Der Flughafen Ben Gurion (; oft als Akronym NaTBaG, ; , ) ist Israels wichtigster und größter Flughafen. Gelegentlich wird auch die Bezeichnung Flughafen Tel Aviv verwendet. Der Ben-Gurion-Flughafen ist der Heimatflughafen der israelischen Fluggesellschaft El Al.

Der Flughafen wurde 1935 als Lydda Airport in Betrieb genommen.Israel Airline Museum, Chapter 1 – From Flying Camels to Flying Stars: Israel Reborn (1917–1948), Airport Development Under the British (englisch), abgerufen am 6. Juni 2020 Nach der Staatsgründung Israels erhielt er 1948 den Namen Lod International Airport nach dem rund 10 km südlich gelegenen Ort Lod. Im Jahr 1975 wurde der Flughafen nach David Ben-Gurion benannt, dem ersten Ministerpräsidenten Israels.

Geschichte mini|Blick 1935 vom Flugfeld auf den ersten Terminalbau in Bau mit (links) Baubüro der John P. Mitchell & L. Rolin Builders

Die Anfänge

Die Start- und Landebahnen sowie das Terminal 1 des Flughafens wurden bereits zur Zeit des britischen Mandats in den 1930er Jahren angelegt. Im Jahr 1935 begannen die Bauarbeiten, wobei zunächst zwei Schotterpisten fertiggestellt wurden. Am 3. August 1935 nahm Misr Airwork mit Flugzeugen des Typs De Havilland DH.89 Dragon Rapide eine Linienverbindung von Kairo über den neuen Lydda Airport nach Nikosia auf. Bis April 1937 waren vier Betonpisten fertiggestellt, die jeweils 800 m lang und 100 m breit waren. Sie wurden kurz darauf auf 1100 m verlängert. Die Fertigstellung der Start- und Landebahnen ermöglichte damaligen Großflugzeugen das Landen auf dem Flughafen.

Als erstes europäisches Unternehmen flog die polnische LOT den Flughafen ab dem 4. April 1937 mit Douglas DC-2 von Warschau an. Palestine Airways nahm ihren Betrieb am 11. August 1937 auf und war die erste Fluggesellschaft, die den Lydda Airport als Heimatflughafen nutzte. Die niederländische KLM flog den Flughafen ab 1938 als Zwischenstopp auf ihrer Route von Amsterdam nach Batavia an. Im selben Jahr richtete auch die rumänische LARES eine Linienverbindung nach Lydda ein. Eine der wichtigsten Strecken war die von der britischen Imperial Airways beflogene Verbindung von London über Lydda nach Bombay. Ende des Jahres 1937 wurde mit dem Bau eines Hangars für die Großflugzeuge der Imperial Airways begonnen. Dieser Hangar wurde mit Unterstützung eines deutschen Unternehmens errichtet. Noch heute wird er von der Fluggesellschaft El Al genutzt. Im Oktober 1938 eröffnete die Royal Air Force mit der RAF Station Lydda eine Luftwaffenbasis auf dem Flughafen.Air of Authority - A History of RAF Organisation, RAF Lydda (englisch), abgerufen am 6. Juni 2020

Während des Zweiten Weltkrieges Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde der Flughafen Lydda zivil hauptsächlich für Regionalflüge genutzt sowie bis Juni 1940 weiterhin von Imperial Airways beziehungsweise BOAC und bis 1942 von KLM und Misr Work angeflogen. Im selben Jahr mussten auch alle regionalen Linienverbindungen beendet werden.Israel| Airline Museum, Chapter 1 – From Flying Camels to Flying Stars: Israel Reborn (1917–1948), The Impact of World War II (englisch), abgerufen am 6. Juni 2020 Die RAF Station Lydda wurde 1943 vorübergehend unter Kontrolle der United States Army Air Forces gestellt und die vier Landebahnen von 1100 m auf 2000 m verlängert. Das US Air Transport Command baute dort via Ägypten oder den Iraq angelieferte zerlegte Militärflugzeuge zusammen, die vom Flughafen im Rahmen des Luftkriegs dann nach Italienisch-Libyen und dem Italienischen Dodekanes ausschwärmten.

Ende des Weltkrieges und Abzug der Briten Ab 1944 wurde der Flughafen auch wieder zivil genutzt. Im Jahr 1946 eröffnete Trans World Airlines eine Linienverbindung zwischen den USA und Israel.

Ende April 1948 verließen die Briten die RAF Station Lydda. Nur die lokalen arabischen Kräfte und Soldaten der transjordanischen Arabischen Legion blieben innerhalb der Grenzen des Flughafens. Israelische Verteidigungsstreitkräfte nahmen den Flughafen Lydda am 10. Juli 1948 ein und das Verkehrsministerium eröffnete den Betrieb wieder. Die gräzisierte Namensvariante Lydda in der Bezeichnung des Flughafens wich dem hebräischen Ortsnamen, womit der Flughafen Lod International Airport genannt wurde.

