mini|Filiale von Weltbild in Leer (Ostfriesland), 2018

Die Weltbild D2C Group GmbH war ein deutsches Handelsunternehmen mit Sitz in Augsburg, das über Onlineshops, Social Commerce, Kataloge und Filialen Medien- und Non-Media-Produkte vertrieb und Unternehmen der Gruppe oder externen Kooperationspartnern seine Vertriebsplattform zur Verfügung stellte. Die Weltbild D2C Group war in sechs Ländern aktiv und besaß 13 Marken; sie betrieb 20 Onlineshops und im DACH-Raum zeitweise 420 Filialen. Nach einer ersten Insolvenz im Jahr 2014 stieg das Beteiligungs- und Beratungsunternehmen Droege Group ein. Im Juni 2024 meldete das Unternehmen erneut Insolvenz an und stellte Ende August 2024 den Geschäftsbetrieb vollständig ein.

Gliederung, Funktion und Einbindung Der Konzernabschluss der Muttergesellschaft Weltbild D2C Group fasste Ende 2020 die Jahresabschlüsse von insgesamt elf Unternehmen zusammen. Im August 2023 steuerte die Gruppe 13 Marken: Weltbild, Bücher.de, Jokers, teNeues, Avus, Tolino, D2C digital, Gärtner Pötschke, D2C Recommerce, Orbisana, tausendkind, Paul Valentine und Groundies. Als Multi-Channel-Händler bewarb und vertrieb sie ihre Produkte über Onlineshops, Kataloge, den stationären Handel und über Social Media.Matthias Mahr: Weltbild will den Direktvertrieb weiter stärken. In: Lebensmittel Zeitung, Nr. 44, 5. November 2021. Sie zählte zur Droege Group, einem Beteiligungs- und Beratungsunternehmen mit Sitz in Düsseldorf.Weltbild D2C Group GmbH: Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2020 bis zum 31.12.2020, am 1. Februar 2022 im Bundesanzeiger publiziert.

Produktbereiche und Dienstleistungen Zu den Media-Produkten zählten unter anderem Bücher, e-books, Hörbücher, antiquarische Bücher, CDs und DVDs. Zu den Non-Media-Produkten gehörten beispielsweise solche für den Wohn-, Küchen und Haushaltsbereich, Uhren und Schmuck, Gartenpflanzen und Sämereien, Angebote für Wellness und Gesundheit, Schuhe, ein Sortiment für Kinder, E-Learning und Re-commerce.

Geschichte Weltbild Gründung und erste Jahrzehnte Weltbild beziehungsweise der Vorläufer, das Winfried-Werk, wurde 1948 in Augsburg als katholischer Verlag gegründet.Uwe Clever: Augsburger Buchfabrik. In: Deutscher Drucker, Heft 35, 28. Oktober 2004. Vertrieben wurde insbesondere die Zeitschrift Mann in der Zeit, die 1968 in Weltbild umbenannt wurde.Dorothee Rothfuß: Sattes Plus im Namen Gottes. In: Werben & Verkaufen, Nr. 7, 17. Februar 2005. Ab 1972 nahm das Unternehmen über die Weltbild-Bücherdienst GmbH den Versand von Büchern auf.. Von 1975 bis 2014 waren die Haupteigner der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD, 24,2 % der Anteile), das Erzbistum München und Freising (13,2 %) sowie das Bistum Augsburg (11,7 %). Die übrigen Gesellschafter waren zehn weitere deutsche (Erz-)Diözesen, nämlich Aachen, Bamberg, Eichstätt, Fulda, Freiburg, Münster, Passau, Regensburg, Trier und Würzburg sowie das Militärbischofsamt.Der Pilger: Bischöfe beschließen „Weltbild“-Verkauf, 24. November 2011, abgerufen am 15. August 2024.

Expansion 1975 übernahm der Niederländer Carel Halff die Geschäftsführung des Winfried-Werkes mit einem Jahresumsatz von 600.000 DM. Der Zusammenschluss von Winfried-Werk und Weltbild-Bücherdienst erfolgte 1987, die neue Firma lautete Weltbild Verlag GmbH. Seit den 1980er Jahren kaufte und integrierte Weltbild weitere Verlage, beispielsweise Pattloch, Battenberg, Schneekluth oder Johann Michael Sailer. Weltbild gründete zudem weitere Verlage, zum Beispiel den Augustus Verlag und den Naturbuch Verlag. Die Weltbild-Gruppe entwickelte sich zur größten deutschen Versandbuchhandlung ohne Kauf- oder Clubpflichten.

