Die 1. Gardepanzerarmee, auch 1. Garde-Panzerarmee, (kurz: 1. GPA; ) ist ein Großverband der Sowjetarmee, der erstmals im Zweiten Weltkrieg als Teil der Roten Armee aufgestellt wurde. Er wurde 1998 zunächst aufgelöst und ab 2016 erneut aufgestellt.

Zweiter Weltkrieg mini|hochkant|Verbandsabzeichen für «Veteranen 1. GPA» Die vormals 1. Panzerarmee wurde am 25. April 1944 als Auszeichnung in die Garde der Roten Armee aufgenommen. Dabei erfolgte die Umbenennung in 1. Gardepanzerarmee mit gleichzeitiger teilweiser Umgliederung. Die Verbände und Truppenteile der 1. Gardepanzerarmee hatten den Gardetitel teilweise schon früher erhalten.

Im Bestand der 1. Ukrainischen Front nahm die 1. Gardepanzerarmee im Sommer und Herbst 1944 an der Lwiw-Sandomierz-Operation 1944 teil und kämpfte in den Weichselbrückenköpfen südlich Warschaus. Als Teil der 1. Weißrussischen Front stieß die 1. Gardepanzerarmee in der Weichsel-Oder-Operation aus dem Brückenkopf Magnuszew über Łódź und Posen bis zur Oder vor. Verlegt in den Raum nördlich Gorzów Wielkopolski nahm die 1. Gardepanzerarmee an der Ostpommern-Operation teil. Über Kolberg und Kammin wurde die Ostseeküste erreicht. Im Bestand der 2. Weißrussischen Front kämpfte die 1. Gardepanzerarmee weiter in Richtung Stolp-Lauenburg und erreichte die Danziger Bucht bei Gdingen, das erobert wurde. Danach kehrte die 1. Gardepanzerarmee wieder zur 1. Weißrussischen Front zurück und nahm an der Berliner Operation teil.

Armeegliederung am 16. April 1945

8. Garde–Mechanisiertes Korps – Generalmajor Iwan Fjodorowitsch Drjomow 19., 20., 21. Garde-mechanisierte Brigade 1. Garde-Panzerbrigade 11. Garde-Panzerkorps – Oberst Hamasasp Chatschaturowitsch Babadschanjan 40., 44. und 45. Garde-Panzerbrigade 27. Garde-mechanisierte Brigade 64. Garde Panzerbrigade 11. Panzerkorps – Generalmajor Iwan Iwanowitsch Juschuk 20., 36., 65. Panzerbrigade 12. motorisierte Schützenbrigade 7. Garde-Panzerbrigade

Aus dem Raum der Seelower Höhen wurde in Richtung Müncheberg/Erkner die Stadt Berlin südlich umgangen und dann eingeschwenkt, um über Adlershof-Bohnsdorf an der Wilhelmstraße entlang ins Stadtzentrum Berlins vorzustoßen.

Befehlshaber Katukow, Michail Efimowitsch – Garde GenO, 1943–1947 Below, Jeftichin Jemeljanowitsch – Garde GenLt, 1947–1951 Goworunenko, Pjotr Dmitrijewitsch – Garde GenLt, 1951–1953 Jakubowski, Iwan Ignatjewitsch – Garde GenLt, 1953–1957 Tolubko, Wladimir Fjodorowitsch – Garde GenMaj, 1957–1958 Uchow, Wladimir Dmitrijewitsch – Garde GenMaj, 1958–1961 Iwanowski, Jewgeni Filippowitsch – Garde GenMaj, 1961–1964 Koschanow, Konstantin Grigorjewitsch – Garde GenLt, 1964–1968 Gerassimow, Iwan Alexandrowitsch – Garde GenLt, 1968–1971 Luschew, Pjotr Georgijewitsch – Garde GenLt, 1971–1973 Snetkow, Boris Wassiljewitsch – Garde GenLt, 1973–1975 Popow, Nikolai Iwanowitsch – Garde GenLt, 1975–1979 Sawotschkin, Roman Michailowitsch – Garde GenLt, 1979–1981 Ossipow, Wladimir Wassiljewitsch – Garde GenLt, 1981–1983 Schein, Boris Petrowitsch – Garde GenLt, 1983–1986 Tschernyschow, Anatoli Kuprijanowitsch – Garde GenLt, 1986–1990 Kolyschkin, Gennadi Andrejewitsch – Garde GenLt, 1990–1992 Schewzow, Leonti Pawlowitsch – Garde GenLt, 1992–1993 Sossedow, Wassili Petrowitsch – Garde GenLt, 1993–1995 Roschtschin, Wiktor Michailowitsch – Garde GenLt, 1995–1999 N.N. – , 2000–2013 Tschaiko, Alexander Jurjewitsch – Garde GenLt, 2014-….

