Die beiden stillgelegten Schächte des Kaliwerks Gewerkschaft Großherzog Wilhelm Ernst (Sachsen-Weimar-Eisenach) liegen unmittelbar westlich von Oldisleben, einem Ortsteil von An der Schmücke im thüringischen Kyffhäuserkreis (vergleiche untenstehenden Lageplan). Sie befinden sich auf dem einstigen Gebiet der „Exklave Oldisleben“.
Am 9. Dezember 1905 wurde mit dem Abteufen des Schachtes Großherzog Wilhelm Ernst I (auch als Schacht Möllendorf bezeichnet) begonnen, seine Endteufe mit 595 m erreichte man nach drei Jahren. Die zweite Schachtanlage, Schacht Großherzog Wilhelm Ernst II (auch Schacht Hainthal genannt) liegt ca. 1325 m westlich vom Schacht I. Mit seinem Abteufen begann man erst sieben Jahre später, am 6. November 1912. Seine Endteufe mit 621 m erreichte man Anfang 1914. Die Gewinnung von Carnallitit und Hartsalz erfolgte ab 1908. Die bergmännische Abbaumethode war das Kammerbau-Verfahren. Die Verarbeitung der geförderten Salze erfolgte in der gewerkschaftseigenen Kalifabrik, zu der eine Seilbahn führte. Im Jahre 1922 wurde die Schachtanlage Großherzog Wilhelm Ernst gemäß § 83a der Stilllegungsverordnung stillgelegt (nähere Erläuterungen zu den betreffenden Rechtsvorschriften: siehe unter Abschnitt „Stilllegung des Kaliwerkes“). Beide Schächte wurden im Jahre 1923 mit einem Betondeckel verschlossen.
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Such- und Erkundungsarbeiten Im Jahr 1861 gelang es chemischen Fabriken im Staßfurter Raum, die als „unrein“ bezeichneten, beim Abteufen der ursprünglich nur auf die Gewinnung von Steinsalz zur Anreicherung der schwachen Sole der Staßfurter Saline niedergebrachten Schächte v. d. Heydt / v. Manteuffel vorgefundenen carnallitischen Salze für eine technische Verwendung nutzbar zu machen. Es war möglich geworden, das in diesen Salzen enthaltene Kaliumchlorid (KCl) zu lösen und letztlich als Düngemittel in der Landwirtschaft zu vermarkten. Und das Bekanntwerden dieser Kalisalzfunde -das „Staßfurter Berggeschrey“- regte auch an Unstrut und Finne die Suche nach solchen Salzlagerstätten an.
Die Hallesche Tiefbohrgesellschaft Thumann erbohrte „bei Oldisleben“ ein von 309 m bis 690,5 m reichendes Steinsalzlager, ohne jedoch das Kalilager anzutreffen. Eine weitere Bohrung, Tiefbohrung II in der „Eselsgasse im Eingangstal zum Möllendorf“, erschloss von 502,45 bis 522,75 m Kalisalze. Die Ansatzpunkte dieser Bohrungen sind heute nicht mehr genau zu belegen.
Die geologischen und hydrogeologischen Lagerstättenbedingungen mini|links|Geologisches Profil des Schachtes I der Gewerkschaft Großherzog Wilhelm Ernst (Schacht Möllendorf) mini|rechts|Geologisches Profil des Schachtes II der Gewerkschaft Großherzog Wilhelm Ernst (Hainthal) Das Grubenfeld der Gewerkschaft Großherzog Wilhelm Ernst befindet sich auf der Südwest-Flanke des Heldrunger Sattels. Dieser streicht parallel zum Roßlebener Sattel, welcher zum nordöstlichen Teil der Hermandurischen ScholleEckart Frischmuth, Lothar Rudolph: Exkursion im Einzugsbereich der Mittleren Saale mit den Nebenflüssen Ilm und Unstrut gerechnet wird. Unmittelbar südöstlich befinden sich die Grubenfelder der Gewerkschaften Irmgard, Walter und Heldrungen II. Schacht I (Möllendorf) erreichte das Kaliflöz Staßfurt bei 515,0 m Teufe, Schacht II (Hainthal) bei 528,8 m (vergleiche nebenstehende Schichtenprofile).
Hydrogeologisch ist das gesamte Gebiet der an Unstrut und Finne gelegenen Kalischächte gekennzeichnet durch die starke Wasserführung des Buntsandsteins, insbesondere der Rogensteinzonen des Unteren Buntsandsteins. Zuflüsse beim Abteufen der Schächte bis zu 4 m³ / min waren nicht selten.
Der Betrieb des Kaliwerkes Die finanziell-betriebswirtschaftlichen Verhältnisse 400px|rechts|Lage der Bergwerksgerechtsame "Gewerkschaft Großherzog Wilhelm Ernst" Gründung: Statut vom 31. Juli, 1. August 1905 und 16. Juli 1906, handelsgerichtliche Eintragung Oktober 1905.
Kuxe der früheren Gewerkschaft: 1000, davon befanden sich 501 im Besitz der Deutschen Kaliwerke. Die Majorität befand sich 1921 in den Händen der Gewerkschaft Alexandershall und wurde dann von den Deutschen Kaliwerken übernommen.
