mini|Logo des City 46 – Kommunalkino Bremen Das City 46 ist ein Kommunalkino in Bremen. Es wurde 1974 gegründet und ist unter dem Kurznamen Koki (Kommunalkino) bekannt. Zunächst zeigte es seine Filme vornehmlich als Mitnutzer eines bestehenden Kinos im sogenannten Viertel, einem Quartier im Zentrum Bremens. Anfang der 1990er-Jahre zog das Kommunalkino in die Waller Heerstraße 46 im Bremer Stadtteil Walle, wo es erstmals über eigene Räumlichkeiten verfügte. Die Hausnummer 46 ging in den jetzt angenommenen Namen Kino 46 ein. Seit dem 7. Oktober 2011 – nach dem Umzug zur Birkenstraße 1 in der Bremer Innenstadt – heißt es City 46. Das Kino ist Mitglied des Bundesverbandes kommunale Filmarbeit.

Geschichte des Kommunalkinos in Bremen mini|Illuminierter Eingang des City 46, dekoriert für das 18. Queerfilm-Festival im Oktober 2011 Hervorgegangen aus dem Umfeld der Studentenbewegung und in der Folge des Oberhausener Manifestessiehe mam: „„Missionarskino“ hat erfolgreich überlebt“, in: Weser Kurier vom 5. Mai 1994 von 1962, das sich avantgardistisch gegen „Opas Kino“ der Heimatfilmesiehe Alexandra Albrecht: „Hier gehen einem die Augen auf“, in: Weser Kurier vom 1. Mai 2004 wandte, entstanden damals vielerorts Kommunalkinos. Unter den ersten waren 1970 das Filmforum Duisburg und 1971 das kommunale Kino in Frankfurt am Main. In Bremen fand sich 1973 eine Gruppe von Menschen, darunter der damalige Besitzer des Kinos Cinema im Ostertor Gerd Settje, der Hochschullehrer Irmbert Schenk von der Universität Bremen, und der Filmemacher Günther Hörmann von der Arbeitsstelle Arbeiterkammer-Universität, die am 11. Oktober 1973„30 Jahre Kommunalkino Bremen, 1974–2004“, Broschüre des Kommunalkinos zum 30. Jubiläum den Trägerverein Kommunalkino Bremen e. V. gründeten. Damit ist das Bremer Kommunalkino eines der ersten und damit ältesten Kommunalkinos in Deutschland. Das erklärte Motto der allgemein auch KoKi genannten Kinos war „Andere Filme anders zeigen“. Das KoKi Bremens sieht sich bis heute als eine Stätte, in der Film als zu bewahrendes Kulturgut gepflegt wird, anstatt ihn der schnellen Vermarktungskette „Kino – Video – Fernsehen – ewige Versenkung“ zu überantworten.

Der Verein wurde von Anfang an mit wechselnden Beträgen vom Bremer Senat finanziell gefördert. Einen eigenen Saal gab es jedoch 19 Jahre lang nicht, das KoKi war Gast in anderen Kinos und Spielstätten. Erst 1993 konnte es unter dem Namen Kino 46 in eigene Räume umziehen. 2011 erfolgte dann erneut ein Umzug an den aktuellen Spielort in der Bremer Innenstadt, jetzt als City 46.

Das Kommunalkino Bremen e. V. als Untermieter Der Trägerverein des KoKi Bremen war zunächst darauf angewiesen, dass bestehende Kinos ihm Spielzeiten einräumten, denn für einen eigenen Saal fehlte das Geld. Unter dem Namen Kommunalkino Bremen e. V. wurden die Filme in verschiedenen Kinos gezeigt, das KoKi war sozusagen dort Untermieter. Bis zu seinem Umzug in den Stadtteil Walle 1993 spielte das Kommunalkino seine Filme in erster Linie im Cinema im Ostertor im Viertel, einem stark von Studenten und Alternativen geprägten Quartier. Regelmäßig waren auch das Atlantis in der Böttcherstraße sowie die ehemaligen Mühlenbach Lichtspiele in Lesum Gastgeber des KoKi,siehe Jürgen Francke: „Kuhle Wampe zur Prime Time?“, in: taz bremen vom 6. Januar 1993, S. 19 es zeigte seine Filme in vielen Stadtteilen und Institutionen, u. a. in der Justizvollzugsanstalt Oslebshausen. Das Kino bestückte so jeden Monat zu einzelnen Terminen bis zu acht Spielstätten im gesamten Stadtgebiet.

mini|Das Programmkino Cinema im Ostertor war für das Kommunalkino Bremen von 1974 bis 1993 HauptspielstätteInsbesondere mit dem Programmkino Cinema im Ostertor verband das KoKi eine jahrzehntelange Zusammenarbeit. Die Filme konnten jedoch in der Regel nur vier- bis fünfmal in der Woche in der Zeit um 18 Uhr gezeigt werden, die profitableren Abendvorstellungen waren generell dem Programmkino vorbehalten. Vereinzelt wurde die Zusammenarbeit deshalb auch kritisch gesehen: KoKi-Mitglied Gerd Settje war zugleich Besitzer des kommerziell betriebenen Cinema und profitierte von der staatlichen Förderung, da das Koki dafür sorgte, dass das Cinema für die Spielzeiten am späten Nachmittag und frühen Abend garantierte Einnahmen hatte.