Kalter Krieg Von 1945 bis 1993 bildete die 1. Gardepanzerarmee einen Teil der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland bzw. Westgruppe der Truppen und war in und um Dresden stationiert. Ihr Stab saß zuerst in RadebeulStandortdatenbank NVA und GSSD: Gliederung und Dislozierung bei Dresden, später in der Dresdner Albertstadt. Der erste Nachkriegs-Befehlshaber war Generalleutnant Schalin.Jan Foitzik; Nikita W. Petrow: Die sowjetischen Geheimdienste in der SBZ/DDR von 1945 bis 1953. S. 235. Die Armee wurde bis 1993 in den Raum Smolensk abgezogen und 1998 aufgelöst.

Die 1. Gardepanzerarmee hatte 1991 folgenden Bestand (11. GPD und 20. GMSD unvollständig):

Direktunterstellte Bezeichnung Standort Tarnname Truppen-№ Bemerkung Hauptquartier der Armee Dresden ()Liegenschaft Albertstadt-Kaserne «Lira» 08608 auch Stab der Armee  234. Selbständiges Wach- und Sicherstellungsbataillon 602. Selbständige Speznas-Aufklärungskompanie 33811 im Sinne von Fernspähkräfte (aktiv) 1044. Selbständiges Luftsturmbataillon Königsbrück «Jefedin» 47518 bis 1990 147. Selbständiges Garde-Panzerregiment Plauen «Niski» 93259 bis 1989, dann Umformierung zum 734. MSR 101. Selbständiges Panzer-Ausbildungsregiment Dresden «Fljus» 86747 im Sinne von Lehrregiment 181. Garde-Raketenbrigade Kochstedt () TR «R-17» (Elbrus) 432. Raketenbrigade Wurzen () 53. Flugabwehr-Raketenbrigade Altenburg () 308. Artilleriebrigade Zeithain () «Tekstilschtschik» 25526 72×2S5, 6×PRP-3, 6×1 W18, 2xR-145BM, 1xR156 2xBTR-60 154. Selbständige Panzerabwehrabteilung 225. Selbständiges Kampfhubschrauberregiment Allstedt 40×Mi-24, 9×Mi-8, Abzug nach Rjasan 485. Selbständiges Kampfhubschrauberregiment Brandis 40×Mi-24,8×Mi-8, 6. Selbständige Hubschrauberstaffel Dresden-Hellerberge 6×Mi-8, 2×Mi-6, 2×Mi-24K, 2×Mi-24R 269. Selbständige Drohnenstaffel Brandis «Optika» 38676 443. Selbständige Pionierbrigade 68. Selbständiges Pontonbrücken-Regiment Dresden () 6. Selbständiges Bugsierboot-Pionierbataillon 3. Selbständiges Garde-Fernmelderegiment Dresden 46678 829. Richtfunk – Kabelbataillon Meißen «Proba» 75235 253. Selbständiges Funktechnisches Regiment 51. Selbständiges Funktechnisches Bataillon Merseburg im Sinne von Radar- oder Einsatzführungsdienst Funktechnischer Posten 411 Wachstedt Funktechnischer Posten 412 Geba Funktechnischer Posten 413 Eckardtshausen Funktechnischer Posten 722 Steinheid Kieferle Funktechnischer Posten 7211 Stelzen (Siegmundsburg) Bleßbergauch: Abgesetzter FuT Posten Funktechnischer Posten 723 Schöneck Funktechnischer Posten 733 Alperstedt 106. Selbständiges EloKa-Bataillon Merseburg 595. Selbständiges Bataillon Chemische Abwehr Chemnitz 12 × K-611 41. Logistikbrigade Dresden 05091 303. Selbständiges Reparatur- und Instandsetzungsbataillon 338. Selbständiges Reparatur- und Instandsetzungsbataillon 338. Selbständiges Reparatur- und Instandsetzungsbataillon Vokal- und Tanz-Ensemble Dresden 15337

