Ein Lokaladverbial (auch Lokalbestimmung) ist in der Grammatik ein Satzteil, der dazu dient, die beschriebene Situation – oder Teilaspekte davon – räumlich einzuordnen, oder aber den Geltungsbereich einer Aussage räumlich einzuschränken.

Die Kategorie Lokaladverbial ist grundsätzlich dadurch bestimmt, dass in irgendeinem Sinn „lokale“ bzw. „räumliche“ Wortbedeutungen am Werk sind. Dabei entstehen aber verschiedene inhaltliche Untertypen, die auch verschiedenartige Bedeutungsbeziehungen zum Rest des Satzes eingehen können. Lokaladverbiale bilden dadurch keine einheitliche syntaktische Klasse; es gibt also keine einheitliche Wortstellungsregel für Lokaladverbiale als solche.

Die Bezeichnung Lokaladverbial wird in unterschiedlicher Weise auf die infrage kommenden inhaltlichen Untertypen bezogen. Manchmal sind mit „Lokaladverbial“ nur statische Positionsangaben im Raum gemeint, die mit „wo?“ erfragt werden können.grammis.de / „Semantisch begründete Adverb-Subklassen“ (abgerufen am 13. März 2025) – Pittner (1999), S. 60 ff. – Zifonun et al. (1997), S. 1150 ff. Sie werden dann in einen Gegensatz zu den Direktional- oder Richtungsadverbialen gestellt. Diesem engeren Sinn steht aber ein weiter Sinn gegenüber, in dem die Bezeichnungen Lokaladverbial oder lokales AdverbialPittner (1999) benutzt diese in unterschiedlicher Bedeutung: „Lokale Adverbiale“ für die übergeordnete Klasse, „Lokaladverbiale“ für Positionsadverbiale. benutzt werden, um alle Arten von Adverbialen zusammenzufassen, die sich in irgendeiner Weise auf Orte beziehen: Position, Weg und Richtung.Helmut Glück, Michael Rödel (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache. 5. Auflage. Verlag J. B. Metzler, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-476-02641-5. Stichworte „lokal“, „Lokaladverb“ und „Lokalbestimmung“, alle S. 409. Manchmal wird auch so verfahren, dass Lokaladverbial die weite Bedeutung haben soll, und die engeren Bedeutungen mit den deutschen Ausdrücken Ortsbestimmung bzw. Richtungsbestimmung (oder Orts-/Richtungs-Angabe) unterschieden werden.Duden. Die Grammatik (= Der Duden, Band 4). 10. Auflage. Dudenverlag, Berlin 2022, e-ISBN 978-3-411-91447-0. S. 516 / Rand-Nr. 863, analog auch S. 794 / Rand-Nr. 1385 für Lokaladverbien. Im vorliegenden Artikel wird der weitere Sinn zugrunde gelegt und die Klasse der Direktionale als Untergruppe der Lokaladverbiale mitbehandelt.

Die Bezeichnung Adverbiale Bestimmung oder Adverbial bezieht sich auf die grammatische Funktion eines Ausdrucks im Satz und lässt offen, wie der Ausdruck aufgebaut ist. Bei Lokaladverbialen handelt es sich häufig um Präpositionalphrasen (zum Beispiel „in der Küche“), aber es gibt auch Nebensätze, die Ortsangaben machen (Lokalsätze, zum Beispiel „(bleib,) wo du bist“). Als Lokaladverb wird ein Einzelwort bezeichnet, das als Lokaladverbial dienen kann und sich keiner anderen Wortart eindeutig zuordnen lässt, zum Beispiel „dort, oben, wohin, ringsum“.

Lokaladverbiale dienen nicht nur als Modifikatoren bzw. Angaben. Adverbiale können generell auch Argumente sein (Ergänzungen, die vom Verb gefordert werden). Lokaladverbiale sind derjenige Typ von Adverbial, bei dem sich die Funktion als Argument des Verbs am häufigsten findet. Dieses enge Zusammenspiel betrifft Verben der räumlichen Konfiguration, wie zum Beispiel „(auf etwas) sitzen“, oder Verben mit einer Richtungskomponente wie „(etwas irgendwohin) stellen“.

Da lokale Adverbiale als Bedeutungsklasse von Adverbialen definiert sind, wird erwartet, dass sich diese Kategorie in allen Sprachen findet und dass auch die Unterscheidungen innerhalb dieser Kategorie zunächst für alle Sprachen relevant sind. Wie sich diese Kategorien im Zusammenhang der Grammatik bestimmter Einzelsprachen zeigen und verhalten, ist aber variabel. Daher wird im vorliegenden Artikel die Kategorie nur anhand des Deutschen beschrieben.Dieses Vorgehen findet sich z. B. auch in Maienborn (2001) (siehe isb. den Inhaltsüberblick S. 193), die sprachunabhängige Formalisierungen der Semantik anbietet, aber sich auf Beispiele aus dem Deutschen und Englischen beschränkt, die als weitgehend parallel vorgestellt werden.

