mini|Albrecht Schmidt (Mitte) beim Freundeskreis der Wirtschaftsjunioren in Freiburg (2002) mini|klasse=skin-invert-image|Unterschrift von Albrecht Schmidt Albrecht Schmidt (* 13. März 1938 in Leipzig) ist ein deutscher Jurist und Bankmanager. Von 1990 bis 1998 war er Vorstandssprecher der Bayerischen Vereinsbank. Danach war er federführend an der Gründung der HypoVereinsbank beteiligt, der er bis 2002 vorstand. Von 2003 bis 2005 war er Aufsichtsratsvorsitzender der Bank, darüber hinaus war er in zahlreichen Aufsichtsräten u. a. von Siemens, der Münchener Rück und der Allianz-Gruppe vertreten.

Leben Herkunft und Jurastudium Albrecht Schmidt wuchs in einer bürgerlich geprägten Familie auf. Sein Großvater väterlicherseits war der Architekt August Hermann Schmidt (1858–1942), Teilhaber des seinerzeit bekannten Leipziger Architekturbüros Schmidt & Johlige. Sein Vater war der Architekt Gottfried Hermann Schmidt (* 1892), seine Mutter Ruth geb. Weste (* 1909) war die Tochter eines königlich sächsischen Offiziers.Helmut Strehlau (Hrsg.): Deutsches Geschlechterbuch. Genealogisches Handbuch bürgerlicher Familien. Band 167, Starke Verlag, Limburg an der Lahn 1974, S. 513. Er hatte sechs Geschwister, darunter den Bundesverwaltungsrichter Peter Schmidt (* 1943). Die Familie war Eigentümer mehrerer Wohngebäude in Leipzig. Nach dem Besuch der Volksschule wurde er Schüler an der humanistischen Thomasschule zu Leipzig.Christoph Wiedemann: Dienstleistung fürs Auge. Bank-Vorstandssprecher Albrecht Schmidt über die neue Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung. In: Süddeutsche Zeitung vom 30. Mai 2001, S. 22.

Seine Familie verließ 1954 die DDR. Er lebte fortan in Stuttgart und besuchte dort das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium.Albrecht Schmidt: Dr. Albrecht Schmidt, Vorstandssprecher der Bayerischen Vereinsbank AG, München. In: Würzburg Heute, Zeitschrift für Kultur und Wirtschaft, 37–40 (1984), S. 119. Nach dem Abitur begann er ein Studium der Rechtswissenschaften und Volkswirtschaftslehre an der Eberhard Karls Universität Tübingen, das er später an der Ludwig-Maximilians-Universität München fortsetzte. Im Jahr 1962 absolvierte er erfolgreich sein 1. juristisches Staatsexamen. 1965 heiratete er Gerda Elka Miss (* 1942), mit der er zwei Töchter hat.Porträt: Albrecht Schmidt (62), Chef der Bayerischen HypoVereinsbank. In: Neue Vorarlberger Tageszeitung, 8. September 2000, S. 39. 1966 wurde er an der Juristischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München mit der Dissertation Konkurrenzprobleme um § 267 StGB – Ein Beitrag zur Lehre von den Mischgesetzen und zur Lehre von der Gesetzeskonkurrenz im Strafrecht zum Dr. jur. promoviert. Nach dem Rechtsreferendariat legte er 1967 sein Assessorexamen in München ab. Während seines Referendariats war er erfolgreicher juristischer Repetitor.

Beruflicher Werdegang Einstieg ins Bankgewerbe 1967 begann der Hochschulabsolvent als Vorstandsassistent in der Hypothekenabteilung der Bayerischen Vereinsbank AG in München. Sechs Jahre später wurde der Abteilungsleiter zum stellvertretenden und 1976 zum ordentlichen Mitglied des Vorstandes des Tochterkonzerns Nürnberger Hypothekenbank AG, der sich im Bereich der wertbeständigen Gewerbeimmobilien betätigte, gewählt. Im Mai 1979 wurde er dann Vorstandsmitglied des Mutterkonzerns. Als dieses war er für die Immobilienfinanzierung, das Personalwesen und die Region Rhein-Main verantwortlich. Im Jahr 1982 fiel ebenso in seinen Kompetenzbereich die Akquisition des privaten Frankfurter Bankhauses Gebrüder Bethmann. Damit expandierte der bayerische Mutterkonzern zum ersten Mal außerhalb Süddeutschlands.