Ihren streng programmatischen Anspruchsiehe Wilfried Hippen: „Reservat für das andere Kino“, Nachdruck eines Artikels aus dem Bremer Magazin Foyer von 1994 in „30 Jahre Kommunalkino Bremen, 1974–2004“, Broschüre des Kommunalkinos zum 30. Jubiläum setzten die Kinomacher schon mit dem Eröffnungsfilm um. Sie zeigten am 7. Mai 1974 vor einem 203 Köpfe zählenden Publikum den proletarischen Film Kuhle Wampe von Bert Brecht und Slatan Dudow aus dem Jahr 1932. Das Programm des Kinos in den 1970er Jahren beschrieb ein Journalist in der Rückschau als „fortschrittlich karge Kost mit revolutionären Werken aus Lateinamerika, Filmen über die Arbeitswelt, etwas Herzog und Buñuel und fürs Vergnügen gerade mal eine Komödie von Jacques Tati“. Neben den genannten Schwerpunkten gab es unter anderem kuratierte Filmreihen, zum Beispiel zur „Situation der Frau“ und zum italienischen Neorealismus, später errang das Kino unter anderem 1988 mit dem Festival „Mai '68 und der Film“ auch überregional Bekanntheit. Nach der Wende präsentierte der Verein 1990 unter anderem gemeinsam mit der Angestelltenkammer von Bremen eine Auswahl an Beiträgen der 32. Leipziger Dokumentar- und Kurzfilmwoche 1989, die zur selben Zeit auf der Berlinale gezeigt wurden.Jürgen Francke: „Warme Kameras“, in: taz bremen vom 10. Februar 1990, S. 27 Ein Jahr später startete von Bremen aus die in Zusammenarbeit mit dem Bremer Con-Filmverleih und dem Ost-Berliner Kino Babylon entstandene Reihe „Zwischen den Zeiten – Filme von DEFA-Dokumentarfilm-RegisseurInnen von 1989 bis 1990“, die in 40 Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz gastierte.Beate Ramm: „DEFA-Dokumentarfilmfestival in Bremen“, in: taz bremen vom 18. April 1991, S. 23

Politisch war das städtisch bezuschusste Kino in der Anfangszeit sehr umstritten. Zum Start des Projekts berichtete die Presse zum Teil sehr negativ und vermutete unter anderem „ideologisches Missionarskino“.Artikel „Ideologisches Missionarskino“, in: BBZ vom 24. Mai 1974 Es gab zum Teil erhebliche Widerstände des politischen Establishments, die Initiatoren des Kinos wurden sogar persönlich angefeindet.So der ehemalige Bürgermeister Bremens Henning Scherf in einem Grußwort in „30 Jahre Kommunalkino Bremen, 1974–2004“, Broschüre des Kommunalkinos zum 30. Jubiläum Aus der CDU kam die Mutmaßung, hier solle in einem „chaotisch-maoistischen Sinne“ wohl „zur Gesellschafts- und Systemveränderung beigetragen werden“.siehe tom: „Neue Rollen für das Kino“, in: taz bremen vom 5. Mai 1994

Die Besucherzahlen hingegen entwickelten sich von Anfang an recht gut. Dem Journalisten Jürgen Francke zufolge waren sie im Vergleich zu anderen Städten „nicht schlecht“. Er führt das „Auf und Ab“ des Kommunalkinos in einer Rückschau von 1993 auch auf die nicht immer konstante Kulturpolitik des SPD-geführten Bremer Senats zurück. Um jede Mark habe das KoKi kämpfen müssen.

Der Wunsch nach einer eigenen Spielstätte lebte fort. Die Bemühungen des Vereins, gemeinsam mit der Stadt einen eigenen Standort zu finden, wurden nie aufgegeben. Ende der 1980er-Jahre wurden die Pläne konkreter. Nach einer Planungsphase von insgesamt fünf Jahren und einem „jahrelange(n) Kleinkrieg zwischen Nutzern und Vermietern“Karl Wilhelm: „„46“: Die neue Perle von Walle“, in: Achimer Kreiszeitung vom 9. Februar 1993 der avisierten Räumlichkeiten war der Standort für die nächsten 19 Jahre gefunden.

