mini|Südansicht vom Place de l’Église Die Pfarrkirche Notre-Dame-du-Lac liegt zentral in der Stadt Le Thor im Westen des Départements Vaucluse in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur, fünf Kilometer westlich von L’Isle-sur-la-Sorgue und etwa 20 Kilometer östlich von Avignon. Sie gilt als eines der schönsten Beispiele romanischer Baukunst der Provence und als von der Antike inspiriert.

Geschichte Die Errichtung der romanischen Kirche wird auf das späte 12. Jahrhundert datiert. Das gotische Kreuzrippengewölbe des Kirchenschiffs wurde vermutlich statt eines ursprünglich geplanten Tonnengewölbes errichtet.

Aufgrund finanzieller Probleme während der Bauzeit hat man auf die Errichtung eines Glockenturms zunächst verzichtet. Der heutige verhältnismäßig kleine Glockenturm über der Vierung entstand einige Jahrhunderte später.

Notre-Dame-du-Lac stand im Mittelalter unter der Obhut der Abtei Saint-André in Villeneuve-lez-Avignon.

Im Jahr 1840 wurde die Kirche in die Liste der historischen Denkmäler eingetragen.

Bauwerk mini|hochkant=2.0|Grundriss, Handskizze Abmessungen ohne Strebepfeiler: aus Grundriss entnommen und hochgerechnet Länge über alles: 39,25 m, Länge Innenraum: 37,25 m Schiffbreite außen: 14,00 m, Schiffbreite innen: 11,00 m Chorbreite außen: 10,65 m

Äußere Erscheinung Ähnlichkeiten Notre-Dame-du-Lac soll Ähnlichkeiten aufweisen mit der Kirche St-Restitut (Saint-Restitut), dem Priorat in der Nähe von Val des Nymphes La Garde-Adhemar, der Kathedrale von Notre-Dame-des-Doms in Avignon, der Kapelle von St. Quenin in Vaison la Romaine und der Kapelle Notre-Dame d’Aubune in Beaumes-de-Venise.

Lage Das gewaltig wirkende Gebäude riegelt in Ost-West-Richtung den weitläufigen Place de l’Église ab, dem es seine ganze Südseite präsentiert. Auf der Nordseite breitet sich der Fluss Sorgue seenartig um eine Insel herum aus, was offensichtlich zum Namensbestandteil „du-Lac“ geführt hat (siehe Luftbild unter Weblinks). Ansonsten ist hier in der näheren Umgebung kein See bekannt, der zum Beinamen „du Lac“ hätte beitragen können.

Gliederung Die Kirche ist einschiffig und in drei gleich breite Joche und eine etwas breitere Vierung aufgeteilt, an die sich die Chorapsis anschließt. Die Teilung in Joche und Vierung erfolgt außen auf jeder Seite durch fünf ungewöhnlich kräftige, scharfkantige Strebepfeiler.

Dach Das Schiff wird im Joch eins bis drei von einem knapp 30 Grad geneigten Satteldach überdeckt, das mit grauen Steinplatten in durchgehenden Schichten eingedeckt ist. Die unteren Platten kragen leicht über das mächtige, mehrfach profilierte Traufgesims aus, das seinerseits weit auskragt und von aufgereihten kräftigen Kragsteinen unterstützt wird, deren Sichtkanten ausgerundet sind. Diese Traufausbildung reicht über die Vierung hinweg. Sie wird an den Gebäudeenden ein kurzes Stück waagerecht um die Ecke herumgeführt. Die schrägen Ortgänge der Westfassade sind ähnlich den Traufen ausgebildet.

mini|hochkant|Vierung mit Glockenturm Glockenturm Über der nahezu quadratischen Vierung erhebt sich der erst in späteren Jahrhunderten entstandene oktogonale Glockenturm. Auf den Außenwänden der Vierung stehen mit diesen oberflächenbündig die vier senkrechten Wände, in Form symmetrischer Trapeze, des allseits geschlossenen achteckigen Turmsockels. Die Ostwand des Sockels geht ohne Zäsur aus der Ostwand der Kirche hervor. Die schrägen Trapezkanten werden untereinander mit dreieckigen Mauerwerksflächen verbunden. Der Sockel wird oberseitig mit einem umlaufenden Kragprofil abgeschlossen.

