Die Sportjugend Nordrhein-Westfalen ist die Jugendorganisation des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen e.V. (LSB NRW). Sie hat die Anerkennung als Träger der freien Jugendhilfe nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) und versteht sich als Lobbyist für alle Kinder und Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen. Die Sportjugend NRW ist Mitglied in der Deutschen Sportjugend (dsj) und im Landesjugendring Nordrhein-Westfalen. Sie vertritt rund 2,1 Millionen Kinder, Jugendliche und junge Menschen im Alter bis 27 Jahre in den ca. 18.500 Sportvereinen Nordrhein-Westfalens.
Geschichte Um eine überverbandliche Jugendarbeit im nordrhein-westfälischen Sport zu organisieren, wurde auf der Gründungsversammlung des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen e.V. am 6. Mai 1947 in Hagen von den Delegierten aus den Fachverbänden und Stadt- und Kreissportbünden auch die Bildung eines Jugendausschusses beschlossen. Für die Leitung dieses ehrenamtlichen Gremiums wurde die Position eines Landesjugendwartes eingerichtet und mit dem damaligen Vorsitzenden des Westfälischen Turnerbundes und Schulrektor aus Hamm, Julius Überhoff, besetzt. Dies gilt als Geburtsstunde der Sportjugend NRW.
Ein Jahr später wurde ein Jugendsekretariat geschaffen und ein hauptamtlich tätiger Jugendsekretär eingestellt. Zunächst provisorisch in Büros in Hamm und Arnsberg untergebracht, siedelte das Jugendsekretariat mit dem Umzug der Geschäftsstelle des Landessportbundes NRW im Jahre 1965 ebenfalls nach Duisburg in das „Haus des Sports“ um.Hauk, Gerhard: Im Sport ist mehr drin. Die Geschichte der Sportjugend Nordrhein-Westfalen 1945–1990, S. 30 ff.
Lehrgänge zur Qualifizierung von Jugend- und Übungsleitern (Lehrarbeit), Maßnahmen zur allgemeinen Jugendbildung und Jugenderholung sowie der Aufbau und die Pflege internationaler Jugendbegegnungen stellten in der Frühphase der Sportjugend NRW die wesentlichen Tätigkeitsschwerpunkte dar. So entstand in den 1950er Jahren die Praxis der Zeltlager der Sportjugend NRW, aus dem später auch das Jugendferiendorf Hinsbeck hervorging. 1955 wurde im sauerländischen Hachen auf dem Gelände der drei Jahre zuvor in Betrieb genommenen Sportschule des LSB NRW (heute: Sport- und Tagungszentrum Hachen) eine Jugendbildungsstätte errichtet.Hauk, Gerhard: Kulturelle Jugendarbeit in den Sportverbänden. Die Zeltlager der nordrhein-westfälischen Sportjugend, in: Deutscher Sportbund (Hrsg.): Die Gründerjahre des Deutschen Sportbundes. Wege aus der Not zur Einheit, Frankfurt am Main 1990, S. 313 f.
Ihren ersten internationalen Jugendaustausch organisierte die Sportjugend NRW 1952 mit den Niederlanden. Es folgten Begegnungen mit Jugendlichen aus Großbritannien (1955), Japan (1959), Frankreich, Israel (1962) und Tunesien (1966) sowie ab Mitte der 1960er Jahre auch Fahrten in osteuropäische Länder. Ende der 1970er Jahre kam der Austausch mit Polen hinzu. Ihr erstes Olympialager organisierte die Sportjugend NRW zu den Olympischen Sommerspielen 1960 in Rom.Hauk, Gerhard: Im Sport ist mehr drin. Die Geschichte der Sportjugend Nordrhein-Westfalen 1945–1990, S. 140 ff.
Als Konsequenz aus dem Jugendwohlfahrtsgesetz wurde 1968 erstmals dem Prinzip der „Eigenständigkeit der Sportjugend“ in einer neuen Jugendordnung offiziell Rechnung getragen. Es ist bis heute Bedingung dafür, dass der Sportjugend Gelder für die freie Jugendhilfe zufließen können und räumt ihr innerhalb der entsprechenden vereinsrechtlichen Vorgaben gegenüber ihrem Erwachsenenverband LSB NRW eine Mitbestimmung bei der Verwaltung und Haushaltsführung ihrer Mittel ein.Landessportbund Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Sport in Nordrhein-Westfalen, S. 382 ff.
Mit Beginn der 1970er Jahre differenzierten sich die Aufgabengebiete der Sportjugend NRW durch Programme, Projekte und Maßnahmen auf dem Gebiet der Sozialarbeit und Sozialpädagogik, der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund, der Förderung von Mädchen und jungen Frauen sowie der politischen und kulturellen Bildung der Heranwachsenden nochmals weiter aus. Abgelöst wurde in dieser Zeit auch die Bezeichnung „Landesjugendwart/in“ für die höchste ehrenamtliche Position in der Sportjugend NRW. Sie lautet seitdem „Vorsitzende/r der Sportjugend NRW.“
Organisationsstruktur Laut ihrer aktuellen Jugendordnung v. 28. Januar 2012 wird die Sportjugend NRW gebildet durch die Jugendorganisationen der Mitglieder des Landessportbundes NRW e. V. Als Jugendorganisation des Landessportbundes NRW ist die Sportjugend NRW vereinsrechtlich dessen Untergliederung und unterliegt seiner Satzung. Im Rahmen dieser Satzung führt und verwaltet sie sich selbständig. Sie ist für die Planung und Verwendung der ihr zufließenden Mittel zuständig, dabei aber steuerrechtlich unselbständig.
Organe der Sportjugend NRW sind der Jugendtag, der Jugendvorstand und die Geschäftsführung. Der Jugendtag ist das höchste Gremium der Sportjugend NRW. Er setzt sich aus den Delegierten der Mitglieder des Landessportbundes NRW, den drei gewählten Sprechern der Freiwilligendienste sowie den Mitgliedern des Jugendausschusses zusammen.
Der ehrenamtliche Jugendvorstand wird für eine Legislaturperiode von vier Jahren gewählt. Er besteht aus dem/der Vorsitzenden der Sportjugend NRW und neun weiteren Mitgliedern. Für die Legislaturperiode von 2023 bis 2028 (Amtszeit einmalig fünf Jahre) gehören ihm aktuell an: +Vorstand der Sportjugend Nordrhein-WestfalenJugendvorstand der Sportjugend NRW, sportjugend.nrwNamePositionJens WortmannVorsitzenderLaura Hantkestellv. Vorsitzende und ständige Vertreterin des VorsitzendenDaniel SkakavacStellv. VorsitzenderCarmen SchomannStellv. VorsitzendeStephanie SamelStellv. VorsitzendeLars MittkowskiStellv. VorsitzenderKatharina AhlersSprecherin der Jugendverbände der BündeMaxi TixSprecherin der Jugendverbände der VerbändeSina Sophie BerningStellv. Sprecherin der Jugendverbände der BündeErik HenschkeStellv. Sprecher der Jugendverbände der VerbändeTobias KnochGeschäftsführer (beratend)
Als Plattform zum Meinungs- und Erfahrungsaustausch hat die Sportjugend NRW außerdem Jugendkonferenzen der Verbände und der Stadt- und Kreissportbünde eingerichtet. Sie bestehen aus den Vorsitzenden der Jugendorganisationen der Mitglieder des Landessportbundes NRW und wählen jeweils Sprecher, die Antragsrecht im Jugendvorstand besitzen.Jugendordnung der Sportjugend NRW, beschlossen vom Jugendtag am 24. November 2012, bestätigt von der Mitgliederversammlung des LSB NRW am 28. Januar 2012.
Aktivitäten und Handlungsfelder Ziel aller Aktivitäten der Sportjugend NRW ist die Förderung der sportlichen Kinder- und Jugendarbeit in Nordrhein-Westfalen. Dabei engagiert sie sich in zwei übergeordneten Handlungsbereichen:
der Kinder- und Jugendverbandsarbeit der Kinder- und Jugendsportentwicklung
Die beiden Handlungsbereiche gliedern sich wiederum in folgende Handlungsfelder auf, in die sich auch die Tätigkeit der Sportjugend NRW auf solchen Gebieten wie dem der Integration, der Nachwuchsförderung oder der Freiwilligendienste im Sport (Freiwilliges Soziales Jahr, Bundesfreiwilligendienst) einfügt:
Kinder- und Jugendpolitik Kinder- und Jugendbildung Partizipation und ehrenamtliches Engagement Mitgliederentwicklung (Verbände, Bünde und Vereine) Zusammenarbeit mit Vereinen – mit Betreuungs- und Bildungseinrichtungen Internationale Zusammenarbeit
Die Sportjugend NRW ist zudem für die Weiterentwicklung des Programms NRW bewegt seine KINDER! zuständig. Dabei handelt es sich um eines von vier langfristig angelegten Programmen, die der Landessportbundes NRW 2011 ins Leben gerufen hat. Unter NRW bewegt seine KINDER! sollen ein Großteil der Aktivitäten der Sportjugend NRW zusammengefasst werden. Vorrangiges Ziel des Programms ist es, die Bewegungsmöglichkeiten und -angebote für Kinder und Jugendliche auszubauen, wobei die enge Verknüpfung zwischen Ganztagsschulen und der Jugendarbeit von Sportvereinen einen besonderen Schwerpunkt bildet.
Mitgliedsorganisationen Von den 71 Dach- und Fachverbänden, die im Landessportbund NRW Mitglied sind, haben zurzeit 69 eine Sportjugend. Von den 54 Stadt- und Kreissportbünden, die im Landessportbund NRW Mitglied sind, haben alle eine Sportjugend.
Sportjugenden der Dach- und Fachverbände
Sportjugenden in den Stadt- und Kreissportbünden
Literatur Hauk, Gerhard: Kulturelle Jugendarbeit in den Sportverbänden. Die Zeltlager der nordrhein-westfälischen Sportjugend, in: Deutscher Sportbund (Hrsg.): Die Gründerjahre des Deutschen Sportbundes. Wege aus der Not zur Einheit, Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-7780-3930-X, S. 313–316. Hauk, Gerhard: Im Sport ist mehr drin. Die Geschichte der Sportjugend Nordrhein-Westfalen 1945–1990, Essen 1992, ISBN 3-88474-167-5. Landessportbund Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Sport in Nordrhein-Westfalen, Duisburg 1997, ISBN 3-932047-04-4. Wir im Sport. Das Magazin des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen, Jugendordnung der Sportjugend NRW, beschlossen vom Jugendtag am 24. November 2012, bestätigt von der Mitgliederversammlung des LSB NRW am 28. Januar 2012
Weblinks sportjugend.nrw
Einzelnachweise
Kategorie:Jugendverband (Deutschland)
Kategorie:Sportverband (Duisburg) Kategorie:Jugend und Sport Kategorie:Haus des Sports (Duisburg) Kategorie:Verbandsgründung 1947