miniatur|John Gresham Machen
John Gresham Machen []Charles Earle Funk: What’s the Name, Please? Funk & Wagnalls, 1936. (* 28. Juli 1881 in Baltimore, Maryland, USA; † 1. Januar 1937 in Bismarck, North Dakota, USA) war ein US-amerikanischer presbyterianischer Theologe im frühen 20. Jahrhundert. Von 1915 bis 1929 Professor für Neues Testament am Princeton Theological Seminary, führte er einen konservativen Aufstand gegen die modernistische Theologie in Princeton an und gründete 1929 das Westminster Theological Seminary als theologisch konservativ ausgerichtete Hochschule.
Leben Kindheit und Jugend Machen wurde in Baltimore im US-Bundesstaat Maryland geboren. Sein Vater, Arthur Webster Machen (1827–1915), Anwalt in Baltimore, war bei der Heirat 45 Jahre alt, seine Mutter, Mary Jones Gresham (1849–1931), 24 Jahre. Als Brüder sind namentlich Arthur Webster Machen II (1877–1950) und Thomas Gresham Machen (1886–1975) bekannt. (25. April 1998, englisch, abgerufen am 27. Mai 2026) Während der Vater zur Episkopalkirche der Vereinigten Staaten von Amerika gehörte, war seine Mutter Presbyterianerin und lehrte ihren Sohn von klein auf den Kleinen Westminster-Katechismus (Westminster Shorter Catechism). Die Familie ging zur Presbyterianischen Kirche in der Franklin Street. Seine Schulbildung wird als privilegiert eingeschätzt, denn er konnte ein privates College besuchen und erhielt eine klassische Erziehung, einschließlich Latein und Griechisch. Obwohl es keine Aufzeichnungen darüber gibt, war es wahrscheinlich die Universitätsschule für Knaben. John lernte auch, Klavier zu spielen.
Frühes Erwachsenenalter Studienzeit 1898 begann der 17-jährige Machen, an der Johns Hopkins University zu studieren, um seinen ersten Abschluss zu machen. Dies gelang ihm gut genug, um ein Stipendium zu erhalten. Er studierte Altphilologie und war Mitglied der Studentenverbindung Phi Kappa Psi. Machen war ein brillanter Student und wurde daher nach seiner Promotion 1901 in die Gesellschaft Phi Beta Kappa gewählt.
Trotz einer gewissen Unschlüssigkeit bezüglich seiner Zukunft entschied sich Machen 1902, Theologie am Princeton Theological Seminary zu studieren, während er gleichzeitig einen Master of Arts in Philosophie an der Princeton University machte.
Auseinandersetzung mit dem theologischen Liberalismus in Deutschland 1905 weilte er für ein Jahr zu theologischen Studien in Marburg und Göttingen. In einem Brief an seinen Vater gestand er, durch den von Professor Wilhelm Herrmann gelehrten Liberalismus in eine Glaubenskrise gestürzt worden zu sein. Obwohl er enormen Respekt vor Herrmann hatte, führte ihn seine Zeit in Deutschland und seine Beschäftigung mit modernistischen Theologen dazu, den Modernismus abzulehnen und sich die konservative reformierte Theologie noch stärker als bisher zu eigen zu machen. Während seines Studiums in Göttingen wurde er 1906 Mitglied der Schwarzburgbund-Verbindung Burschenschaft Germania.Hermann Goebel (Hrsg.): Mitgliederverzeichnis des Schwarzburgbundes. 8. Aufl., Frankfurt am Main 1930, S. 103, Nr. 1950.
Vor und während des Ersten Weltkriegs Princeton 1906–1916 1906 trat Machen als Lehrer für Neues Testament am Princeton Theological Seminary an, nachdem ihm zugesagt worden war, er würde kein Glaubensbekenntnis unterzeichnen müssen. In Princeton stand er unter dem Einfluss von Francis Landey Patton, der Ankläger in einem Gerichtsverfahren wegen Häresie gewesen war, und unter dem Einfluss von B. B. Warfield, den er als den großartigsten Mann beschrieb, den er je getroffen habe. Warfield bestand darauf, dass die richtige Lehre das vorrangige Mittel sei, durch das die Christen die sie umgebende Kultur prägten, und er legte Wert auf eine hohe Anschauung der Heiligen Schrift und die Verteidigung des Supranaturalismus. Es scheint, dass Machen unter ihrem Einfluss seine Glaubenskrise überwand. 1914 wurde er ordiniert und 1915 Assistenzprofessor für Neues Testament.