Über dem Sockel erheben sich zwei oktogonale allseits durchfensterte Turmgeschosse. Das untere ist nur geringfügig kleiner als der Sockel und erscheint dadurch sehr breit und niedrig. Auf seinen Kanten stehen dreiviertelrunde Säulen, die von mit Masken skulptierten Kapitellen vermutlich auch mit profilierten Basen ausgerüstet sind. Diese werden überdeckt von einem ausgerundeten Kämpferprofil, das um den ganzen Turm herumgeführt worden ist. In jeder der acht Seiten sind je zwei schlanke rundbogige Öffnungen ausgespart, deren Kanten in Rundprofile aufgelöst sind. Zwischen den Öffnungsbögen ist je ein kleiner skulptierter Wasserspeier angeordnet. Wesentlich weiter tritt allseits das zweite und letzte Turmgeschoss gegenüber dem darunter zurück. Auch hier sind die Kanten wieder mit Säulen bestückt, die aber mit floral skulptierten Kapitellen und kantigen Sockeln ausgestattet sind. Darüber liegen weit ausladende und vielfach profilierte Kämpfer, die wieder ganz um den Turm herumgeführt worden sind und hier als Traufgesims dienen. In jeder der acht Seiten ist eine rundbogige weniger schlanke Klangarkade eingelassen, deren Kanten in schlankeren Rundprofilen aufgelöst sind. Sie sind vor allem durch die waagerechten Klanglamellen als solche zu erkennen. Über dem Traufgesims wird der Turm von einem steilen Helm in Form einer achteckigen Pyramide bekrönt, deren Kanten von schlanken Rundstäben markiert sind. Den First krönte eine wohl metallische Kugel auf einem sich blütenartig nach oben öffnenden Stängel. Auf der Kugel steht ein schlichtes Metallkreuz. mini|hochkant|Fassade von Südwest

Fassade Die hoch aufragende Fassade zeigt die äußeren Dimensionen des Kirchenschiffs. Das Mauerwerk dieser Giebelwand reicht vom Bodenniveau ohne jede Zäsur bis unter die schrägen Ortgänge des Satteldachs. Sie wird flankiert von je einem der bereits oben erwähnten Strebepfeiler, der gegenüber der Fassadenkante leicht zurückweicht.

In der Fassadenmitte öffnet sich vier Stufen über dem Bodenniveau das große rechteckige Westportal mit einer zweiflügeligen Tür. Es wird umschlossen von einer Archivolte, die allseitig in Wandrückversätze eingelassen ist. Diese besteht seitlich aus sehr schlanken leicht nach oben konisch zulaufenden weißen Säulen, die mit floral skulptierten Kapitellen, hohen profilierten Kämpfern und Basen ausgestattet sind. Die sehr hohen scharfkantigen Sockel unter den Basen deuten auf eine Wiederverwendung der Säulen hin. Hinter den Säulen treten seitlich in die Türöffnung Wandstreifen hervor deren schmale Sichtseiten mit pflanzlichen Ornamenten dekoriert und deren Laibungsseite mit senkrechten Rillen profiliert sind. Das Kämpferprofil über den Kapitellen setzt sich auch darüber fort. In der Mitte der Türöffnung wurde eine weitere weiße Säule freistehend und ebenso zurücktretend installiert, deutlich dicker und länger als die seitlichen aber ähnlich ausgerüstet. Das Kapitel weist pflanzliche Skulptur auf, wie auch die von Masken. Auf den Kämpfern der Türlaibungen und der Mittelsäule liegt ein ebenfalls weißer und relativ schmaler Sturzbalken auf. Dieser trägt oberflächenbündig ein glatt gemauertes halbrundes Bogenfeld. Das wird wandbündig vortretend vom Archivoltenbogen überfangen, der auf beiden Seiten auf den Kämpfern der seitlichen Kapitelle aufsteht. Seine Außenseite ist mit einem kleinen länglichen floralen Motiv, das sich in kurzen Abständen wiederholt, strahlenförmig dekoriert. Dieser Schmuckstreifen wird beidseitig von schlanken Profilen begleitet.

Die Archivolte des Portals wird zunächst oberflächenbündig mit der Fassade flankiert von einem gut einen halben Meter breiten Wandstreifen der mit unterschiedlich langen senkrechten Kanneluren verziert ist. Diese stehen auf Sockeln in Höhe derjenigen unter den seitlichen Säulen und enden auf Oberkante Kämpfer. Unmittelbar neben ihnen stehen halbrunde Säulen, mit deutlich größer dimensionierten Durchmessern. Sie reichen vom Bodenniveau mit ihren Kämpfern bis deutlich über den Bogenscheitel der Archivolte. Sie sind mit skulptierten Kapitellen, profilierten Kämpfern und Basen auf Plinthen ausgestattet. Das linke Kapitell zeigt pflanzlichen Dekor, das rechte figuralen Dekor mit Adlern, die ihre Flügel ausgebreitet halten. Die Säulenschäfte sind mit kräftigen Kanneluren dekoriert. Bei der linken Säule drehen diese sich in den oberen zwei Drittel spiralförmig um den Schaft, darunter kreuzen sie sich untereinander. Bei der rechten Säule verlaufen die Kanneluren zick-zack-förmig um den Schaft. Die Kämpferprofile der Säulen sind untereinander mit einem fast gleichen Gesimsprofil verbunden. Auf den Säulenkämpfern steht ein Gebilde in Form von Ortgängen eines Satteldachs, mit knapp über 30 Grad Neigung. Die Formgebung der sich in kurzen Abständen wiederholenden tiefgründigen Motive ist kompliziert, etwa vergleichbar den Hobelspankragsteinen. Kurze Rollenprofilstücke werden von gleich breiten Pflanzenfächern unterstützt und auf Abstand gehalten und das in zwei Reihen. Jede dieser Reihen wird begleitet von einem schmalen Band mit rechteckigen Vertiefungen und dreieckigem Querschnitt. Außenseitig sind die „Ortgänge“ plan abgeschlossen.

