Das RintgenPeter Norrenberg: Aus dem Viersener Bannbuch, Viersen 1886(Online-Präsentation der Universitätsbibliothek der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, abgerufen am 31. Oktober 2013) (offizieller Internetauftritt der Stadt Viersen, abgerufen am 18. März 2012) ist ein Stadtteil der Kreisstadt Viersen, die Sitz des gleichnamigen Kreises im Westen des deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen ist. Innerhalb des Viersener Stadtgebiets gehört der Stadtteil Rintgen zum Stadtbezirk Alt-Viersen. Das Rintgen umfasst die südliche Altviersener Innenstadt sowie Wohn- und Gewerbegebiete, die in westlicher, östlicher und südlicher Richtung daran anschließen.(Nachdruck herausgegeben 1966 vom Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen, Bonn-Bad Godesberg (jetzt: Bezirksregierung Köln), abgerufen am 31. Oktober 2013)(Nachdruck herausgegeben 1991 vom Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen, Bonn-Bad Godesberg (jetzt: Bezirksregierung Köln), abgerufen am 31. Oktober 2013)Online-Weltkarte der OpenStreetMap Foundation (abgerufen am 18. März 2012) Innerhalb Nordrhein-Westfalens gehört das Rintgen zur Region NiederrheinWikipedia: Niederrhein (Region) (abgerufen am 18. März 2012) und zur Metropolregion Rhein-RuhrWikipedia: Metropolregion Rhein-Ruhr (abgerufen am 18. März 2012), die sich in Viersen gegenseitig überlappen.
Frühere Bezeichnungen für den heutigen Stadtteil waren zunächst Rinneke,Franz Joseph Schroeteler: Die Herrlichkeit und Stadt Viersen – Ein Beitrag zur Geschichte des Niederrheines(Viersen, 1881, Google eBook, abgerufen am 18. März 2012) später u. a. Rincken, Reindtgen, Reyntgen oder Rindtgen. In jüngerer Zeit wird der Name Rintgen in zunehmendem Maße durch den Begriff Südstadt Viersen verdrängt.Mit Südstadt geht's aufwärts (Südstadt Sommer, Online-Präsentation des „Stadtteilbüro Südstadt“, abgerufen am 18. März 2012)
Etymologie und Geschichte Rintgen und Viersen im Mittelalter mini|Die Dörfer Rintgen und Vierssen zur Franzosenzeit um 1805.mini|Die Dörfer Rintgen und Viersen um 1844.mini|Der Gereonsplatz.mini|Die Brunnensäule vor dem Sparkassenvorplatz auf der Hauptstraße.
Das Dorf Rintgen war, gemeinsam mit dem eigentlichen Dorf Viersen, der zweite Hauptsiedlungskern der heutigen Altviersener Innenstadt. Die älteste bekannte urkundliche Erwähnung des Rintgen stammt aus dem Jahre 1250, damals wurde die Ansiedlung Rinneke genannt. Diese Bezeichnung wird mit dem Wort Rinne in Verbindung gebracht und bezieht sich wohl auf den Bachlauf, der das Dorf Rintgen noch im 19. Jahrhundert oberirdisch durchfloss, den heutigen Rintger Bach (für kleinere Fließgewässer wurde in Viersen früher oft der Ausdruck Waterrinne gebraucht). Noch um 1955 gab es Reste des Klosterweihers des um 1825 abgerissenen Klosters und Beginenkonventes „St. Pauli Bekehrung“.Ferdinand Dohr: Geschichte der Stadt Viersen, Selbstverlag der Stadt Viersen, 1961 hrsg. vom Stadtarchiv der Stadt Viersen Als 1976 die Wohnanlage „Beghinenhof“ gebaut wurde, waren die Sedimentschichten des Klosterweihers zu erkennen. Von dort strömte eines der Rinnsale nach Osten, „ett Rinnken“ (= die kleine Rinne). Es war allerdings so groß, dass es 60 Meter weiter östlich eine Mühle antreiben konnte, die sogenannte „Klostermühle“. Neubauarbeiten Ende der 1970er Jahre legten Reste dieser hochmittelalterlichen Bauten frei, sicherten sie aber nicht.
Schon im Mittelalter war das Rintgen als eine von ursprünglich sieben (später acht) historischen Honschaften, aus denen sich das Altviersener Territorium neben dem namensgebenden Dorf Viersen damals zusammensetzte, ein Teil der seinerzeit so genannten „Herrlichkeit Viersen“. Ablesbar ist die Bedeutung und Größe des Ortsteiles „das Rintgen“ noch auf den preußischen Landeskarten von ca. 1899, dort ist der Name „Rintgen“ gleich groß wie der Name „Viersen“ geschrieben.
