Taha Akgül (* 22. November 1990 in Sivas) ist ein türkischer Ringer. Er wurde elfmal Europameister, dreimal Weltmeister und gewann bei den Olympischen Spielen in Rio 2016 die Goldmedaille im freien Stil im Schwergewicht sowie in Tokio 2021 und in Paris 2024 die Bronzemedaille in der 125-kg-Gewichtsklasse.

Werdegang Taha Akgül begann als Jugendlicher mit dem Ringen, wobei er sich auf den freien Stil konzentrierte. Er startete für den Klub Izmir B.B. und seit der Saison 2011/12 in der deutschen Bundesliga für den SV Germania Weingarten. Ab der Saison 2013/2014 war er beim ASV Nendingen unter Vertrag. 2019 folgte der Wechsel zur RKG Reilingen-Hockenheim. Bei einer Größe von 1,92 Metern steht er im Schwergewicht, wo er allerdings das zulässige Höchstgewicht von 125 kg mit einem Gewicht von 110 kg gar nicht ganz ausschöpft.

Seine internationale Laufbahn begann im Jahre 2010. Er belegte in diesem Jahr bei den Mittelmeerspielen in Istanbul hinter seinem Landsmann Fatih Çakıroğlu den 2. Platz. Außerdem kam er bei der Junioren-Europameisterschaft in Samokow/Bulgarien auf den 5. Platz und belegte bei der Junioren-Weltmeisterschaft hinter Muradin Kuschchow aus der Ukraine den 2. Platz.

Bei den türkischen Meisterschaften 2011 kam er hinter Recep Kara, aber noch vor Fatih Çakıroğlu auf den 2. Platz. Bei internationalen Meisterschaften kam er 2011 aber noch nicht zum Einsatz. Im März 2012 wurde er vom türkischen Ringerverband bei den Europameisterschaften in Belgrad eingesetzt. Er konnte dort voll überzeugen und mit Siegen über Predrag Budic aus Serbien, Nick Matuhin aus Deutschland, Bachtijar Schachabutdinowitsch Achmedow aus Russland, Ihor Dsjatko aus Belarus und Dániel Ligeti aus Ungarn den Europameistertitel gewinnen.

Die Fahrkarte zu den Olympischen Spielen 2012 in London erkämpfte er sich anschließend durch einen 2. Platz hinter Dániel Ligeti beim Turnier in Sofia. Bei den Olympischen Spielen selbst siegte er zunächst über Oleksandr Chozjaniwskyj aus der Ukraine, unterlag aber in seinem zweiten Kampf gegen Biljal Machow aus Russland. Da dieser das Finale nicht erreichte, schied er aus und kam auf den 9. Platz, der nach Disqualifizierung zweier Dopingsünder auf den 7. Platz korrigiert wurde. Die Saison 2012 schloss er dann aber mit einem weiteren Meistertitel ab. Er wurde in Kuortane/Finnland Universitäten-Weltmeister vor Parvis Hadi aus dem Iran.

2013 wurde Taha Akgül in Tiflis mit Siegen über Jamaladdin Magomedow, Aserbaidschan, Dimitar Kumtschew, Bulgarien, Dániel Ligeti und Alen Sassejew, Ukraine erneut Europameister im Schwergewicht. Bei den Weltmeisterschaften dieses Jahres in Budapest besiegte er Christos Nyfadopoulos aus Griechenland, verlor aber dann ziemlich deutlich gegen Alen Sassejew, sicherte sich danach aber mit Siegen über Florian Temengil, PLW, Jamaladdin Magomedow, Aserbaidschan und Tervel Dlagnev, USA, noch eine WM-Bronzemedaille.

Bei den Europameisterschaften 2014, die in Vantaa/Finnland stattfand beherrschte er seine Gewichtsklasse souverän. Mit Siegen über Andranik Galstjan, Armenien, Wadim Schwedow, Belarus, Oleksandr Chozjaniwskyj, Ukraine und Alan Lawrentjewitsch Chugajew, Russland, gewann er seinen dritten Europameistertitel in Folge. Am 8. September 2014 wurde Taha Akgül in Taschkent auch erstmals Weltmeister im Schwergewicht. Auf dem Weg zu diesem Erfolg besiegte er Richard Csercsics, Ungarn, Aslan Dschebisow, Aserbaidschan, Tervel Dlagnev, USA, Alexei Schemarow, Belarus und Komeil Ghasemi, Iran.

Im Juni 2015 siegte Taha Akgül bei den 1. Europäischen Spielen in Baku in der Gewichtsklasse bis 125 kg Körpergewicht. Er besiegte dabei Jamaladdin Magomedow, Robert Baran aus Polen. Soslan Gagojew aus der Slowakei und Alexei Schemarow. Auch bei den Weltmeisterschaften dieses Jahres im September in Las Vegas war er nicht zu schlagen. Er gewann nacheinander über Jose Cuba Vazquez aus Spanien, Lewan Berianidse aus Armenien, Däulet Schabanbei aus Kasachstan, Biljal Machow aus Russland, den Olympiasieger von 2012 und Jamaladdin Magomedow. Er gewann damit seinen zweiten Weltmeistertitel.

Bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro gewann Taha Akgül die Goldmedaille im Schwergewicht. Er besiegte dabei jeweils in überzeugendem Stil Chuluunbat Jargalsaichan aus der Mongolei, Ibrahim Saidau, Belarus, Lewan Berianidse und im Finale auch Komeil Ghasemi aus dem Iran. Sein Sieg über Ghasemi fiel mit 3:1 Punkten zwar knapp aus, war aber nie gefährdet. Für diesen Sieg wurde er 2016 auch mit dem Sedat-Simavi-Preis in der Kategorie Sport ausgezeichnet.Preisträger des Sedat-Simavi-Preises 2016 (www.tgc.org.tr), abgerufen am 19. Februar 2022 (türkisch).

Im Mai 2017 setzte Taha Akgül mit einem Sieg bei der Europameisterschaft in Novi Sad seine Erfolgsserie fort. Dabei bezwang er u. a. Geno Petriaschwili aus Georgien und im Finale Jamaladdin Magomedow. Er galt auch bei der Weltmeisterschaft 2017 in Paris als hoher Favorit. Er wurde dieser Rolle zunächst auch gerecht, denn seine Siege über Zolboo Natsagsuren, Mongolei, Nam Koungjin, Südkorea und Nicholas Edward Gwiazdowski aus den Vereinigten Staaten waren ungefährdet. Im Finale traf er auf Geno Petriaschwili, der sich in seinem Leistungsvermögen gewaltig gesteigert hatte. Das bekam auch Taha Akgül zu spüren, denn in einem hochklassigen Duell, in dem die Führung mehrfach wechselte, siegte letztlich Geno Petriaschwili mit 10:8 Punkten und entthronte damit Taha Akgül.

Bei der Europameisterschaft 2018 in Kaspijsk gelang Taha Akgul die Revanche gegen Geno Petriaschwili. Im Endkampf dieser Meisterschaft besiegte er Petriaschwili knapp aber verdient mit 2:1 techn. Punkten und wurden zum sechsten Mal Europameister. Weniger gut lief es für ihn bei der Weltmeisterschaft dieses Jahres, die im Oktober in Budapest stattfand. Er siegte zwar in seinen beiden ersten Kämpfen jeweils nach Punkten über Nick Matuhin, Deutschland und Alexander Chozianiwski, Ukraine, verlor aber im Viertelfinale überraschend gegen Parviz Chodavirdi Hadibasmanj aus dem Iran knapp mit 2:3 techn. Punkten. Da Hadibasjamj anschließend das Finale nicht erreichte, schied Taha Akgül aus und belegte nur den 7. Platz.

Bei der Europameisterschaft 2019 im April dieses Jahres in Bukarest holte sich Taha Akgül in überzeugender Weise wieder den Titel. Im Halbfinale fertigte er Ansor Chirijew aus Russland, gegen den er im Januar im Finale des "Iwan-Yarigin"-Grand-Prix in Krasnojarsk noch verloren hatte, mit 8:0 techn. Punkten ab und im Finale war der amtierende Weltmeister Geno Petriaschwili gegen ihn chancenlos. Taha Akgül gewann sicher mit 7:0 techn. Punkten. Bei den Weltmeisterschaften in Nur-Sultan im selben Jahr kam er ebenso ins Finale, das erneut gegen Geno Petriaschwili zu bestreiten war. Diesen Kampf verlor er jedoch knapp und wurde Vizeweltmeister. Bei den im Oktober in Wuhan ausgetragenen Militärweltspielen kämpfte sich Akgül ebenfalls bis ins Finale, in dem er den Iraner Yadollah Mohebbi besiegte und den Wettbewerb somit als Sieger beendete.

Im durch die Corona-Pandemie beeinträchtigten Sportjahr 2020 nahm Taha Akgül an keinem nicht abgesagten, internationalen Großturnier teil.

Bei den Europameisterschaften 2021 in Warschau traf Akgül direkt in der Qualifikationsrunde auf seinen Dauerkontrahenten Geno Petriaschwili und konnte ihn besiegen. Auch die folgenden Kämpfe bestritt er erfolgreich und überwand im Finale den Russen Sergei Kosyrew, womit er zum siebenten Mal Europameister wurde. Es folgte die Teilnahme an den um ein Jahr verschobenen Olympischen Spielen in Tokio. Dort unterlag er im Viertelfinale dem späteren Olympiasieger der 125-kg-Gewichtsklasse Gable Steveson aus den USA, konnte aber über die Hoffnungsrunde in den Kampf um Bronze einziehen. Diesen bestritt er erfolgreich gegen den Mongolen Mönchtöriin Lchagwagerel, womit er sich seine zweite olympische Medaille sicherte. Ebenfalls in diesem Jahr fanden die Weltmeisterschaften in Oslo statt. Nach zwei erfolgreichen Runden unterlag Akgül dem Iraner Amir Hossein Zare im Halbfinale. Im folgenden Bronzekampf siegte er über den US-Amerikaner Nicholas Gwiazdowski und gewann seine sechste WM-Medaille.

Bei den Weltmeisterschaften 2022 in Belgrad gewann er die Goldmedaille; 2023 ebenfalls in Belgrad die Bronzemedaille.

Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris gewann er die Bronzemedaille.

Internationale Erfolge