Reichenbach ist ein Gemeindeteil der Stadt Wassertrüdingen im Landkreis Ansbach (Mittelfranken, Bayern). Die Gemarkung Reichenbach hat eine Fläche von 2,227 km². Sie ist in 237 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 9397,22 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Schmalzmühle (zum Teil) und Stahlhöfe. In der Gemarkung gibt es 59 Einwohner (Stand März 2023).
Geografie Das Dorf liegt von Acker- und Grünland umgeben am Südufer der Wörnitz etwa 4 km westlich von Wassertrüdingen. Im Osten wird die Flur Höllfeld genannt. 1 km südöstlich erhebt sich der Dürrenbuck () im Waldgebiet Forst. Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Stahlhöfe (0,7 km südwestlich), nach Aufkirchen (3,1 km nordwestlich) und die Kreisstraße AN 47 kreuzend nach Wassertrüdingen (4 km östlich).
Geschichte 813 erscheint in Aufkirchener Kirchenbüchern bereits der Name eines Hermanus de Rychen, was wohl abgeleitet „von Reichenbach“ heißt. Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird Reichenbach 1261, aufgrund einer Zeugenaussage von Heinricus de Reichenbach. Zu diesem Zeitpunkt existierte offenbar bereits das Reichenbacher Schloss.
Der Rittersitz Reichenbach „Reichenbach, Richenbach oder Rychenbach war uralter Rittersitz und besaß ein festes Haus. Dieses lag zwischen Dörfchen und Wernitz, dort, wo sich heute schöne Wiesen breiten.“... „Das Schloß bestand nach einer Beschreibung eines alten Röckinger Saalbuches aus Wohnhaus (Schloß), Viehhaus, Stadel, Zwinger, Hof, Vorhof und Gärten, die von Mauern umgeben waren, Kapelle, Baumgarten und Hag. In das Innere führten zwei Tore. Das eine öffnete sich auf die Wörnitz, das andere auf das Dörfchen zu.“Scherrbacher, Der Rittersitz Reichenbach
Etwa ab 1400 war das Adelsgeschlecht der „von Seckendorff“ in Reichenbach vorherrschend, wobei das Schloss immer wieder die Besitzer wechselte. Zu den Besitzgütern der Herren von Reichenbach gehörten eine Reihe von Weihern zwischen Reichenbach und Fürnheim, sowie Güter in Fürnheim, Opfenried und Dambach, Stahlhof, sowie die beiden Goschenhöfe und viele Wäldereien. Außerdem hatten die Herren von Reichenbach bis 1257 die alleinige Dorfherrschaft in Fürnheim, was ein Amtshaus, den Kirchweihschutz und vogteiliche Rechte beinhaltete. Ab 1470 gab es in der naheliegenden Schlosskapelle eine eigene Kaplanei, die aber nach der Reformation ab 1531 nicht mehr weiter besetzt wurde. Reformation und Dreißigjähriger Krieg ließen das Schloss verwaisen und schließlich verfallen. Aus dem Jahre 1687 wird berichtet, dass die Steine des baufälligen gewordenen Schlosses auf Anordnung nach Wassertrüdingen zur Reparatur des dortigen Schlosses abtransportiert wurden. Letzter Hinweis auf das Schloss war bis ins 19. Jahrhundert der sog. „Schlossbuck“, ein Wall der vom Ortsrand Richtung Wörnitz führte und vermutlich als Zufahrt zum südöstlichen Schlosstor diente.
