Jos. Schneider Optische Werke GmbH (kurz: Schneider-KreuznachDas Unternehmen. Jos. Schneider Optische Werke GmbH. In: Schneider-Kreuznach, aufgerufen am 17. Februar 2017.) mit Sitz in Bad Kreuznach ist ein weltweit bekanntes optisch-feinmechanisches Unternehmen. mini|Eintragung über die Gründung der Firma im Deutschen Reichsanzeiger vom 23. Januar 1913. Die Firma wurde mit Vertrag vom 28. Dezember 1912Firmenschrift: 25 Jahre Schneider Optik, 1938, S. 8. Die Diskrepanz, dass die Firma ihre Gründung in Bezug auf das Jahr 1913 feiert, obwohl sie in der Jubiläumsschrift eindeutig den 28. Dezember 1912 als "Gründungstag" nennt, bleibt bis heute unerklärlich. unter dem Namen „Optische Anstalt Jos. Schneider & Co., Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ in Kreuznach an der Nahe gegründet und zum 18. Januar 1913 ins Handelsregister eingetragen.Vgl. Reichsanzeiger vom 23. Januar 1913, S. 25. Als Geschäftsführer wirkten der Beigeordnete und Kaufmann Josef [sic!] Schneider und der Ingenieur und Optiker Hermann Bauer aus München. Dieses Unternehmen wurde durch Beschluss der beiden Gesellschafter zum 31. Dezember 1915 aufgelöst und von Josef Schneider liquidiert.Vgl. Reichsanzeiger vom 21. Januar 1916, S. 17. Ab 1. Januar 1916 führte Josef Schneider sen. das Geschäft als Einzelkaufmann weiter, Hermann Bauer und Josef August Schneider jun. wurden Prokuristen. Ab dem 27. Dezember 1922 nannte sich die Firma Jos. Schneider & Co. Optische WerkeVgl. Reichsanzeiger vom 6. Januar 1923, S. 26., im Logo kurz auch als Schneider-Kreuznach. Die Schneider-Gruppe ist nach einem Konkurs im Jahre 1982 im Besitz der Familie des 2002 verstorbenen Fotoindustriellen Heinrich Manderman.Presseinformation: . In: Schneider-Kreuznach, Juli 2003, (PDF; 4 S., 533 kB).

Nach einer Neuausrichtung der Unternehmensstruktur entstand neben den beiden Geschäftsfeldern Film & Photo sowie Imaging Systems der dritte Bereich Precision Engineering.Fabian Pöschl: Schneider-Kreuznach zieht die Reissleine. In: CEtoday.ch, 7. Juli 2015. Firmengeschichte Der Ursprung des Unternehmens lag in dem Interesse des Sohnes von Josef Schneider sen., Josef August Schneider, an optischen und feinmechanischen Geräten. Josef Schneider jun. hatte am 29. Mai 1910 ein PatentDRP 240.457 zum optischen Ausgleich der Bildwanderung für eine Filmkamera bzw. einen Filmprojektor angemeldet, um die störende Dunkelphase durch die Umlaufblende zu eliminieren (→ Mechau-Projektor). Auch wenn das Patent später keine Verwendung fand, habe es den Grundstock zum Aufbau der optischen Firma gegeben.Firmenschrift: 25 Jahre Schneider Optik, 1938, S. 9. Demgegenüber war Josef Schneider sen. ein erfahrener Kaufmann und saß im Vorstand der Kreuznacher Solbäder Aktiengesellschaft. Nach Gründung der optischen Anstalt zum Jahresende 1912 befasste man sich mit der Produktion von Fotoobjektiven. In den folgenden Wochen wurden einige fototechnische Erfindungen von Josef Schneider jun. zum Schutze angemeldet, darunter:

DRP 276.613: Photographischer Objektivsatz mit auswechselbaren Linsen verschiedener Brennweite und mehreren, den verschiedenen Linsenkombinationen zugeordneten Blendenskalen, die auf einem Skalenträger zusammengefaßt sind vom 21. Januar 1913 DRGM 551.384: Schnellfassung für photographische Objektive vom 11. April 1913 DRGM 568.538: Vorrichtung zum Einstellen der Objektivträger von photographischen Klapp⸗Kameras auf unendliche Bildentfernung vom 23. August 1913. DRP 278.561: Photographischer Objektivsatz mit auswechselbaren Linsen verschiedener Brennweiten und mehreren, den verschiedenen Linsenkombinationen zugeordneten, auf einem gemeinsamen Träger liegenden Blendenskalen vom 26. September 1913 DRGM 576.359: Vorrichtung zum unmittelbaren Anzeigen und Ablesen der Blendenöffnungen an Satzobjektiven vom 24. Oktober 1913.

