mini|Deutsche Polizeieinheiten, darunter Ränge aus den deutschen Kolonien Togo, Deutsch-Südwestafrika und Deutsch-Neuguinea (linke Bildhälfte) mini|hochkant|Polizeisoldat der Polizeitruppe Togo vor 1910. Khakifarbene Uniform, roter Fez. 1910 wurde eine khakifarbene Schirmmütze eingeführt. Als Kolonialpolizei wurden Polizeitruppen in europäischen und US-amerikanischen Kolonien oder Protektoraten in Afrika, Asien, Lateinamerika und Ozeanien bezeichnet. Sie wurden mit dem Ende der Kolonialherrschaft entweder aufgelöst oder in nationalstaatliche Polizeien umgewandelt. Das Führungspersonal bestand in der Regel aus Offizieren der Kolonialmacht, während die Mannschaften und Unteroffiziere aus der einheimischen Bevölkerung rekrutiert wurden.

Deutsche Kolonialpolizeien Kaiserreich mini|Polizeitruppe in den afrikanischen Kolonien des Deutschen Kaiserreiches, vor 1910 Das Deutsche Kaiserreich unterhielt in allen deutschen Kolonien Polizeitruppen; einen Sonderfall bildete aufgrund seines staatsrechtlichen Status das so genannte Pachtgebiet Kiautschou. Die Polizeitruppen waren Teil der Zivilbehörden; Landespolizeiführer war der Gouverneur mit den nach geordneten Bezirks- und Ortspolizeibehörden. In selbständigen Gemeinden wurde die Polizeigewalt durch den Gemeindevorsteher ausgeübt. Von 1895 bis etwa 1906 waren die Polizeitruppen organisatorisch eng mit den Schutztruppen verflochten, danach jedoch wieder selbständig.

1914 umfassten die deutschen Polizeitruppen einen Personalbestand von gut 6000 Mann. Ein großer Teil des Personals war aus den jeweiligen Schutztruppen hervorgegangen, mit Ausnahme Togos und der Südseebesitzungen, in denen keine Schutztruppen existierten.

Die Tätigkeit der deutschen Kolonialpolizeien endete mit der Besetzung des jeweiligen Kolonialgebiets durch Truppen der westlichen Entente-Mächte während des Ersten Weltkriegs, so in Togo, Kiautschou und den Besitzungen in der Südsee 1914, in Deutsch-Südwestafrika 1915, in Kamerun 1916 und Deutsch-Ostafrika 1917. Ihre formale Auflösung erfolgte 1919 als Folge des Versailler Vertrags. In Einzelfällen, so nachweisbar für Togo, wurde das Personal teilweise von den neuen Kolonialmächten, in diesem Fall Großbritannien, übernommen.

Polizeitruppe Deutsch-Ostafrika mini|Polizei-Askaris in Deutsch-Ostafrika, zwischen 1906 und 1918 mini|Polizei-Askari in Deutsch-Ostafrika um 1910 Die Kolonie wurde während des so genannten Araberaufstands (Aufstand der ostafrikanischen Küstenbevölkerung) durch die Polizeitruppe für Ostafrika, die informell nach ihrem Führer, dem Reichskommissar Hermann von Wissmann, Wissmanntruppe genannt wurde, erobert. Mit Wirkung vom 1. Februar 1892 erfolgte eine Trennung in Schutz- und Polizeitruppe.

1914 bestand die Polizeitruppe aus vier Offizieren, 61 „weißen“ Polizeiwachtmeistern, 147 „farbigen“ Unteroffizieren und 1863 Polizei-Askaris. In den zu Deutsch-Ostafrika gehörenden Residenturen Urundi, Ruanda und Bukoba wurde die Polizeigewalt durch die örtlichen einheimischen Herrscher ausgeübt.

Landespolizei Deutsch-Südwestafrika Eine erste Polizeitruppe wurde 1891 aufgestellt; 1894 erfolgte die Trennung in Polizei- und Schutztruppe. 1903 wurde zeitweise Nama-Angehörige als Polizisten für ein Sonderkommando angeworben und nach ihrem Kapitän Hendrik Witbooi Witbooi-Polizisten genannt. Unter der Führung des Leutnants Berneck fahndeten sie nach dem Viehräuber Blauberg. Die Witboois trugen dabei Schutztruppenuniformen mit den charakteristischen weißen Hüten der Nama, an denen als Hoheitsabzeichen der Kaiseradler angebracht war. Blauberg wurde Anfang Oktober 1903 gestellt und erschossen, seine Bande aufgelöst. Einzelheiten sind nicht bekannt. Die Witboois waren angeworben worden, weil sich das Gouvernement außer Stande sah, mit deutschen Polizisten Blaubergs habhaft zu werden.

