Kreuz ist ein Stadtteil der oberfränkischen Stadt Bayreuth.
Lage und Name mini|Karte des Stadtteils Kreuz westlich der Innenstadt Der Stadtteil Kreuz lag, überwiegend in Hang- und Hügellage, bis ins 20. Jahrhundert hinein am westlichen Rand der Stadt Bayreuth. Durch die weitere Ausdehnung der Stadt hat er mittlerweile seine Randlage verloren.
Der Name geht vermutlich auf die Kapelle Zum heiligen Kreuz zurück, die 1410 erstmals erwähnt wurde, von der aber 1545 bereits jede Spur verschwunden war. Sie befand sich nahe dem Anfang der Straße Kreuz an der Kulmbacher Straße. Die heutige evangelische Kreuzkirche wurde erst 1960 errichtet, die katholische Heilig-Kreuz-Kirche 1972 fertiggestellt. Im Monumentalplan Bayreuth von etwa 1910 trägt der Stadtteil den Namen Hl. Kreuz.Monumentalplan Bayreuth, abgedruckt im Nordbayerischen Kurier vom 11. Januar 1994, S. 94 (Sonderthema: 800 Jahre Bayreuth)
Struktur und Geschichte mini|Historische Karte des Stadtteils Kreuz (ca. 1910) mini|Historischer Kern mit der Kulmbacher Straße, dem Städtischen Krankenhaus (hinten links) und der Brauerei Gebr. Maisel (Mitte rechts), um 1900 mini|Bayreuth-Kreuz mit unterer Herzoghöhe – die Sportanlagen im unteren Bereich liegen auf der ehemaligen Henkersau (2012) mini|hochkant|links|Abzweig der Straße Kreuz von der Kulmbacher Straße, im Hintergrund das frühere Sudhaus des Kreuz-Bräu mini|„Kreuzbräuberg“ mit ehemaligem Kreuz-Bräu, rechts der Biergarten des einstigen Angermannschen Bierkellers mini|links|Mälzerei des Kreuz-Bräu (um 1905) mini|Dr.-Martin-Luther-Straße, im Hintergrund das Sudhaus der „Aktienbrauerei“ mini|Ehemaliges Städtisches Krankenhaus, jetzt Lastenausgleichsarchiv des Bundesarchivs Der Ursprung der Siedlung liegt an der Kulmbacher Straße (ehemals Steinweg) am westlichen Ufer des Mistelbachs. Die Spiegelmühle wurde bereits 1398, die Steinmühle 1464 urkundlich erwähnt. Im frühen 19. Jahrhundert lebten dort Ackerbürger, Tuchmacher und Tagelöhner.Herbert Popp: Bayreuth - neu entdeckt. S. 135. Zu den ältesten Gebäuden zählen das Scharfrichterhaus von 1668 (99 Gärten 10) und das Anwesen des Bauern Hörl (Kreuz 31; 1722 oder früher).Kurt Herterich: Bayreuth - Kreuz II., S. 24. Im Erdgeschoss des Hauses Kulmbacher Straße 25 befand sich bis nach 1945 eine Polizeistation.Kurt Herterich: Bayreuth - Kreuz II., S. 31.
Hauptachse und Zentrum des Stadtteils ist die gleichnamige Straße Kreuz im Verlauf der ehemaligen Überlandstraße Hohe Straße, die ihn von Ost nach West durchzieht. Nahe ihrem Anfang steht das ehemalige Städtische Krankenhaus, das 1905 in Betrieb genommen wurde und bis 1986 seine Funktion erfüllte. Daher sind viele Bayreuther gebürtige Kreuzer. Der 630.000 Mark teure Bau ersetzte das düstere Spital an der Dammallee.Bernd Mayer: Bayreuth im zwanzigsten Jahrhundert, S. 12. Im September 1955 wurde die Frauenklinik fertiggestellt,Bernd Mayer: Bayreuth im zwanzigsten Jahrhundert, S. 102. im Mai 1960 die Kinderklinik übergeben.Bernd Mayer: Bayreuth im zwanzigsten Jahrhundert, S. 118. Inzwischen sind dort das Bundesarchiv für das Lastenausgleichswesen (seit Oktober 1999)Das im Juni 1989 neu in der Stadt angesiedelte Archiv war zunächst zehn Jahre lang in einer Halle des ehemaligen Gardinenwerks Zappe an der Leuschnerstraße untergebrachtVor 25 Jahren. Bald Baubeginn für Bundesarchiv in: Nordbayerischer Kurier vom 5./6. September 2020, S. 10.Vor 25 Jahren. Vom Krankenhaus zum Bundesarchiv in: Nordbayerischer Kurier vom 19./20. Oktober 2024, S. 10. und städtische Dienststellen untergebracht, auch gibt es auf dem Gelände Fachschulen für medizinisches Personal. 2007 wurde auf dem stadtabgewandten Teil das Pflegeheim BRK-Ruhesitz eingeweiht. Die auf dem Gelände angesiedelten Behörden (Rathaus II mit u. a. Jugendamt, Ausländeramt und Kfz-Zulassungsstelle) sollen in den 2020er Jahren dem Projekt „Neue Mitte Kreuz“ weichen, einem Wohnquartier für eine bunte Mischung von Menschen verschiedener Generationen und Einkommensgruppen.Stufenplan für den Behördenumzug in: Nordbayerischer Kurier vom 30./31. Januar 2022, S. 9. Der drohende AbrissKindervilla: Bandbreite zwischen weg damit und Rettung in: Nordbayerischer Kurier vom 6. März 2024, S. 10. der historisch markanten ehemaligen „Ärztevilla“ an der Dr.-Franz-Straße konnte 2024 abgewendet werden.Die Ärztevilla wird gerettet in: Nordbayerischer Kurier vom 4. September 2024, S. 9.
