mini|Ansicht von Wilgartswiesen
Wilgartswiesen ist die gemessen an ihrer Fläche größte Ortsgemeinde im Landkreis Südwestpfalz in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Hauenstein an, innerhalb derer sie gemessen an der Einwohnerzahl ihre drittgrößte Ortsgemeinde ist. Wilgartswiesen ist ein staatlich anerkannter Erholungsort.Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten.
Geographie Lage und Gemeindegliederung
Der Kernort liegt im südlichen Pfälzerwald, dem deutschen Teil des Wasgaus, an dessen nördlichem Rand im Tal der Queich. Der 5 km nördlich gelegene Ortsteil Hermersbergerhof am Fuße des Weißenbergs ist die am höchsten gelegene Siedlung der Pfalz. Ein weiterer Ortsteil ist die Exklave Hofstätten, die sich nördlich des restlichen Gemeindegebiets befindet und zu der der Wohnplatz Häusel gehört.
Die weitläufige Gemarkung nördlich der Kerngemeinde, die zum großen Teil zur Mittelgebirgslandschaft der Frankenweide gehört, ist außerhalb der Wohnbebauung nahezu durchgängig bewaldet.
Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn – einschließlich kursiv gesetzter Exklaven – Annweiler am Trifels, Rinnthal, Spirkelbach, Hauenstein, Spirkelbach, Hinterweidenthal, Münchweiler an der Rodalb und Merzalben. Die Exklave Hofstätten grenzt im Uhrzeigersinn an Elmstein, Landau in der Pfalz, Annweiler am Trifels, Merzalben, Leimen und Trippstadt.
Erhebungen mini|Der Göckelberg hinter der Gemeinde
In Siedlungsnähe erstrecken sich der hohe Schloßberg, der hohe Große Breitenberg, der Kleine Breitenberg () und die Große Distel. Im Südwesten unmittelbar an der Grenze zu Hauenstein liegen der hohe Neding sowie der hohe Mischberg. Nordöstlich des Siedlungsgebiets erhebt sich der hohe Göckelberg, dessen Ostflanke bereits zu Rinnthal gehört.
Im Westen der Gemarkung befinden sich der Katzenkopf (), der Staufelkopf (), das Steckeneck sowie unmittelbar nebeneinander die Spitze Boll () und nordöstlich von ihr die Breite Boll (). Weiter westlich schließen sich das Hanseneck () und die Große Boll () an. An der Grenze zur Gemarkung der Gemeinde Spirkelbach befindet sich der Große Rauhberg (). Unweit der Grenze zu Hinterweidenthal liegen der hohe Große Horberg, der hohe Pfaffenberg und der hohe Schwemmwasserkopf.
Auf Gemarkung von Hofstätten liegen der hohe Mosisberg samt dessen östlichen Teils Langerkopf, der hohe Blosenberg, der hohe Saukopf und weiter nördlich der hohe Eschkopf.
Gewässer Mitten durch das Siedlungsgebiet des Kernortes fließt die Queich, die eines der Hauptabflusssysteme der Pfalz bildet; ihr in diesem Bereich liegendes oberes Tal ist ein Kastental. Etwa einen Kilometer westlich des Siedlungsgebiets befindet sich der Kohlwoog, der zugleich die Quelle eines unbenannten Baches ist; letzterer mündet am südlichen Rand der Wilgartswieser Bebauung von links in die Queich. Weiter südöstlich nimmt diese von rechts den Spirkelbach auf.
Nordöstlich der Bebauung verläuft der Freischbach. Im Westen der Gemarkung fließt der Horbach, der in seinem Oberlauf die Bezeichnung „Meisenbach“ trägt. Er ist ein linker Nebenfluss der Lauter und nimmt dabei mehrere Nebenflüsse wie den Waldbach, den Bollgraben, den Bach aus dem Großen Spechtel, den Mautzenbach, den Hüttengraben und den Pfaffenbach auf; der Mündungsbereich des letzteren liegt bereits jenseits der Gemeindegemarkung.
mini|Ruine eines Wehrs an der Lauter, die in diesem Bereich die Grenze zu Münchweiler an der Rodalb bildet
Der Lauter-Quellfluss Wartenbach verläuft im Nordwesten auf der Gemarkungsgrenze zu Merzalben, die zuvor von dessen linkem Zufluss Scheidbach gebildet wird. Anschließend verläuft die Lauter, die hier, in ihrem oberen Bereich, Wieslauter genannt wird, auf der Grenze zu Münchweiler an der Rodalb. Von links nimmt sie den Lembach auf, der sich auf kompletter Länge auf der Gemarkung von Wilgartswiesen befindet.
