Die Stadtbahn Utrecht, offiziell („Utrechter Schnelltram“) oder kurz u tram, ist ein seit 1983 bestehendes Stadtbahnsystem in der niederländischen Stadt Utrecht sowie deren Vororten Nieuwegein und IJsselstein. Am 14. Dezember 2019 wurde mit der Uithoflijn eine Niederflurstraßenbahn vom Hauptbahnhof Utrecht CS bis zum Universitätszentrum De Uithof eröffnet. Anschließend wurden die bestehenden Strecken auf Niederflurbetrieb umgebaut. Mit einiger Verspätung begann im Juli 2022 der durchgehende Betrieb von Nieuwegein und IJsselstein über Utrecht CS zum Science Park.

Werktags fahren zwischen 38.000 und 40.000 Menschen mit der Stadtbahn Utrecht, die meisten Fahrgäste (25.000 bis 30.000) benutzen den Abschnitt zwischen Hauptbahnhof und Kanaleneiland (Stand 2012).

Geschichte links|mini|hochkant|Stadtbahnwagen im Jahr 1998, damals betrieben von Midnet

Frühere Straßenbahnen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts verkehrten in der Stadt und Provinz Utrecht bereits Straßenbahnen der ersten Generation. Die Utrechtsche Tram-Maatschappij (UTM), ab 1904 Gemeentetram Utrecht (GTU), betrieb von 1889 bis 1939 bis zu fünf Linien im Stadtverkehr. Zusätzlich bestand von 1879 bis 1949 eine Überlandstraßenbahn nach Zeist, betrieben zunächst durch die Stichtsche Tramway-Maatschappij, übernommen im Jahr 1901 durch die Nederlandsche Buurtspoorweg-Maatschappij.

Planung Um die Stadt Utrecht mit dem Neubaugebiet Nieuwegein (bei den vorhandenen Dorfkernen Vreeswijk und Jutphaas) zu verbinden, hatte man sowohl eine S-Bahn (wie bei der zuvor eröffneten Bahnstrecke Den Haag–Zoetermeer, heute Teil des RandstadRail-Netzes), einen Oberleitungsbus und eine Schnellstraßenbahn (wörtlich niederländisch sneltram) in Betracht gezogen. Bei der Eisenbahnvariante sollten die Gleise von der Bahnstrecke Utrecht–Boxtel bei der Brücke über die Autobahn 12 abzweigen. Im Vorgriff auf den Eisenbahnbau war auf dem Zielfilm der ersten Sprinter-Züge das Ziel „Nieuwegein“ bereits aufgenommen.

Die Wahl fiel schließlich auf die Schnellstraßenbahn. Gebaut wurde sie von den Nederlandse Spoorwegen, den niederländischen Eisenbahnen. Der Betrieb wurde jedoch von Anfang an an das Busunternehmen Westnederland (später Midnet) vergeben, da man Busfahrer auf die doppelte Funktion Bus- und Straßenbahnfahrer umschulen konnte. Von 1999 bis 2013 betrieb Connexxion als Rechtsnachfolger von Midnet die Strecke, dann wurde die Konzession an Qbuzz, ein Tochterunternehmen der Nederlandse Spoorwegen, vergeben, das den öffentlichen Verkehr in Utrecht als U-OV (Abkürzung sowohl für Utrechter öffentlicher Verkehr und Ihr öffentlicher Verkehr) vermarktet. ProRail betrieb bis 2010 die Infrastruktur mit Ausnahme der Haltestellen.

Betrieb als Hochflurstadtbahn Am 17. Dezember 1983 wurde der Betrieb der Sneltram Utrecht – Nieuwegein / IJsselstein oder abgekürzt SUNIJ bzw. SUN mit der Linie 100 auf dem Abschnitt Moreelsepark – Nieuwegein-Zuid und der Linie 101 Moreelsepark – Nieuwegein Doorslag aufgenommen. Am 14. Dezember 1985 wurde die Linie 101 bis zur Haltestelle Achterveld in IJsselstein verlängert. 1994 wurden die Linien bei der Entstehung von Midnet in 60 und 61 umnummeriert. Auf den Hochflurwagen wurde jedoch nur das Fahrtziel und nicht die Liniennummer angezeigt.

Am 2. Juli 2000 wurde die Linie 61 von IJsselstein Achterveld über IJsselstein Binnenstad nach IJsselstein-Zuid im Neubaugebiet Zenderpark verlängert.

Im Rahmen des großangelegten Umbaus des Bahnhofs Utrecht Centraal wurde am 13. Dezember 2009 erst die bisherige Endstation Moreelsepark und am 22. April 2013 auch die Haltestellen Centraal Station (auf der östlichen Bahnhofsseite) und Westplein stillgelegt und stattdessen auf der westlichen Seite eine Haltestelle Centraal Station-Jaarbeursplein errichtet.