Zeit des Ersten Weltkriegs Im Ersten Weltkrieg leistete Machen keinen „konventionellen“ Militärdienst, sondern ging stattdessen mit dem CVJM nach Frankreich, um freiwillige Arbeit in der Nähe und direkt an der Front zu leisten – eine Aufgabe, die er auch nach Kriegsende einige Zeit weiterführte. Obwohl selbst nicht an Kämpfen beteiligt, wurde er aus erster Hand Zeuge der Verwüstungen moderner Kriegführung. Argwöhnisch gegenüber dem Projekt Woodrow Wilsons, eines Freundes der Familie, die Demokratie zu verbreiten, und auch dem Imperialismus gegenüber, war er strikt gegen den Krieg, und als er in die USA zurückkehrte, sah er, dass viele Bestimmungen des Versailler Vertrages „einen Angriff auf den internationalen Frieden und den Frieden unter den Rassen“ bedeuteten: „Krieg wird auf Krieg folgen in einer ermüdenden Abfolge.“Douglas M. Jones III: ANTITHESIS January/February 1991 – Bd. 2, Nr. 1.
Lehrtätigkeit in Princeton 1918–1926 Nach seiner Rückkehr aus Europa setzte Machen in Princeton seine Tätigkeit als Lehrer für Neues Testament fort. In dieser Zeit erwarb er den Ruf, einer der wenigen wirklichen Gelehrten zu sein, die fähig waren, der wachsenden Vorherrschaft der modernistischen Theologie argumentativ zu begegnen und dabei einen evangelikalen Glaubensstandpunkt einzunehmen. Er gilt als der letzte der großen Theologen Princetons, die seit der Gründung der Akademie im frühen 19. Jahrhundert die sogenannte Princeton-Theologie entwickelt hatten, eine konservative und calvinistische Form evangelikalen Christentums. Im Gegensatz zu den Princeton-Theologen Archibald Alexander, Charles Hodge, A. A. Hodge und B. B. Warfield hatte er jedoch weder eine Dozentenstelle für Theologie noch wurde er je Rektor des Seminars, sondern hatte nur einen Lehrauftrag für Neues Testament.
The Origin of Paul’s Religion (Der Ursprung der Religion des Paulus, 1921) ist vielleicht Machens bekanntestes akademisches Werk. Es kritisiert den modernistischen Glauben, die Religion des Paulus habe hauptsächlich auf griechischer Philosophie beruht und sei von der von Jesus völlig verschieden. Das Buch wurde mehrfach wiederaufgelegt, zuletzt 2010.Nachdruck von BiblioBazaar, ISBN 1-147-58660-8
Auch in Christianity and Liberalism (Christentum und Liberalismus, 1923) unterzog Machen den theologischen Modernismus einer Kritik. Er verglich das konservative Christentum mit dem zeitgenössischen protestantischen Christentum, wo sich modernistische (oder „liberale“) Theologie größer werdender Beliebtheit erfreute, und schlussfolgerte, dass der „Liberalismus der moderne Hauptgegner des Christentums sei“.
In seinem Buch What is Faith? (Was ist Glaube?, 1925) nahm er sich die pastorale Aufgabe vor, den Glauben in der geschichtlichen Tatsache der Versöhnungstat Christi zu verankern. Die liberale Theologie befand er als anti-intellektuell, insofern sie das Christentum spiritualisiere und als bloßen Ausdruck individueller Erfahrung behandle, wodurch die Bibel und die Glaubensbekenntnisse aller klar umrissenen Bedeutung beraubt würden.
Diese und eine Anzahl anderer Bücher gaben Machen innerhalb der Presbyterianischen Kirche einen festen Platz im theologisch konservativen Lager. Seine Arbeit während der 1920er Jahre war aufgeteilt in seine Zeit in Princeton und sein politisches Wirken mit evangelikalen Presbyterianern.
Trotz seiner konservativen theologischen Überzeugungen konnte Machen sich den populistischen Fundamentalismus nie ganz zu eigen machen. Seine Weigerung, den Prämillenarismus und andere Seiten des fundamentalistischen Glaubens zu akzeptieren, beruhte auf seiner Überzeugung, dass die calvinistische Theologie die biblischste Form christlichen Glaubens sei – eine Theologie, die damals im Fundamentalismus allgemein nicht anzutreffen war. Überdies stand Machens akademische Arbeit und seine Fähigkeit, sich mit modernistischer Theologie auseinanderzusetzen, im Widerspruch zur anti-intellektuellen Haltung vieler Fundamentalisten.