Inmitten des Bogenfeldes der Archivolte gibt es ein besonderes Motiv. Dargestellt ist eine zum Betrachter geöffnete rechte Hand, die Zeige- und Mittelfinger wie zum Schwur oder zum Segensgestus Christi nach oben ausgestreckt hält. Die Hand ist umgeben von einem dekorierten kreisförmigen Band, das von einer Blattrosette eingerahmt wird. mini|hochkant|Westportal Etwa mittig zwischen dem First des Portals und demjenigen des Schiffs ist ein kreisrundes Ochsenauge ausgespart. Dessen Gewände sind stark aufgeweitet und mehrfach profiliert. Knapp darunter sind zwei schlanke rundbogige Fenster ausgespart, deren Gewände kräftige Rückversätze aufweisen. Ihre Bögen werden mit Abstand überdeckt von dekorativen Kragprofilen, die an ihren Bogenansätzen ein kurzes Stück waagerecht abknicken. Knapp über dem Rundfenster ist eine Dreiergruppe von tiefen rundbogigen Wandnischen eingelassen. Die mittlere ist größer als die seitlichen, besitzt einen Rückversatz der Laibungskanten, und sein Bogen ist leicht angespitzt.

Auf dem First des Satteldachs steht unmittelbar über der Giebelwand ein kleines Steinkreuz, in einer kaum bekannten Form. Nicht weit dahinter ragt quer zur Firstrichtung eine freistehende Wand auf, mit einem rundbogigen Durchlass, dessen Bogenansätze mit Kämpfern markiert sind. Die Wand ist oberseitig in Neigung des Dachs und in deren Richtung nach beiden Seiten abgeschrägt und mit Steinplatten abgedeckt.

Längsseiten Die Teilung der Süd- und Nordseite der Kirche erfolgt durch je fünf ungewöhnlich kräftige, scharfkantige Strebepfeiler, deren abgeschrägte Oberseiten bis unter die Kragsteine der Traufen hinaufreichen. Die oberen gut zwei Meter hohen Abschnitte der Pfeiler treten dreiseitig geringfügig zurück, und in deren Vorderseiten sind große rechteckige Nischen eingelassen.

Auf der Südseite ist in den Jochen eins bis drei in Höhe dieser Nischen mittig je ein schlankes rundbogiges Fenster ausgespart. Ihre Laibungen sind in breiten Rückversätzen aufgelöst. In diese sind Archivolten eingestellt, die etwa halb so breit sind, wie die Rückversätze. Sie bestehen seitlich aus Säulchen, die mit skulptierten Kapitellen, profilierten Kämpfern und Basen ausgerüstet sind. Sie sind deutlich kürzer als die Fensterhöhe, so dass unter den Basen die Rückversätze etwas höher liegen als die Fensterbrüstungen. Auf ihren Kämpfern stehen oberflächenbündig scharfkantige Keilsteinbögen. Diese werden von schmalen Kragprofilen überdeckt, die an ihren Bogenansätzen ein Stück waagerecht abknicken.

In dem Wandabschnitt der Vierung ist in Höhe der übrigen Fenster ein großes kreisrundes Ochsenauge ausgespart, dessen Gewände mehrfach profiliert ist.

Der letzte Strebepfeiler auf der Südseite steht von der Gebäudeecke etwas weiten zurückversetzt als der erste. Das hat seinen Grund darin, dass man bereits mit der Errichtung des romanischen Schiffs diesen Pfeiler im unteren Bereich verbreitert hat, um darin einen kleinen Raum, vielleicht eine Sakristei, unterzubringen.

mini|hochkant|links|Vorhalle von Süden mini|Südportal in Vorhalle

Vorhalle mini|Adlerkapitell an Vorhalle