Die Schlacht von Ayacucho am 9. Dezember 1824 war die entscheidende Schlacht im Unabhängigkeitskrieg der spanischen Kolonien in Südamerika. Die anschließende Kapitulation von Ayacucho, als Generalkapitulation für den gesamten Kontinent gestaltet, beendete den Krieg jedoch nur nominell, da in Oberperu (Alto Peru, heute Bolivien) der Widerstand noch für vier Monate eine Fortsetzung fand. mini|Antonio José de Sucre

Namensgebung der Schlacht Ayacucho (Ayak'uchu) bedeutet auf Quechua „Winkel der Toten“ und bezieht sich auf eine kleine, rund zwölfhundert Meter lange Hochfläche auf 3200 Metern über dem Meeresspiegel, die sich zwischen dem Berg Condorcunca und Quinua erstreckt. Hier unterwarfen die Inka, in einer blutigen Schlacht die Wari, die nur wenige Kilometer westlich ein Kulturzentrum besaßen, und integrierte sie im Tawantinsuyu (sowohl die gängige Jahresangabe 1437, als auch der Feldherr Pachacútec Yupanqui erscheinen mittlerweile zweifelfaft). Diese Lokalität befindet sich in unmittelbarer Nähe des erörterten Schlachtfelds rund 15 km nordöstlich der Provinzhauptstadt Ayacucho, die damals Huamanga hieß. Am 15. Februar 1825 benannte Simón Bolívar die Stadt und das umliegende Departement per Dekret zu Ehren des Sieges der Patrioten um; bis heute ist allerdings der ursprüngliche Name bei den Einheimischen gebräuchlich.

Vorgeschichte Nach dem unzureichenden Erfolg der chilenisch-argentinischen Expedition von José de San Martín zur Unterstützung der peruanischen Separatisten 1820–1822 war Simón Bolívar auf Bitte des Kongresses in Lima nach Peru gekommen, um die Emanzipation des Landes voranzutreiben. Zuerst hatte er die innere Zerrissenheit der Patrioten überwunden und dann seinen Feldzug zur Befreiung Perus vorbereitet. Der erste Teil des Planes sah die Zerschlagung der Norddivision im zentralen Hochland vor, der die Süddivision in Cusco folgen sollte. Mit der Schlacht von Junín am 6. August erreichte das vereinigte Heer aus Großkolumbiern und Peruanern, bei denen etwa 100 Argentinier und Chilenen kämpften, sein erstes Etappenziel und befand sich nun auf der nicht allzu ernsthaft betriebenen Verfolgung des königlichen Heeres Richtung Südosten.

Ausgangslage der Spanier José de Canterac, der die Norddivision befehligte, hatte auf seiner Flucht mit den montoneros, lokalen Guerilla-Truppen (etwa Plänkler), vor allem aber mit Desertionen zu kämpfen. Gegen letztere halfen auch die vor allem deswegen in den nächtlichen Lagern aufgestellten Posten wenig. Die Kolonialarmee in Peru setzte sich hauptsächlich aus Indianern und wenigen Schwarzen und Mestizen zusammen. Die Offiziere waren weiße Kreolen, und nur knapp sechs Prozent der Armee, zumeist die oberste Führungsebene, stammte aus Spanien.Bol. Mus. Arqueol. Antropol. (UNMSM) Angesichts dieser Zusammensetzung ist es nicht verwunderlich, dass Canterac mehr als siebenmal so viele Soldaten auf seiner Flucht verlor wie in der Schlacht von Junín, nämlich rund 2700.LECUNA, 1950, Kap.XXVI, Final de la persecución a Canterac. Durch Zwangsrekrutierungen konnte er auf dem Weg zu Vizekönig José de la Serna nach Cusco gut ein Drittel wieder ausgleichen.