Südöstlich des Hermerbergerhofs entspringt der nach Osten verlaufende Modenbach, der nach rund 2 km die Grenze zu Rinnthal bildet, ehe er in den Kaltenbach mündet. Letzterer entspringt nördlich des Hermersbergerhofs und bildet bereits wenig später die Grenze zu einer zu Annweiler am Trifels gehörenden Exklave.
Der Wellbach bildet die östliche Grenze der Exklave Hofstätten. Nördlich und unterhalb des Siedlungsgebiets fließt der Flachsbach, ein rechter Nebenfluss des Wellbachs. Auf Gemarkung der Exklave entspringt im Husarenbrunnen zudem der Erlenbach, der hydrologisch als eigentliche Quelle des Speyerbachs gilt. Er durchfließt im Anschluss die im 19. Jahrhundert angelegten Stauseen Dammwoog, Hirschhauswoog, Kanzelwoog, Franzenwoog und Brüllerwoog; nach rund 2 km überquert er auf Höhe des Augustenwoogs die Gemarkungsgrenze zu Elmstein.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 31. Dezember 2019.
Geologie Zudem ist die Gemeinde deutschlandweit der einzige bekannte Fundort für das seltene Mineral Arcanit. Geologisch dominieren vor Ort die Trifels-Schichten.
Geschichte mini|Blick von der Falkenburg auf Wilgartswiesen
Wilgartswiesen wurde bereits 828 urkundlich erwähnt, als Gräfin Wiligarta aus dem Geschlecht der Gaugrafen des Bliesgaus, den sogenannten Widonen, Kirche und Hof Willigarttawisa dem Kloster Hornbach schenkte, das fortan die Urbarmachung der Gegend vorantrieb und unter anderem die Annexe Hermersbergerhof gründete. Dadurch handelt es sich um die älteste Gemeinde im Queichtal. Später wurden der Ort und das weitläufige Gebiet von der nahe gelegenen Falkenburg aus verwaltet. Bis Ende des 18. Jahrhunderts bildete die Gemeinde ein Kondominium, indem sie gemeinschaftlich zu Zweibrücken und der Linie Leiningen-Dagsburg gehörte. Unter der anschließenden französischen Herrschaft wurde Wilgartswiesen mit dem weiter nordöstlich liegenden Hofstätten zu einer Gemeinde zusammengelegt.
Von 1798 bis 1814, als die Pfalz Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend Teil des Napoleonischen Kaiserreichs war, waren Wilgartswiesen und Hofstätten – so die damalige Bezeichnung – in den Kanton Annweiler eingegliedert und Sitz der Mairie Wilgartswiesen, die zusätzlich Rinnthal und Spirkelbach umfasste. 1815 wurde die Gemeinde Österreich zugeschlagen, bereits ein Jahr später wechselte die Gemeinde wie die gesamte Pfalz in das Königreich Bayern. Von 1818 bis 1862 waren Wilgartswiesen und Hochstätten Bestandteil des Landkommissariat Bergzabern, das anschließend in ein Bezirksamt umgewandelt wurde. Am 17. Juni 1849 wurde Wilgartswiesen teilweise Schauplatz des Gefechts bei Rinnthal; ein Teil der preußischen Verbände war dabei hinter der Gemeinde geblieben.
1931 wurde die bislang Wilgartswiesen-Hofstätten heißende Gemeinde in „Wilgartswiesen“ umbenannt. 1939 wurde sie in den Landkreis Bergzabern eingegliedert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Gemeinde innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wechselte die Gemeinde 1969 in den Landkreis Pirmasens (ab 1997 Landkreis Südwestpfalz). Drei Jahre später wurde sie in die neu geschaffene Verbandsgemeinde Hauenstein eingegliedert.
1972 wurde der östliche Teil des Weilers Johanniskreuz der Gemeinde Trippstadt zugeschlagen, zu der bereits zuvor der Westteil gehörte. Am 1. Januar 1976 wurden der bis dahin zur Gemeinde gehörenden Weiler Kaltenbach nach Hinterweidenthal sowie die im Elmsteiner Tal liegenden Ortschaften Speyerbrunn, Erlenbach und Schwarzbach nach Elmstein umgemeindet.
Einwohnerstatistik 1815 lebten im damaligen Gemeindegebiet 732 Menschen. Im Zuge der Gebietsabtretungen an die Gemeinde Elmstein verlor Wilgartswiesen Mitte der 1970er Jahre insgesamt 207 Einwohner. 2004 lebten 1.190 Menschen in Wilgartswiesen. In der Folgezeit ging die Einwohnerzahl weiter zurück. 2006 betrug sie 1.115, seit den 2010er Jahren stagniert sie bei rund 1.000.