Am 9. Juni 1989 beschloss der Utrechter Stadtrat unter den Parteien VVD, PvdA und CDA, die Stadtbahn vom Hauptbahnhof bis zum Universitätsgelände am Uithof zu verlängern, allerdings durch die Innenstadt Utrechts (Strecke der Buslinie 28). Nachdem die Parteien Democraten 66 und GroenLinks bei Kommunalwahlen eine Mehrheit im Stadtrat erzielten, hoben sie den Beschluss zum Bau einer Straßenbahn auf und legten stattdessen für 225 Millionen Gulden Bus-Rapid-Transit-Trassen sowohl durch die Innenstadt als auch über die südliche Strecke (Buslinie 12S) an.

Uithoflijn, Umbau auf Niederflurbetrieb Im Jahr 2012 kündigte die regionale Planungsbehörde Bestuur Regio Utrecht an, dass zur Anbindung des Universitätsgeländes De Uithof nun doch eine neue Straßenbahnlinie gebaut würde, die sogenannte De Uithoflijn. Ursprünglich geplant für 2018, wurde die Strecke zwischen Utrecht Centraal und P+R Science Park am 14. Dezember 2019 durch die Ministerin für Infrastruktur und Wasserwirtschaft Cora van Nieuwenhuizen eröffnet, nachdem 2017 die ersten Testfahrten begonnen hatten. Die neue Straßenbahnlinie 22 ersetzt damit die bisherige Buslinie 12, die aufgrund der hohen Fahrgastbelastung während der Hauptverkehrszeit auch „Sardinenbus“ () genannt wurde und bereits in den 1980er Jahren alle 2½ Minuten verkehrte. Ihr Bau war auf 312 Millionen Euro angesetzt gewesen, kostete schlussendlich jedoch 526 Millionen Euro.

Bei einem Anschlag am 18. März 2019 schoss gegen 10:45 Uhr ein Bewaffneter in einem Straßenbahnwagen auf Passagiere und tötete vier Menschen. Die Polizei nahm den Tatverdächtigen nach kurzer Zeit fest.

Weil die Uithoflijn niederflurig ausgeführt wurde, wurden die bisherigen Linien 60 und 61 auf Niederflurbetrieb umgestellt, um einen durchgehenden Betrieb zu ermöglichen. Dafür gingen die SUNIJ-Linien im Jahr 2020 für mehrere Bauphasen außer Betrieb.

Von Februar bis März 2021 wurden die Linien abschnittsweise im Niederflurbetrieb wiedereröffnet. Seit Juli 2022 werden die Kurse aus Nieuwegein und IJsselstein auf die Uithoflijn durchgebunden, in diesem Zusammenhang wurden die Linien 60 und 61 in 20 und 21 umbenannt.

Linien und Betrieb mini|links|Fahrgäste der Schnellstraßenbahn Das Utrechter Stadtbahnnetz besteht aus drei Linien mit den Nummern 20, 21 und 22, die jeweils im Viertelstundentakt verkehren.

Auf den beiden Linien 20 (P+R Science Park – Nieuwegein Zuid) und 21 (P+R Science Park – IJsselstein Zuid) wird werktags und samstags tagsüber je ein 15-Minuten-Takt angeboten, auf dem gemeinsamen Abschnitt also alle 7½ Minuten. Alle Züge werden in Doppeltraktion gefahren. Abends und sonntags verkehren die Züge alle 30 Minuten (alle 15 Minuten auf dem gemeinsamen Abschnitt). Zu diesen Zeiten wird in Einzeltraktion gefahren. Außerdem verkehren die Linien abends und am Wochenende nur zwischen CS-Centrumzijde und Nieuwegein bzw. IJsselstein.

Die Linie 22 (CS-Centrumzijde – P+R Science Park) fuhr bis zur Verlängerung der Linien 20 und 21 werktags alle 5 Minuten, frühmorgens und spätabends alle 15 Minuten. An Wochenende verkehrt die Linie nicht. Bis zum 2. März fuhr die Linie noch nur alle 10 Minuten, in Zukunft soll sie im 3¾-Minuten-Takt verkehren. Seit Durchbindung der Linien 20 und 21 bis Science Park verkehrt die Linie 22 nur mehr alle 15 Minuten, und weiterhin nur werktags (außer samstags) tagsüber.

In der Hauptverkehrszeit verkehrte von 2009 bis 2014 die Expresslinie 260, die nur ausgewählte Haltestellen bediente, in einem unregelmäßigen 15/45-Minuten-Takt zwischen Utrecht und Nieuwegein Zuid. Diese Fahrten wurden als Spitstram mit Wiener Fahrzeugen befahren. Zudem verkehrten bis 2013 in Hauptverkehrszeiten einzelne Zusatzfahrten auf den Linien 60 und 61.

Infrastruktur mini|links|Stadtbahnwagen in IJsselstein

Die Spurweite beträgt 1435 Millimeter (Normalspur), die Fahrspannung ist 750 Volt Gleichstrom und das Streckennetz ist auf Zweirichtungsfahrzeuge ausgelegt. Der Betriebshof der Schnellstraßenbahn ist kombiniert mit einem Busbetriebshof und befindet sich im Norden von Nieuwegein zwischen dem Amsterdam-Rijnkanaal und der Haltestelle Zuilenstein.