In Spanien hatte der Neujahrsaufstand von 1820, bei dem Rafael del Riego das für die Rückeroberung Südamerikas bestimmte Heer nach Madrid geführt und Ferdinand VII. auf die Verfassung von 1812 (Verfassung von Cádiz) hatte schwören lassen, zwar eine liberalere Haltung gegenüber den Kolonien erbracht, aber die von der Heiligen Allianz zur Monarchie zurückgezwungenen Franzosen hatten Louis-Antoine duc d’Angoulême mit einem großen Heer nach Spanien entsandt, und Ende 1823 war der Bourbone wieder absoluter Herrscher in Spanien.Französische Invasion in Spanien Nun trug er sich erneut mit dem Gedanken an eine starke Expedition, die möglicherweise nicht nur den Krieg verlängert hätte, sondern schlimmstenfalls zur erneuten Unterwerfung der spanischen Überseebesitzungen geführt hätte. Allerdings war Ferdinand gezwungen, seinen Gegnern im eigenen Land lange und viel Aufmerksamkeit zu schenken. Bolívar waren die Absichten seines Spielkameraden aus der Jugendzeit bekannt und er wusste, dass nur die schnelle Schaffung von Tatsachen diesen königlichen Gedankenspielen ein Ende setzen konnte, was ihn aber nicht daran gehindert hatte, auf Kosten der peruanischen Staatskasse und der Bevölkerung, zugunsten seiner Deformation der öffentlichen Meinung, den Beginn des Feldzugs lange zu verzögern.

Ende September erreichte die Norddivision von Canterac die Gegend um Cusco. De la Serna führte selbst weitere 1800 Soldaten aus der alten Inkahauptstadt zu Canterac, um dessen angeschlagenes Heer aufzufrischen. Südlich und westlich von Cusco ließ er befestigte Stellungen anlegen, um einem möglichen Angriff der Patrioten zu begegnen. Außerdem hatte er die Süddivision von Jerónimo Valdés zurückbeordert, die in Oberperu mit Pedro Antonio Olañeta Krieg führte. Dabei ging es um liberale und republikanische Ideen, denen der Vizekönig anhing, und das Konzept der absoluten Monarchie, für das Olañeta stritt. De la Serna hatte sich 1821 in Kenntnis der Wiedereinführung dieser Verfassung mit der Begründung ins Amt geputscht, er stünde auf Seiten der Monarchie. Olañeta hatte sich Ende des vergangenen Jahres endgültig von der Autorität des Vizekönigs von Peru losgesagt und sich von Ferdinand die Ernennung zum Vizekönig für das Vizekönigreich Río de la Plata beschafft. Argentinien hätte der spanische Aufrührer nie erobern können, aber durch seine Konkurrenz zu den Spaniern in Peru trug er nicht unerheblich zum Erfolg der Patrioten dort bei.

De la Serna ließ Canterac als Stabschef im Oktober das Heer neu ordnen, während der Vizekönig seine Amtsgeschäfte in Cusco derart regelte, dass er die Möglichkeit hatte, eine Zeitlang selbst das königliche Heer gegen die Separatisten zu führen. Jerónimo Valdés übernahm mit seiner aus vier Bataillonen bestehenden Division die Vorhut, während Juan Antonio Monet (vier Bataillone) und Alejandro González Villalobos (fünf Bataillone) die beiden Infanterie-Divisionen kommandierten. Eine Kavallerie-Division unter Valentín Ferraz, vier Regimenter und zwei Schwadronen in zwei Brigaden, sowie vierzehn Geschütze, die Fernando Cacho befehligte, und eine Pionierabteilung vervollständigten das rund neuntausend Mann starke Kolonialheer.BENCOMO, 2007, pag. 97–99 Damit begann der Vizekönig in den letzten Oktobertagen einen Marsch gegen das vereinigte Heer der Patrioten.

Lage der Patrioten Bolívar ließ sich mit der Verfolgung der spanischen Norddivision Zeit, und einzelne Einheiten befreiten die Dörfer und Städte entlang des Weges, der über Huancayo und Huamanga im September in die Gegend südwestlich von Abancay, der heutigen Provinzhauptstadt von Apurímac, führte. Von hier aus entsandte er Erkundungspatrouillen, die die Spanier östlich des Río Apurímac auskundschaften und gegebenenfalls Orte von der spanischen Herrschaft befreien sollten.MILLER, 1828, p. 139ff. Das Gros seines Heeres ließ er Stellung beziehen, da Bolívar es angeordnet hatte, und weil sich die Regenzeit ankündigte, die den Gebrauch von Vorderladern entscheidend einschränkte.

Bolívar rechnete daher damit, dass auch der Vizekönig keine größeren Operationen plante, und begab sich Ende September nach Huancayo. Hier traf er am 6. Oktober ein, errichtete sein Hauptquartier und begann, Verstärkungen für Sucre ausbilden zu lassen. In dieser Lage erreichte Bolívar die von seinem Stellvertreter Francisco de Paula Santander in Bogotá vor dem Kongress eingebrachte Aufforderung, den Oberbefehl des vereinigten Heeres abzugeben.LECUNA, 1950, Kap. XXVII, Sucre general en jefe. Santander lag das Wohl von Großkolumbien am Herzen, das aller seiner Kräfte für den Wiederaufbau nach fast fünfzehn Jahren Befreiungskrieg bedurfte, während Bolívar wusste, dass nur die vollständige Befreiung des Kontinents das Erreichte sichern würde.