Vorstandssprecher der Bayerischen Vereinsbank Albrecht Schmidt übernahm im Mai 1990 von Maximilian Hackl, der Aufsichtsratsvorsitzender wurde, das Amt des Vorstandssprechers der Bayerischen Vereinsbank AG. Er setzte sich damit gegen den ursprünglichen Kronprinzen Hackls, das Vorstandsmitglied Dietrich Koellhofer, durch. Dieser wirkte während seiner Kandidatur nach Meinung der Wirtschaftspresse im Vergleich zu Schmidt eher undiplomatisch.Schmidt neuer Sprecher. Überraschender Wahlausgang. In: Handelsblatt, 4. Dezember 1989, S. 11. Die Bank stellte sich auf Betreiben Schmidts fortan als „fokussierte Universalbank“ mit dem Geschäftsmodell „Profil und Profitabilität“ auf. Eine Übernahme der privaten Kölner Privat- und Investmentbank Sal. Oppenheim im Jahr 1995 scheiterte an seinem Widerstand.Albrecht Schmidt 60. In: Börsen-Zeitung, 12. März 1998, S. 13. Bei den folgenden Deals mied er bewusst das Investmentbanking-Geschäft. Im April 1996 stufte die US-amerikanische Ratingagentur Moody’s die Vereinsbank wegen unbesicherter langfristiger Verbindlichkeiten von Aaa auf Aa1 zurück.Stocksauer auf Moody’s. In: Börsen-Zeitung, 1. Mai 1996, S. 9. Er äußerte Unmut über die Entscheidung und kritisierte in dem Zusammenhang den Einfluss von Ratingagenturen.Mario Müller: Umstrittene Zensuren. In: Die Zeit, 10. Mai 1996. Wirtschaftliche Erfolge waren dagegen die Erhöhung der Beteiligung an der traditionsreichen Hamburger Vereins- und Westbank AG im Jahr 1990 und die Eröffnung von mehr als 100 Filialen mit mehr als 1300 neuen Mitarbeitern in den neuen Bundesländern nach der Wende.Frank Wiebe: Porträt des voraussichtlichen Chefs Albrecht Schmidt. Das Ende der bayerischen Gemütlichkeit. In: Handelsblatt, 1. August 1997, S. 23. Darüber hinaus gründete er mehrere Tochterunternehmen: 1991 die Bausparkasse Vereinsbank Victoria Bauspar AG und 1996 die Direktbank Advance Bank AG. Im Jahr 1997 kaufte die Vereinsbank die Noris Verbraucherbank GmbH, später einer der deutschen Pioniere im Electronic Banking. Über die 100-prozentigen Tochtergesellschaften Luxemburger Vereinsbank International, die Schweizer Bank von Ernst, die Wiener Schoellerbank und der BPH in Polen expandierte die Vereinsbank unter seiner Federführung europaweit. Auch erste Filialen in Asien und Lateinamerika wurden auf sein Betreiben hin eröffnet. Das Wirtschaftsmagazin Capital bezeichnete ihn deshalb 2002 als „Deutschlands aggressivsten Bankier“.

Gründung der HypoVereinsbank mini|Logo der HypoVereinsbank (HVB) mini|HVB-Zentrale in München