Seit Februar 2005 erhielten ein paar Haltestellen eine grundlegende Renovierung. Dazu gehörten die Haltestellen Graadt van Roggenweg, Ziekenhuis Oudenrijn (dieser Halt wurde dabei in 24 Oktoberplein-Zuid umbenannt), 5 Mei Plein, Vasco da Gamalaan, Kanaleneiland Zuid, Merwestein und Nieuwegein-Zuid. Einige Jahre zuvor waren die meisten Haltestellen in Nieuwegein und IJsselstein erneuert worden.

Nach der Einführung von Voor U, einem gemeinsamen Informationssystem der verschiedenen Betreiber des ÖPNV in der Region Utrecht, wurden neue Informationsplakate an den Haltestellen angebracht.

Die Bahnsteige sind nicht durch Drehkreuze abgesperrt, die Kartenlesegeräte für elektronische Tickets () befinden sich auf den Bahnsteigen.

In den Monaten Juli bis November 2012 wurde der Streckenabschnitt Betriebshof – Nieuwegein Stadscentrum vollständig saniert. Der 30-jährige Oberbau, die Schienen und die Oberleitungen wurden ersetzt. Während dieser Zeit verkehrte ein Schienenersatzverkehr mit Bussen zwischen P+R Westraven und Nieuwegein und IJsselstein. Ursprünglich war der Abschluss der Bauarbeiten für den 19. August vorgesehen, aber durch Schwierigkeiten an der Haltestelle Nieuwegein Stadscentrum verzögerte sich die Wiederinbetriebnahme um einige Monate. Am Samstag, den 1. Dezember 2012 wurde der Straßenbahnbetrieb auf der Gesamtstrecke wieder aufgenommen. Im Sommer 2014 wurde der Streckenteil auf Utrechter Stadtgebiet erneuert.

Fahrzeugpark Der Wagenpark der Utrechter Stadtbahn besteht aus 54 Niederflurwagen des Typs CAF Urbos. Von der Inbetriebnahme bis zum Ende des Hochflurbetriebs wurden in der Schweiz gebaute SIG-Hochflurwagen aus den 1980er Jahren eingesetzt. Gebrauchte Wiener Fahrzeuge des Typs E6/c6 ergänzten die Stadtbahnwagen temporär während der Hauptverkehrszeiten.

CAF Urbos 100 Im Jahr 2007 war ein Gelenkwagen aus Mülhausen zu Besuch in Utrecht. Dieser Citadis-Triebwagen sollte für den autofreien Sonntag werben. Außerdem wurde so ein Niederflur-Gelenkwagen der Öffentlichkeit vorgestellt.

2015 wurden 27 fünfteilige Urbos 100 mit einer Länge von 33 Meter für die Linie 22 nach De Uithof bestellt. Sie wurden in den Jahren 2017 und 2018 abgeliefert. Im Jahr 2017 folgte eine weitere Bestellung über 22 siebenteilige Urbos 100 für die Linien 60 und 61, die ab 2020 eingesetzt werden. Die zweite Serie wurde 2020 geliefert. Sie können in Doppeltraktion mit den fünfteiligen Fahrzeugen verkehren. Für die Verbindung der SUNIJ-Linien mit der Uithoflijn wurden 5 siebenteilige Urbos bestellt.

Technische Daten der CAF-Niederflurwagen in Utrecht rahmenlos|x120pxrahmenlos|x120px Type CAF Urbos fünfteilig CAF Urbos siebenteilig Hersteller Construcciones y Auxiliar de Ferrocarriles Wagennummer 6001–6027 6051–6077 Anzahl 27 27 Baujahre 2016–2018 2019–2021 Länge 32.970 mm 41.190 mm Breite 2.650 mm Türen pro Seite 4 Doppeltüren 5 Doppeltüren Sitzplätze 62 82 Stehplätze 154 195 Max. Geschwindigkeit 70 km/h 70 km/h

Ehemalige Fahrzeuge Schweizer Wagen Insgesamt wurden 27 hochflurige Gelenktriebwagen der Schweizer Firma SIG aus Neuhausen am Rheinfall beschafft (Wagennummern 5001–5027). Sie wurden 1983 in einer gelb-orangefarbenen Lackierung geliefert. Von 2000 bis 2001 wurden die Wagen bei der Partner für Fahrzeug-Ausstattung GmbH (PFA) in Weiden vollständig modernisiert und bekamen die grüne Connexxion-Farbgebung. Weil die Kopfmodule ersetzt wurden, bekamen die Wagen ein völlig anderes Aussehen. Ab 2006 wurden als Ersatz für die alten Zielfilme digitale Zielanzeigen eingebaut. In den Jahren 2010 bis 2012 wurden die dann fast 30 Jahre alten Fahrzeuge ökonomisch abgeschrieben.

Im Jahr 2003 wurde Wagen 5018 auf den Namen Alexander Tchernoff getauft, den ehemaligen Bürgermeister von De Bilt. Die Idee war, jedes Jahr einen Triebwagen nach einer Person zu benennen, die sich für den Öffentlichen Verkehr in der Region Utrecht eingesetzt hat. Aber nach dieser Fahrzeugtaufe blieben weitere Namensgebungen aus.