mini|Die Lage von Ad Novas am pannonischen Limes. Das Kastell Ad Novas war ein römisches Militärlager, dessen Besatzung für Sicherungs- und Überwachungsaufgaben am Limes Pannonicus zuständig war. Der Strom bildete in weiten Abschnitten die römische Reichsgrenze. Das Kastell stand vermutlich nahe der Donau auf einem vor Hochwasser sicheren Plateau über der kroatischen Ortschaft Zmajevac (Vörösmart) in der Gespanschaft Osijek-Baranja. Auch aufgrund des reichen Fundmaterials lässt sich Zmajevac als militärisch geprägter Standort ansprechen.

Lage Älteste Siedlungsspuren gehen bis auf die Bronzezeit zurück.István Bóna: Die mittlere Bronzezeit Ungarns und ihre südöstlichen Beziehungen. Akadémiai Kiadó, Budapest 1975, ISBN 963-05-0250-X, S. 215 ff. Eine öfters in der einschlägigen Literatur erwähnte Gefäßflöte aus Ton, die heute im Naturhistorischen Museums in Wien aufbewahrt wird, stammt aus der Zeit um 1400 v. Chr. Aber bereits in der ausgehenden Latènezeit, noch vor der Okkupation des Landstriches durch die Römer, lassen sich in den spätkeltischen Kriegergräbern von Zmajevac Gefäße römischer Machart feststellen, die wohl hierher verhandelt worden waren.Zenon Woźniak: Kontakte längs der Bernsteinstraße. Muzeum Archeologiczne w Krakowie, Krakau 1996, ISBN 83-8695708-5, S. 26. Zmajevac liegt am Westrand eines alten Donauarms. Der Fluss hat sein Bett im Laufe der Jahrhunderte weiter nach Osten verlagert. Während der Vor- und Frühgeschichte war die ausladende Flussniederung der Donau von Auwäldern geprägt. In der Neuzeit wurde in der Aue südöstlich des Ortes mit der Entwässerung begonnen. Bereits innerorts von Zmajevac hebt sich nordwestlich eine mächtige Geländefalte mit einem großflächigen Plateau, das von Südwesten kommend nach Nordosten bis zum Kastell Ad Militare verläuft und dabei immer schmäler zusammenläuft. Diese Erhebung ist ein letzter Ausläufer der Banska kosa, einer Hügelkette, die von den Römern Aureus Mons (Goldener Berg) genannt wurde. Auf diesem Plateau über dem heutigen Dorf ist das Kastell in leicht nach Südosten abfallender Lage gegründet worden. Im Ortsbereich von Zmajevac haben sich mit dem wenig nördlich der Fortifikation liegenden Kender- und dem etwas weiter entfernten südlichen Vadtal (Divlja dolina) zwei fast parallel in südöstliche Richtung verlaufende, deutliche Geländeeinschnitte in die Hochebene eingegraben.

Forschungsgeschichte 1897 wurde festgestellt, dass auf dem Plateau nördlich über dem Dorfkern in der Flur Várhegy (deutsch: Burghügel) eine rechteckige und nach Flóris Rómer (1815–1889) 250 × 120 SchritteAndreas Graf: Übersicht der antiken Geographie von Pannonien. Ungarisches Nationalmuseum, Budapest 1936, S. 112 (Dissertationes Pannonicae I 5). (rund 187,5 × 90 Meter) große römische Befestigung des 2. Jahrhunderts n. Chr. gelegen hat, unter der sich prähistorische Siedlungsschichten – insgesamt fünf Meter stark – befinden. Heute lassen sich hier nur noch wenige Spuren der römischen Befestigung nachweisen. So deuten zahlreiche Keramikscherben und Bauschutt an der Oberfläche des landwirtschaftlich genutzten Geländes auf die Anlage hin.Slavica Filipović: Kasnoantička nekropola u Zmajevcu. (Ausstellungskatalog) Muzej Slavonije Osijek, 2010, ISBN 978-953-6191-46-8, S. 13. Im Kriegsjahr 1943 sondierten Mitarbeiter des Museums von Pécs (Fünfkirchen) nahe dieser archäologischen Zone eine römische Nekropole des 3. Jahrhunderts n. Chr. und legten auf dem Popovo-Hügel Gebäudereste frei. Im Januar 1998 kam ein weiteres Gräberfeld zu Tage, als nördlich über dem Kastellareal ein in den Lösshang gegrabener Weinkeller aufgrund starker Regenfälle einstürzte.Gräberfeld bei . Wie die im Herbst 1999 begonnenen und bis 2008 andauernden systematischen Grabungen unter der Leitung der Archäologin Slavica Filipović vom Slawonischen Museum in Osijek (Esseg) zeigten, waren diese Grablegen während der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts n. Chr. entstanden.Mario Šlaus: 3.3. The Zmajevac skeletal series. In: The bioarchaeology of continental Croatia. An analysis of human skeletal remains from the prehistoric to post-medieval periods. Archaeopress, Oxford 2002, ISBN 1-84171-402-X, S. 29. Die vielfach hochwertigen Funde aus dem Friedhof wurden 2010 erstmals in einer Ausstellung des Slawonischen Museums Esseg der Öffentlichkeit vorgestellt und waren 2011 während einer landesweiten Wanderausstellung im Archäologischen Museum Split – toter Link seit 19. September 2012 im Stadtmuseum von Šibenik und anschließend im Archäologischen Museum Zagreb. zu sehen. Sie sind die bis zu diesem Zeitpunkt reichhaltigsten und vollständigsten dieser Epoche, die der kroatischen Wissenschaft bisher vorlagen. Im April 2012 erhält Filipović für ihre Leistungen während der Grabungen in Zmajevac den Josip-Brunšmid-Preis der Kroatischen Archäologischen Gesellschaft.Savica Filipović erhält den Josip-Brunšmid-Preis. 2009 fand auf den Fluren von Zmajevac sowie den westlich angrenzenden Dörfern Suza und Kotlina eine großflächige Feldbegehung statt, bei der unter anderem auch römisches Fundgut zu Tage trat.Zvonko Bojčić, Marko Dizdar, Tomislav Hršak, Igor Vukmanić, Domagoj Dujmić, Tino Leleković: Terenski pregled područja između Batine i Suze. In: Annales Instituti Archaeologici. VI/1, Ožujak 2011, S. 80–87.