9. Panzerdivision

Bezeichnung Standort Tarnname Truppen-№ Bemerkung 9. PanzerdivisionSoviet troops in Germany 1945 to 1994, memorial album, edition Moscow, published by «Jang Guard», 1994; ISBN 5-235-02221-1, page 15–22. Führung der Division 7xBTR-80, 8xBTR-60, 1xPRP-3, 1xR-145BM, 1xR-156xBTR Stab 9. PD Riesa () «Strelka» 60990 1. Garde-Panzerregiment Zeithain () 58846 70. Garde-Panzerregiment Zeithain () «Scharowoi» 60513 1992 Abzug nach Smolensk 302. MotSchützenregiment Riesa () «Plaschka» 52262 1321. MotSchützenregiment Zeithain () «Scharowan» 58639 96. Garde-Panzer-Artillerieregiment Borna () 67749 auch SFL-Artillerieregiment 216. Flugabwehr-Raketenregiment Zeithain () 11458 13. Selbständiges Aufklärungsbataillon Zeithain () 47442 696. Selbständiges Fernmeldebataillon Riesa () 47364 109. Selbständiges Pionierbataillon Oschatz () 10885 112. Selbständiges Bataillon Chemische Abwehr Riesa () 25478 1017. Selbständiges Logistik-Bataillon Oschatz () 47314 68. Selbständiges Reparatur- und Instandsetzungsbataillon Zeithain () 92016 200. Selbständiges Sanitätsbataillon Riesa () 58818 Gesamtbestand, Ende 1990 Kampfpanzer T-80 = 238; Schützenpanzer BMP = 343 (BMP-2 = 271, BMP-1 = 143, BRM-1K = 29); Mannschaftstransporter gepanzert BTR = 24 (BTR-70 = 10, BTR-60 = 14); Panzerartillerie SAU = 126 (2S1 «Gwosdika» =72, 2S3 «Akazija» = 54); Minenwerfer 2S2 «Sani» = 36 (120 mm); Mehrfachraketenwerfer RSSO BM-21 «Grad» = 18

11. GPD und 20. GMSD Einheit, Truppenteil, Verband Standort Nutzung Bemerkung bis 1945 nach 1991–1994 1 2 3 4 5 11. Garde-Panzerdivision Dresden () 7. Garde-Panzerregiment Meißen () 40. Garde-Panzerregiment Königsbrück () 44. Garde-Panzerregiment Königsbrück () 249. Garde-MotSchützenregiment Dresden-Nickern () 841. Garde-Panzer-Artillerieregiment Chemnitz () 1018. Fla-Raketenregiment Meißen () 20. Garde-MotSchützendivision Grimma () 29. Garde-MotSchützenregiment Plauen () 67. Garde-MotSchützenregiment Grimma () 242. Garde-MotSchützenregiment Wurzen 576. Garde-MotSchützenregiment Glauchau 944. Garde-Panzer-Artillerieregiment Leisnig 358. Fla-Raketenregiment

Zum Zeitpunkt ihrer Auflösung 1998 umfasste sie die 11. Garde-Panzerdivision, die 9. Panzerdivision (beide mit T-80 ausgerüstet) und die 20. Garde-MotSchützendivision (mit BMP-Schützenpanzern).

