mini|alt=Der Elbenkönig sitzt auf einem Thron, auf seinen Knien Sylvie, ein Mädchen mit langen Haaren, sie schlingt ihre Hände um seinen Hals. Daneben steht Bruno, ein kleiner Junge, dem der Elbenkönig die Hand auf die Schulter legt.|Frontispiz des ersten Bandes Sylvie und Bruno (englische Originaltitel: Sylvie and Bruno und Sylvie and Bruno Concluded) ist ein zweibändiger Roman des Autors Lewis Carroll. Die Erstausgaben erschienen 1889 und 1893 bei Macmillan Publishers, illustriert wurden die beiden Bände von Harry Furniss. Die erste vollständige Übersetzung ins Deutsche erfolgte 1986 durch Dieter H. Stündel. Das Werk spielt in zwei Welten: In der realen Welt, dem England des viktorianischen Zeitalters, wird in Form eines Gesellschaftsromans von der Liebe Arthur Foresters zu Lady Muriel erzählt, die sich aber zunächst mit einem anderen Mann verlobt. Zum anderen Teil spielt die Erzählung in einer Traumwelt, in der der Gouverneur von Anderland und seine beiden Elben-Kinder Sylvie und Bruno Opfer einer Verschwörung werden. Der Ich-Erzähler wechselt zwischen diesen beiden Welten hin und her.

Entstehung Im Vorwort zum zweiten Band gibt der Autor einen Einblick in die Geschichte des Werks: 1867 erschienen in der von Margaret Gatty herausgegebenen Zeitschrift Aunt Judy’s Magazine zwei kurze Erzählungen Fairy Sylvie (Sylvie, die Elbe) und Bruno’s Revenge (Brunos Rache). Sechs Jahre später kam ihm die Idee, diese beiden Texte zum Kern einer längeren Geschichte zu machen. Dabei verwendete er viele Dialoge oder Szenen, deren zufälliger Beobachter er wurde. Als das Manuskript Anfang 1885 zu weiten Teilen fertiggestellt war, beauftragte er Furniss mit den Illustrationen. Die Anfertigung der Illustrationen zog sich über Jahre hinweg. Auf Grund der zu erwartenden Länge entschied sich Carroll Anfang 1889 schließlich dafür, das Werk auf zwei Bände aufzuteilen. So erschien im Dezember 1889 der erste Band, im Dezember 1893 der zweite.

Inhalt Band 1 Die Handlung beginnt im Anderland (Outland)Die Inhaltsangabe folgt in den Bezeichnungen der Übersetzung Stündels, in Klammern ist beim ersten Auftauchen jeweils die englische Originalbezeichnung angegeben. im Frühstückssalon des Gouverneurspalasts. Der Erzähler – unsichtbar für die anderen Personen – wird Zeuge, wie eine aufgebrachte Menschenmenge vor dem Fenster demonstriert, offenbar unter Anweisungen des Lordkanzlers (lord chancellor). Bruno betritt kurzzeitig den Raum auf der Suche nach seiner Schwester Sylvie. Nach einer Rede des Kanzlers und dem Erscheinen des Sub-Gouverneurs (sub-warden) verlässt der Erzähler den Salon, um nach Bruno zu suchen. Er findet ihn mit Sylvie bei ihrem Vater, dem Gouverneur (warden). Dieser stellt sie dem Professor vor, der eben erst von einer weiten Reise zurückgekehrt ist.

Abrupt wechselt die Szene, der Erzähler befindet sich in einem Eisenbahnabteil auf der Reise nach Elfenau (Elveston) zu seinem Freund Doktor Arthur Forester, wo er sich gesundheitliche Erholung verspricht. Als er versehentlich die letzte Zeile aus Arthurs Brief laut liest, entwickelt sich ein Gespräch mit der Dame, die ihm gegenübersitzt und das gleiche Ziel hat wie er. Während des Gesprächs schläft er wieder ein und befindet sich wieder im Frühstückssalon, wo sich inzwischen neben dem Professor, Sylvie und Bruno, dem Kanzler und dem Sub-Gouverneur auch dessen Frau Tabikat und ihr Sohn Uggug versammelt haben. Als der Gouverneur den Salon betritt, schlägt der Kanzler ihm vor, das Amt des Sub-Gouverneurs in einen Vize-Gouverneur umzuwandeln und die Menschenmenge so zu besänftigen. Nach einer kurzen Beratung willigt dieser ein und unterschreibt den Vertrag, bevor er das Land für eine längere Reise verlässt. Der Sub-Gouverneur offenbart seiner Frau, dass sie den Gouverneur ausgetrickst haben und er einen Vertrag unterschrieben hat, der den Sub-Gouverneur während seiner Abwesenheit umfangreiche Befugnisse erteilt und es ihm ermöglicht sich vom Volk zum Kaiser (emperor) wählen zu lassen. Ein Bettler taucht auf mit der Bitte etwas Brot zu bekommen, doch Uggug vertreibt ihn mit einem Krug kalten Wassers. Sylvie und Bruno haben Mitleid mit ihm und rennen ihm hinterher.

