletzt geblieben waren, mit ihren jeweiligen Ersatzautos zum Neustart antreten durften, obwohl sie zum Zeitpunkt des Rennabbruchs bereits ausgeschieden waren. Beide Teams entschieden sich für eine erneute Teilnahme. Hunts Wagen konnte noch vor dem Neustart repariert werden, wurde jedoch aufgrund der von Hunt gewählten Abkürzung auf dem Weg zu den Boxen als nicht mehr startberechtigt eingestuft. Begünstigt durch lautstarke Proteste der anwesenden Zuschauer erhielt Hunt schließlich dennoch von der Rennleitung die erneute Startberechtigung.

Beim zweiten Startversuch, bei dem sich ebenfalls Lauda an der Spitze behaupten konnte, gelangten die ersten Wagen ohne Probleme durch die ersten Kurven. Im hinteren Teil des Feldes kollidierten jedoch Evans und Guy Edwards sowie Depailler und Hans-Joachim Stuck. Für Edwards und Stuck bedeutete dies das Ende des Rennens.

Die Rangfolge an der Spitze mit Lauda vor Hunt, Regazzoni, Jody Scheckter und Ronnie Peterson blieb während der ersten Runden konstant, bis Peterson hinter Vittorio Brambilla zurückfiel. Dieser ließ in der 15. Runde an der Box neue Reifen montieren, sodass der fünfte Rang von Arturo Merzario eingenommen wurde. Durch die technisch bedingten Ausfälle Regazzonis und Brambillas sowie das weitere Zurückfallen Petersons gelangte Gunnar Nilsson auf den vierten Rang vor Tom Pryce.

Aufgrund von Getriebeproblemen wurde Lauda in der zweiten Hälfte des Rennens langsamer. Hunt holte auf, überholte den Österreicher in Runde 45 und gewann das Rennen schließlich mit deutlichem Vorsprung vor diesem. Scheckter kreuzte die Ziellinie als Dritter und John Watson, begünstigt durch den Ausfall Nilssons, als Vierter.

Nach dem Rennen legte Ferrari Protest gegen Hunts Sieg ein, da dieser eigentlich nicht mehr am Neustart hätte teilnehmen dürfen. Der Protest wurde zunächst abgelehnt. Eine endgültige Entscheidung fiel jedoch erst rund zwei Monate später im September 1976: Lauda wurde nachträglich zum Sieger des Rennens erklärt und Hunt disqualifiziert. Die Teilnahme von Regazzoni und Laffite am Neustart wurde im Nachhinein als ebenfalls unrechtmäßig beurteilt. Da beide das Rennen jedoch ohnehin nicht beendet hatten, blieb dies ohne Auswirkungen.

Meldeliste Team Nr. Fahrer Chassis Motor Reifen 1 Ferrari 312T2 Ferrari 015 3.0 F12 2 3 Tyrrell P34 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 4 5 Lotus 77 6 7 Brabham BT45 Alfa Romeo 115-12 3.0 F12 8 9 March 761 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 10 34 35 11 McLaren M23 12 Shellsport/Whiting 13 Surtees TS16 16 Shadow DN5B 17 18 Surtees TS19 19 20 Williams FW05 22 Ensign N176 24 Hesketh 308D 25 26 Ligier JS5 Matra MS73 3.0 V12 28 Penske PC4 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 30 Copersucar FD04 32 Brabham BT44B 33 38 Surtees TS19 Team P.R. Reilly 40 Shadow DN3

Klassifikationen Startaufstellung Pos. Fahrer Konstrukteur Zeit Ø-Geschwindigkeit Start 1 1:19,35 190,866 km/h 1 2 1:19,41 190,722 km/h 2 3 1:19,76 189,885 km/h 3 4 1:20,05 189,197 km/h 4 5 1:20,15 188,961 km/h 5 6 1:20,27 188,678 km/h 6 7 1:20,29 188,631 km/h 7 8 1:20,31 188,584 km/h 8 9 1:20,32 188,561 km/h 9 10 1:20,36 188,467 km/h 10 11 1:20,41 188,350 km/h 11 12 1:20,61 187,882 km/h 12 13 1:20,67 187,743 km/h 13 14 1:20,67 187,743 km/h 14 15 1:20,99 187,001 km/h 15 16 1:21,03 186,909 km/h 16 17 1:21,20 186,517 km/h 17 18 1:21,30 186,288 km/h 18 19 1:21,42 186,013 km/h 19 20 1:21,84 185,059 km/h 20 21 1:22,06 184,563 km/h 21 22 1:22,47 183,645 km/h 22 23 1:22,72 183,090 km/h 23 24 1:22,75 183,024 km/h 24 25 1:22,76 183,001 km/h 25 26 1:22,76 183,001 km/h 26 DNQ Da das Teilnehmerfeld auf 26 Wagen begrenzt war, scheiterten Ickx, Galica, Wilds und Lombardi an der Qualifikation. 1:23,32 181,771 km/h – DNQ 1:25,24 177,677 km/h – DNQ 1:25,66 176,806 km/h – DNQ 1:27,08 173,923 km/h – Anmerkungen