Gegenstand des Unternehmens: Anlage und Betrieb eines Salz- resp. Kalisalzbergwerks im Gebiet der Großherzoglichen Sächsischen Exklave Oldisleben, sowie Herstellung und Betrieb aller Anlagen, die Ausnutzung jenes Bergwerks und die Verwertung der Produkte desselben in roher oder verarbeiteter Form, ferner die Beteiligung an Bergwerken, Bohrgesellschaften oder chemischen Fabriken.
Gerechtsame: Für die Exklave Oldisleben ist durch Vertrag vom 12. Februar 1901 das alleinige Recht der Schürfung auf Kalisalze, sowie der eventuellen späteren Ausbeutung der etwa erschlossenen Kalifelder seitens der Großherzoglich Weimarischen Regierung Amtsrat Hühne im Schackental mit der Maßgabe übertragen, dass innerhalb eines Jahres vom Tage der eigentlichen Verleihung der Gerechtsame, die im September 1905 erfolgte, mit dem Schachtbau begonnen wird, und dass spätestens im Jahre 1908 die Förderung ihren Anfang nimmt. Die Gerechtsame umfasst 2150 ha gleich ca. 10 Normalfelder und ist mit einer jährlichen Grubenfeldabgabe von 6550,80 M. belastet. Ferner erhält die Weimarische Regierung 10 % des Reingewinns. Die Gerechtsame umfasst die ganze Exklave Oldisleben und grenzt westlich an die Felder Günthershall und östlich an die von Heldrungen I und II.
Schachtanlage: Am 9. Dezember 1905 erfolgte der erste Spatenstich für den auf den Namen „Wilhelm Ernst“ getauften Schacht, welcher eine lichte Weite von 5½ m hat. Er ist bis zur Endteufe von 595 m fertiggestellt. Der Schacht steht von 0 – 6 ½ m in Mauerung. Die Wasser wurden bei 150 m endgültig abgeschlossen. Die obere Sohle wurde bei 540 m unter dem Kalilager im älteren Steinsalz, die untere Sohle bei 580 m angesetzt. Die Aufschlüsse auf den Sohlen ergaben gute Carnallite, daneben Hartsalze. Der neue Schacht der Schachtanlage Hainthal ist im Herbst 1912 in Angriff genommen. Er steht von 0 – 12,6 m in Mauerung, von 12,6 – 177 m in Tübbings, von 177 – 621 m in Mauerung (Endteufe). Der Schacht erreichte das Kalisalzlager im Dezember 1913. Ab 1. Februar 1914 erhielt die Schachtanlage Hainthal die vorläufige Beteiligungsziffer. Diese wurde mit Gültigkeit ab 1. Februar 1916 erteilt. Die beiden Schächte wurden im Jahre 1923 nach der Betriebsstilllegung mit einem Betondeckel verschlossen.
Abwässerkonzession: Für eine tägliche Verarbeitung von 10 000 dz vorhanden.
Beteiligungsziffer: Die Quoten sind infolge Stilllegung der Schächte bis Ende 1953 verkauft. Ab 1. Oktober 1932 betragen die Quoten für Schacht I 4,4237 Tausendstel, für Schacht II 3,9971 Tausendstel. mini|links|Anleihenschein der Kali-Industrie A.G. Liquidation und Besitzübergang an die Kali-Industrie (spätere Wintershall) A.-G. : Die Gewerkenversammlung vom 20. September 1926 beschloss die Liquidation der Gewerkschaft und Veräußerung des Gesamtvermögens an die Kali-Industrie A.-G. Im Umtausch bot die Kali-Industrie Aktiengesellschaft den Gewerken pro Kux nom. 1000 RM Kali-Industrie-Aktien. Das Umtauschangebot erging mit Wirksamkeit ab 4. Mai 1927. Voran ging der Transaktion der Abschluss eines Interessengemeinschaftsvertrages, in dem die Kali-Industrie A.-G. den Gewerken pro Kux die Dividende von zweieinhalb Kali-Industrie-Aktien (je 400 RM) bot. [aus MOSSNER, 1936]
Hier einige statistische Zahlen aus den Jahren 1907 bis 1914:
1907: Besitzer: Gewerkschaft „Großherzog Wilhelm Ernst“ in Weimar. Verwaltung: J.H. Sachse, Vorsitzender des Grubenvorstandes, in Hannover. Anzahl der Kuxe: 1000. Name der Anlage: „Schacht Wilhelm Ernst“ in Oldisleben. Das Werk befindet sich noch nicht in Förderung, Schacht zurzeit ca. 240 m tief. An Aufbereitungsanstalten befinden sich die Chlorkaliumfabrik und Salzmühle im Bau. Die sonstigen Gebäude über Tage sind fast vollständig fertiggestellt. Betriebsführer: Wilhelm Lichte und Arthur Sachse in Oldisleben.
