mini|Anna Maria Strada Anna Maria Strada del Pò, genannt la StradinaIrene Brandenburg: Strada del Pò, Anna Maria, genannt la Stradina, in: Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG) (online)Maria Maddalena MUSI, Artikel online auf Quell‘usignolo (französisch; abgerufen am 25. November 2019) (* ca. 1703 in Bergamo; † 20. Juli 1775 in Neapel)Laut Eintrag im Sterberegister der Gemeinde von Sant’Anna di Palazzo, Neapel, Lib. 19° Def., folio 71. Siehe: Judit Zsovár: Anna Maria Strada del Pò, Handel's Prima Donna: Portrait of an uncommon voice, Dissertation an der Liszt Academy of Music, Budapest, 2016, S. 7 und Fußnote 1 war eine italienische Opernsängerin (Sopran), die hauptsächlich für ihre Mitwirkung in vielen Opern und Oratorien Georg Friedrich Händels bekannt ist, darunter die Ginevra in Ariodante und die Titelpartie in Alcina.
Leben Jugend und frühe Karriere Anna Maria Stradas Herkunft, Jugend und Ausbildung sind nicht genau erforscht. Laut Jean-Benjamin de la Borde stammte sie aus Bergamo.Judit Zsovár: Anna Maria Strada del Pò, Handel's Prima Donna: Portrait of an uncommon voice, Dissertation an der Liszt Academy of Music, Budapest, 2016, S. 7 und Fußnote 1 Zsovár meint, dass Anna Maria möglicherweise eine Tochter des Bassisten Giuseppe Maria Strada gewesen sein könnte, der zwischen 1709 und 1711 in der Kapelle von Santa Maria Maggiore in Bergamo angestellt war und zwischen 1690 und 1715 in diversen Opernproduktionen in Norditalien mitwirkte.
Die Karriere der Strada lässt sich nicht ganz ohne Lücken verfolgen. 1720 wurde sie virtuosa da camera am Hofe des Gouverneurs von Mailand, Graf Girolamo (oder Hieronymus) von Colloredo-Waldsee,Judit Zsovár: Anna Maria Strada del Pò, Handel's Prima Donna: Portrait of an uncommon voice, Dissertation an der Liszt Academy of Music, Budapest, 2016, S. 8 und Fußnote 9 und trat im Spätsommer dieses Jahres am dortigen Theater in einer Oper Aquilio in Siracusa (von Giuseppe Vignati ?) auf, neben Francesco Borosini.. mini|links|hochkant=0.6|Anna Maria Strada, Karikatur von Antonio Maria Zanetti, um 1720–1725 Noch im selben Jahr sang sie in Venedig am Teatro Sant’Angelo für Antonio Vivaldi die Rolle der Rosane in der Premiere von La verità in cimento.. Vivaldi setzte sie auch 1721 in Mailand in seiner Oper La Silvia ein. Dabei sang sie neben dem Kastraten Giovan Battista Minelli und dem Tenor Annibale Pio Fabbri,. welcher später zusammen mit ihr einer von Händels Sängern in London wurde. 1722 war die Strada in Livorno und 1724 in Lucca.Winton Dean: Strada del Pò, Anna Maria, auf Grove Music Online, 2001 (englisch; Abgerufen am 25. November 2019)
Im Zeitraum von 1724 bis 1726 hatte sie dann ein Engagement am Teatro San Bartolomeo in Neapel, wo sie in einer Reihe von Opern neben dem jungen Farinelli und der Altistin Vittoria Tesi sang, darunter in Nicola Porporas Semiramide,. Leonardo Vincis Eraclea. und Astianatte,. und in Werken von Domenico Sarro. und Giovanni Porta... Ihr erster Auftritt als prima donna war 1725 in Leonardo Leos Zenobia in Palmira (ebenfalls mit Farinelli).. Während ihrer Zeit in Neapel heiratete sie Aurelio del Pò (1698–1773), der zeitweise der Manager des Theaters war. Angeblich soll sie ihn geheiratet haben, weil er ihr eine vereinbarte Gage von 2000 Dukaten nicht bezahlen konnte „und ihr als Entschädigung die Ehe anbot“.Judit Zsovár: Anna Maria Strada del Pò, Handel's Prima Donna: Portrait of an uncommon voice, …, 2016, S. 43 Es ist nicht bekannt, wo sie sich zwischen 1726 und 1729 aufhielt und was sie in diesem Zeitraum getan hat.Stand 2019
Bei Händel in England 1729–1738 Georg Friedrich Händel engagierte die Strada 1729 zusammen mit dem Altisten Antonio Bernacchi, Antonia Merighi, Francesca Bertolli und dem Tenor Annibale Pio Fabri für seine 2. Opernakademie nach London. Dort hatte Strada ihren ersten Auftritt als Adelaide in Händels Lotario. Ihr Gesang gefiel auf Anhieb, aber an ihrem Aussehen hatten die Engländer einiges auszusetzen. So schrieb die Händelverehrerin Mrs. Pendarves an ihre Schwester: „Die Strada ist die Primadonna, ihre Stimme ist ausnahmslos schön, ihr Stil perfekt, aber ihre Person sehr schlecht und sie macht schreckliche Grimassen mit dem Mund.“„La Strada is the first woman, her voice is without exception fine, her Manner to perfection, but her Person very bad and she makes frightfull mouths.“ (Brief vom 29./30. November 1729). Hier nach Judit Zsovár: Anna Maria Strada del Pò, Handel's Prima Donna: Portrait of an uncommon voice, …, 2016, S. 80 Laut Charles Burney hatte die Sängerin es tatsächlich nicht leicht mit dem kritischen und snobistischen englischen Publikum: „Stradas persönlicher Charme half ihr nicht viel dabei, Parteigänger zu gewinnen oder das Auge zu erfreuen, um den Ohrenschmaus zu vergrößern; denn sie hatte so wenig von einer Venus in ihrer Erscheinung, dass man sie gewöhnlich „das Schwein“ („the pig“) nannte“.„Stradaʼs personal charms did not assist her much in conciliating parties, or disposing the eye to augment the pleasures of the ear; for she had so little in a Venus in her appearance, that she was usually called the “Pig”.“ (Charles Burney: A General History of Music, Vol. IV, S. 342). Hier nach Judit Zsovár: Anna Maria Strada del Pò, Handel's Prima Donna: Portrait of an uncommon voice, …, 2016, S. 81
In Anbetracht ihrer musikalischen Qualitäten sah Händel gerne über solche Äußerlichkeiten hinweg und machte die Strada für die folgenden acht Jahre bis 1737 zu seiner Primadonna. Er schrieb für sie mehr Partien als selbst für ihre Vorgängerin Francesca Cuzzoni oder ihre Nachfolgerin, die Francesina. So sang die Strada in den Uraufführungen von dreizehn Opere serie, von den ersten Oratorien und anderen Werken Händels,Rollen für „Anna Maria Strada“, auf der Website der ossia editions (abgerufen am 31. Oktober 2019) und darüber hinaus in zahlreichen Wiederaufnahmen älterer Werke (u. a. als Cleopatra in Giulio Cesare) und in acht Pasticci (darunter Ormisda (1730), Arbace (1734), und Oreste 1734), die Händel zum größten Teil aus Musik der damals modernen Neapolitaner Leonardo Vinci, Porpora, Leonardo Leo und Johann Adolph Hasse zusammenstellte.Aufstellung aller Werke, in denen Strada in London sang, und genaue Besprechung der Pasticci in Judit Zsovár: Anna Maria Strada del Pò, Handel's Prima Donna: Portrait of an uncommon voice, …, 2016, S. 90–91 und S. 134–148 Bis 1733 verkörperte sie in Händels eigenen Opern die Titelrolle von Partenope (1730), die Partien der Cleofide in Poro (1731), Fulvia in Ezio, Elmira in Sosarme (1732) und Angelica in Orlando (1733). Die Titelrollen der Oratorien Esther (1732) und Deborah (1733), und die Josabeth in Athalia (1733) sang die Strada im Gegensatz zu anderen beteiligten italienischen Sängern in englischer Sprache, ohne dass man daran etwas auszusetzen hatte.Judit Zsovár: Anna Maria Strada del Pò, Handel's Prima Donna: Portrait of an uncommon voice, …, 2016, S. 90–91
Obwohl sie nie so hohe Gagen verdiente wie vor ihr die Cuzzoni und die Bordoni, oder zur gleichen Zeit Antonia Merighi,Judit Zsovár: Anna Maria Strada del Pò, Handel's Prima Donna: Portrait of an uncommon voice, …, 2016, S. 93–95 erwies sich Stradas Verbundenheit mit Händel schon früh als besonders stark: als Giovanni Bononcini, der frühere Rivale Händels, ihr 1732 anbot in einer Serenata von ihm zu singen, lehnten sie und ihr Mann das als unangemessen ab und ließen dadurch (wohl unbeabsichtigt) das ganze Projekt platzen.Judit Zsovár: Anna Maria Strada del Pò, Handel's Prima Donna: Portrait of an uncommon voice, …, 2016, S. 97–98 Und als im Jahr darauf (1733) alle anderen Sänger einschließlich Senesino Händel im Stich ließen und zur konkurrierenden Opera of the Nobility überliefen, war Anna Maria Strada die einzige, die zu ihm hielt. Zum Dank schenkte Händel ihr ein Cembalo des von ihm geschätzten Instrumentenbauers Shudi.Edward L. Kottick: A History of the Harpsichord. Indiana University Press, Bloomington (Indiana) 