1907 wurde die so genannte Berittene oder Kaiserliche Landespolizei (Lapo) gegründet, die sich im Gegensatz zu anderen deutschen Kolonialpolizeitruppen seit dem Aufstand der Herero und Nama ausschließlich aus weißen Polizisten zusammensetzte. Bis zu den Aufständen hatten auch Nama im Polizeidienst gestanden. Ihre Sollzahl betrug 720 Polizeiwachtmeister und -sergeanten, doch wurde diese Zahl nie erreicht.

1913 wurden in Kupferberg und Spitzkoppe Polizeidepots zur besseren Ausbildung und Versorgung der Truppe eingerichtet. 1914 verfügte die Lapo über sieben Offiziere, neun Mann Verwaltungspersonal, 68 Polizeiwachtmeister, 432 Polizeisergeanten und 50 Vertragspolizisten. Hinzu kamen 370 „farbige“ Polizeidiener und 155 Hilfskräfte, wobei die Polizeidiener ebenfalls, wenn auch nicht nach dem Standard der „weißen“ Polizeiangehörigen, bewaffnet und uniformiert waren.

In den 16 Bezirken bzw. Distrikten einschließlich der Residentur Caprivizipfel der Kolonie existierten 1912 insgesamt 92 Polizeistationen. In den vier Regionen Caprivizipfel, Kavango, Ovamboland und Kaokoveld wurde die Polizeiherrschaft nicht durch die LaPo, sondern die lokalen afrikanischen Autoritäten ausgeübt.

Polizeitruppe Kamerun mini|Deutscher Kommandant und Angehörige der Polizeitruppe Kamerun, um 1894 mini|Haussa-Söldner in den deutschen Kolonien mini|Polizeitruppe Kamerun Polizeisoldat im Zolldienst, um 1910 Die Polizeitruppe Kamerun wurde im Oktober 1891 gegründet und bestand ursprünglich aus 15 Haussa-Söldnern sowie 18 bis 20 Kru-Söldnern aus Liberia. Bereits in der Anfangsphase wurden 21 der so genannten Dahomey-Sklaven in der Truppe eingestellt, deren Zahl bis 1893 auf 55 anwuchs. Diese vom Gouvernement freigekauften Sklaven, die durchaus nicht alle aus dem Gebiet von Dahomey stammten, sondern auch aus anderen westafrikanischen Regionen, sollten, analog zu ehemaligen Sklaven in der Polizeitruppe Togo, ihren Freikauf durch ihre Dienstzeit abdienen.

Im Dezember 1893 kam es zum Dahomey-Aufstand, der von den Deutschen niedergeschlagen wurde, vor allem durch den Einsatz des Stationärs der Westafrikanischen Station der Kaiserlichen Marine, Hyäne. Das Kanonenboot setzte ein Landungskorps aus und beschoss die Stellungen der Rebellen. Aus Wilhelmshaven war der Kleine Kreuzer Sperber zur Verstärkung entsandt worden, ebenso eine Kompanie Marine-Infanterie, die jedoch nicht mehr rechtzeitig in Kamerun eintrafen. 47 der Meuterer wurden hingerichtet oder zu erneuter Zwangsarbeit verurteilt. Der Aufstand, ausgelöst durch eine brutale Misshandlung der Polizeisoldaten durch ihr deutsches Führungspersonal und Vergewaltigungen ihrer Ehefrauen durch Vorgesetzte, war einer der größten Skandale in der Frühzeit der deutschen Kolonialgeschichte.

In der Folgezeit wurden Söldner aus dem Sudan und Liberia angeworben, teilweise auch Personal, das vorher in britischen oder französischen Diensten gestanden hatte. Im Laufe der Zeit wurde, wie in den anderen deutschen Kolonien auch, verstärkt aus der einheimischen Bevölkerung rekrutiert. 1894 erfolgte eine Umorganisation. Während der größte Teil der Polizeitruppe in der neuen Schutztruppe aufging, bildeten 100 Mann den Kern einer Landespolizei.

Die Truppe bestand 1914 aus vier Offizieren, 37 Mann sonstigem „weißen“ Dienstpersonal und 1255 „farbigen“ Mannschaften ausschließlich des gut 50 Mann starken Zollpersonals.

Polizeitruppe Togo

mini|Polizeitruppe von Misahöhe (Togo), vor 1905 Die Gründung der Polizeitruppe für Togo erfolgte durch einen Erlass des Reichskanzlers Otto von Bismarck vom 30. Oktober 1885. Da das Schutzgebiet Togo nicht über eine eigene Schutztruppe verfügte, wurde die Truppe auch für militärische Aufgaben eingesetzt. Die ersten „farbigen“ Polizeisoldaten waren 12 Haussa-Söldner, die Ende 1885 durch eine Vermittlung der britischen Behörden in Nigeria angeworben wurden. Das Personal wurde durch weitere Anwerbungen von Haussa, Yoruba und anderer Ethnien verstärkt. Zum Teil wurden auch freigekaufte Sklaven eingesetzt, die ihren Kaufpreis bei ihrem deutschen Dienstherrn abdienen mussten.