Diese Schutzrechtsanmeldungen zielten auf die Schaffung eines anastigmatischen Satzobjektives. Als erstes erfolgreiches Objektiv fertigte man einen von Ernst Arbeit im Juli 1911 patentiertenDeutsches Reichspatent Nr. 250.781 vom 14. Juli 1911 Doppelanastigmat, den dieser von seinem älteren Euryplan abgeleitet hatte und den Schneider als Claron-Satz auf den Markt brachte. Arbeit war es gelungen, das zu Schlieren und Blasen neigende Baryt-Schwerkron zu vermeiden und das Objektiv dagegen ausschließlich aus Baryt-Leichtflint und Extra-Leichtflint aufzubauen. Entsprechend warb Schneider in den ersten Werbeanzeigen mit dem Slogan „Claron – der einzige blasenfreie Baryt-Anastigmat“. mini|Warenzeichen Symmar vom Januar 1913 Im Jahre 1914 brachte die Firma eine Kopie des erfolgreichen Dagors unter dem Namen Symmar in den Lichtstärken 1:6,5 und 1:4,5 auf den Markt.Vgl. Jahrbuch für Photographie, 1914, S. 164. Dieses Objektiv war offenbar im eigenen Hause von Hermann Bauer gerechnet worden. Das Warenzeichen Symmar hatte man sich bereits zum 17. Januar 1913 schützen lassen.Vgl. Reichsanzeiger vom 18. März 1913, S. 51. Am 25. April 1913 folgte die Wortmarke ComponarVgl. Reichsanzeiger vom 20. Juni 1913, S. 37. Warenzeichennummer 176.450.

Kurz vor dem Ersten Weltkrieg wurde zudem ein Doppelgauß nach Vorbild des Meyer-Aristostigmats in den Lichtstärken 1:4,5; 1:5,5 und 1:6,8 unter der Bezeichnung Isconar herausgebracht. Das Warenzeichen „ISCO“ hatte sich Schneider Kreuznach bereits am 17. Januar 1913 unter der Nummer 174.775 schützen lassen.Vgl. Reichsanzeiger vom 20. Mai 1913, S. 36. Der Objektivname Isconar folgte am 11. Oktober 1913 (Warenzeichennummer 189.505).Vgl. Reichsanzeiger vom 24. März 1914, S. 27.mini|Das Warenzeichen „Xenar“ hat sich die Firma im Dezember 1919 schützen lassen.Großen Erfolg am Markt hatte die Firma dann nach dem Ersten Weltkrieg mit ihrem vom Tessar-Typ abgeleiteten Anastigmaten „Xenar“. Dieses Objektiv war von dem Optiker Hans Deser gerechnet worden, der zum 1. Juni 1919 in die Firma eingetreten war und das firmeneigene Rechenbüro aufgebaut hat.Firmenschrift: 25 Jahre Schneider Optik, 1938, S. 11. Der Optiker Hermann Bauer war bereits zum 10. April 1918 aus der Firma ausgeschieden.Vgl. Reichanzeiger vom 15. April 1918, S. 26. Zum 5. März 1920 wurde Josef Schneider jun. Mitinhaber der Firma.Vgl. Deutscher Reichsanzeiger vom 25. März 1920, S. 21.

mini|Alte Adox Prontor 500 LK mit Objektiv Radionar L 1:2,8/45 von Schneider-KreuznachPrägend für die weltweit erfolgreichen Produktentwicklungen von 1924 bis Mitte der 1940er Jahre war sein Chef-Konstrukteur Albrecht Wilhelm Tronnier, der ab 1936 in (seiner Heimatstadt) Göttingen ISCO aufbaute.

Die ersten Objektive mit veränderlicher Brennweite wurden 1957 entwickelt. Der Bereich Feinwerktechnik entwickelt, produziert und vertreibt seit 1961 elektrohydraulische und elektropneumatische Servoventile mit elektronischen Reglern. Schneider führte 1964 als einer der ersten Produzenten Zoomobjektive für Film, Fotografie und Fernsehen ein. Sie wurden beispielsweise auch in Nizo-Filmkameras eingesetzt. 1972 expandierte Schneider mit der Vertriebstochter Schneider Optics Inc. in die USA.

Die Krise der Schmalfilmfotografie Anfang der 1980er Jahre hatte auch für Schneider existenzielle Bedeutung. Das inzwischen in eine Aktiengesellschaft umgewandelte und von Hans Joseph Schneider geführte Unternehmen musste 1982 Insolvenz anmelden. Neuer Mehrheitsaktionär, Investor und Unternehmensleiter wurde der Fotounternehmer Heinrich Manderman. Im Zuge des Konkursverfahrens wurde 1982 das Firmenarchiv an das Landeshauptarchiv Koblenz abgegeben.