El Al eröffnete im Juli 1949 eine Fluglinie nach Paris über Rom. Während des ersten Jahres der Unabhängigkeit Israels passierten rund 40.000 Fahrgäste den Flughafen Lod.

mini|David Ben-Gurion schreitet auf dem Flugfeld eine Ehrenformation ab vor Terminalgebäude, 7. Juni 1951

Gründung der Arkia und starke Expansion Im Jahr 1950 begann Arkia Inlandsflüge von Lod nach Eilat, Machanayim und Haifa. Während des Winters 1951/1952 wurde das Passagierterminal um 36.000 Quadratmeter erweitert und die Start- und Landebahn wurde auf 2400 Meter verlängert. Die Passagierkapazität erhöhte sich auf 100.000 Passagiere pro Monat. Im Jahre 1953 wurde ein Unternehmen gegründet, das Hunderte von zivilen und militärischen Flugzeugen wartete.

Im Oktober 1955 eröffnete El Al Verbindungen nach Nairobi und Johannesburg und damit die ersten direkten Flugverbindungen von Tel Aviv zum afrikanischen Kontinent.

mini|Terminalgebäude mit aufgestocktem neuen Tower über dem verblendeten alten, November 1966 Die ersten Strahlflugzeuge Im April 1960 wurden Linienverbindungen mit Strahlflugzeugen eingeweiht, darunter British-European-Airways-Flüge nach London und Athen. Im Januar 1961 weihte El Al die erste Übersee-Linie nach New York mit einer gecharterten Boeing 707 ein. Die Anzahl der ausländischen Fluggesellschaften stieg stark. Deshalb wurden die Start- und Landebahnen auf den Betrieb von modernen Jets angepasst.

mini|Terminal mit aufgestocktem Tower hinter Anbauten zur Erweiterung, 1969 Bis Mitte der 1960er Jahre beflogen 14 Fluggesellschaften internationalen Strecken von Tel Aviv aus. Im Gegensatz dazu übertrug die Flughafenverwaltung die Inlandsflüge auf den Flugplatz Sde-Dov im Norden Tel Avivs. Schon damals begannen die ersten Pläne für den Ausbau des Terminals.

Nach dem Sechstagekrieg fand eine beeindruckende Zunahme des Luftverkehrs statt und zahlreiche weitere Fluggesellschaften flogen den Flughafen an.

Im Jahr 1969 wurde das nationale Passagierterminal eingeweiht.

mini|El Als erster Jumbo im Anflug über dem Terminal mit Anbauten von 1969, 2. Juni 1971 Erster Jumbo Im Jahr 1970 landete der erste Jumbo-Jet auf dem Flughafen. Im Sommer 1971 begann El Al ihre regelmäßigen Flüge mit Großraumflugzeugen. Im Jahr 1972 kam es zum Massaker am Flughafen Lod durch japanische Terroristen. Während des Jom-Kippur-Krieges, der im Oktober 1973 ausbrach, kam es zu einem starken Rückgang des zivilen Luftverkehrs, dafür aber zu einer Erhöhung des Frachtaufkommens, weil die militärische Ausrüstung zum Flughafen gebracht wurde.

mini|250px|Überführung der sterblichen Überreste der in und bei München ermordeten israelischen Olympioniken, westlich des Terminals, 7. September 1972 Umbenennung Im Dezember 1973 starb David Ben-Gurion, der erste Premierminister Israels. Nach seinem Tod beschloss die Regierung die Benennung des Flughafens nach ihm als ein Symbol der Wertschätzung für sein Lebenswerk. Der Flughafen Lod heißt seitdem Flughafen Ben-Gurion.

Technische Ausbauten und Jubiläum In den 1980er Jahren nahm der Passagierverkehr am Flughafen zu. Das Terminal-Gebäude wurde erweitert, ein neuer Kontrollturm wurde gebaut und die Radaranlagen wurden verbessert. In diesen Jahren fanden eine Reihe von abwechslungsreichen Veranstaltungen am Flughafen statt (z. B. Luftfahrt-Ausstellungen). Aus Anlass des 50. Jahrestages des Flughafens wurde eine Jubiläumsbriefmarke von der Post im Juli 1986 herausgegeben.