Die Dienstzeit der Polizeisoldaten betrug ursprünglich drei, ab 1908 fünf Jahre. „Farbige“ Polizeisoldaten konnten bis zum Dienstgrad Feldwebel befördert werden. Die Besoldung lag deutlich über der Vergütung eines ungelernten Arbeiters oder Trägers, außerdem hatten sie das Recht auf freie Unterkunft sowie freie medizinische Versorgung für sich und ihre Familienangehörigen. Die Verpflegung mussten die Söldner selbst tragen, allerdings nicht auf Expeditionen oder Dienstreisen. Aufgrund eines Prämiensystems, das bereits Anfang der 1890er Jahre eingeführt worden war, gelang es der deutschen Verwaltung, einen großen Teil der Söldner immer wieder für eine Neuverpflichtung zu gewinnen.

1910 wurde nach dem Vorbild französischer Truppen in Westafrika eine Polizeireserve eingeführt, in die ehrenvoll entlassene Polizeisoldaten und als politisch zuverlässig geltende Einheimische aufgenommen wurden. Bis 1914 wurde auch immer mehr Personal aus der einheimischen Bevölkerung rekrutiert. In Lomé war eine so genannte Expeditionskompanie stationiert, die bei Aufständen eingesetzt werden sollte. Allein zwischen 1894 und 1900 wurde die Polizeitruppe auf 35 Feldzügen und in 50 kleineren Gefechten eingesetzt.

1914 stand die Truppe unter dem Kommando des Geheimen Regierungsrats und Majors a. D. Hans-Georg von Doering. Sie umfasste zwei Offiziere, eine unbekannte Anzahl von weißen Polizeimeistern und 530 farbige Soldaten. Da dort keine Schutztruppe existierte, nahm die Polizei beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs in Togo den Kampf gegen eindringende britische und französische Kolonialtruppen auf, kapitulierte jedoch angesichts der aussichtslosen strategischen und taktischen Situation bereits am 27. August 1914 bei der Funktelegraphenstation Kamina. Ein Teil der Polizeisoldaten trat nach kurzer Gefangenschaft in britische Kolonialdienste.

Polizeitruppen in den Südseebesitzungen mini|Polizei der Neuguinea-Kompagnie, 1885 mini|Polizisten in deutschen Diensten auf Samoa mini|Yap, Polizeitruppe 1900. Aufnahme durch Leutnant zur See Max Fleck (1874–1942), SMS SEEADLER Die deutschen Kolonien im Südpazifik, Deutsch-Neuguinea und Deutsch-Samoa genannt, umfassten die Gebiete und Inseln Kaiser-Wilhelms-Land (heute Nord-Papua-Neuguinea), Bismarck-Archipel und Bougainville (beide heute Papua-Neuguinea), die nördlichen Salomon-Inseln (heute Salomonen), die Nördlichen Marianen, die Marshallinseln, Palau, die Karolinen, Nauru und Deutsch-Samoa.

Bereits die Neuguinea-Kompagnie, die anfangs die Verwaltung Deutsch-Neuguineas übernahm, bildete melanesische Polizeisoldaten aus. Die reguläre Polizeitruppe von Neuguinea wurde 1899 mit einem Personalbestand von zwei „weißen“ Offizieren und 99 „farbigen“ Polizeisoldaten gegründet. Bei ihrer Tätigkeit arbeitete die Polizeitruppe aufgrund der geographischen Verhältnisse eng mit den Stationären der Australischen Station der Kaiserlichen Marine zusammen. So operierten auch die Polizeitruppe und Landungskorps deutscher Marine-Einheiten zusammen bei der Niederschlagung des Aufstands auf Ponape 1910/11 (Aufstand der Sokehs). 1914 umfasste die Truppe 19 „weiße“ Polizeimeister und 670 „farbige“ Polizisten.

Auf Deutsch-Samoa bestand 1913 ein Polizeisekretariat mit vier deutschen und einem samoanischen Polizisten, darunter ein Polizeimeister.Werner Haupt: Die deutsche Schutztruppe 1889/1918. Nebel-Verlag, Utting 2001, ISBN 3-89555-032-9, S. 142 Hinzu kamen 30 so genannte Fitafita und 20 bis 25 Landespolizisten, Leoleo genannt. Deutsche Residenten forderten seit 1902 die Auflösung der Fitafita, da diese ihrer Meinung nach gegenüber „weißen“ Residenten zu selbstbewusst auftraten.