Seit 1984 sind Brillengläser aus Silikat-Glas und Kunststoff im Vertriebsprogramm. Mit der Übernahme der B+W Filterfabrik (gegr. 1947 durch Walter Biermann und Johannes Weber in Berlin) im Jahr 1985 und der Produktion von Käsemann-Polarisationselementen in Glas und Kunststoff kam der Geschäftsbereich Fotofilter hinzu. Asphärische Großformatobjektive wurden seit 1999 gefertigt, moderne Kino-Projektionsobjektive mit Irisblende sind seit 2003 auf dem Markt.

Die Schneider-Gruppe expandierte ab 1997 durch Gründung der Tochtergesellschaften Pentacon GmbH Foto- und Feinwerktechnik (einem Teil des ehemaligen Kombinat VEB Pentacon, Dresden), durch Übernahme der Century Precision Optics in den USA, der Integration der ISK OPTICS GmbH (ehemals ISCO Gruppe Göttingen) und der Gründung von Niederlassungen in Südkorea, Hongkong und China.

1997 gab Heinrich Manderman aus gesundheitlichen Gründen die Geschäftsleitung vollständig an Peter Weber ab, den er bereits 1992 zum Geschäftsführer berufen hatte. Nach dem Tod von Heinrich Manderman 2002 wurde seine Tochter Ethel Cygler Hauptgesellschafterin der Jos. Schneider Optische Werke GmbH. Seit Anfang 2003 war Josef Staub Alleingeschäftsführer, im November 2015 beendete er seine Tätigkeit, ihm folgte im April 2016 Thomas Kessler nach. Seit 1. April 2020 leitet Wolfgang Ullrich die Schneider-Gruppe.

Schneider-Gruppe Zur Schneider-Gruppe gehören neben der 1913 gegründeten Jos. Schneider Optische Werke GmbH mit dem Stammsitz Bad Kreuznach, Deutschland, vier Tochtergesellschaften.

Pentacon GmbH Dresden

Schneider Optics, Inc. New York & Los Angeles, USA

Schneider Asia Pacific Ltd. Hongkong Schneider Optical Technologies (Shenzhen) Co. Ltd. Shenzhen, China

Aktuelle Tätigkeiten und Produkte mini|PC-TS Apo-Digitar 1:5,6/120mm für Mittelformat-Mamiya/Phase One mini|B+W UV Filter mini|Samsung HD-Camcorder mit Schneider-Objektiv, 2012

Kernkompetenzen des Unternehmens sind: Optikdesign, Mechanikdesign, Messtechnik für optische Systeme (MTF, Interferometrie, Spektralphotometrie usw.), Hochwertige Optikfertigung (inklusive Asphärentechnologie), Präzisionsfeinmechanik, Design und Herstellung von Dünnschichtsystemen.

Aktuelle Tätigkeitsfelder sind unter anderem: Berührungslose Messtechnik mittels digitaler Bildverarbeitung, Bildaufnahme und -verarbeitung Digitale Projektion (LCD, DMD) Gerätebau für optische Instrumente

Schneider-Kreuznach ist spezialisiert auf die Entwicklung und Produktion von Hochleistungsobjektiven. Die Produktpalette umfasst Vergrößerungsobjektive, Kino-Projektionsobjektive für alle gängigen Formate der analogen und digitalen Technik, Projektoren und Objektive für den HomeCinema-Bereich, Objektive für diverse technische Anwendungen, Lupen zur visuellen Kontrolle, fotografische Filter (B+W Filter) für digitale und analoge (Schwarzweiß- und Farbfilm) Fotografie sowie Softwarefilter für digitale Bildbearbeitung, optische Filter für unterschiedlichste industrielle Anwendungen, elektrohydraulische und elektropneumatische Servoventile mit elektronischen Reglern und Einstärken-, Mehrstärken- und Gleitsichtgläser. Auch in Bereichen der digitalen Kinoprojektion, des HomeCinema, E-Cinema und der Simulation ist Schneider-Kreuznach aktiv. In dem Smartphone Blackberry Priv, welches das erste auf Android basierende Gerät von BlackBerry ist, werden Kameratechnik und Objektive von Schneider-Kreuznach verbaut.PRIV by BlackBerry. In: BlackBerry Bog, 14. Oktober 2015.

mini|rechts|Längsschnitt durch das Objektiv Xenotar 1:2,8/80 mm für die Exacta 66