Der Erzähler erwacht wieder, als er und seine Reisegefährtin, deren Name Lady Muriel Orme er nun auf ihrem Gepäck lesen kann, in Feenwalde (Fayfield) umsteigen müssen. Nachdem sie wieder im Zug sitzen, schläft er erneut ein und folgt Sylvie und Bruno, als der Gärtner sie dem Bettler hinterher gehen lässt. Als sie ihn eingeholt haben, führt er sie zu einem geheimen Raum, wo sich sein Aussehen verändert und sie erkennen, dass es ihr Vater ist. Er erklärt ihnen, dass er zum König von Elfenland (Elfland), einer Provinz von Feenland (Faryland) gewählt wurde und daher dorthin reisen musste. Er zeigt Sylvie zwei Medaillons, ein blaues mit der Aufschrift „Alle werden Sylvie lieben“ und ein rotes mit „Sylvie wird alle lieben“. Sie wählt das rote, bevor sie mit ihrem Bruder in den Palast zurückkehrt.

Der Erzähler erwacht an seinem Ziel Elfenau, wo er seinem Freund Arthur von seiner neuen Bekannten erzählt. Arthur gesteht ihm seine Liebe zu Lady Muriel. Als er wieder einschläft, sind Sylvie und Bruno zurück im Palast. Dort ist auch ein zweiter Bote aus Elfenland eingetroffen, der Baron Doppelgeist, von dem der neue Herrscher und seine Frau erfahren, dass der alte Gouverneur zum König ernannt wurde. Um den Baron über die wahren Verhältnisse zu täuschen, versuchen der Vize-Gouverneur und seine Frau ihren Sohn Uggug für Bruno auszugeben. Die Beweise für seine Begabung werden aber immer genau dann erbracht, wenn der Baron gerade nicht hinsieht. Als er schließlich feststellt, dass sein Zimmer voller Frösche ist, reist er verärgert ab. Die Sonate Pathétique, die, vom Musiklehrer gespielt, Uggugs angebliche musikalische Begabung zeigen sollte, erklingt auch nach dem Erwachen des Erzählers weiter, nur ist Arthur der Klavierspieler.

Am folgenden Tag besucht der Erzähler zusammen mit Arthur Lady Muriel und ihren Vater, den Earl von Ainslie, wobei sie über die Schwerelosigkeit im freien Fall diskutieren. Als er später allein am Strand erneut einschläft, sind Sylvie und Bruno wieder auf dem Weg zu ihrem Vater, doch auch dieser kann die Situation im Gouverneurspalast nicht ändern. Unterdessen arbeiten der Vize-Gouverneur und seine Frau weiter an der Verschwörung. Während sie sich einen Dolch gekauft hat und ihren Mann nur mit Decknamen anspricht, hat er zwei Verkleidungen besorgt: ein Hofnarr und ein Tanzbär. Uggug sieht die beiden, als sie ihre Verkleidung ausprobieren, doch sie können sie noch rechtzeitig ablegen, bis er mit dem Professor zurückkommt. Sylvie und Bruno kehren zurück und der Professor stellt sie dem Anderen Professor vor, der das lange Gedicht „Peter und Paul“ für sie rezitiert. An dieser Stelle nimmt Bruno zum ersten Mal den Erzähler wahr. Er spricht mit ihm, sehr zur Verwirrung des Professors, der niemanden sehen kann. Er fragt jedoch nicht weiter nach, weil plötzlich der Andere Professor verschwunden ist. Als sie ihn auch nach einer Suche nicht finden können, bitten Sylvie und Bruno den Professor mit ihnen hinauszugehen, da der Gärtner sie nicht mehr hinauslassen will.

Auf Bitten des Professors lässt der Gärtner die beiden gehen. Auf ihrem Weg nach Elfenland übernachten sie im Hundeland, wo der Hundekönig, ein riesiger Neufundländer, für die Abwechslung dankbar ist, die die beiden Kinder in seinen Alltag bringen. Sylvie und Bruno gelangen schließlich an das Tor zum Elfenland. Als sie es durchschreiten, verwandeln sie sich von Wichteln (sprite) in richtige Elben (fairy).

