mini|hochkant=1.2|Abteikirche von Saint-Martin (1741) Die Abtei Saint-Martin in Autun war ein unmittelbar Rom unterstehendes Benediktinerkloster, das von der fränkischen Königin Brunichild und Syagrius, Bischof von Autun, gegründet wurde. Die Abtei befand sich nordöstlich und außerhalb der Stadtmauern, rund 400 m vor der Porte Saint-André im heutigen Ortsteil Saint-Pantaléon, zwischen dem Ufer des Arroux einerseits und der Nordseite der Römerstraße nach Langres, Beaune und Besançon andererseits.

Geschichte Zur Zeit der Königin Brunichild († 613) und des Bischofs Syagrius († wohl 600) wurden in Autun die drei ersten königlichen Abteien gegründet, die Abteien Saint-Andoche und Sainte-Marie-et-Saint-Jean-le-Grand innerhalb der Stadt sowie die Abtei Saint Martin außerhalb; hinzu kam noch die Abtei Saint-Symphorien in der Nachbarschaft Saint-Martins, die aber bereits ca. 150 Jahre früher bezeugt ist und ab dem Jahr 910 dann Saint-Martin unterstand. Die Gründungen sind durch einen Brief des Papstes Gregor der Große an die drei Abteien aus dem Jahr 602 bezeugt. MGH Epistolarum, Band 2 XIII 12 und XIII 13. In diesen Abteien wurde eine große Zahl der Teilnehmer an den in Autun stattfindenden Konzilien der Jahre 670, 1065, 1077 und 1094 untergebracht.

Saint-Martin wurde an der Stelle gebaut, an der zuvor ein römischer Tempel stand, den Bischof Martin von Tours hatte zerstören lassen. Die Abtei war für etwa 300 Mönche vorgesehen, ihre Größe wird daher mit rund 12 ha angenommenRoland Niaux, Saint-Pantaléon, abbaye de Saint-Martin.

Um 589: Gründung der Abtei durch Brunichild 602: Brief Papst Gregors an die drei königlichen Abteien von Autun 613: Grausame Hinrichtung der Königin Brunichild und Bestattung in Saint-Martin um 670: Konzil von Autun auf Einladung von Leodegar votiert für die Benediktsregel statt der irischen Columbansregel in Klöstern. 731: Überfall der Sarazenen im Kampf gegen Karl Martell, Aufgabe der Abtei 859: Neugründung als Benediktinerabtei, wozu 18 Mönche aus der Abtei Saint-Savin-sur-Gartempe nach Saint-Martin abgeordnet wurden, einer Filiale Anianes, darunter auch der neue Abt Arnulf. 878–880: Zerstörung der Abtei in den Auseinandersetzungen zwischen Karl dem Kahlen und Boso von Vienne 885: Wiederaufbau der Abtei durch Karl den Kahlen 909/910: Berno von Baume, in den 880er Jahren Mönch in Saint-Martin, erster Abt von Cluny 1058: Papst Nikolaus II. unterstellt Saint-Martin unmittelbar dem Heiligen Stuhl. 1065: Konzil von Autun erreicht unter Hugo, Abt von Cluny, die Versöhnung von Robert I., Herzog von Burgund, mit Hagano, Bischof von Autun. 1077: Konzil von Autun setzt Manasses, Erzbischof von Reims, wegen Simonie und Usurpation des Amtes ab. 1094: Konzil von Autun mit Exkommunikation von König Philipp I. wegen Verstoßung seiner Gattin Bertha und Bigamie mit Bertrada von Montfort 1236: Beschluss zum Bau einer Mauer.Cartulaire de l’abbaye de Saint-Martin d’Autun, Charta Nr. 50 1369: Autun und die Umgebung werden durch englische Truppen niedergebrannt 1570: Teilzerstörung der Abtei durch den Hugenotten Gaspard II. de Coligny; wenig später Schleifen der Befestigungsanlagen 1635: Übernahme durch die Mauriner 1740–1742: Neubau der Abtei 1793: Verkauf in der Französischen Revolution als Nationaleigentum; Abtei wird als Waffenfabrik genutzt. 1976/77: Restauration durch die Stadt Autun

Architektur Die Abtei ist nahezu vollständig verschwunden; einige Reste der Nebengebäude sind restauriert. Die mittelalterliche Bausubstanz ging bereits im Zuge des Neubaus in den Jahren 1740–1742 verloren; stattdessen entstand eine klar gegliederte barock-klassizistische Kirche mit zwei Türmen, die während und nach der Französischen Revolution verschwand.

Einige Äbte Medericus (Saint Merri), um 680–700 Abt von Saint-MartinLes Petits Bollandistes: „La Vie des Saints“ Band X Guillaume de Vienne († 1407), Abt von Saint-Martin, 1379 Bischof von Autun, 1387 Bischof von Beauvais, 1389 Erzbischof von Rouen Jean Rolin, 1436 Bischof von Autun, 1442 Kommendatarabt, 1448 Kardinal Tristan de Salazar († 1518), 1475 Erzbischof von Sens, ca. 1480 Kommendatarabt Edme Mongin († 1746), 1707 Mitglied der Académie française (Fauteuil 26), 1708 Kommendatarabt, 1724 Bischof von Bazas

Literatur Jacques Gabriel Bulliot: Essai historique sur l’abbaye de Saint-Martin d’Autun. Autun 1849.

Anmerkungen

Kategorie:Kloster (6. Jahrhundert) Kategorie:Ehemaliges Benediktinerkloster in Frankreich Kategorie:Kloster in Bourgogne-Franche-Comté Kategorie:Autun