Ab dem 18. Jahrhundert Die Fraisch über Reichenbach war umstritten. Sie wurde sowohl vom ansbachischen Oberamt Wassertrüdingen als auch vom oettingen-spielbergischen Oberamt Aufkirchen beansprucht. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft wurde vom ansbachischen Verwalteramt Röckingen und dem Oberamt Aufkirchen gemeinsam ausgeübt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Reichenbach 17 Anwesen und ein Gemeindehirtenhaus. Grundherr über alle Anwesen war das Fürstentum Ansbach (Verwalteramt Auhausen: 1 Anwesen; Verwalteramt Röckingen: 1 Ziegelhütte, 3 Höfe, 1 Gütlein, 5 Häuser, 1 Haus mit Brau- und Schankrecht, 1 Schmiede, 1 Bäckerei, 1 Kaplaneihaus).T. Neumeyer: Dinkelsbühl: der ehemalige Landkreis, S. 453. (= J. K. Bundschuh, Bd. 4, Sp. 461.) Hiernach gab es 14 Untertansfamilien.
1806 kam Reichenbach an das Königreich Bayern. Mit dem Gemeindeedikt wurde der Ort 1809 dem Steuerdistrikt und der Ruralgemeinde Fürnheim zugeordnet.T. Neumeyer: Dinkelsbühl: der ehemalige Landkreis, S. 535. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) entstand die Ruralgemeinde Reichenbach, zu der Forsthöfe und Stahlhöfe gehörten.T. Neumeyer: Dinkelsbühl: der ehemalige Landkreis, S. 541. Hiernach soll auch Linkersbaindt zur Gemeinde gehört haben. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Mediatuntergericht Aufkirchen zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Oettingen (1850 bis 1919 Rentamt Wassertrüdingen, 1919 in Finanzamt Wassertrüdingen umbenannt, 1932–1973 Finanzamt Gunzenhausen, seit 1973 Finanzamt Ansbach). Die Verwaltung und Gerichtsbarkeit ging 1819 auf das Herrschaftsgericht Oettingen diesseits der Wörnitz über, von 1820 bis 1848 war das Herrschaftsgericht Mönchsroth zuständig, das 1848 in eine Gerichts- und Polizeibehörde umgewandelt wurde, die 1850 erlosch. Von 1850 bis 1879 lag die Gerichtsbarkeit beim Landgericht Wassertrüdingen, von 1879 bis 1956 war das Amtsgericht Wassertrüdingen zuständig, von 1956 bis 1970 das Amtsgericht Gunzenhausen und von 1970 bis 1973 das Amtsgericht Dinkelsbühl, das seit 1973 eine Zweigstelle des Amtsgerichtes Ansbach ist. Die Verwaltung übernahm 1862 das neu geschaffene Bezirksamt Dinkelsbühl (1939 in Landkreis Dinkelsbühl umbenannt). Mit der Auflösung des Landkreises Dinkelsbühl im Jahr 1972 kam Reichenbach an den Landkreis Ansbach.T. Neumeyer: Dinkelsbühl: der ehemalige Landkreis, S. 574f. Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche 2,242 km². Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde diese am 1. Juli 1971 nach Wassertrüdingen eingemeindet.
Bodendenkmäler In der Gemarkung Reichenbach gibt es zwei Bodendenkmäler.
Einwohnerentwicklung Gemeinde Reichenbach Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970Einwohner 138 141 129 140 127 112 104 99 104 104 111 103 102 108 104 98 98 99 88 121 108 102 101 89HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude. 26 24 24 24 24 21 20 21 Quelle Für die Gemeinde Reichenbach zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Forsthöfe (S. 26), Linkersbeunt (S. 55) und Stahlhöfe (S. 88).
Ort Reichenbach Jahr 1818 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2006 2016 2023Einwohner 82 87 79 81 68 76 93 77 62 45 64 58 59Häuser 18 19 16 17 16 17 16 Quelle
Religion Der Ort ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und war ursprünglich nach St. Johannis (Aufkirchen) gepfarrt, seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist die Pfarrei St. Nikolaus (Fürnheim) zuständig. Die Einwohner römisch-katholischer Konfession sind nach Mariä Himmelfahrt (Hirschbrunn) gepfarrt.
Literatur
Weblinks
Fußnoten
Kategorie:Ortsteil von Wassertrüdingen Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Ansbach) Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971 Kategorie:Ort an der Wörnitz Kategorie:Gemarkung im Landkreis Ansbach