Arthur erfährt, dass er ein größeres Vermögen besitzt, als er bisher annahm, was ihn finanziell in die Lage versetzt, Lady Muriel einen Heiratsantrag zu stellen, jedoch traut er sich nicht. Der Erzähler kehrt für einige Zeit nach London zurück. Als er wieder in Elfenau zurück ist, trifft er bei einem Spaziergang zunächst auf Sylvie, die einem Käfer wieder auf die Beine hilft, dann auf Bruno. Dieser ist wütend auf seine Schwester, da sie ihn nicht spielen lassen wollte, bevor er nicht seine Aufgaben erledigt hat. Er will ihren Garten verwüsten, der Erzähler schafft es jedoch ihn umzustimmen. So verschönern die beiden den Garten, sehr zur Freude Sylvies. Einige Tage später begegnet er den beiden Elben erneut. Sie versprechen ihm, ihn bald in Menschengestalt zu besuchen. Mit vielen anderen Bewohnern Elfenaus fährt er zu einem Picknick bei einer Burgruine. Beherrschendes Gesprächsthema ist zunächst das Verhältnis von Kunst zu Natur. Schließlich schläft der Erzähler ein, während Lady Muriel ein Lied singt, stattdessen hört er Bruno singen. Als er wieder erwacht, trifft Muriels Cousin Eric Lindon ein. Arthur ist sofort eifersüchtig auf ihn und beschließt alleine zurückzufahren. Auch der Erzähler kehrt nicht mit den anderen zurück, sondern bleibt noch eine Weile bei der Ruine. Sylvie, Bruno und der Professor erscheinen, sie suchen den Weg nach Anderland. Zunächst fragen sie einen vorbeigehenden Bauern, dann Eric Lindon. Keiner kann ihnen den Weg weisen, Eric hält sie für Verrückte.

Eine Woche später gehen Arthur und der Erzähler nach ihrem Kirchgang bei Lady Muriel vorbei. Es entwickelt sich ein Gespräch über Selbstsucht und die beste Form des Gottesdiensts. Sylvie und Bruno treten in der Gestalt von Kindern auf, der Erzähler stellt sie Lady Muriel und ihrem Vater vor.

In Anderland wurde inzwischen der alte Gouverneur für tot erklärt, nachdem ein vorbeiziehender Hofnarr mit Tanzbär diese Nachricht brachte, und der Vize-Gouverneur zum Kaiser gewählt.

Beim Spazierengehen treffen Arthur und der Erzähler auf Eric, der ein Telegramm erwartet. Auch Sylvie und Bruno tauchen wieder in Kindesgestalt auf. Als Bruno fast von einem einfahrenden Zug überrollt wird, rettet ihn Eric im letzten Moment.

Sylvie und Bruno geben dem Erzähler die Uhr des Professors, die dieser ihm für einige Experimente leihen wollte. Zuerst versucht er, einen Unfall ungeschehen zu machen, indem er die Zeit zurückstellt, doch ohne Erfolg. Anschließend erlebt er eine Stunde rückwärts laufend. Als er den Earl trifft, erfährt er, dass Eric sein Offizierspatent erhalten hat und nun offiziell mit Lady Muriel verlobt ist. Arthur beschließt nach Indien zu gehen.

Als der Erzähler vor seiner Abreise aus Elfenau einen letzten Spaziergang unternimmt, schläft er im Wald ein. Sylvie und Bruno veranstalten ein Fest für die Frösche. Nach einer Suppe führt Bruno sehr kurze Szenen aus drei Shakespeare-Stücken auf: Hamlet, Macbeth und König Lear. Da er aber schon nach einem Satz den weiteren Text nicht mehr weiß, verlässt er jedes Mal die Bühne purzelbaumschlagend. Zum Schluss erzählt er eine verwirrende Geschichte. Am nächsten Tag kommt der Erzähler mit Arthur zu einem letzten Gespräch mit Lady Muriel, sie diskutieren über die Sonntagsruhe und die Freiheit des Willens.

Band 2 Als der Erzähler in London zufällig mit Eric Lindon zusammentrifft, erfährt er von ihm, dass die Verlobung mit Lady Muriel aufgelöst wurde und Arthur noch immer in Elfenau weilt. In den Kensington Gardens trifft er auf Sylvie, die Bruno gerade zu unterrichten versucht. Er beschließt, so bald wie möglich wieder nach Elfenau reisen.