Der Dom zu Stavanger (norwegisch Stavanger domkirke) ist die älteste erhaltene Bischofskirche Norwegens. Sie ist die zentrale Kirche des evangelisch-lutherischen Bistums Stavanger.

Geografische Lage Die Kirche steht im Stadtzentrum von Stavanger auf einer Erhebung über der Altstadt. Wohl durch das Gelände bedingt, ist sie nicht exakt nach Osten ausgerichtet, sondern nach Südosten.

Geschichte

Wie archäologische Befunde belegen, wurde die Kathedrale im Bereich einer Siedlung und in der Nähe eines Hafens errichtet, der schon während der Wikingerzeit bestand.Omdal, S. 9. Bei einer Restaurierung der Kirche in den 1860er Jahren wurden im Bereich der Krypta etwa 1000 Skelette gefunden, die auf einen Friedhof – und damit den Standort einer Kirche – hinwiesen, der hier vor Errichtung der Kathedrale bestand.

Die Gründung des Bistums Stavanger war eine Ausgründung aus dem Bistum Bergen in den 1120er Jahren. Dass Bau der Kathedrale in Stavanger zustande kam, könnte der Preis gewesen sein, den König Sigurd I. an die Kirche leisten musste, um sich 1128 von seiner ersten Frau, Malmfred, scheiden lassen und eine zweite Frau heiraten zu können. Der Bischof von Bergen hatte sich geweigert, diesen Vorgang kirchlich abzusegnen, der Bischof von Stavanger, Reinald, war – bei entsprechender Gegenleistung – dazu bereit. Der Bau der Kathedrale war damit finanziell gesichert.Omdal, S. 10. Reinald stammte wahrscheinlich aus dem englischen Winchester. Er war der erste Bischof von Stavanger und legte den Grundstein für die Kathedrale. Als Baumaterial dienten Speckstein und grüner Schiefer. Aufgrund archäologischer Funde wird angenommen, dass sie nach Osten an einen mächtigen Wehrturm angebaut wurde.Aano / Refvem, S. 64, 69. Dieser ist auch aus der Überlieferung der Bagler Sagas bekannt.Omdal, S. 10. In den 1930er Jahren wurde diskutiert, einen entsprechenden Turm an der Westseite der Kirche wieder zu errichten. Es gab bereits Entwürfe dazu. Das Projekt scheiterte aber an den Kosten.Aano / Refvem, S. 64–69.

Der Herkunft von Bischof Reinald ist es auch zu verdanken, dass die Kirche im anglo-normannischen Stil entstand. Der Bau dieser romanischen Kirche wurde um 1150 abgeschlossen und St. Svithun geweiht. Südlich der Kathedrale entstand der Bischofshof Kongsgård.

Ein Stadtbrand 1272 beschädigte auch den Dom. Der Wiederaufbau wurde teilweise mit einem Ablass finanziert – der älteste, der aus Norwegen bekannt ist. Bei der Wiederherstellung wurde das Gebäude auch vergrößert und erhielt einen gotischen Chor.Omdal, S. 10; Aano / Refvem, S. 64. Danach blieb die Kirche baulich praktisch unverändert.

1537 wurde von der dänischen Obrigkeit die Reformation in Stavanger mit Gewalt durchgesetzt, der Kirchenschatz geplündert und Reliquien aus der Kirche entfernt. Bis zur Reformation gehörten 36 Reliquien zum Kirchenschatz. Es dauerte fünf Jahre, bevor der letzte römisch-katholische Bischof durch einen lutherischen Superintendenten ersetzt wurde. Der Bischofshof wurde zur königlichen Residenz, die Kathedrale verfiel baulich. Die Regierung in Kopenhagen genehmigte nur die notwendigsten Reparaturen und beschlagnahmte 1558 fünf Glocken.Omdal, S. 12.

1682 wurde der historische Bischofssitz nach Kristiansand verlegtOmdal, S. 13. und erst 1925 ein neues Bistum Stavanger aus dem Bistum Agder und Telemark (ehemals: „Bistum Christianssand“) ausgegliedert.Omdal, S. 15.