Die Zeit in Walle als Kino 46 „Im Schatten des Bremer Fernsehturms“ in Walle sollte 1993 „die Film- und Videoszene des kleinsten Bundeslandes zu neuem Leben erwachen“. Das Kommunalkino zog in das neu geschaffene Medienzentrum Walle und konnte so, in unmittelbarer Nähe des Standorts des ehemaligen Decla-Kinos, eine eigene Spielstätte beziehen. Neben dem Kommunalkino zogen fünf weitere Vereine und Initiativen aus dem audiovisuellen Spektrum der Stadt in die Waller Heerstraße 46, darunter das Filmbüro Bremen e. V. sowie das damals noch unter Null Satt firmierende heutige Makemedia-Studio, ein Videoprojekt für Schüler. Später kam noch ein Café inklusive wechselnder Kunstausstellungen im Eingangsbereich des Komplexes hinzu.ave: „Kino schlägt Wurzeln in Walle“, in: Wochenblatt vom 11. Mai 1994 Allerdings war Walle für das Kommunalkino kein Wunschstandort, sondern eher eine „zu schluckende Kröte“: Dem Bremer Senat schwebte mit der Gründung des Medienzentrums eine kulturelle Belebung des Stadtteils vor, das Kommunalkino fürchtete, sein Stammpublikum zu verlieren. Doch nur so war die eigene Spielstätte durchsetzbar.

mini|Mit dem Umzug in den Stadtteil Walle war auch eine Umbenennung verbunden: Aus dem Kommunalkino Bremen wurde das Kino 46 Mit dem Umzug war eine Umbenennung des Kinos verbunden. In Anlehnung an die Hausnummer des Medienzentrums nannte der Trägerverein die Spielstätte Kino 46. Im zweiten Stock eines weißen Neubaus gelegen, verfügte es über einen Saal mit 168 Plätzen, eine 7 m × 3 m große Leinwand und ein Dolby-Surround-System. Einige angrenzende Nebenräume beherbergten die Büros der fünf (mehr oder weniger fest) Angestellten. Unter ihnen war seit 1986 der heutige Geschäftsführer des Kinos, Karl-Heinz Schmid, der seit 1989 zum Team gehörende heutige stellvertretende Geschäftsführer und Theaterleiter Alfred Tews sowie die damalige Geschäftsführerin Christine Rüffert, die als freigestellte Lehrerin beim Kommunalkino arbeitete.ck: „Cineastin auf Abruf“, in: taz bremen vom 12. Juni 2001, S. 23

Erkennungszeichen von der belebten Hauptstraße her war ein großes Wandbild, das noch heute existiert. Wandmalerei ist eine Form der Kunst im öffentlichen Raum, die im Bremer Stadtbild weit verbreitet ist. Das besagte Kunstwerk zeigt mit Veronica Lake und Alan Ladd zwei Stars der Schwarzen Serie (auch bekannt als Film noir), in einem Standbild aus dem Film Die Narbenhand von 1942. Konzipiert und gemalt wurde dieses Wandbild von dem Bremer Künstler Ulrich Precht. Die feierliche Enthüllung des Wandgemäldes geschah im Oktober 1993, begleitet durch Walles „Dorf-Poet“ und ehemaligen Taz-Kolumnisten Ulrich Reineking-Drügemöller, zugegen war auch die damalige grüne Bremer Kultursenatorin Helga Trüpel,.„Zwei Schwarze-Serie-Stars weisen den Weg“, in: Weser Kurier vom Bild von 18. Oktober 1993 Sie hatte den von ihrem Vorgänger Horst Werner Franke eingeleiteten Umzug des KoKi nach Walle umgesetzt.

Eingeweiht wurde die neue Spielstätte mit Friedrich Wilhelm Murnaus Film Faust – eine deutsche Volkssage von 1926 mit Live-Klavierbegleitung und dem französischen Arthouse-Film Delicatessen von 1991. Ab sofort gab es ein „Vollprogramm“: jeden Tag mehrere Filme, auch abends zur Hauptspielzeit. Seinen streng politisch-programmatischen Anspruch hatte das KoKi schon bald nach seiner Gründung 1974 hinter sich gelassen. Mittlerweile hatte es sich auch für andere Beiträge geöffnet, „Hollywoodfilme, der große Kommerz also“ waren im Kino 46 keineswegs mehr kategorisch ausgeschlossen. Neue Filmreihen und -festivals wurden geplant und gezeigt. Jeden Monat sollte zudem regelmäßig einer oder mehrere Stummfilme mit Live-Musikbegleitung aufgeführt werden.