Die Theatinerkirche, offiziell St. Kajetan und Adelheid, ist ein hochbarocker Sakralbau in der Theatinerstraße 22 in der bayerischen Landeshauptstadt München. Die im Jahr 1675 geweihte römisch-katholische Kirche war bis 1801 Hof- und Klosterkirche des Theatinerordens, ab 1839 Hof- und Kollegiatstift und wird seit 1954 vom Dominikaner-Orden betreut. Sie ist die erste im Stil des italienischen Hochbarocks erbaute Kirche in Altbayern. Das Kirchengebäude mit Doppelturmfassade liegt im Nordosten des Kreuzviertels gegenüber der Münchner Residenz und der Feldherrnhalle und gehört heute zum Ensemble des Odeonsplatzes. Ein wichtiges Vorbild war die Mutterkirche des Theatinerordens Sant’Andrea della Valle in Rom. Die Theatinerkirche wurde dann ihrerseits Vorbild anderer Kirchenbauten und steht am Beginn des italienisch geprägten Hochbarock in Bayern.
Geschichte mini|Theatinerkirche und -kloster um 1700, Stich von Michael Wening mini|Feldherrnhalle mit Theatinerkirche vor 1888, Bild von Gustav Seeberger mini|hochkant|Theatinerkirche (1953) mini|hochkant|Theatinerkirche am Odeonsplatz (2026) Gründung 1659 legte Henriette Adelheid von Savoyen, die Frau von Kurfürst Ferdinand Maria, ein Gelübde ab, als Dank für die Geburt eines Erbprinzen die „schönste und wertvollste Kirche“ errichten zu lassen. Diese sollte Hofkirche und Stiftskirche für die Theatiner werden.
Nachdem der Kurprinz und spätere Kurfürst Max II. Emanuel am 11. Juli 1662 geboren worden war, erhielt Agostino Barelli aus Bologna den Entwurfsauftrag. Als Bauplatz für Kirche und Kloster wurde die Nordostecke des Kreuzviertels direkt an Stadtmauer und Schwabinger Tor ausgewählt, die gegenüber der Residenz liegt. Bereits am 29. April 1663 erfolgte die Grundsteinlegung.
Baugeschichte Barelli nahm sich als Vorbild die Mutterkirche der Theatiner, Sant’Andrea della Valle, in Rom. Als Raumtypus wurde für die Kirche eine Kuppel-Basilika über dem Grundriss des lateinischen Kreuzes gewählt.
Während der Rohbauarbeiten kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Barelli und seinem Bauleiter Antonio Spinelli, selbst Theatiner und Beichtvater Henriettes von Savoyen, die zur vorübergehenden Entlassung Barellis führten. Schließlich vollendete Agostino Barelli noch den Rohbau und verließ dann München.
Danach übernahm Enrico Zuccalli die künstlerische Leitung. Der Schwerpunkt seiner Tätigkeit war die Außengestaltung. Zuccalli bestimmte die Form der 71 m hohen Tambourkuppel und später auch der beiden 65 m hohen Türme. Die Gestaltung der Schnecken unter den Turmhelmen wurde durch die Kuppel von Santa Maria della Salute in Venedig inspiriert. Das Hauptschiff weist eine Länge von 72,50 m, eine Breite von 15,50 m und eine Höhe von 28,55 m auf. Die Kuppel wurde mit einem Durchmesser von etwas unter 18 m etwas kleiner gestaltet als ursprünglich geplant. Die Laterne auf der Kuppel trägt als Wetterfahne einen Löwen.
Gleichzeitig arbeitete Zuccalli ab 1674 auch an der Ausgestaltung des Innenraumes mit. Im gleichen Jahr begannen der Comer Giovanni Nicolò Perti und Giovanni Viscardi sowie Abraham Leuthner mit den Stuck-Arbeiten.
Am 11. Juli 1675 wurde die Kirche geweiht – sie war zu diesem Zeitpunkt noch weitgehend im Rohbau.Reiser 2012 (s. u.), S. 95 zitiert hierzu aus dem Klostertagebuch von 1675: „fare la consecrazione alli 11 di luglio, giorno natale del Ser. Principe Elettorale.“ Diskussionen über die endgültige Fassadengestaltung verzögerten die Fertigstellung. Zwischen 1684 und 1692 errichtete Zuccalli nach eigenen Plänen die Türme; 1688 wurde die Innenausstattung vollendet. Ab 1692 bis zur Fertigstellung übernahm Giovanni Viscardi die Bauleitung. Henriette von Savoyen machte die Kirche zum Sitz ihrer Kongregation der Adeligen Dienerinnen Mariens. Sie verstarb 1676 und erlebte die Fertigstellung der Theatinerkirche nicht mehr.