Ein Sturm zerstörte Mitte des 19. Jahrhunderts Teile des Daches, das anschließend neu aufgesetzt wurde. 1866–1874 wurde die Kirche restauriert und umgestaltet, wobei ein erheblicher Teil der Ausstattung und Einbauten der frühen Neuzeit entfernt wurde.Aano / Refvem, S. 60. Maßgeblich beteiligt an dem Projekt waren die Architekten Conrad Fredrik von der LippeAano / Refvem, S. 55., Andreas Friedrich Wilhelm von Hanno und Heinrich Schirmer.Aano / Refvem, S. 29. Auch etwa 100 Särge wurden dabei aus der Krypta entfernt. Während der Restaurierung 1866 wurde auf dem Dachboden ein klösterliches Messgewand gefunden. Es wird von einem Bild geziert, das wohl den Heiligen Svithun zeigt. Weitere Restaurierungen folgten, die letzte wurde 2025 abgeschlossen.

Architektur

Das Langhaus ist eine Basilika. Das erhöhte Mittelschiff wird durch massive romanische Säulen von den niedrigeren Seitenschiffen getrennt. Die Ausmaße des Mittelschiffes betragen 25,8 × 18 Meter. Es ist in sechs Joche unterteilt. Das Langhaus ist nicht eingewölbt. Der gotische Chor dagegen ist eingewölbt und wurde in der Phase des Wiederaufbaus nach dem Stadtbrand 1272 angefügt. Der Chor erhielt einen flachen Abschluss mit einem zentralen, großen Fenster, was englischen Formen dieser Zeit entspricht. Der Chor wird von zwei Flankentürmen begrenzt.

Die Krypta besitzt einen eigenen, externen Eingang. Sie diente auch als Grablege. Bestattungen in der Krypta wurden 1805 verboten.

Ausstattung

Innenausstattung Das gotische Taufbecken stammt aus der Zeit der Restaurierung der Kirche nach dem Stadtbrand von 1272. Es ist das älteste erhaltene Ausstattungsstück der Kirche. Der silberne Einsatz allerdings stammt erst aus dem 18. Jahrhundert.Aano / Refvem, S. 27.

Am Eingang zur Sakristei befinden sich zwei Statuen von König Magnus Lagabøte und König Erik Magnusson. Beide hatten ursprünglich einen Bart. Die Bärte wurden jedoch während der Restaurierung in den 1860er entfernt. In der Vorhalle sind einige Grabmäler und Epitaphe aufgestellt, unter anderem auch für Bischof Botolf Asbjørnson (1355–1380). In den Seitenschiffen befinden sich weitere Grabmäler und Epitaphe, teils farbig verziert.

Die barocke Kanzel von 1658, überreich mit Figuren bedeckt, wurde erst kurz vor der Verlegung des Bischofssitzes nach Kristiansand von Peiter NegelsenDie Kanzel wurde lange Andrew Lawrenceson Smith zugeschrieben, was aber heute als widerlegt gilt (Aano / Refvem, S. 52). geschaffen.Aano / Refvem, S. 52. Sie ersetzte eine Kanzel von Nils Olavson.

Im Chor befinden sich das Porträt des Superintendenten Jørgen Erikson, ein Pokal und eine Scheibe von Laurits Clausen (1608) und das Glasfenster an der Ostwand von Victor Sparre (1957).

Emanuel Vigeland entwarf die Kronleuchter von 1925.Aano / Refvem, S. 72–75. Die Glasmalereien sind jünger und wurden erst während einer Restaurierung 1957 von Victor Sparre geschaffen.Aano / Refvem, S. 78, 80.