In dem Bewusstsein, dass er in seiner Eigenschaft als Diktatorpräsident von Peru weiterhin die Fäden in der Hand halten würde, und weil er mit Antonio José Sucre einen loyalen Offizier besaß, der ihm zwar an Alter, aber nicht an Fähigkeit und Einsatzwillen nachstand, erfüllte er die Auflagen des Parlaments von Großkolumbien und übergab Sucre den Oberbefehl. Anfangs übermittelte er Sucre Anweisungen und Ratschläge zur Vorgehensweise, aber als sich die Lage zuspitzte, ließ er Sucre freie Hand, da dieser näher am Geschehen war, während Bolívar ab Anfang November an der Küste nördlich von Lima weilte und am 5. Dezember die Hauptstadt besetzte.

Die Truppen der Republik gliederten sich in die Divisionen von José María Córdova aus Großkolumbien mit vier Bataillonen, der Vorhut, der peruanischen unter José de la Mar mit drei, und der ebenfalls in Großkolumbien rekrutierten vier Bataillone unter Jacinto Lara, der die Nachhut bildete. William Miller führte die drei Kavallerieregimenter, die mit zwei Geschützen das über sechstausend Mann starke Heer vervollständigten.BENCOMO, 2007, pag. 97 Diese Truppen bewegte er im Oktober einige Dutzend Kilometer nach Nordosten, auf Abancay zu, wo er einem eventuellen Angriff der Spanier, mit dem er aber nicht rechnete, begegnen wollte.

Die Initiative des Vizekönigs Am 25. Oktober setzte sich die Streitmacht des Königs in Bewegung und überquerte den Río Apurímac.GARCIA CAMBA, 1846, pag. 217 Die Truppen umgingen die Stellungen der Patrioten weit südlich, und Sucre reagierte darauf mit einer geringen Zurückverlagerung seiner Truppen auf Andahuaylas. Er glaubte anfangs nicht an eine größere Operation de la Sernas und verhielt sich entsprechend passiv. Bolívar riet ihm jedoch, den Vizekönig nicht zu weit von sich wegmarschieren zu lassen, da einige spanische Schiffe vor der Südküste Perus lagen, mit denen de la Serna im Verbund mit seinem Heer einiges Unheil hätte anrichten können.

De la Serna hatte jedoch, wie sich bald zeigte, ganz andere Pläne. Er bog von seiner ursprünglich westgerichteten Bewegung nach Norden ab, um Sucre von den Verstärkungen aus dem zentralen Hochland und der Kommunikation mit Bolívar abzuschneiden. Hatte er sich vorher ostsüdöstlich und nach dem Abmarsch südlich des Vereinigten Heeres befunden, so war er Mitte November nordöstlich und sandte am 19. seine Aufklärer ins nördlich gelegene Huamanga. Sucre war von der Bewegung de la Sernas überrascht und dieser wiederum von Sucres Immobilität, da er damit gerechnet hatte, dass die Separatisten ihn an der Einnahme von Huamanga hindern würden.GARCIA CAMBA, 1846, pag. 219

Sucre räumte seinen Fehler ein und bewegte nun seine Truppen nach Westen. Hier fließt der Río Pampas in ungefähr nordsüdlicher Richtung. An einem Berg nahe dem Örtchen Bómbon, westlich von Andahuaylas, ließ er seine Soldaten eingraben und erwartete die Spanier.LECUNA, 1955, Kap. XIII, Confianza de Sucre. De la Serna kam zwar, aber trotz seiner numerischen Überlegenheit schreckte er vor einem Angriff zurück, weil er zu hohe Verluste befürchtete. Er zog sich wieder auf die Westseite des Río Pampas zurück und vollführte Ende November eine Reihe von Bewegungen, die Sucre aus seiner Position locken sollten. Nach einigen Fehlversuchen schickte er Valdés mit der Vorhut am 29. hinter die Stellung der Patrioten. Sucre begriff sofort, dass seine Lage unhaltbar würde, falls er von zwei Seiten angegriffen würde. In der Nacht des 30. November gab er seine Stellung auf und überquerte am Morgen des 1. Dezember nördlich der Position von de la Serna den Fluss.BENCOMO 2007, pag. 102–103