Jene Herrlichkeit Viersen war jedoch kein eigenständiges Gebiet, sondern befand sich im klerikalen Grundbesitz des Kölner Stiftes St. Gereon. Nach einer auf Karl den Großen zurückgehenden Vorschrift mussten die kirchlichen Grundherren kleinerer Herrschaftsgebiete einen weltlichen Schutzherrn, einen sog. Schutzvogt, über das jeweilige Territorium bestimmen, der aus den Adelsgeschlechtern der regionalen Umgebung des betreffenden Gebiets auszuwählen war. Nach verschiedenen Vorgängern erhielten so zunächst die Grafen von Jülich im Jahr 1227 die Schutzherrschaft über die Herrlichkeit Viersen, (offizieller Internetauftritt der Stadt Viersen, abgerufen am 18. März 2012) um 1294/95 sind dann die Grafen von Geldern, die sich ab 1339 Herzöge von Geldern nannten, Schutzvögte über Viersen und gliedern bis spätestens 1340 das Gebiet der Herrlichkeit Viersen als Exklave dem geldrischen Amt Krickenbeck an.
Rintgen und Viersen in der frühen Neuzeit Die Schutzvogtei des Herzogtums Geldern brachte das Altviersener Gebiet ab dem 16. Jahrhundert unter die Herrschaft verschiedener Europäischer Mächte: Durch den Vertrag von Venlo verlor das Herzogtum Geldern im Jahr 1543 seine Selbständigkeit und wurde zunächst Teil der Burgundischen Niederlande, die damals der direkten Herrschaft des habsburgischen Kaisers Karl V., der gleichzeitig Herzog von Burgund war, unterstanden. Nach der Abdankung Karls V. im Jahr 1556 ging die Herrschaft über das Herzogtum Geldern auf dessen Sohn Phillip, der als Philipp II. König von Spanien war, über. So wurde das Rintgen als Teil der Herrlichkeit Viersen schließlich zu einem Dorf der Spanischen Niederlande.Wikipedia: Herzogtum Geldern (abgerufen am 18. März 2012)
In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts erfuhr die Herrlichkeit Viersen schwere Heimsuchungen. Zunächst fielen einer ab 1618 zwei Jahre lang wütenden Pestepidemie fast tausend Menschenleben zum Opfer, im Rahmen des gleichfalls 1618 begonnenen 'Dreißigjährigen Krieges drang im Jahr 1642 ein französisch-weimarisch-hessisches Heer in die spanische Exklave Viersen ein, wobei hessische Soldaten fast alle Häuser im Rintgen niederbrannten. Die spanische Herrschaft über das sog. geldrische Oberquartier, zu dem Viersen gehörte, blieb jedoch auch nach Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 weiter bestehen.Wikipedia: Obergeldern (abgerufen am 18. März 2012) Noch unter spanischer Herrschaft, wurde 1690 im Rintgen mit der katholischen Elementarschule die erste Schule eröffnet, Unterrichtssprache war Niederländisch.
Nachdem im Jahr 1700 mit König Karl II. der letzte habsburgische Herrscher auf dem spanischen Thron gestorben war, kam es ab 1701 zum Ausbruch des Spanischen Erbfolgekrieges. Im Rahmen dieser Auseinandersetzung wurde das Gebiet von Viersen ab 1705 von den nördlichen Niederlanden (auch „Generalstaaten“ genannt) militärisch besetzt. Unter dem Wohlwollen der neuen niederländischen Verwaltung kam es noch im selben Jahr zur Gründung der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Viersens. Außerdem wurde nun auch eine reformierte Elementarschule gegründet, die im Rintgen angesiedelt wurde, aber für die reformierten Schüler zunächst aus ganz Viersen zuständig war.Denkmäler: Evangelische Volksschule Rintgen (offizieller Internetauftritt der Stadt Viersen, abgerufen am 18. März 2012) Nach dem Ende des spanischen Erbfolgekrieges wurde 1713 das frühere Spanisch-Geldrische Oberquartier im Frieden von Utrecht zwischen Österreich, Preußen, den nördlichen Niederlanden („Generalstaaten“) und dem Herzogtum Jülich aufgeteilt. Dabei fiel das Gebiet von Alt-Viersen einschließlich des Rintgen, wiederum als Exklave, ab 1713 an Preußen. Unter der neuen preußischen Obrigkeit wurde im Jahr 1718 von der bereits bestehenden evangelisch-reformierten Kirchengemeinde im nördlichen Teil des Rintgen die erste Evangelische Kirche errichtet, ungefähr dort, wo heute die Evangelische Kreuzkirche an der Hauptstraße steht.Denkmäler: Evangelische Kreuzkirche Viersen (offizieller Internetauftritt der Stadt Viersen, abgerufen am 18. März 2012)Marco Kieser: Zur Baugeschichte der evangelischen Kirche in Viersen und ihrem Architekten August Hartel(Internetpräsentation des Autors Marco Kieser, abgerufen am 18. März 2012)
Rintgen und Viersen von der Franzosenzeit bis heute Ab 1795 wurde Alt-Viersen dann von französischen Revolutionstruppen besetzt und schließlich von Frankreich annektiert. Da Frankreich damals das gesamte linksrheinische Gebiet (des heutigen Deutschlands) vereinnahmte, wurde unter der Französischen Verwaltung das Alt-Viersener Gebiet nun wieder mit seinem Umland unter einer einheitlichen Herrschaft verbunden, und der jahrhundertelange Viersener Exklaven-Zustand war hierdurch beendet. Auf Veranlassung von Napoleon Bonaparte, der seit 1804 französischer Kaiser war, wurde 1809 mit dem Bau des Nordkanals begonnen, der in Viersen u. a. über das Gebiet des Rintgen verlief und das Dorf von seinen nordöstlichen Ansiedlungen (Hülsdonk und Robend) abtrennte. In nordwestlicher Richtung entlang der heutigen Hauptstraße gab es zur Franzosenzeit zwischen dem Rintgen und dem namensgebenden Viersener Hauptdorf, etwa auf Höhe der jetzigen Sparkassengeschäftsstelle, noch ein Stück freien Feldes, das die beiden Viersener Kerndörfer voneinander trennte.
Nach Napoléons Niederlage in der Schlacht bei Waterloo kam Viersen, wie weite Teile des Rheinlandes überhaupt, im Jahr 1815 erneut unter die Herrschaft von Preußen, das damals zu den Siegermächten der Napoleonischen Kriege gehörte. Eine bessere medizinische Versorgung und die zunehmende Industrialisierung verursachten im 19. Jahrhundert auch in Viersen eine starke Bevölkerungszunahme und eine damit einhergehende Verdichtung der allgemeinen Bebauung. Knapp dreißig Jahre nach dem Ende der französischen Herrschaft gab es die zuvor noch bestehende Lücke zwischen den Dörfern Viersen und Rintgen nicht mehr, auf einer 1844 aufgezeichneten preußischen Landkarte zeigt sich die heutige Hauptstraße vollständig bebaut, womit die beiden Viersener Kerndörfer nun zusammengewachsen waren, Alt-Viersen hatte inzwischen über 10.000 Einwohner. Bereits 1849 kam es dann im östlichen Rintgen zur Eröffnung des ersten Viersener Bahnhofs an der damals noch nicht ganz fertiggestellten Eisenbahnstrecke von Duisburg-Ruhrort nach Mönchengladbach, zunächst verkehrten die Züge nur zwischen Viersen und Homberg.Denkmäler: Empfangsgebäude Bahnhof Viersen (offizieller Internetauftritt der Stadt Viersen, abgerufen am 18. März 2012)
Zwischen 1877 und 1879 errichtete die evangelische Gemeinde einen Kirchenneubau im nördlichen Rintgen an der Hauptstraße, die dort bereits befindliche Vorgängerkirche wurde abgerissen. Etwa zwölf Jahre später erhielt das Rintgen auch eine „eigene“ katholische Kirche, die von 1889 bis 1891 erbaute St.Josephs-Kirche. 1895 spaltet sich das Rintgen als eigene katholische Pfarrgemeinde St.Joseph von der Altviersener Hauptpfarre St.Remigius ab.Denkmäler: Katholische Pfarrkirche St. Joseph (offizieller Internetauftritt der Stadt Viersen, abgerufen am 18. März 2012) Im Jahre 1906 folgte die Inbetriebnahme einer Straßenbahnstrecke durch das Rintgen, die zunächst von Mönchengladbach über Viersen nach Dülken, ab 1907 dann nach Süchteln führte.Jürgen Lehmann: Straßenbahn in Mönchengladbach, herausgegeben durch: Verlag Kenning, Nordhorn 1997, ISBN 3-927587-62-1 2006 wurde durch das Diakonische Werk Krefeld-Viersen auf der Großen Bruchstraße im Rintgen das Stadtteilbüro Südstadt eröffnet.RP Online: Viersen: Fragebogen für die Südstadt (Onlinepräsentation der Rheinischen Post vom 8. September 2006, abgerufen am 18. März 2012) Im Jahr 2008 ordnete das Bischöfliche Generalvikariat des katholischen Bistums Aachen die Wiederangliederung der Pfarre St.Joseph an die Altviersener Hauptpfarre St.Remigius zum 1. Januar 2009 an.RP Online: Viersen: Kirche in der Diskussion (Onlinepräsentation der Rheinischen Post vom 14. Mai 2008, abgerufen am 18. März 2012)
Die Südstadt Viersen mini|Rintgen, aber nicht Südstadt :Das Wegekreuz an der Gabelung Krefelder Straße/Alte Bruchstraße.