Die Doppelturmfassade der Theatinerkirche blieb lange unvollendet. Erst rund 100 Jahre nach der Weihe entwarf François de Cuvilliés der Ältere 1765 eine Fassade im Rokoko-Stil mit nur leichten Veränderungen, die sein Sohn François de Cuvilliés der Jüngere vollendete.
Kloster und Klosterbau Der Klosterbau trug die Handschrift Zuccallis, unter dessen Leitung der Baumeister Lorenzo Perti die Gebäude aufführte. Kirche und Kloster bildeten ein gewaltiges Viereck zwischen Stadtmauer, Schwabinger Gasse (der heutigen Theatinerstraße), Kuhgasse (der heutigen Salvatorstraße) und Salvatorplatz.
Die Theatiner erlangten einen guten Ruf als Seelsorger und Gelehrte, bis sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts ein zunehmender Verfall der Zucht und Finanzen bemerkbar machte. Kurfürst Max IV. Joseph, der spätere König Max I. Joseph, hob am 26. Oktober 1801 das Kloster schon vor der Säkularisation auf. Während der Säkularisation kamen das Kloster wie auch gleichzeitig die Kirche in Staatsbesitz. Sie sind daher bis heute Eigentum des Freistaates Bayern. Die Theatinerkirche blieb in der Folge Stifts- und Hofkirche, während in das Konventgebäude die kurfürstlichen Departements (Ministerien) für Finanzen, Justiz und Geistliche Sachen verlegt wurden, nachdem bereits 1799 das Departement der Auswärtigen Angelegenheiten in das noch bestehende Theatinerkloster eingezogen war. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts blieb das Theatinerkloster Standort der königlichen Regierung. Am Südwesttrakt des Klosters war bereits 1731 das Palais Minucci entstanden.
1839 wurde durch Gregor XVI. das neue Kollegiatstift zum Hl. Kajetan errichtet. 1855 wurde die Kirche zur Ordenskirche des St. Elisabethenordens bestimmt und der Stiftsdechant zum Zeremoniar ernannt.
Zerstörung und Wiederaufbau Während des Zweiten Weltkrieges, besonders in den Jahren 1944/1945, wurde die Kirche und das Kloster (bis auf den Westtrakt) stark beschädigt. Das Altarbild „Die Stiftung der Theatinerkirche durch das Kurfürstenpaar“ (Antonio Zanchi, 1675) wurde zerstört. Bereits 1946 begann der Wiederaufbau, der 1955 weitgehend abgeschlossen wurde. Seit 1954 betreuen Dominikaner die Stiftskirche und haben seitdem eine kleine Niederlassung in St. Kajetan. Die Wiederbebauung des ehemaligen Klostergeländes wurde 1973 abgeschlossen. Der so entstandene Gebäudekomplex beherbergt heute die Staatsministerien für Unterricht und Kultus für Wissenschaft und Kunst. Von 2001 bis 2019 erfolgte eine schrittweise Innen- und Außensanierung der Kirche.
Farbgestaltung Bei der jüngsten Restaurierung 2001 bis 2019 wurde der gelbliche Ocker-Ton der Außenfassade beibehalten. Ähnlich wie bei der Münchner Jesuitenkirche St. Michael, deren Fassadenfarbe im Zuge der Renovierung geändert wurde, bleibt die Farbgebung der Fassaden jedoch Diskussionsthema. Als ehemalige Hofkirche ist die Theatinerkirche Eigentum des Freistaats Bayern als Entscheidungsträger. Historiker hatten Hinweise, dass das Gebäude bereits ursprünglich grau, in einem sandsteinfarbenen Ton, gestaltet war. Das Erzbischöfliche Ordinariat München und Freising stand einem Wechsel der vertrauten Ansicht positiv gegenüber. Bereits im 18. Jahrhundert war die Fassade der Theatinerkirche gelb gestrichen, in der Klenze-Zeit im Zuge des Baus der Ludwigstraße grau, und ab Mitte des 19. Jahrhunderts wieder gelb. mini|Allianzwappen zwischen Kurfürstentum Bayern und Sachsen + Union Polen-Litauen
Architektur