Im stationären Buchhandel wurde das Unternehmen 1994 mit der Marke „Weltbildplus“ aktiv, einer Kooperation mit dem Buchhändler Hugendubel.Weltbildplus eröffnete in der City-Galerie seinen ersten Buchladen im Saarland. In: Saarbrücker Zeitung, 10. September 1998. 2006 legten Hugendubel und Weltbild alle ihre Filialgeschäfte zusammen und steuerten diese über die Holding DBH Buch Handels GmbH, die zum Marktführer in Deutschland wurde. 2014 lag die Zahl dieser Filialen bei rund 420 in Deutschland, Österreich und der Schweiz.Für Weltbild sehen die Bistümer schwarz. In. Aachener Nachrichten, 11. Januar 2014. Ein relevanter Anteil der deutschen Standorte befand sich in Kaufhäusern oder Einkaufszentren.

Zum 1. Januar 1999 startete die Verlagsgruppe Droemer Weltbild; Weltbild und Holtzbrinck beteiligten sich mit jeweils 50 Prozent. Teil der neuen Verlagsgruppe wurden zwölf Verlage der Gesellschafter, auch Droemer Knaur.Weltbild und Holtzbrinck: Neues Konglomerat von zwölf Verlagen. In: Deutscher Drucker, Nr. 38, 8. Oktober 1998. Nach der Jahrtausendwende expandierte Weltbild nach Polen (gemeinsam mit Bauer),Bauer und Weltbild gründen Jointventure in Polen. In: Berliner Zeitung, 10. August 2000. in die Niederlande (gemeinsam mit Holtzbrinck und T-Online)Bol.com übernommen. In: VentureCapital, Heft 6/2003, S. 51 f. sowie nach Russland (gemeinsam mit Burda). 2005 hatte die Weltbild-Gruppe unter der Geschäftsführung von Carel Halff einen Umsatz von 1,4 Mrd. Euro und im Juni 2006 4500 Beschäftigte.

Krise, Kritik und Insolvenz Infolge der durch die Weltfinanzkrise 2007–2008 ausgelösten Nachfrageschwäche wollten sich die katholischen Eigentümer vom Unternehmen trennen.H.-P. Siebenhaar, Joachim Hofer: Käufer lassen Bücher links liegen. In: Handelsblatt, 14. Oktober 2008. Auch Medien mit esoterischen beziehungsweise vermeintlich pornografischen Inhalten störten die Gesellschafter. Ein Verkauf scheiterte 2009 jedoch am aus Sicht der Eigentümer zu niedrigen Verkaufspreis. 2011 wurde Weltbild erneut kritisiert, weil das Unternehmen erotische beziehungsweise pornografische Literatur verkaufe. Weltbild bezifferte den Anteil entsprechender Erlöse damals auf 0,017 Prozent des Gesamtumsatzes der Verlagsgruppe; Pornografie sei nicht im Angebot. Ungeklärte Zukunftsperspektiven und eine sich seit 2011 stetig verschlechternde Ertragslage führten 2013 zu Meldungen über eine bevorstehende Insolvenz, die im Januar 2014 eintrat.

Entwicklung seit 2014 Im Sommer 2014 stieg die Droege Group als neuer Mehrheitseigentümer ein. Sie stieß 67 defizitäre Filialen an die Lesensart Rüdiger Wenk GmbH ab. Diese schloss einige Filialen und meldete im Juli 2015 dann ebenfalls Insolvenz an. Nach der Stabilisierung von Weltbilddpa: Weltbild plant rund 60 neue Filialen. In: Nordbayerischer Kurier, 10. März 2016. erwarb Droege 2017 auch die restlichen Anteile.Weltbild jetzt ganz bei Droege. In: Süddeutsche Zeitung. 21. Juni 2017, S. 20.

Die Weltbild Gruppe baute das Online-Geschäft aus, auch durch den Kauf und die Einbindung von dazu passenden Unternehmen. Das Wachstum sollte nach Aussagen des Unternehmens gesellschaftliche Megatrends nutzen.Die Ratgeberfunktion ist der rote Faden bei Weltbild. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. Oktober 2019 (Interview mit Ernest-W. Droege und Christian Sailer).Big Data für die Megatrends. In: Der Handel, 1. April 2020 (Interview von Susanne Vieser mit Christian Sailer). Ende des Jahres 2021 gab die Verlagsgruppe bekannt, in ein neues Logistikzentrum in Augsburg zu investieren.Weltbild plant Same Day Delivery. In: Logistik Heute, Heft 1–2, 18. Februar 2022. Im Juni 2022 zog der Hauptsitz des Unternehmens in den Augsburger Süden um.

Insolvenz 2024 Am 10. Juni 2024 wurde Antrag auf Insolvenz gestellt. In der Folge unternahmen auch mehrere Tochtergesellschaften diesen Schritt. Am 14. August 2024 teilte das Unternehmen mit, dass es nicht gelungen sei, einen Investor zu finden, so dass die laufenden Kosten nicht mehr gedeckt werden könnten. In den letzten 14 Filialen gab es Räumungsverkäufe, bis sie am 31. August 2024 endgültig geschlossen wurden. Die 440 verbliebenen Mitarbeiter sollten im September die Kündigung erhalten. Am 21. August 2024 beantragte auch die Schweizer Weltbild Verlag GmbH die Konkurseröffnung. Die 24 in der Schweiz bis am Schluss rentablen Filialen wurden per sofort geschlossen, da der Support durch das Mutterhaus nicht mehr gewährleistet war und damit auch keine Transformation zu einer eigenständigen Gesellschaft. Die Kunden wurden auf den Abschieds-Homepages „aufgefordert, ihre bei Weltbild gekauften E-Books und Hörbuch-Downloads extern zu sichern“. Die Domain des Onlinegeschäftes inklusive Kundendaten und der E-Book-Sparte wurde nach Zustimmung der Kartellbehörden von Thalia Bücher übernommen.