Die 1990er und das neue Terminal 3 Zu Beginn der 1990er Jahre erlebte der Flughafen eine große Einwanderungswelle aus der Sowjetunion. Im Zuge des Anstiegs der Passagierzahlen und der Luftfracht auf dem Flughafen begann die Behörde mit der Planung für die Errichtung eines neuen Terminals. Im Januar 1994 traf die Regierung Israels die Entscheidung für die Errichtung des Terminals 3. Im Rahmen dessen rüstete es sich für das dritte Jahrtausend. Am 25. Oktober 1998, etwa 5 Jahre nach der Entscheidung für die Errichtung des zusätzlichen Terminals, wurde der Grundstein für das Terminal 3 gelegt.

mini|Gepäckausgabe in einem der Terminals, 2009 Der Flughafen heute Die Fertigstellung des Terminals 3 fand im November 2004 statt, die gleichzeitig gebaute Eisenbahnverbindung nach Tel Aviv ist bereits seit Oktober 2004 in Betrieb.

Lage und Verkehrsanbindung mini|Bahnsteig des Flughafenbahnhofs mini|Empfangshalle Der Flughafen Ben Gurion liegt östlich von Tel Aviv an der Haupt-Nationalstraße 1 nach Jerusalem; auf der Straße beträgt die Entfernung nach Tel Aviv etwa 20 Kilometer, Jerusalem ist etwa 50 Kilometer entfernt.

Seit Oktober 2004 besteht eine Schnellzugverbindung nach Tel Aviv, die den Flughafen an das Schienennetz der israelischen Eisenbahn 'Rakkevet Israel' anschließt und auch Reisen über die Hauptlinie nach Haifa und Nahariyya ermöglicht. Es besteht außerdem eine Reihe von Busverbindungen der Gesellschaft Egged, unter anderem nach Jerusalem. Seit dem 22. Dezember 2019 verkehrt der Hochgeschwindigkeitszug zwischen Tel Aviv (Bahnhof HaHagana) und Jerusalem (Bahnhof Yitzhak Navon) bzw. per Verzweigung nach Modiʿin (seit 2008) mit Stopp am Ben Gurion Flughafen. Derzeit verkehrt die Bahn im 30-Minuten-Takt, künftig alle 20 Minuten. Weitere Stationen kamen 2020 hinzu (Bahnhof Tel Aviv haSchalom, Bahnhof Tel Aviv Savidor Merkaz, Bahnhof Herzliah)."First direct trains between Jerusalem and Tel Aviv commence operation". In: Jerusalem Post, am 23. Dezember 2019 abgerufen. (englisch)

Für Reisende stehen zusätzlich Sammeltaxis, so genannte Scherutim, zur Verfügung. Die Scherutim fahren an jeden Ort in Israel und sind deutlich günstiger als normale Taxis, allerdings lassen die Fahrer die Reisenden nicht an der jeweiligen Wunschadresse aussteigen, sodass man Umwege in Kauf nehmen muss.

Gemeindefreier Flughafenbezirk Der Flughafenbezirk bildet ein gemeindefreies Gebiet im israelischen Zentralbezirk. Es gibt keine Wohnbevölkerung und entsprechend keine wahlberechtigten Bürger, weshalb es keine gewählte für das Gebiet zuständige Behörde gibt. Stattdessen vertritt und verwaltet die regierungsseitig besetzte Flughafenbehörde RaSa"T das Gebiet.Moscheh Gorali () und Tomer Hadar (), “” (21. November 2017), auf: כלכליסט; abgerufen am 2. Oktober 2024.

Da es auch keiner kommunalen Daseinsvorsorge bedarf, wird auch keine Kommunalsteuer () erhoben.Scharon Qedmi (), “” (23. Februar 2003), auf: (Globes); abgerufen am 2. Oktober 2024. Entsprechend sind Unternehmen im Flughafenbezirk steuerlich besser gestellt, als jene im östlich angrenzenden Gewerbegebiet Airport City (), das zum Chevel Modiʿin gehört. Andere zivile Flughäfen Israels (Haifa, Herzlia und ehemals der Flughafen Tel Aviv) gehören einer kommunalen Gebietskörperschaft an, womit dort Arnonah erhoben wird.

Den Flughafenbezirk wollten schon verschiedentlich benachbarte Gebietskörperschaften eingemeinden, um die dortigen Unternehmen zu Gunsten ihres Kommunalfiskus zu besteuern. Erstmals vor den Wahlen zur 15. Knesset im Dezember 2000 setzte Innenminister Chaim Ramon einen Grenzausschuss () unter Leitung Rachel Altermans vom Technion ein, um verschiedene beantragte Gebietsveränderungen auszuloten. Die Stadt Schoham wünschte die Airport City einzugemeinden, was der Chevel Modiʿin ablehnte. Das Innenministerium, in dessen Fachkompetenz die Änderung kommunaler Grenzen fällt, wünschte die wirtschaftlich schwachen Städte Lod und Ramla zu vereinigen, was beide ablehnten, es sei denn, die vereinigte Stadt könnte den Flughafenbezirk und die Airport City mit eingemeinden.