Dem Straßenverlauf folgend passiert man den „Angermannschen Bierkeller“„Auf dem Keller“ bedeutet im oberfränkischen Sprachgebrauch „im Biergarten“ (heute Gasthaus Zur Linde), wo Richard Wagner häufig zu Gast war.Fränkische Zeitung vom 23. Mai 2012, S. 7. Schräg gegenüber steht das Wohnhaus der einstigen Bayreuther Scharfrichter von 1668. Die nahe gelegene Gaststätte Zentralhalle, ein baulich bemerkenswerter Klinkerbau, wurde, obwohl erhaltenswert,Kurt Herterich: Bayreuth - Kreuz II. II, S. 49. 1995 abgerissen. Nach der Errichtung 1897 als Versammlungsort der Arbeiterbewegung genutzt, war sie historisch nicht unbedeutend.
Am westlichen Ende der Straße befand sich mit dem Rabenstein, einer „mannshohen, etwa acht Schritt im Geviert messenden gebretterten Estrade“,Kurt Herterich: Bayreuth – Kreuz, S. 10 eine der öffentlichen Hinrichtungsstätten der Stadt. Dort wurden die Delinquenten gepfählt, mit dem Richtschwert enthauptet oder auf andere Weise ums Leben gebracht. Das gemauerte Viereck des Rabensteins wurde 1848 abgetragen, die blutgetränkte Erde wurde versteigert. Unweit davon, an der Preuschwitzer Straße (heute Standort der katholischen Kirche), war der 1814 abgebrochene Galgen aufgestellt. An der spätestens 1505 als Galgenberg nachweisbaren StelleHelmut Paulus: Die grausige Geschichte der Henkersau in: Heimatkurier 1/1998 des Nordbayerischen Kuriers, S. 3 ff. stand auch das Rad, auf das die zur Räderung Verurteilten aufgesetzt wurden. Eine weitere Richtstätte war die als „Henkers-Au“ bezeichnete HospitalwieseKurt Herterich: Bayreuth – Kreuz, S. 9 zwischen der Straße 99 Gärten und dem Mistelbach. Dort wurden z. B. im 16. Jahrhundert mindestens drei Menschen auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Auch die Hinrichtungen durch Köpfen wurden 1848 auf die HenkersauBis 1970 war die Fläche noch mit dieser Flurbezeichnung in Kataster und Grundbuch eingetragen verlagert. Ab 1855 wurde dort im „Bedarfsfall“ die Guillotine aufgestellt; erster damit geköpfter Delinquent war, unter dem Beisein zahlreicher Schaulustiger, am Morgen des 13. September 1855 ein achtzehnjähriger junger Mann. Am 9. September 1859 endete die Geschichte der Henkersau mit einer öffentlichen Doppelhinrichtung.
An der Straße 99 Gärten liegt die gleichnamige Kleingartenanlage aus dem Jahr 1917. Bereits in einer Karte von 1745 sind dort zahlreiche Privatgärten eingezeichnet. Dort, wie auch an der nahe gelegenen Kulmbacher Straße, bilden in den Hügel gebaute Bierkeller ein weitläufiges, verzweigtes Geflecht von mehrere hundert Meter langen Stollen. Das Kellersystem 99 Gärten besteht aus zwei großen Ästen, die miteinander verbunden sind und eine Gesamtlänge von rund 700 m haben. Ein zweites System mit einer ähnlichen Ausdehnung befindet sich südlich des ehemaligen Krankenhauses; während des Zweiten Weltkriegs wurde es als Luftschutzbunker für dessen Patienten und Personal genutzt.Christoph Rabenstein: Bayreuths Unterwelt gibt Rätsel auf in: Heimatkurier 3/1998 des Nordbayerischen Kuriers, S. 24 f. Die an der Kulmbacher Straße in den Sandstein getriebenen Gänge wurden vor der Mitte des 18. Jahrhunderts angelegt und später schrittweise ausgebaut.Felsenkeller im Bereich Kreuz in: Nordbayerischer Kurier vom 12./13. März 2022, S. 14. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es in Bayreuth etwa 200 Braurechte. Das untergärig gebraute Bier wurde in den Kellern bei konstant niedrigen Temperaturen gelagert. Zwei Brauereien existieren noch am östlichen Rand des Stadtteils.