Konfessionsstatistik Ende 2012 waren 57,6 % der Einwohner evangelisch und 29,2 % römisch-katholisch. Die übrige 13,2 gehörten einer anderen Religion an oder waren konfessionslos.KommWis, Stand: 31. Dezember 2012. Mit Stand 31. Dezember 2024 waren von den Einwohnern (mit Hauptwohnung) 42,0 % evangelisch, 22,4 % katholisch und 35,6 % gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder waren konfessionslos.Gemeindestatistik Ortsgemeinde Wilgartswiesen, abgerufen am 17. Januar 2025
Politik mini|Rathaus Bei Bundestagswahlen gehört Wilgartswiesen zum Wahlkreis Pirmasens. Bei Landtagswahlen war die Gemeinde von 1991 bis 2016 Bestandteil des Wahlkreises Pirmasens-Land. Aufgrund des Bevölkerungsrückgangs der Region wurde er aufgelöst, sodass Wilgartswiesen seit 2021 zum Wahlkreis Pirmasens gehört.
Gemeinderat Der Gemeinderat in Wilgartswiesen besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.
Die Sitzverteilung im Gemeinderat:
Wahl Grüne BfW Gesamt 2024 per Mehrheitswahl 16 Sitze 2019 per Mehrheitswahl 16 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2019, Stadt- und Gemeinderatswahlen, abgerufen am 10. September 2019. 2014 3 9 12 Sitze 2009 4 12 16 Sitze 2004 4 12 16 Sitze BfW = Bündnis für Wilgartswiesen e. V.
Bürgermeister Markus Schöffel wurde am 28. August 2024 Ortsbürgermeister von Wilgartswiesen. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 hatte er sich mit einem Stimmenanteil von 50,2 % gegen den bisherigen Amtsinhaber durchgesetzt.
Schöffels Vorgänger Manfred Schoch war am 26. Mai 2019 als einziger Bewerber mit 76,3 % der Wählerstimmen zum Bürgermeister gewählt und am 12. August 2019 ernannt worden. Er folgte auf Jürgen Brödel, der 2019 nicht mehr kandidiert hatte.Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2019, Direktwahlen, abgerufen am 11. September 2019.
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Kulturdenkmäler
Die namensgebende Wilgartaburg ist als Denkmalzone ausgewiesen.
Hinzu kommen insgesamt 21 Einzeldenkmäler, darunter die im 12. Jahrhundert als Reichsfeste erbaute Falkenburg, die im Pfälzischen Erbfolgekrieg gesprengt wurde und seither Ruine ist. Die aus dem örtlichen Buntsandstein erbaute evangelische Kirche ist das einzige doppeltürmige Gotteshaus im Pfälzerwald. Im Nordwesten der Gemarkung unmittelbar auf der Grenze zu Merzalben befindet sich der Dreiherrenstein, der zugleich als Ritterstein 57 ausgewiesen ist. 3 km nördlich der Bebauung von Hofstätten steht der Eschkopfturm.
Natur mini|Untere Schwemmwasserquelle
Nördlich des Ortes ziehen sich viele Felsgruppen aus Buntsandstein hin, aus denen unter anderem die Wilgartaburg und die Falkenburg herausgehauen sind. Auf Gemarkung der Gemeinde befindet sich das Naturschutzgebiet Falkenburg-Tiergarten. Mit der Felsgruppe Neding und der Unteren Schwemmwasserquelle verfügt der Ort über zwei Naturdenkmale.
Die etwa 2400 Hektar große Kernzone Quellgebiet der Wieslauter des Naturparks Pfälzerwald liegt außerdem teilweise auf dem Gebiet von Wilgartswiesen. Als Teil des Naturparks geöhrt die Gemeinde außerdem zum Biosphärenreservat Pfälzerwald-Vosges du Nord. Im Westen der Gemarkung liegen außerdem das 1995 ausgewiesene Naturwaldreservat Pfaffenberg, das 76 Hektar umfasst und der Ruheforst Südpfälzer Bergland Wilgartswiesen. Darüber hinaus ist Wilgartswiesen Bestandteil des Klettergebiets Pfälzer Wald. Große Teile der Gemarkung nördlich des Kernortes gehören zum 1998 ausgewiesenen FFH-Gebiet Biosphärenreservat Pfälzerwald und der Teil südlich des Kernortes zum EU-Vogelschutzgebiet Pfälzerwald.
Rittersteine mini|Ritterstein 50 Wildsauhütte