Fassade Die Doppelturmfassade umfasst im Hauptgeschoss sieben und im Ober- bzw. Giebelgeschoss drei Achsen. Ein Dreiecksgiebel fasst die mittleren Achsen beider Geschosse zusammen. Die Breite der Fassade wird durch Sockel, Gebälk und Attika betont, während die Pilaster und Säulen in dorischer (unten) und ionischer (oben) Ordnung die Fassade in die Höhe streben lassen. Das breite Gesims zwischen den beiden Geschossen bindet auch die Türme ein. Die zurückspringende Mittelachse nimmt unten das Hauptportal auf, darüber das durch eine Säulen-Ädikula nobilitierte Obergeschossfenster und im gesprengten Giebel das von Engeln gehaltene Allianzwappen des damals regierenden Kurfürsten Max III. Joseph und seiner Ehefrau Maria Anna von Sachsen-Polen. Die sächsisch-polnische Union wird heraldisch in der Vereinigung der Hauptwappen des Herzogtums Sachsen und der Union Polen-Litauen zum Ausdruck gebracht. Dem polnisch-litauischen Wappen ist das sächsische mittig aufgelegt. Der weiße Adler mit Krone in rotem Feld steht für das Königreich Polen, der weiße Reiter mit Schwert und Schild (Vytis) in rotem Feld für das mit diesem verbundene Großfürstentum Litauen. Auf dem Waffenschild des litauischen Reiters befindet sich das Wappen der Dynastie der Jagiellonen. Der Schild mit diagonalem Rautenkranz über schwarzen und goldenen Querbalken stellt das Herzogtum Sachsen dar, das den Wettinern zusammen mit der sächsischen Kurwürde 1423 übertragen wurde.
Die Türme wachsen ab dem zweiten Geschoss frei empor. Sie zeigen im oktogonalen Glockengeschoss eine besonders reicher Gestaltung mit Voluten und einem stark verkröpften Gebälk.
Die Bildhauer Roman Anton Boos und Ignaz Günther schufen die Figuren und den Dekor. In den Nischen stehen im ersten Geschoss der heilige Kajetan und Maximilian von Celeia, im Giebelgeschoss Adelheid von Burgund und Ferdinand von Kastilien. Ziervasenpaare besetzen die Abschlüsse der Außenachsen des Giebels sowie der Achsen zwischen Türmen und Mitte. Die Steigerung der Gestaltungsmittel zur Fassadenmitte ist typisch barock: Die Fassade gewinnt zur Mitte hin kontinuierlich an Plastizität, Tiefe und Reichtum der Detailformen.
Innenraum mini|Innenraum Der Grundriss zeigt einen Longitudinalbau, der sich aus fünf querrechteckigen Langhaus-Jochen, einem Kuppelraum mit Quer-Armen und einem Chor mit rund schließender Apsis zusammensetzt. Im Langhaus ist die Jochfolge rhythmisiert: Drei tiefere Joche werden von zwei Schmaljochen eingefasst. Das westliche Schmaljoch nimmt Vorhalle und Chorraum auf, das östliche leitet zum Kuppelraum über. An Gemeinderaum und Chor schließen sich seitlich Kapellen oder Abseiten an, die durch Durchgänge miteinander verbunden sind. Der Altarraum hat Langhausbreite.
Den Aufriss beherrscht eine Halbsäulen-Arkaden-Architektur in korinthischer Ordnung. Zwischen den mittleren Jochen stehen kannelierte Doppelsäulen, an den Schmaljochen einfache kannelierte Säulen. Die Scheitel der Abseitenarkaden erreichen nicht ganz Gebälkhöhe. Über dem Hauptgebälk ist eine Attika eingezogen. Darüber beginnt die Wölbungszone mit Lichtgaden und den gestelzten Gewölbegurten. Die niedrigen Kapellräume schließen mit Flachkuppeln ab. Gedeckt werden Hauptraum, Querarme und Chor von gurtgegliederten Stichkappentonnen im halbkreisförmigen Querschnitt. Im Vierungsbereich treten Doppelsäulen, Attika und Gurte hervor oder sind stärker ausgebildet.
Maße des Bauwerkes Länge des Hauptschiffs: 72,50 m Breite des Hauptschiffs: 15,50 m Höhe des Hauptschiffs: 28,55 m Höhe der Türme: 64,60 m Höhe der Kuppel: 70,20 m Durchmesser der Kuppel: 17,70 m
Ausstattung Der mächtige barocke Hochaltar ist ein viersäuliger Ädikula-Altar mit Opfergangstüren. Der gesprengte Giebel gibt den Blick auf ein Apsisfenster frei. Das Altargemälde zeigt eine thronende Maria mit dem Jesuskind und Heilige, eine sogenannte Sacra Conversazione, von Gaspar de Crayer (1646). Assistenzfiguren sind die vier Evangelisten.
Geschichte der Hochaltäre mini|Chorraum