1908: Besitzer, Verwaltung und Kuxe wie 1907. Das Werk beginnt am 15. Oktober dieses Jahres die Förderung. Der Schacht ist bis zur Endteufe von 595 m fertiggestellt. Die Chlorkaliumfabrik ist soweit fertiggestellt, dass die bei den Aufschlussarbeiten entfallenden Salze verarbeitet werden können. An dem weiteren Ausbau der Fabrik wird gearbeitet. Die sonstigen Betriebsanlagen über Tage sind fertiggestellt. Technische Leitung: Betriebsführer Wilhelm Lichte, Betriebsführer Arthur Sachse und Karl Koelichen, sämtlich in Oldisleben. Zubußen: 1905 250 Mark, 1906 1450 Mark, 1907 822,22 Mark pro Kux bei 900 zubußepflichtigen Kuxen. 100 zubußefreie Kuxe gehören der Gewerkschaft. Auf dieselben hat die Großherzoglich Sächsische Regierung ein Optionsrecht zur Übernahme gegen Erstattung des auf diese Kuxe entfallenden Anteils der aufgewandten Kosten.
1909: Besitzer, Verwaltung und Kuxe wie 1907. Das Werk hat im Mai 1908 mit der Förderung begonnen. Schacht und Fabrik sowie die Tagesanlagen sind fertiggestellt. Technische Leitung: Betriebsführer Wilhelm Lichte, Betriebsingenieur Arthur Sachse und Fabrikleiter Karl Koelichen, sämtlich in Oldisleben. Arbeiterzahl: 221 Mann. Mitglied des Kali-Syndikats.
1910: wie 1909.
1911: Besitzer, Verwaltung und Kuxe wie 1907. Technische Leitung: Betriebsführer Wilhelm Lichte, Betriebsingenieur Robert Meyer in Oldisleben. Durchschnittliche Arbeiterzahl: 88 Mann. Mitglied des Kali-Syndikats, Beteiligungsquote an Gewerkschaft Alexandershall verkauft.
1912: Besitzer, Verwaltung und Kuxe wie 1907. Vorrichtungs- und Aufschlussarbeiten werden in geringem Umfange betrieben. Technische Leitung: Betriebsführer Klaube, Betriebsingenieur Robert Meyer in Oldisleben. Durchschnittliche Arbeiterzahl: 88 Mann. Mitglied des Kali-Syndikats.
1913: wie 1912.
1914: Besitzer: wie zuvor. Grubenvorstand: Vorsitzender: W. Piepmeyer, Kassel; stellvertr. Vorsitzender: W. Mayer, München; Mitglieder: Kommerzienrat Isenstein, Hannover, Bergrat G. Kost, Hannover, Generaldirektor M. Tathke, Berka a.d. Werra, ein Delegierter des Großherzoglich Sächsischen Staatsministeriums. Verwaltung: J. H. Sachse, Oldisleben, Direktor; F. Mönkemeyer und R. Meyer, beide zu Oldisleben, Prokuristen. Durchschnittliche Arbeiterzahl: 250 Mann. Mitglied des Kali-Syndikats.
Der Schachtbau Schacht I („Möllendorf“ oder „Wilhelm Ernst I“ genannt):
Höhe der Rasenhängebank: +170,97 m NN. Gesamtteufe: 595,0 m. 1. Sohle: –359,02 m NN = 540-m-Sohle (Wettersohle). 2. Sohle: –408,72 m NN = 580-m–Sohle (Fördersohle). Schachtdurchmesser: 5,5 m lichte Weite. Schachtausbau: O-6,5 m Mauerung; 6,5-173 m Tübbings; 173-595 m Mauerung.
Schacht II („Hainthal“ oder „Wilhelm Ernst II“ genannt):
Höhe der Rasenhängebank: +203,78 m NN. Gesamtteufe: 621,0 m. 1. Sohle: –401,11 m NN = 580-m-Sohle (Fördersohle). Schachtdurchmesser: 4,5 m lichte Weite. Schachtausbau: 0–12,6 m in Mauerung, 12,6–177 m Tübbings, 177–621 m Mauerung.
Der Abstand der Schächte zueinander beträgt ca. 1325 m Luftlinie.
Aus- und Vorrichtung, Abbau- und Versatzverfahren Das nordwest-südost streichende Kalilager wurde in Streichrichtung durch das Auffahren von Doppelstrecken ausgerichtet. In regelmäßigen Abständen von etwa 30 m bis zu 50 m verbanden diese Durchhiebsstrecken. Diese Streckenverbindungen waren sowohl der Wetterführung als auch als Fluchtwege dienlich, lagen doch die Schächte von der Ortsbrust bis über 1,6 km (hier in Richtung Südost vom Schacht I) entfernt. Dem Baugrundriss dieser Schachtanlagen mit Stand von 1913 ist zu entnehmen, dass zu dieser Zeit ein Abbau des Kalilagers nur südlich des Schachtes I stattfand. Als Abbauverfahren wurde der Firstenkammerbau angewandt. Die Länge dieser Abbaue entsprach der Lagerstättenmächtigkeit und erreichte bis etwa 40 m bei einer Breite der Sicherheitspfeiler zwischen den einzelnen Abbaukammern von ca. 10 m.
BONK (1970) macht hingegen in seiner bergschadenkundlichen Analyse nachstehende Angaben: