mini|hochkant=1.3|Fantaisiestraße mit Feuerwehrhaus Bayreuth Altstadt – im Obergeschoss die Aula der Altstadtschule mini|Hauptachse Bamberger Straße, stadtauswärtiger Abschnitt mit ehemaliger Tankstelle, Blickrichtung Innenstadt (2012) Die Altstadt ist ein peripher gelegener Stadtteil von Bayreuth. Er darf nicht mit der historischen Innenstadt verwechselt werden. Mit rund 11.000 Einwohnern ist er der bevölkerungsreichste Bayreuther Stadtbezirk.Viel älter als die Stadt selbst in: Nordbayerischer Kurier vom 9. Juli 2015, S. 12.
Name Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Bezeichnung Altenstadt gebräuchlich. Der 1904 eröffnete Bahnhof wurde damals unter dem Namen Altenstadt b/Bayr. im Fahrplan geführt.
Die Annahme, der ursprüngliche Name der Altstadt habe „Altenreuth“Rainer Trübsbach: Geschichte der Stadt Bayreuth, Seite 28. oder nur „Reut“ gelautet, lässt sich nicht eindeutig belegen. Dem Landbuch von 1421 ist zu entnehmen, dass der Vorgängerbau der Bayreuther Stadtkirche Heilig Dreifaltigkeit eine Tochterkirche der Altenstädter Sankt-Nikolaus-Kirche war („die rechte Hauptkirche und Pfarr zw peyrreute ist aus dem Gotzhaws des Hl. Bischofs St. Nikolaus entsprossen“) und Pfarrei bei Reut („Pfarr peyr Reut“) genannt wurde.Rainer Trübsbach: Geschichte der Stadt Bayreuth, Seite 24.
Lage und Struktur mini|hochkant|Brücke der St.-Nikolaus-Straße über den Mistelbach, im Hintergrund das Ypsilon-Haus mini|Historische Ortsmitte am Kirchhügel, rechts das gläserne Sudhaus des Becher Bräu mini|Wallstraße im alten Ortskern Die Altstadt liegt in flachem Gelände westlich der Bayreuther Innenstadt. Räumlich begrenzt wird sie in etwa vom Mistelbach, dem Straßenzug Scheffelstraße – Justus-Liebig-Straße, von der Spitzwegstraße und der ehemaligen Bahntrasse nach Thurnau. Der südliche Teil um den historischen Jakobshof ist weitgehend als Neubauviertel nach 1945 entstanden und trägt dessen Namen.
Am heutigen Freiheitsplatz befand sich der Damm des 7,5 Hektar großen Bindlacher Weihers, der sich beiderseits der Justus-Liebig-Straße bis hinter die Hans-Meiser-Straße erstreckte.Gottfried Lindner, Wolfgang Bouillon: Unsere Altstadt, S. 79 ff. Er und der weiter südlich gelegene Pechhüttner Weiher wurden vom „Vindenschalk“ bewacht und betreut. Jedem Besitzer des Anwesens in der Fischergasse (heute: Sankt-Nikolaus-Str. 14) oblag neben seiner normalen Tätigkeit das Amt des Weiherwärters.Gottfried Lindner, Wolfgang Bouillon: Unsere Altstadt, S. 27. Als weiterer Teich befand sich der Hirtenweiher zwischen der Wallstraße und dem Südostflügel der 1914 eröffneten neuen Altstadtschule.Gottfried Lindner, Wolfgang Bouillon: Unsere Altstadt, S. 45.
Nach der 1746 abgeschlossenen Trockenlegung des Bindlacher Weihers wurde auf Anordnung des Markgrafen der Herrschafts- oder Fürstenweg zum Schloss Fantaisie angelegt. Die später allgemein Chaussee genannte Straße verlief über den noch vorhandenen Weiherdamm und einen Ernteweg südlich am Ort vorbei. Zwischen 1765 und 1786 schafften die Altenstädter für ihren Bau in Gemeinschaftsarbeit mehrere tausend Fuhren Sand und Steine heran. Seit 1894 trägt die Chaussee den Namen Bamberger Straße.Gottfried Lindner, Wolfgang Bouillon: Unsere Altstadt, S. 80. Um 1937 wurde sie als Abschnitt der Reichsstraße 22 in das Netz der Reichsstraßen einbezogen und 1949 Teil der Bundesstraße 22.
Noch 1940 war der Stadtbezirk räumlich abgetrennt, zwischen der Stadt und der Altstadt existierte keine durchgehende Bebauung.Gottfried Lindner, Wolfgang Bouillon: Unsere Altstadt, S. 61. Der markanteste Platz zwischen Altstadt und Bayreuth ist der Stadtfriedhof, der 1545 an dieser Stelle angelegt wurde und auf dem berühmte Persönlichkeiten wie Franz Liszt und Jean Paul ihre letzte Ruhe gefunden haben. Direkt am heutigen Haupteingang des Friedhofs lag früher das Siechenhaus. Daran erinnern noch die Reste eines Brunnens neben der jetzigen Bushaltestelle Stadtfriedhof.
Am Waldrand des Buchsteins an der Adolf-Wächter-Straße befindet sich seit 1974 die Bayreuther Stadtförsterei.Gottfried Lindner, Wolfgang Bouillon: Unsere Altstadt, S. 17. Dort lässt sich bereits seit 1398 der „Klebshof“ nachweisen.
Die statistische Gebietseinheit Altstadt geht räumlich weit über die beschriebene Siedlung hinaus. Zusammen mit dem alten Dorfkern ist ein Viertel mit etwa 11.000 Einwohnern entstanden. In früheren Jahrzehnten galt die Altstadt als ein ausgesprochenes Arbeiterviertel. Es überwiegen der Mietwohnungsbau und die Bausubstanz aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.
Geschichte mini|St.-Nikolaus-Straße, Blick zur Bamberger Straße mini|Altbauten an der Bamberger Straße (ehemalige „Chaussee“) mini|Jakobstraße am Jakobshof mini|August-Bebel-Platz mini|Gefallenendenkmal am August-Bebel-Platz Der Kern des Stadtteils, der bis ins frühe 20. Jahrhundert als „Altenstadt“ bezeichnet wurde, liegt weitab des Zentrums am westlichen Rand der Stadt. Für die historische Innenstadt ist die Bezeichnung Altstadt aufgrund der Verwechslungsgefahr nicht gebräuchlich.
Älter als der Ort dürfte der Klebshof auf heutigem Altstädter Gebiet beim Stadtforsthaus gewesen sein. Sein Name deutet auf eine slawische Besiedlung hin, chlevy (Klebs) bedeutet Wohnhütte. Der Ort selbst ist vermutlich eine fränkische Gründung aus dem frühen 11. Jahrhundert.
Erwähnt wurde Altenstadt erstmals 1398 als Dorf, das der Gerichtsbarkeit Bayreuths unterstellt war. Vermutlich existierte es bereits vor dem Jahr 1007,Gottfried Lindner, Wolfgang Bouillon: Unsere Altstadt, S. 26. es ist damit älter als die Stadt selbst.
Die Altstadt hat eine weit zurückreichende Siedlungstradition, von der im Ortsbild aber nur noch wenig zu erkennen ist. 1398 bestand der Ort aus acht Höfen. Eine Mühle und zwei weitere Höfe lagen im Bereich des heutigen Stadtviertels: die Rüttlasmühle (auch: Röckleinsmühle) und der Mayerhof (in Höhe der Bamberger Straße 67) sowie der Klebshof waren herrschaftliche Lehen, die von der Familie von Seckendorf genutzt wurden. Zwischen 1512 und 1514 wurden die Höfe an das Bayreuther Hospital verkauft und vollständig abgerissen. Der Klebshof wurde bis 1517 als Äußerer Spitalhof wieder aufgebaut.
Seit dem 14. Jahrhundert gab es bereits enge Beziehungen zum benachbarten Bayreuth. 1481 erhielten die Bewohner das Bürgerrecht der Stadt, da der Ort in deren Burgfrieden, der Ein-Meilen-Zone rund um die Stadtgrenze, lag. Dennoch blieben sie von vielen städtischen Einrichtungen ausgeschlossen. Sie mussten Abgaben leisten, durften jedoch an der Armenpflegschaft und an bürgerlichen Stiftungen nicht teilnehmen, die Kranken wurden nicht ins Stadtlazarett aufgenommen. 1818 schrieb der Altenstädter Ortsvorstand Nikolaus Hörath in einem Brief an das königliche Polizeikommissariat Bayreuth: „Wir werden von der Stadt zwar als Mitbürger bezeichnet, sind aber von den Rechten eines Bürgers ausgeschlossen und müssen deren Pflichten mittragen. Wir sehen daher für unsere Gemeinde mehr Nachteile als Vorteile und möchten deswegen wieder eine eigene Landgemeinde sein.“ Die Stadtbürger wollten zudem durch strenge Regeln ihre städtischen Kaufleute und Zünfte schützen. Daher verboten sie den Altenstädtern, ihr Bier in den städtischen Brauhäusern zu sieden. Bäcker, Metzger und Kaufleute durften in der Altenstadt keine Läden eröffnen. Noch 1825 beklagte sich die Gemeinde beim Bayreuther Bürgermeister: „Wir müssen nach wie vor unseren Fleischbedarf für unsere 400 Einwohner aus Bayreuth besorgen und erhalten meist eine mindere Qualität.“ Brot verkaufte nur der Gastwirt Jakob Greiner, der aber als unzuverlässig galt. 1835 wollte der Kramladenbesitzer Andreas Ernst sein Angebot mit einem Brothandel erweitern, was Greiner – letztlich erfolglos – zu verhindern versuchte.Sylvia Habermann: Vom Pflasterer Christian Ernst in: Heimatkurier 1/2011 des Nordbayerischen Kuriers, S. 7.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Altenstadt 44 Anwesen. Grundherren waren das Hofkastenamt Bayreuth (1 Mühle, 1 Gut, 1 Gütlein), die Hofkanzlei Bayreuth (1 Söldengut, 2 Güter, 1 Haus), das Amt Unternschreez (1 Söldengut, 1 Haus), Bayreuther Rat (1 Söldengut, 1 Wirtshaus, 1 Haus), die Superintendentur Bayreuth (1 Söldengut), das Syndiakonat Bayreuth (1 Gütlein), das Gotteshaus Bayreuth (3 Sölden, 2 Söldengütlein, 1 Gütlein, 1 Wohnhaus mit Schmiedwerkstatt, 3 Tropfhäuser, 5 Wohnhäuslein), das Hospital Bayreuth (1 Schlösslein, 1 Hof, 8 Sölden, 1 Söldengütlein) und die Gemeinde Altenstadt (1 Schul- und Gemeindehaus, 1 Gemeindeschmiede, 2 Häuslein, 1 Wohnhäuslein).R. Winkler: Bayreuth, S. 339. Dort werden abweichend 45 Anwesen als Gesamtzahl angegeben.
Im Jahr 1800 waren 48 Hausnummern registriert, die Zahl der Einwohner lag vermutlich unter dreihundert. In dem Ort um die heutigen Sankt-Nikolaus-Straße, Fantaisiestraße, Wallstraße und Eichelweg lebten Bauern, Tagelöhner und Handwerker. Diese Sozialstruktur blieb über Jahrhunderte fast unverändert bestehen.Gottfried Lindner, Wolfgang Bouillon: Unsere Altstadt, S. 60. Noch 1834 bezeichnete der Bayreuther Magistrat die Altenstadt geringschätzig als ein „Bauerndorf im sogenannten Burgfrieden“. Auf Antrag der Altenstädter besiegelte das Innenministerium des Königreichs Bayern am 10. Juli 1840 die Eingemeindung nach Bayreuth. Durch den Zuzug von Fabrikarbeitern im 19. Jahrhundert stieg die Einwohnerzahl sprunghaft an, im Jahr 1900 wurden 2042 Einwohner gezählt.
Auf Altenstädter Gemeindegebiet, an der Grenze zum Stadtteil Kreuz, befand sich zeitweise eine Bayreuther Hinrichtungsstätte. Die Flurnummer 3259 trug den Namen Im Galgen. Gleich daneben lag mit der Flurnummer 3262 das Schelmängerlein, wo die Hingerichteten begraben wurden.
1870 gab es im Eichelweg und in der Sankt-Nikolaus-Straße die ersten Läden. 1891 wurde die Altstädter Feuerwehr gegründet, 1892 folgte die Polizeistation. Die ersten Gaslaternen wurden 1894 installiert, 1904 wurde der Bahnhof eröffnet. Eine Posthilfsstelle existierte ab 1906, 1908 wurde die Badeanstalt eingeweiht. Ab 1909 gab es elektrisches Licht.Gottfried Lindner, Wolfgang Bouillon: Unsere Altstadt, S. 63. Die Zahl der Gastwirtschaften stieg von einer im Jahr 1860 auf achtzehn im Jahr 1913 an, Ende des 20. Jahrhunderts waren es noch sieben.Gottfried Lindner, Wolfgang Bouillon: Unsere Altstadt, S. 64.
Im 19. Jahrhundert wuchs der Ort vornehmlich nach Süden hin. Die Bebauung erreichte die Bamberger Straße, das Quartier auf dem „Hausberg“ Jakobshöhe um den Geseeser Weg und die Jakobstraße entstand. Der Jakobshof auf der Jakobshöhe ist bereits 1429 nachweisbar, von ihm existieren noch Restgebäude. Der Name geht möglicherweise auf einen 1620 erwähnten Besitzer Leonhard Büchelberger, „sonst Jakob genannt“, zurück.Karl Müssel: Der Jakobshof einst und jetzt in: Heimatkurier 4/1998 des Nordbayerischen Kuriers, S. 13. Die Jakobstraße war Teil eines Weges, der vom Maintal bei Heinersreuth kommend über den Roten Hügel verlief und weiter bis Gesees und Pegnitz führte.Gottfried Lindner, Wolfgang Bouillon: Unsere Altstadt, S. 14.
Um die Jahrhundertwende war die Altstadt eine Hochburg der Sozialdemokratie. Bei der Reichstagswahl 1903 erzielte der SPD-Kandidat mit 84 % der Stimmen das stadtweit beste Ergebnis.Bernd Mayer: Der Bauverein macht Stadtgeschichte in: 90 Jahre Bauverein Bayreuth, S. 14 f.
Die Gebäude um den August-Bebel-Platz (bis 1947 (Am) Eichelacker) entstanden ab 1921 im JugendstilGottfried Lindner, Wolfgang Bouillon: Unsere Altstadt, S. 11. als Kriegsbeschädigten-Siedlung des Bauvereins auf dem Eichel- und dem Stockacker. Dort befindet sich ein 1923 errichtetes Denkmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege, das unter Denkmalschutz steht.Fränkische Zeitung vom 10. Oktober 2012, S. 6: Stadtviertel mit eigener Identität Bereits Anfang der 1930er Jahre wurde in der Wallstraße ein Hochspannungskabel unterirdisch verlegt.
Bei ihrem Einmarsch im April 1945 hielten die Amerikaner den Stadtteil für eine eigenständige Gemeinde und setzten irrtümlich den evangelischen Pfarrer als Bürgermeister ein.