mini|hochkant|Pfarrkirche St. Peter und Paul, Turmfront mini|St. Peter und Paul, Blick von der Piesbacher Straße aus auf die im Tal liegende Kirche Die Pfarrkirche St. Peter und Paul und St. Hubertus ist eine katholische Pfarrkirche in der saarländischen Gemeinde Nalbach, Landkreis Saarlouis. Sie trägt das Haupt-Patrozinium Peter und Paul (29. Juni) der Apostel Simon Petrus und Paulus von Tarsus. Zweiter Patron ist der heilige Hubertus von Lüttich, dessen Gedenktag der 3. November ist.Die Kunstdenkmäler der Kreise Ottweiler und Saarlouis, bearbeitet von Walter Zimmermann, 2. Auflage, Saarbrücken 1976, S. 237. Das Sakralgebäude ist in der Denkmalliste des Saarlandes als Einzeldenkmal aufgeführt. Die Kirche ist dem Bistum Trier zugeordnet. Seit dem Jahr 2011 ist die katholische Pfarrgemeinde St. Peter und Paul zusammen mit den Pfarreien Herz-Jesu in Bilsdorf, St. Johannes der Täufer in Piesbach sowie St. Michael in Körprich zur Pfarreiengemeinschaft Nalbach zusammengefasst.

Geschichte der Pfarrei Nalbach Mittelalter Die Nalbacher Kirche war bis zur Errichtung der Dieffler Filialkirche St. Josef und St. Wendelin in den Jahren 1899–1900 und deren Erhebung zur Pfarrkirche im Jahr 1919 die einzige Kirche des Nalbacher Tales. In allen übrigen Dörfern des Nalbacher Tales gab es nur Kapellen. Die Pfarrkirche St. Peter und Paul ist die Mutterkirche der umliegenden sechs Dörfer des Nalbacher Tales: Diefflen, Piesbach mit Bettstadt, Bilsdorf und Körprich, der Nalbacher Siedlung Bierbach und außerdem der historischen untergegangenen Siedlungen Heuchlingen, Theter, Heisterbach und Heynschiet. Vor der Kirche stand im Mittelalter eine Gerichtslinde, unter der bei den Nalbacher Jahrgedingen die jährlichen Weistümer beschlossen wurden.Georg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales, Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Auflage, Nalbach 1990, S. 46–52.

Nalbach, das als Pfarrei urkundlich erstmals im 11. Jahrhundert erwähnt worden war, gehörte im Mittelalter zum Archidiakonat St. Mauritius Tholey und zum Dekanat bzw. Landkapitel Merzig im damaligen Erzbistum Trier. Das Petrus-Patrozinium (Fischerpatron) könnte auf die Entstehung Nalbachs als Fischersiedlung an der damals fischreichen Prims hindeuten. Ebenso ist ein Bezug zum Petrus-Patrozinium des Trierer Domes denkbar. Das Petrus- bzw. Petrus-und-Paulus-Patrozinium zählt zu den typischen fränkischen Patrozinien des Saarlandes.Kurt Hoppstädter, Hans-Walter Herrmann (Hrsg.): Geschichtliche Landeskunde des Saarlandes, hrsg. vom Historischen Verein für die Saargegend, Band 2: Von der fränkischen Landnahme bis zum Ausbruch der französischen Revolution, Saarbrücken 1977, S. 23. Das Gebiet des Nalbacher Tales war ursprünglich Reichsgebiet, bevor es zum Kurfürstentum Trier kam.

Durch eine Schenkung des Trierer Erzbischofs Eberhard aus dem Jahr 1048, einen Schutzbrief Heinrichs III. von 1098 und einen Schutzbrief des Papstes Hadrian IV. von 1154 sowie durch Erwerbung der Rechte des Nalbacher Rittergeschlechtes im Jahr 1331 besaß das Stift St. Simeon in Trier im Nalbacher Tal die Grundgerichtsbarkeit, das Steuererhebungsrecht und das Recht zur Besetzung der Pfarrstellen. Das Trierer Erzstift hatte noch immer die Mittel- und Hochgerichtsbarkeit inne. In der Ausübung der Gerichtsbarkeit ließ sich das Erzstift durch die Freiherren von Hagen zu Motten vertreten.Johann Spurk: Pfarrchronik St. Josef Diefflen 1900–1975, Saarlouis 1975, S. 23–24 und 351.

Die mittelalterliche Kirche der gotischen Epoche war dreischiffig und hatte ein höheres Mittelschiff. An den Chor war an der Südseite ein Turm und an der Nordseite eine Sakristei angebaut.Pfarrarchiv Nalbach, Pfarrführer 1941. Die Kirche soll etwa 22,70 m lang und 13,25 m breit gewesen sein.Saarforschungsgemeinschaft (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler der Kreise Ottweiler und Saarlouis, bearbeitet von Walter Zimmermann, 2., unveränderte Auflage von 1934, Saarbrücken 1976, S. 238.