Wiederaufstellung der 1. Gardepanzerarmee Medien meldeten 2015 den Beginn der Wiederaufstellung der 1. Gardepanzerarmee an der russischen Westgrenze und die Stationierung der 1. Panzerbrigade in Bogutschar (Gebiet Woronesch) als Stamm der 1. Gardepanzerarmee sowie 2016 die Aufstellung einer 2. Panzerdivision der 1. Gardepanzerarmee im Gebiet Tscheljabinsk. Das Hauptquartier der Garde-Panzerarmee ist in Odinzowo nahe Moskau. Ziel ist die Massierung hochmobiler Elite-Verbände als Armee für schnelle militärische Reaktionen. Laut Informationen des britischen Militärgeheimdienstes ist die 1. Gardepanzerarmee dem Militärbezirk „West“ zugeteilt und im Falle eines Krieges mit der NATO mit der Führung von Gegenoffensiven betraut.

Gliederung 2016

4. Garde-Panzerdivision „Kantemirowskaja“ (Hauptquartier: Naro-Fominsk, nahe Moskau) 2. motorisierte Gardeschützendivision „Tamanskaja“ (Hauptquartier: Moskau) je eine Panzer- und Infanteriebrigade (u. a. 6. Panzerbrigade, 27. Garde-MotSchützendivision „Sewastopol“)

Angriff auf die Ukraine 2022 beteiligte sich die 1. Gardepanzerarmee am russischen Überfall auf die Ukraine. Sie überraschte westliche Fachleute durch ihren geringen Kampfwert.Thomas Gutschker: Die Kampfkraft schwindet. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. September 2022, S. 2. Wegen des fehlgeschlagenen Angriffs an der Nordostfront (Oblast Tschernihiw und Oblast Sumy) wurde ihr Kommandeur Generalleutnant Sergei Alexandrowitsch Kissel,, wiss. Transliteration der im April 2018 den Posten übernommen hatte, angeblich seiner Position enthoben und festgenommen. Laut Einschätzung des britischen Militärgeheimdienstes und dem britischen Thinktank Royal United Services Institute erlitt die 1. Gardepanzerarmee schwere Verluste im Zuge des russischen Überfalls auf die Ukraine. Diese seien aber nicht wieder aufgestockt worden. Im September 2022 musste sich die stark dezimierte 1. Gardepanzerarmee laut dem britischen Geheimdienst infolge der ukrainischen Gegenoffensive aus der Oblast Charkiw zurückziehen. Dabei wurden laut Institute for the Study of War einige Panzer der Armee zerstört. Große Mengen an qualitativ hochwertigen, zurückgelassenen Geräten wurden von den Ukrainern übernommen. Zurückgelassene Briefe, die den Ukrainern in die Hände fielen, dokumentieren eine geringe Kampfmoral von Teilen der 1. Gardepanzerarmee.Institute for the Study of War: Russian Offensive Campaign Assessment, September 19, abgerufen am 20. September 2022.

Siehe auch Liste der sowjetischen Militärstandorte in Deutschland

Literatur Sowjetische Truppen in Deutschland 1945 bis 1994. Gedenkalbum, Ausgabe Moskau, Verlag «Junge Garde», 1994, ISBN 5-235-02221-1, Seiten 74 und 75 – Oberbefehlshaber. Die Funktechnischen Truppen der Luftverteidigung der DDR. Geschichte und Geschichten, von Wolf-Rüdiger Stuppert und Siegfried Fiedle. 1. Auflage. Steffen Verlag, 2013, ISBN 978-3-942477-39-0, S. 89–96.

Weblinks

Einzelnachweise

Gardepanzerarmee #:1 Gardepanzerarmee #:1 Kategorie:Militärischer Verband (GSSD) Kategorie:Militärischer Verband (Russland) Kategorie:Träger des Rotbannerordens Kategorie:Dresdner Militärgeschichte Kategorie:Militärischer Verband in Dresden Kategorie:Albertstadt #:1