Weitere Media-Marken + Eigenmarkenstarts, Beteiligungen und Übernahmen 1999 Jokers startet als Schnäppchen-Katalog für Bücher 1999 Weltbild ist Mitgründer von booxtra 2001 booxtra übernimmt buecher.de 2005 Weltbild übernimmt Avus-Gruppe mehrheitlich 2013 Tolino kommt auf den Markt 2014 Weltbild übernimmt buecher.de vollständig 2019 Weltbild übernimmt Gärtner Pötschke 2019 Weltbild startet Orbisana 2019 Weltbild übernimmt D2C Recommerce mehrheitlich 2020 Weltbild übernimmt teNeues 2020 tausendkind wird übernommen 2022 Kauf der Vidi GmbH 2023 Kauf von Paul Valentine 2023 Übernahme von EOD mit der Marke Groundies buecher.de: Die Verlagsgruppe Weltbild zählte 1999 zu den Gründern des Internet-Buchhändlers Booxtra.Internet-Buch-Shop Booxtra startet. In: Hamburger Abendblatt, 3. Juni 1999. Dieser übernahm zwei Jahre später die Domain buecher.deAus für buecher.de. In: Trierischer Volksfreund, 15. September 2001. und trat am Markt unter buecher.de auf.Joachim Hofer: Verblüffend erfolgreich. In: Handelsblatt, 22. Januar 2002. Durch partiellen beziehungsweise vollständigen Kauf der Gesellschaftsanteile wurde Weltbild zwischen 2007 und 2014 Alleineigentümer der Marke.Telekom zieht sich aus bild-t-online.de zurück. In: Berliner Zeitung, 4. Dezember 2007.Komplette Übernahme. In: Frankfurter Rundschau, 28. August 2014. Jokers: Weltbild startete Jokers 1999 als Schnäppchen-Katalog für Bücher, im Jahr darauf begann der Verkauf über das Internet.Neu im www. In: Basler Zeitung, 15. November 2000. Ab 2001 folgten Filialen.Jokers Restseller in Winterthur. In: Neue Zürcher Zeitung, 8. September 2001. 2022 war der Rückzug von Jokers aus dem Filialgeschäft abgeschlossen, verbliebene Buchhandlungen wurden in Weltbild umbenannt. Jokers ist seit der zweiten Jahreshälfte 2022 eine Marke von buecher.de. teNeues: Der Wiederaufbau des 1931 in Krefeld gegründeten Druck- und Verlagshauses te Neues erfolgte nach dem Zweiten Weltkrieg in Kempen. Hendrik te Neues (1952–2019),Angabe auf whoswho.de, abgerufen am 21. August 2023. der Enkel des Gründers, baute das internationale Geschäft des Familienunternehmens auf. Vor 2020 bestand das Programm vor allem aus Bildbänden, ferner aus Corporate Publishing-Produkten für Unternehmen und Marken. Zum 1. Oktober 2020 übernahm Weltbild den teNeues Verlag. Avus: Durch Fusion von zwei in den 1960er Jahren gegründeten Unternehmen entstand 1996 die GLB Parkland GmbH. Sie erwarb im Jahr darauf die ABK Avus Bücherdienst Köln GmbH mit ihrem Lager in Neuss. 2005 genehmigte das Bundeskartellamt die Mehrheitseigentümerschaft von Weltbild an der Avus-Gruppe.Bekanntmachung Nr. 4/2005 über Zusammenschlüsse nach dem Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen. Handelsregister-Bekanntmachungen vom 25. Februar 2005, publiziert im Bundesanzeiger. Tolino: Weltbild zählte zu den fünf Gründern der Tolino-Allianz, die im März 2013 der Öffentlichkeit ihren E-Book-Reader präsentierten. Ziel war die Schaffung einer übergreifenden Alternative zu Amazons Kindle.Theresa Münch (dpa): Angriff auf Amazon. In: Frankfurter Neue Presse, 2. März 2013. Die Beteiligungsquote an Tolino lag 2021 bei 16,67 %.

Non-Media tausendkind: Die Marke tausendkind ging 2010 als Online-Versender für Produkte rund ums das Thema Familie und Kind an den Markt.dpa: Droege-Gruppe kauft Onlineshop Tausendkind. In: Rheinische Post, 6. Juni 2020. 2020 übernahm die Droege Group das Unternehmen und gliederte es in die Weltbild D2C Group ein.