Unmittelbar neben dieser Kirche, in Richtung der Prims lag der Kirchhof des gesamten Nalbacher Tales. Das zweitgrößte religiöse Gebäude des Nalbacher Tales war die seit 1330 urkundlich erwähnte Körpricher Michaelskapelle, die Körprich (abgeschliffene Form von „Kirchberg“) den Namen gab. Die Körpricher Kapelle war, wie die heute zerstörte Dieffler Wendelinskapelle im Kirchenweg (heute Nalbacher Straße), ein von der Nalbacher Mutterpfarrei abhängiges Gebäude.Georg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales, Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Auflage, Nalbach 1990, S. 43.

Ein Privileg sicherte den Körpricher Gläubigen zu, dass der Nalbacher Pfarrer an bestimmten Feiertagen und am Ostermontag und am Michaelstag in der dortigen Kapelle eine Messe zu halten hatte.Georg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales, Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Auflage, Nalbach 1990, S. 190.

Diefflen verfügte über eine eigene kleine Kapelle, die sich am Kirchenweg nach Nalbach befand (heute: Nalbacher Straße Nr. 103). Hier versammelten sich die Einwohner des kleinen Dorfes zum Gebet und gelegentlich wurden Messen gelesen. Das Alter dieser Kapelle ist ungewiss. Schutzpatron war der heilige Wendalinus. Eine Urkunde der Abtei Sankt Peter und Maria in Mettlach aus dem Jahr 1488, die selbst eine Abschrift einer Urkunde aus dem Jahr 1460 ist, nennt Papst Pius II., der die Abtei Mettlach von Senis auf Sardinien mit der Bestellung des Geistlichen für den Ort Diefflen beauftragte:

Papst Pius II. billigt und bestätigt dem Kloster Mettlach alle Kollationen von Kirchen und Kapellen, die „uns (gemeint ist die Abtei Mettlach) angeschlossen sind, ferner Dörfer und Zehnten, Höfe und Güter, welche in der Bulle aufgezählt sind. Gegeben zu Senis im zweiten Jahr unseres Pontifikates 1460.“

Das Kollationsrecht bezeichnete das Vorschlagsrecht für einen Kandidaten bei der Neubesetzung eines geistlichen Amtes. Häufig besaßen Klöster oder Stifte das Kollationsrecht für Pfarrstellen in ihrem Seelsorgebereich. Üblicherweise musste dieser Vorschlag von einer oder mehreren übergeordneten Instanzen bestätigt werden, meist vom jeweiligen Bischof oder Landesherrn. Ebenso konnte der Kollator nicht über eine endgültige Investitur entscheiden. Das Kollationsrecht war an weitere Verbindungen zu der jeweiligen Pfarrstelle gebunden. So war der Kollator oft verpflichtet, für den baulichen Unterhalt des betreffenden kirchlichen Gebäudes Sorge zu tragen. Die Urkunde von 1460 war auf Bitten des Mettlacher Abtes Wilhelm von Helmstett verfasst worden, der mit Adelsherren um Zehnte und Besitzrechte im Streit lag.

Neben Diefflen wurden weitere 13 Orte mit Kirchen oder Kapellen genannt. Es bleibt unklar, ob die Abtei Mettlach den Gottesdienst in Diefflen in einem Wohnhaus, einer Scheune oder in einer bereits bestehenden Kapelle abhielt.