Ab 1997 trieben er und der aus Augsburg stammende Bankmanager Eberhard Martini, über einen Aktientausch die Fusion der Bayerischen Vereinsbank mit der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank AG zur Bayerischen Hypo- und Vereinsbank AG voran. Schmidt reagiere damit schnell und vorausschauend auf einen vorangehenden Aktienkauf der Deutschen Bank an der Vereinsbank in Höhe von zunächst fünf Prozent.Christoph Hardt: Vom Abschied eines Widerständlers. In: Handelsblatt, 28. Oktober 2005, S. 22. Mit dem Zusammenschluss 1998 entstand die zweitgrößte Bank nach Marktkapitalisierung (59 Milliarden D-Mark) in DeutschlandSchmidt sucht noch Asset Manager. In: Handelsblatt, 1. September 1998, S. 22. und er wurde zum ersten Vorstandssprecher bestellt. Im Zuge staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen aufgrund vermeintlicher Untreue und Bilanzfälschung gegen Martini, der inzwischen Aufsichtsratsmitglied war, kam es wenig später zum Zerwürfnis beider Männer.Zum Tod vom Eberhard Martini. Banker verunglückt. In: Süddeutsche Zeitung, 17. Mai 2010. Schmidt gab als eine seiner ersten Amtshandlungen eine neue Unternehmensstrategie aus. Die HVB wollte in den nächsten Jahren die „Bank der Regionen“ werden.Sibylle Bauer, Stefanie Burgmaier: „Bank der Regionen werden“. In: WirtschaftsWoche, 11. Dezember 1997, S. 60. Dafür spannte er ein weitflächiges Filialnetz in Mittel- und Osteuropa. Im Jahr 2000 gelang ihm die Übernahme der Bank Austria AG, der größten Bank Österreichs.. In: Handelsblatt, 28. September 2000. Ferner trieb Schmidt in seiner Amtszeit die Modernisierung alter Bankgebäude in der Münchner Altstadt wie dem Firmensitz in der Kardinal-Faulhaber-Straße 1 voran.HVB Group: AR-Vorsitzender Dr. Albrecht Schmidt wird 65. Pressemitteilung der Hypovereinsbank AG vom 10. März 2003. Im Februar 2002 bot er dem langjährigen Kunden und Schuldner Leo Kirch 1,1 Milliarden Euro für dessen 40-prozentiger Beteiligung an der Axel Springer AG an.Die wichtigsten Player im Insolvenz-Poker. In: manager magazin, 8. Mai 2002. Dies brachte dem Medienunternehmer Überbrückungszeit bis zur drohenden Insolvenz der Kirch-Gruppe. Schmidt wiederum bootete nach Einschätzung der einschlägigen Wirtschaftspresse durch seine Handlungsstärke seinen Widersacher Rolf-E. Breuer aus. In der Folge bestimmte die HypoVereinsbank und nicht die Deutsche Bank die Sanierung der Kirch-Gruppe.Volker Müller, Christian Maertin: Finanzplätze Lautlos an die Macht. In: WirtschaftsWoche, 28. Februar 2002, S. 50.

Schmidt werden im Zusammenhang mit seiner Arbeit insbesondere preußische Tugenden wie Fleiß und Disziplin nachgesagt.Albrecht Schmidt. Chef der HypoVereinsbank und Retter Leo Kirchs. In: Süddeutsche Zeitung, 13. Februar 2002. Er galt als Bankmanager der alten Schule und verkörperte einen autoritären Führungsstil.Verfeindete Fusionäre. Angriff und Konter beim Streit über die Altlasten der Hypo-Bank. In: Die Welt, 4. November 1998. Inhaltlich stand er für Deregulierung und Abbau von Protektionismus. In einer Laudatio schrieb der Münchner VWL-Professor Gerhard Illing 2002, Schmidt habe maßgeblich dazu beigetragen, dass der Finanzplatz München während der 1990er Jahre international an Bedeutung gewonnen habe. Kritiker hingegen, auch unter den Aktionären, nannten ihn zu ehrgeizig; potenzielle Nachfolger wie Stephan Schüller und Eberhard Rauch wurden von ihm weggelobt.Oliver Schumacher: Kleiner Napoleon. Mit harter Hand regiert Albrecht Schmidt die HypoVereinsbank. In: Die Zeit, 19. November 1998.Arne Stuhr: Die 50 Mächtigsten. Den Absprung verpasst. In: manager magazin, 7. November 2002. Darüber hinaus erfuhr er um den Jahrtausendwechsel eine unverhältnismäßige Gehaltssteigerung von 232 Prozent, obwohl zur gleichen Zeit die Aktionärsrendite um mehr als 48 Prozent sank.. In: Handelsblatt, 5. November 2002. Im Zuge der zahlreichen Unternehmenspleiten der HVB-Kreditnehmer (u. a. Kirch, Fairchild-Dornier, Holzmann, Babcock) fuhr die HVB Gruppe im Geschäftsjahr 2002 erstmals ein negatives Ergebnis vor Steuern in Höhe von minus 821 Millionen Euro ein.HVB Gruppe: Geschäftsbericht 2002. München, S. 47. (, abgerufen am 26. April 2013). Der Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) Ulrich Hocker sprach von „hausgemachten Problemen“. Leistungsprämien wurden an Schmidt nicht mehr in voller Höhe ausgeschüttet und er verdiente am Ende seiner Amtszeit, im Jahr 2002, nur noch 1,6 Millionen Euro (ca. 75 Prozent fixes und 25 Prozent variables Gehalt), 54 Prozent weniger als im Vorjahr.Christian Buchholz: Dax-Gehälter. 6,9 Millionen pro Jahr sind Spitze. In: manager magazin, 16. Mai 2003. Damit rangierte er bei der Managervergütung unter den DAX-Vorständen nunmehr im letzten Drittel der Rangliste.Christian Bieker, Johannes Heinritzi: Managergehälter Satter Zuschlag. In: Focus Money, 16. Mai 2003, S. 14–19.

Aufsichtsratsmandate und Beiräte