Einteilungen der Bedeutungen von Lokaladverbialen Ein Adverbial kann für die Grammatik des Deutschen definiert werden als ein Satzglied, das vom Prädikat zwar grammatisch abhängt, aber nicht von ihm kasusregiert wird (im Unterschied zu Objekten und Subjekten) und nicht lediglich eine Eigenschaft zu Subjekt oder Objekt angibt (im Unterschied zu Prädikativa). Einige der Bedeutungstypen, die unten aufgeführt sind, können auch in der Funktion von Attributen zum Substantiv begegnen (zum Beispiel Ortsangaben wie in „das Haus auf dem Hügel“), diese sind aber von Ortsadverbialen dadurch unterschieden, dass sie keine Satzglieder sind. Solche Fälle werden im vorliegenden Artikel also nicht mitbehandelt, ebenso wie nähere Bestimmungen zu Adjektiven oder Präpositionen (die in einem engeren Sinn ebenfalls keine Adverbiale sind, allerdings wird die Terminologie hier unterschiedlich gehandhabt, siehe Attribut (Grammatik) #Attribute in einem weiteren Sinn).

Ort und Weg Eine Hauptunterscheidung, die bei der Darstellung von Lokaladverbialen am häufigsten genannt wird, ist die zwischen Orts- und Wegangaben.

Lokale Positionsadverbiale Ortsangaben bezeichnen Positionen im Raum. Manche Präpositionen, die räumliche Positionen bezeichnen, haben auch eine Dublette als Zeitadverbial, zum Beispiel gleichlautend „vor dem Haus“ und „vor den Ferien“ oder „in diesem Haus“ und „in diesem Jahr“ (vgl. im Artikel Temporaladverbial #Bestimmung der zeitlichen Lage). Beide Typen können als Positionsadverbiale bezeichnet werden, man kann also lokale und temporale Positionsadverbiale unterscheiden.Vgl. Pittner (1999), S. 75.

Orte werden am häufigsten so bestimmt, dass man die relative Lage zu einem anderweitig etablierten Bezugsobjekt angibt,Vgl. zum Beispiel Wunderlich & Herweg (1991), S. 759f. etwa: „vor unserem Haus“: Dieser Ausdruck bezeichnet eine räumliche Region, die ausgehend vom Bezugsobjekt „Haus“ ermittelt wird. (Diese Konstruktion ist wiederum parallel zu den temporalen Positionsadverbialen, die eine Zeit an einem anderweitig benannten zeitlichen Bezugspunkt verankern, etwa: „vor den Ferien“.) Im Falle des Wortes „hier“ handelt es sich um eine Relation zum Ort des Sprechers, der Orientierungsrahmen ist dann also deiktisch gegeben (d. h. durch Bezug auf die Äußerungssituation; analog zur zeitlichen Lokalisierung bei „jetzt“, der Zeit der Äußerung).

Welche Art von Gegenstand an einem Ort lokalisiert werden kann, ist im Prinzip offen. Bei attributiven Ortsangaben bezieht sich die Lokalisierung auf das Substantiv als Kern der attributiven Konstruktion, zum Beispiel „der Stuhl neben mir“: In der Relation „x neben y“ ist also x ein konkreter Gegenstand, „der Stuhl“. Adverbiale modifizieren jedoch das Prädikat und nicht ein Substantiv, folglich liegt es nahe, dass das, was lokalisiert wird, dann die vom Prädikat bezeichnete Situation ist. Hierzu gibt es aber auch Alternativen (siehe unten).Vgl. auch Wunderlich & Herweg (1991), Abschnitt 3.

Direktionale Adverbiale Der zweite inhaltliche Haupttyp sind Direktionale, von denen verschiedene Verwendungsvarianten existieren: Bewegung, zum Beispiel „in die Stadt fahren“: Hier gibt es einen Bewegungspfad, also eine geordnete Folge von Orten, die ein sich bewegender Gegenstand nacheinander durchläuft; folglich ist hier die räumliche Angabe mit einer zeitlichen Dimension verknüpft.Mit formaler Ausarbeitung: Carola Eschenbach & al: Lexical specifications of paths. In: Christian Freksa et al. (eds): Spatial Cognition II – Integrating Abstract Theories, Empirical Studies, Formal Methods, and Practical Application (= Lecture Notes in Artificial Intelligence, 1404). Springer, Berlin 2000, S. 127–144. Statische Situationen, zum Beispiel Erstreckung: „der Wald reicht bis an das Ufer“ oder reine Richtungen, zum Beispiel „die Kompassnadel zeigt nach Norden“, „der Wegweiser zeigt in den Wald“. Diese Bedeutungsvarianten können so aufgefasst werden, dass die beteiligten Präpositionalphrasen nur eine allgemeine direktionale Grundbedeutung haben und dass die unterschiedlichen Interpretationen von Bewegung, Erstreckung und Richtung durch die beteiligten Verben bewirkt werden.Pittner (1999), S. 68ff. (Abschnitt 2.3.2 „Direktionaladverbial“). (Siehe auch den gleich folgenden Abschnitt.)