Neuzeit Barocker Neubau mini|hochkant|Nalbach, St. Peter und Paul, Gedenktafel für Pfarrer Johann Wilhelm Jodokus Koettingen Die mittelalterliche Nalbacher Kirche wurde im Jahre 1756 wegen Baufälligkeit von den Merziger Baumeistern Joseph Rieff und Lorentz Walch untersucht. Im Jahr 1760 lieferte der Baumeister Martin Rieff den Plan zum Neubau einer Kirche in Nalbach und begann mit Neubauarbeiten. Auf Einspruch des Pfarrers Johann Wilhelm Jodokus Koettingen wurden die Arbeiten Rieffs allerdings eingestellt. Scheinbar plante man damals eine Umänderung der Baupläne hin zu einer kreuzförmigen Kirche. Erst im Jahr 1764 erstellte der Trierer Baumeister (Johann) Peter Pauli († 18. März 1777)Michael Zimmermann: Klassizismus in Trier, Die Stadt und ihre bürgerliche Baukunst zwischen 1768 und 1848, Trier 1997.Datenbank der Kulturgüter in der Region Trier, https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=8609, abgerufen am 11. April 2019. einen neuen Plan. Daraufhin wurde in den Jahren 1765 bis 1767 an gleicher Stelle eine neue einschiffige Kirche mit vorgesetztem Turm unter der örtlichen Bauleitung des Piesbacher Maurermeisters Peter Manquin, auch Mangin (30. Juni 1728 bis 18. Januar 1785),sein Großvater Johann Manneking war aus Tirol zugewandert; Hans Peter Klauck: Die Einwohner des Nalbacher Tales vor 1803, Bettstadt, Bilsdorf, Diefflen, Körprich, Nalbach, Piesbach, Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft für saarländische Familienkunde e. V., 26. Sonderband, hrsg. von Werner Habicht im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft für Saarländische Familienkunde e. V., Saarbrücken 1989, S. 326, Nr. 893 sowie S. 325, Nr. 890.Gerhard Riehm: 250 Jahre Pfarrkirche St. Peter und Paul Nalbach, 1767–2017, hrsg. von der Katholischen Pfarrgemeinde St. Peter und Paul Nalbach, Nalbach 2017, S. 19. erbaut.Archiv Koblenz, Abteilung I, c, 12.286-12.287 und Abteilung 215, Nr. 1556.Saarforschungsgemeinschaft (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler der Kreise Ottweiler und Saarlouis, bearbeitet von Walter Zimmermann, 2., unveränderte Auflage von 1934, Saarbrücken 1976, S. 238. Dieser Kirchenbau ist heute noch im Langhaus der aktuellen Kirche erhalten. Er reicht ungefähr bis zu der Stelle, wo heute der Zelebrationsaltar steht. Eine noch erhaltene Marmorgrabplatte (87 cm × 168 cm) mit lateinischer Inschrift erinnert an den Erbauer des barocken Kirchenbaus:Saarforschungsgemeinschaft (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler der Kreise Ottweiler und Saarlouis, bearbeitet von Walter Zimmermann, 2., unveränderte Auflage von 1934, Saarbrücken 1976, S. 239.

Die Übersetzung der Inschrift lautet:Anton Edel: Die Einwohner des Nalbacher Tales mit Bettstadt, Bilsdorf, Diefflen, Körprich, Nalbach, Piesbach, 1800–1902, Teil I, A-L, (Quellen zur Genealogie im Landkreis Saarlouis und angrenzenden Gebieten), hrsg. von Gernot Karge im Auftrag der Vereinigung für die Heimatkunde im Landkreis Saarlouis e. V., Saarlouis 2004, S. 45–48.

Umwälzungen durch die Französische Revolution Das Nalbacher Tal kam in der Französischen Revolution im Jahr 1794 unter französische Herrschaft und wurde Teil des Saardepartements. Durch das von Napoleon mit der Kirche geschlossene Konkordat vom 15. Juli 1801, ergänzt durch die Organischen Artikel vom 8. April 1802, kam die Pfarrei zu neugegründeten Diözese Trier und damit zur Erzdiözese Mecheln im heutigen Belgien. Mit dem Wiener Kongress kam das Nalbacher Tal zum Königreich Preußen und wurde kirchlich in der Bulle „De salute animarum“ am 14. Juli 1821 wieder der Diözese Trier zugewiesen. Zuerst war die Pfarrei dem Dekanat Saarlouis, ab 1869 dem Dekanat Lebach zugeteilt. Die Pfarrei Nalbach war um 1800 mit 1540 Menschen größer als die der Nachbargemeinde Dillingen/Pachten mit 1150 Menschen.Johann Spurk: Pfarrchronik St. Josef Diefflen 1900–1975, Saarlouis 1975, S. 24.

Anwachsen der Pfarrei durch die Industrialisierung Nachdem im 19. Jahrhundert im Zuge der Industrialisierung die Bevölkerung des Nalbacher Tales stark angewachsen war und die Kirche im Jahr 1891 gebrannt hatte, wurde die Nalbacher Kirche mehrmals (1828 und 1890) umgebaut und vergrößert. Der Turm wurde erhöht und ein Querschiff angebaut.Anton Edel: Die Einwohner des Nalbacher Tales mit Bettstadt, Bilsdorf, Diefflen, Körprich, Nalbach, Piesbach, 1800–1902, Teil I, A-L, (Quellen zur Genealogie im Landkreis Saarlouis und angrenzenden Gebieten), hrsg. von Gernot Karge im Auftrag der Vereinigung für die Heimatkunde im Landkreis Saarlouis e. V., Saarlouis 2004, S. 45–48. Eine weitere Vergrößerung der Nalbacher Pfarrkirche war nicht mehr ohne Weiteres möglich, da um die Kirche herum ein Friedhof lagJohann Spurk: Pfarrchronik St. Josef Diefflen 1900–1975, Saarlouis 1975, S. 33. und umliegende Wohn- und Geschäftshäuser von einer eventuellen Erweiterung betroffen gewesen wären.

Anlage eines neuen Friedhofes in der Fußbachstraße