Rennen Pos. Fahrer Konstrukteur Runden Stopps Zeit Start Schnellste Runde 1 76 0 1:44:19,66 1 1:19,91 (41.) 2 76 0 + 16,18 8 1:20,76 (40.) 3 75 1 + 1 Runde 11 1:20,32 (56.) 4 75 0 + 1 Runde 20 1:21,39 (55.) 5 75 0 + 1 Runde 19 1:21,55 (55.) 6 74 0 + 2 Runden 21 1:21,95 (54.) 7 73 0 + 3 Runden 23 1:23,74 (42.) 8 73 1 + 3 Runden 16 1:21,51 (25.) 9 70 0 + 6 Runden 24 1:23,20 (30.) – 67 0 DNF 14 1:21,43 (57.) – 60 4 DNF 7 1:21,21 (43.) – 55 0 DNF 18 1:21,08 (54.) – 47 1 DNF 5 1:20,51 (47.) – 46 0 DNF 15 1:21,90 (36.) – 39 0 DNF 9 1:20,49 (38.) – 24 1 DNF 22 1:24,63 (14.) – 22 1 DNF 10 1:21,65 (19.) – 16 0 DNF 26 1:25,60 (14.) – 8 0 DNF 6 1:23,04 (7.) – 4 0 DNF 3 1:24,12 (3.) – 1 0 DNF 12 2:08,06 (1.) – 0 0 DNF 17 – – 0 0 DNF 25 – DSQ Die Rennleitung gab bekannt, dass Fahrer nur dann am Neustart des Rennens teilnehmen dürften, wenn sie in ihrem ursprünglichen Wagen saßen. Regazzoni und Laffite nahmen den Neustart in Ersatzwagen an. Einige Quellen führen Regazzoni und Laffite als „disqualifiziert“, andere hingegen als „ausgeschieden“. 36 0 DNF 4 1:20,89 DSQ 31 0 DNF 13 1:21,65 DSQ Hunt wurde zwei Monate nach dem Rennen disqualifiziert. 76 0 2 (1:19,82) Anmerkungen

WM-Stände nach dem Rennen Die ersten sechs des Rennens bekamen 9, 6, 4, 3, 2 bzw. 1 Punkt(e). Es zählten nur die besten sieben Ergebnisse aus den ersten acht Rennen und die besten sieben Ergebnisse aus den letzten acht Rennen. In der Konstrukteurswertung zählte nur das Ergebnis des bestplatzierten Fahrers eines Teams.

Fahrerwertung Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte 1 Ferrari 61 2Tyrrell-Ford 30 3 Tyrrell-Ford 26 4 McLaren-Ford 26 5Ferrari 16 6 McLaren-Ford 107Penske-Ford 10 8Ligier-Matra 10 9 Shadow-Ford 7 10March-Ford 611Brabham-Alfa Romeo 412Surtees-Ford 4 13 Lotus-Ford 414Lotus-Ford / Parnelli-Ford 315Copersucar-Ford 3 16Brabham-Alfa Romeo 317Ensign-Ford 218Shadow-Ford 0 Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte19Hesketh-Ford 0 20Wolf-Williams-Ford 021March-Ford 0 22Boro-Ford 0 23March-Ford 0 24Wolf-Williams-Ford 0 25Lotus-Ford / March-Ford 026Wolf-Williams-Ford 027Lotus-Ford 0 28Copersucar-Ford 0 29Surtees-Ford 0 30Brabham-Ford 0 31March-Ford 032Hesketh-Ford 033Brabham-Ford 0 –B.R.M. 0 –Tyrrell-Ford 0–Surtees-Ford 0

Konstrukteurswertung Pos. Konstrukteur Punkte 1 64 2 433 324 105 106 77 68 6 9 6 Pos. Konstrukteur Punkte10 4 11 312 213 1 14 015 016 017 0– 0 Einzelnachweise

Weblinks

Rennergebnis auf der offiziellen Website der Formel 1

#1976 Großbritannien Kategorie:Sportveranstaltung im Sevenoaks District