Kontroversen Zwischen 1924 und 1925 verschlechterte sich die Beziehung zur Fakultät in Princeton, als The Presbyterian die Frage aufwarf, ob es an der Fakultät zwei verschiedene Parteien gebe. Machen räumte ein, dass er mit Charles Erdman Differenzen über die Wichtigkeit der Glaubenslehre habe. Erdman übe Toleranz gegenüber denen, die lehrmäßig im Irrtum seien. Erdman antwortete ihm privat, Moody habe gewusst, „dass Polemiker üblicherweise keine Nachfolger für Christus gewinnen“.
Gründung des Westminster Theological Seminary 1929 beschloss die Generalversammlung, das Princeton Seminary zu reorganisieren, und berief zwei Leute zu Verwaltern, die die Erklärung von Auburn (Auburn Affirmation) unterzeichnet hatten. Diese Erklärung war eine Antwort von Liberalen innerhalb der Northern Presbyterian Church, die die Antwort der Generalversammlung auf die Kontroverse um Harry Emerson Fosdicks Predigt „Shall the Fundamentalists Win?“ („Sollen die Fundamentalisten gewinnen?“) verurteilte. Machen, Cornelius Van Til und einige Kollegen kündigten daraufhin ihre Stellen und gründeten in Glenside bei Philadelphia das Westminster Theological Seminary, um weiterhin „orthodoxe“ („rechtgläubige“) reformierte Theologie treiben und lehren zu können. Hier unterrichtete Machen bis zu seinem Tod 1937 Neues Testament.
Gründung der „Orthodoxen Presbyterianischen Kirche“ (OPC) 1933 war Machen über den Liberalismus beunruhigt, den Presbyterianer auf dem Missionsfeld duldeten. Er rief das Independent Board for Presbyterian Foreign Missions ins Leben. Die nächste presbyterianische Generalversammlung erklärte, dass das Independent Board verfassungswidrig sei, und setzte der beteiligten Pfarrerschaft ein Ultimatum, um ihre Verbindungen abzubrechen. Als Machen und sieben andere Geistliche sich weigerten, wurden sie vom presbyterianischen Pfarramt dispensiert. Die Auseinandersetzung schied Machen von vielen seiner fundamentalistischen Freunde, z. B. von Clarence MacCartney, der sich angesichts einer drohenden Spaltung zurückzog. Schließlich verließ Machen die Northern Presbyterian Church und gründete 1936 eine Kirche, die später als Orthodox Presbyterian Church bekannt wurde.
Francis Schaeffer geht in seinem Buch Die große Anpassung: Der Zeitgeist und die Evangelikalen (The Great Evangelical Disaster, 1984) detailliert auf den Wandel vom theologischen Konservativismus zum Liberalismus in Amerika ein. Er beschreibt, wie Machens „Amtsenthebung“ in den säkularen Medien des Landes Schlagzeilen machte. Schaeffer schlussfolgert: „Man könnte mit Fug und Recht behaupten, dass die Nachrichten über Machen die bedeutsamsten US-Nachrichten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren. Es war der Höhepunkt eines lange anhaltenden Trends zum Liberalismus in der Presbyterianischen Kirche und repräsentierte den gleichlaufenden Trend in den meisten anderen Denominationen“ (S. 35).David Jäggi: Fundamentalismus contra "Neo-Orthodoxie". Francis Schaeffers theologische Prägung, sein Anliegen und die daraus resultierende Kritik an der Lehre von Karl Barth. Logos, Berlin 2013, ISBN 978-3-8325-3430-1, S. 57–62
Religion und Politik Machen blickte argwöhnisch auf die Vermischung von Religion und Politik. Versuche, mit politischen Mitteln eine christliche Kultur aufzubauen, betrachtete er als unsensibel gegenüber Minderheiten.J. Gresham Machen: S. 149, 151. New York 1923, MacMillan. Noch mehr war er über den korrumpierenden Einfluss der Politik auf die Christenheit besorgt, und das Social Gospel sah er als warnendes Beispiel. Er war gegen das Schulgebet und Bibellesungen in öffentlichen Schulen. Diese Position implizierte allerdings, dass Christen ihre eigenen Schulen führen sollten.J. Gresham Machen: "The Necessity of the Christian School,", in: What Is Christianity? And Other Essays von J. Gresham Machen, hg. v. Ned B. Stonehouse. Grand Rapids 1951