Orgel Auf einer Empore zwischen Langhaus und Chor befand sich ab 1622 eine Orgel. In den 1860er Jahren wurde die Empore abgerissen. 1941 erhielt die Kirche eine Orgel von dem dänischen Orgelbauer T.H. Frobenius (Lyngby) mit 60 Registern. Die heutige Orgel wurde 1992.Aano / Refvem, S. 78. von den Orgelbauern Gebr. Reil unter Wiederverwendung von Pfeifenmaterial der Orgel von 1941 erbaut. Das Instrument hat heute 51 Register auf drei Manualen und Pedal.Nähere Informationen zur (PDF-Datei; 1,02 MB)

mini|Blick durch das Hauptschiff nach Westen auf die Orgel

I Hauptwerk C–g3 1.Principal 16′ 2.Octav 8′ 3.Baarpijp 8′ 4.Rohrquint 6′ 5.Octav 4′ 6.Spitzflöte 4′ 7.Grand Tierce ′ 8.Quint 3′ 9.Octav 2′ 10.Mixtur VI–VIII 2′ 11.Cymbel III 12.Trompet 16′ 13.Trompet 8′ 14.Vox humana 8′ II Rückpositiv C–g3 15.Principal 8′ 16.Cornet V 17.Gedeckt 8′ 18.Quintadena 8′ 19.Octav 4′ 20.Rohrflöte 4′ 21.Nasard 3′ 22.Octav 2′ 23.Waldflöte 2′ 24.Tierce IV 5′ 25.Sesquialter II 26.Mixtur V–VII 27.Fagot 16′ 28.Trompete 8′ 29.Dulciaan 8′ III Schwellwerk C–g3 30.Principal 8′ 31.Viola de gamba 8′ 32.Gedeckt Fluit 8′ 33.Flute Travers 8′ 34.Unda Maris 8′ 35.Oclav 4′ 36.Open Fluit 4′ 37.Nachthorn 2′ 38.Flageolet 39.Trompet 8′ 40.Oboe 8′ 41.Cornet IV Tremulant Pedalwerk C–f1 42.Praestant 16′ 43.Subbass 16′ 44.Octav 8′ 45.Gedeckt 8′ 46.Octav 4′ 47.Mixtur VI 4′ 48.Bazuin 16′ 49.Dulcian 16′ 50.Trompet 8′ 51.Cink 2′ Koppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P

Glockenspiel Über dem Eingang der Kathedrale befindet sich ein Glockenspiel. Seit 1922 hängt es dort und bestand zunächst aus 22 Glocken. Mit Erweiterungen 1998 und 2000 um 15 und noch einmal 12 Glocken besteht es heute aus 49 Glocken. Es ist das älteste und größte Glockenspiel in Norwegen.Aano / Refvem, S. 92, 94.

Sage Einer Sage nach erschien dem Vogt und Justizrat Christopher Garmann, während seiner dritten Hochzeit am 9. Februar 1779 vor dem Altar der Domkirche stehend, der Geist seiner verstorbenen Frau Cecilia, der er geschworen hate, nicht erneut zu heiraten. Garmann verstarb neun Tage später.Véronique Mignot-Bari: Stavanger und seine Umgebung. Trolls of Norway, 2008. ISBN 978-82-92868-08-9, S. 108; Utstein Kloster, Das Kloster auf Utstein, Broschüre, ohne Jahresangabe (2017 oder früher), S. 8.

Literatur Tarald Aano und Fredrik Refvem: The Cathedral that Gave Birth to a City. Stories from Stavanger Cathedral. Stavanger Deanary, Stavanger 2025. ISBN 978-82-303-6924-1 Sven Egil Omdal: The Building the Bears the City’s History. In: Tarald Aano und Fredrik Refvem: The Cathedral that Gave Birth to a City. Stories from Stavanger Cathedral. Stavanger Deanary, Stavanger 2025. ISBN 978-82-303-6924-1, S. 7–17.

Weblinks

Der Dom von Stavanger auf Visit Norway. Touristeninfo der Stadt Stavanger

Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Bauwerk in Stavanger Kategorie:Kathedrale in Norwegen Stavanger Kategorie:Kirchengebäude in Rogaland Kategorie:Kulturdenkmal (Rogaland) Stavanger, Domkirke Kategorie:Erbaut im 12. Jahrhundert Kategorie:Erbaut im 13. Jahrhundert Kategorie:Romanische Kirche Kategorie:Gotisierte Kirche Kategorie:Bauwerk der Romanik in Norwegen Kategorie:Kirchengebäude in Europa Kategorie:Kultur (Stavanger)