2003, S. 360. Spätestens von da an gehörte sie offenbar zu Händels Freunden und wurde zusammen mit ihm zu Gesellschaften eingeladen, wie beispielsweise im April 1734 bei Mrs. Pendarves, die an ihre Schwester schrieb: „Ich muss Ihnen von einer kleinen musikalischen Unterhaltung erzählen, die ich letzte Woche hatte; nie habe ich mir bei einer Gelegenheit mehr gewünscht, dass Sie und meine Mutter dabei gewesen wären. … Mr. Händel war in der besten Laune der Welt & spielte Lessons= Cembalostücke oder -suiten; Anm. d. Übers. & begleitete Strada & alle Ladies, die von 7 Uhr bis 11 sangen. … Alle waren ganz entspannt und schienen erfreut.“„I must tell you of a little entertainment of Musick I had last week, I never wish’d more heartily for you & My Mother than on that occasion. … Mr Hendel was in the best humour in the world, & played Lessons & accompanied Strada & all the Ladies that sung from seven o’th’clock till Eleven. … Every Body was easy and seem’d pleas’d.“ (Brief vom 12. April 1734 an Anne Granville). Hier nach Judit Zsovár: Anna Maria Strada del Pò, Handel's Prima Donna: Portrait of an uncommon voice, …, 2016, S. 97 & Fußnote 101.
Die Partien, mit denen Händel die Sängerin in den folgenden Jahren bedachte – und mit denen sie nun gegen die massive Konkurrenz von Cuzzoni und Farinelli ansingen musste – gehören teilweise zu den größten Perlen der Barockoper. 1734 sang sie neben dem neuen primo uomo Giovanni Carestini die Titelrolle in der extrem erfolgreichen Arianna in Creta und vor allem 1735 die Ginevra in Ariodante und die Titelpartie der Zauberin Alcina. 1736–1737 folgten Atalanta, Tusnelda in Arminio, Arianna in Giustino und die Titelrolle in Berenice; die letzten vier gemeinsam mit dem als Gizziello bekannten Soprankastraten Gioacchino Conti. Die Strada sang außerdem 1736 in der Uraufführung von Händels Alexanderfest.
Während ihrer Zeit in England entwickelte sich Anna Maria Strada von einer noch nicht sehr bekannten Sängerin zu einer Berühmtheit. Sie hatte außerdem beste Kontakte zur königlichen Familie und scheint sich besonders mit Prinzessin Anne verstanden zu haben, die selber eine Schülerin von Händel und große Musikliebhaberin war und private Konzerte bei Hofe gab. Auch nachdem die Prinzessin 1734 mit Prinz Willem von Oranien-Nassau verheiratet worden war, lud sie die Strada im Jahr 1736 nach Holland ein.Judit Zsovár: Anna Maria Strada del Pò, Handel's Prima Donna: Portrait of an uncommon voice, …, 2016, S. 95
Als es im Juni 1737 zum Zusammenbruch der beiden konkurrierenden Londoner Opernkompanien kam, musste Händel sich mit dem Rest der Adelsoper im King’s Theatre zusammentun; dabei „opferte er Stradas Engagement für die Saison 1737-38“.Judit Zsovár: Anna Maria Strada del Pò, Handel's Prima Donna: Portrait of an uncommon voice, …, 2016, S. 101–102 Doch zunächst erlitt der Komponist einen körperlich-seelischen Zusammenbruch und schuldete Strada (und anderen Sängern) einen beträchtlichen Teil ihrer Gage. Laut Burney soll ihr Mann Aurelio del Pó ihm gedroht haben, die fehlende Summe einzuklagen.Charles Burney: A General History of Music, Vol. IV, S. 426. Hier nach Judit Zsovár: Anna Maria Strada del Pò, Handel's Prima Donna: Portrait of an uncommon voice, …, 2016, S. 101 Hawkins berichtet jedoch, dass die Strada so großzügig gewesen sei, Schuldscheine zu akzeptieren, und nach anderen Quellen konnte Händel sie nach einem „Benefit“-Konzert zu seinen Gunsten, das am 28. März 1738 im Theatre at the Haymarket stattfand, auszahlen. Ein Vorschlag für eine weitere italienische Opernsaison (1738–39) mit Strada und Caffarelli an der Spitze fand zwar die Unterstützung der Sängerin, kam aber in dieser Form nicht mehr zustande, weil der Sopranist ablehnte und man nicht genügend Subskribenten gefunden hatte. So reiste die Strada im Juni 1738 aus England ab.Judit Zsovár: Anna Maria Strada del Pò, Handel's Prima Donna: Portrait of an uncommon voice, …, 2016, S. 103
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