Abgrenzung zu anderen Fällen Manche Ausdrücke, die genauso aussehen wie Ortsbestimmungen, haben tatsächlich andersartige Bedeutungen, beispielsweise Ausdrücke wie „im Kreis gehen“, „im Zickzack fahren“. Diese Fälle sind weder Orts- noch Richtungsbestimmungen, sondern bezeichnen die Form eines Bewegungspfades.Emile van der Zee: Why We Can Talk About Bulging Barrels and Spinning Spirals: Curvature Representation in the Lexical Interface. In: Emile van der Zee, Urpo Nikanne (eds.): Cognitive Interfaces. Oxford University Press, Oxford 2000, ISBN 0-19-829961-3, S. 143–182. Sie lassen sich als Veränderungen einer Orientierung bestimmen (also Veränderung in der Lage einer besonderen räumlichen Achse) und zählen bei einem Bewegungsverb als Bestimmung der Art und Weise.Das Beispiel „im Zickzack“ kurz so erwähnt in Zifonun et al. (1997) (Bd. 3), S. 2128.

Zusammenspiel mit dem Verb: Angaben und Ergänzungen Nicht alle Adverbiale sind stets weglassbare „nähere Bestimmungen“ (Angaben), sondern Adverbiale können auch Ergänzungen sein, die vom Verb gefordert werden. Der Unterschied zu einem grammatischen Objekt besteht darin, dass Adverbiale weder regierten Kasus vom Verb erhalten noch eine vom Verb festgelegte Präposition (bei einem Präpositionalobjekt). Räumliche Adverbiale sind der häufigste Fall unter diesen adverbiellen Ergänzungen.Zifonun et al. (1997), S. 977.

Verben und Positionsadverbiale Positionsadverbiale, die Ergänzungen (bzw. Argumente) sind, kommen mit Positionsverben vor, etwa: „Anna sitzt auf dem Stuhl.“ „Der Saft steht im Kühlschrank.“ Solche Positionsbestimmungen können zwar wegfallen, wenn in bestimmten Kontexten andere Informationen mehr im Fokus sind („Ich kann wegen meiner Rückenschmerzen nicht sitzen“), sie zählen aber als Ergänzung, weil sie in der Verbbedeutung vor-angelegt sind und so mit der Positions-Bedeutung des Verbs in enger Wechselwirkung stehen. Dies ist anders in einer Kombination wie „Er singt unter der Dusche“, obwohl tatsächlich im Endergebnis in beiden Fällen eine Ortsbestimmung geschieht.Pittner (1999), S. 61f.

Verben und Direktionaladverbiale Richtungsbestimmungen sind anscheinend nie frei zusetzbar; sie können nur mit direktionalen Verben vorkommen und zählen daher immer als Argumente. Je nach Verb entstehen unterschiedliche Arten von Richtungsbedeutung:Pittner (1999), S. 68ff., dort ähnliche Beispiele wie im Folgenden. „Sie lief schnell ins Haus.“ (Bewegungsverb, sukzessive Ortsveränderung) „Sie stellte die Flasche auf den Tisch.“ (kausatives Positionsverb, Verursachung einer Ortsveränderung; die Direktionalergänzung bezeichnet nur einen Ortsunterschied, keinen kontinuierlichen WegIngrid Kaufmann: Konzeptuelle Grundlagen semantischer Dekompositionsstrukturen. Die Kombinatorik lokaler Verben und prädikativer Komplemente. Niemeyer, Tübingen 1995, ISBN 3-484-30335-2, S. 51.) „Die Straßenlaterne leuchtet in mein Zimmer.“ (Emissionsverb, Ausbreitung, unklar ob Bewegung) „Sie schaut in den Garten.“ (Richtung, keine Bewegung) „Der Wald reicht bis ans Ufer.“ (Erstreckung, keine Bewegung) Allenfalls muss die Bedeutung des Verbs abgewandelt werden, indem eine Bedeutungskomponente der Bewegung hinzugefügt wird (auf die der direktionale Präpositionalausdruck ja nicht festgelegt ist). Dies kann regelmäßig bei Geräuschverben geschehen:Pittner (1999), S. 70, das dritte Beispiel unten von dort, Bsp. (29b). „Der Wagen rumpelte in den Hof.“ (Eigenbewegung) „Der Pudding klatschte auf den Boden.“ (Eigenbewegung) „Er klatschte die Papiere auf den Tisch.“ (kausativ)