An der Kulmbacher Straße, die ihre Funktion als Ausfallstraße im Stadtteil Kreuz verloren hat, befindet sich die Bayreuther Bierbrauerei, im Volksmund „Aktienbrauerei“ genannt. 1831 war sie als erste Bayreuther Privatbrauerei gegründet und 1872 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden.Kurt Herterich: Bayreuth - Kreuz. S. 47 f. In der ehemaligen Tenne der Brauerei,Aktien-Keller bei bayreuther-bier.de, abgerufen am 30. Oktober 2014 einem zu gastronomischen Zwecken genutzten Kellergewölbe, befand sich in den 1970er Jahren die Diskothek Old Baily.Old Baily bei pophistory-oberfranken.de, abgerufen am 30. Oktober 2014 Dort traten häufig Musikgruppen auf, u. a. Colosseum II, Aera und Jörg Evers’ legendäre Bayreuther Band The Box.The Box bei pophistory-oberfranken.de, abgerufen am 5. Juni 2015
Stadteinwärts liegt das 1886/87 erbaute Stammhaus der Brauerei Gebr. Maisel mit dem Maisel’s Brauerei- und Büttnereimuseum. Im markanten Gebäude des Kreuz-Bräu an der unteren Straße Kreuz wird hingegen schon seit Jahrzehnten nicht mehr gebraut.Neues Leben in der Kreuz-Bräu. In: Nordbayerischer Kurier. 30. November 2013, abgerufen am 26. Juni 2014. Der aus der Brauerei Schmidt in Moritzhöfen stammende Braumeister Fritz Schmidt hatte die ehemalige Brauerei Schott (Kreuz 18) im März 1889 übernommen und ausgebaut.Geschichte der Firma Fritz Schmidt, Bayreuth bei kreuzbraeu.de, abgerufen am 5. März 2022 1904 wurde dem Unternehmen eine Mälzerei angegliedert. 1923 gab Schmidt die Bierherstellung auf und richtete im 1895 errichteten Sudhaus eine Mühle für Roggen und Weizen ein.Kurt Herterich: Bayreuth - Kreuz. S. 53. Die Brauerei Schoberth (99 Gärten 14-18) existierte nur von etwa 1880 bis 1920, die Gebäude wurden in den 1920er Jahren abgerissen.Kurt Herterich: Bayreuth - Kreuz. S. 111.
Das einzige Fließgewässer ist der am Südrand des Viertels verlaufende Mistelbach. Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hatte er mit dem Mühlgraben, nach einem anliegenden Bauern auch „Rießenbach“ genannt, einen Seitenkanal. Er verlief am Rand der Straße 99 Gärten und versorgte die Mühlräder der Steinmühle und der Spiegelmühle (auch „Spitalmühle“ genannt) mit Wasser. Zwischen den beiden Wasserläufen, auf der einstigen Henkersau, lagen die drei Schoberthsweiher, von denen sich Brauereien das Eis holten. Die Brauerei Maisel beabsichtigt, einen Teil dieses Bereichs mit Wohnhäusern zu bebauen. 2018 erteilte der Bauausschuss seine Zustimmung für die Fortschreibung des Genehmigungsverfahrens, obwohl das Mistelbachtal als „grüner Finger der Stadt“ eine wichtige Frischluftschneise darstellt.Lärmschutzwand und Säbelrasseln in: Nordbayerischer Kurier vom 8. November 2018, S. 14.
Bis weit in die Zeit nach 1945 konnten sich im Stadtteil landwirtschaftliche Betriebe halten. Die Höfe der Haupt- und Nebenerwerbsbauern lagen überwiegend an den Straßen 99 Gärten und Kreuz sowie der Hügelstraße (seit 1947: Karl-Hugel-Straße nach dem dort geborenen Karl Hugel). Viele dieser Anwesen wurden mittlerweile abgerissen.Kurt Herterich: Bayreuth - Kreuz. S. 28.
Im Kreuz gab es drei öffentliche Trinkwasserbrunnen, von denen der letzte 1952 abgebaut wurde. Sie lagen in der Kulmbacher Straße (ungefähr an der Abfahrt zur Gaststätte Herzog), an der Einmündung der Carl-Burger-Straße in die Straße Kreuz und in der Straße 99 Gärten neben dem unteren Eingang zur Gartenkolonie.Kurt Herterich: Bayreuth - Kreuz. S. 57.
Bebauung und Geschichte ab 1897 mini|Anwesen Bäckermeister Albin Festel, Kreuz 62 (erbaut 1896–98), 1934 mini|Lippacherstraße mit der Kreuzkirche, links Genossenschaftshäuser aus den 1950er Jahren Im 20. Jahrhundert dehnte sich das Kreuz bis zur ehemaligen Bahnstrecke nach Thurnau und auf den südöstlichen Teil des Roten Hügels aus. Die evangelische Kreuzkirche wurde 1960 geweiht. Allerdings beging die Bevölkerung schon seit 1897 alljährlich ausgiebig das stadtbekannte Volksfest „Kreiza Kerwa“ (Kreuzer Kirchweih) zunächst in und vor der Zentralhalle, später auf dem Gelände des SC Kreuz.