Baugeschichte Die archäologischen Fakten aus den ersten drei Jahrhunderten der römischen Herrschaft sind sowohl für das Kastell als auch für den Vicus, das dazugehörige zivile Lagerdorf, sehr spärlich. Der älteste datierbare Fund war bis 2010 eine Münze aus der Regierungszeit des Kaisers Claudius (41–54). Die Bedeutung von Ad Novas scheint erst in der Spätantike eine neue Qualität bekommen zu haben.Slavica Filipović: Kasnoantička nekropola u Zmajevcu. (Ausstellungskatalog) Muzej Slavonije Osijek, 2010, ISBN 978-953-6191-46-8, S. 15.

Besonders die Erwähnung in der Notitia dignitatum, einem spätantiken Staatshandbuch aus der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts, unterstreicht die damalige Bedeutung von Ad Novas.Zsolt Visy: Der pannonische Limes in Ungarn. Theiss, Stuttgart 1988, ISBN 3-8062-0488-8, S. 126. Doch auch das Itinerarium Antonini, ein römisches Reichsstraßenverzeichnis aus dem 3. Jahrhundert n. Chr., nennt ad Novas et Aureo monte.Itinerarium Antonini 243,6.

Truppe 2001 legte der Archäologe und Epigraphiker Barnabás Lőrincz (1951–2012) seine umfassende Lokalisierung der Hilfstruppen für das Pannonien der Prinzipatszeit vor. Ergänzt wird diese Darstellung unter anderem durch die in der Notitia dignitatum genannten Einheiten. Der Archäologe Zsolt Visy ging entgegen anderen Forschermeinungen davon aus, dass in Ad Novas wahrscheinlich keine Auxiliartruppe zu suchen ist, aber dennoch von einer militärischen Nutzung des Ortes auszugehen ist.

Zeitstellung Truppenname Bemerkung 2. Jahrhundert n. Chr.Cohors I Montanorum ?Der Archäologe Jenő Fitz (1921–2011) ging wie andere Forscher davon aus, dass die im 2. Jahrhundert n. Chr. auch für das Kastell Cornacum gemutmaßte Cohors I Montanorum (1. Kohorte der Bergbewohner)Barnabás Lőrincz: Die römischen Hilfstruppen in Pannonien während der Prinzipatszeit. Band 1: Die Inschriften (= Wiener archäologische Studien 3). Forschungsgesellschaft Wiener Stadtarchäologie, Wien 2001, ISBN 3-902086-02-5, S. 90. in Ad Novas gelegen hat und am Ende des 2. Jahrhunderts von dort aus in eine neue Garnison kam.Jenő Fitz: Die Militärdiplome aus Pannonia Inferior in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts. In: Acta Antiqua Academiae Scientiarum Hungaricae. 7, Budapest 1959, S. 421–442; hier: S. 430.Miroslava Mirković: Military diplomas from Viminacium and the settlement of auxiliary veterans: city or countryside? In: Géza Alföldy, Brian Dobson, Werner Eck (Hrsg.): Kaiser, Heer und Gesellschaft in der römischen Kaiserzeit. Gedenkschrift für Eric Birley (= Heidelberger althistorische Beiträge und epigraphische Studien 31). Steiner, Stuttgart 2000, ISBN 3-515-07654-9, S. 365–375, hier S. 368. Für das 3. Jahrhundert mutmaßte Lőrincz die Bergbewohner im Donaukastell Őcsény-Szigetpuszta.Barnabás Lőrincz: Die römischen Hilfstruppen in Pannonien während der Prinzipatszeit. Band 1: Die Inschriften (= Wiener archäologische Studien 3). Forschungsgesellschaft Wiener Stadtarchäologie, Wien 2001, ISBN 3-902086-02-5, S. 104. 3. Jahrhundert n. Chr.Cohors III Alpinorum (Alpina) equitata ?Die Truppe lag ab dem 1. Jahrhundert n. Chr. in Dalmatien,Jan Beneš: Auxilia Romana in Moesia atque in Dacia. Zu den Fragen des römischen Verteidigungssystems im Unteren Donauraum und in den angrenzenden Gebieten. Academia, Prag 1978, S. 15. wofür es zahlreiche Belege in Form von Inschriften und einem Militärdiplom gibt.Werner Eck: Eine Konstitution für die Truppen der Provinz Dalmatien unter Nerva. In: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik, 163, Bonn 2007, S. 233ff.; hier: S. 235.() Ein 1999 im dalmatinischen Tilurium geborgener Ziegelstempel dieser Einheit – wahrscheinlich aus dem 2. Jahrhundert – könnte auf einen damals von der 3. teilberittenen Kohorte der Alpenbewohner bewohnten Standort hinweisen.René Ployer: Ziegelstempel römischer Militäreinheiten in der Provinz Dalmatien. In: Limes XX. Estudios sobre la frontera romana. Consejo Superior de Investigaciones Cientificas, Madrid 2009, ISBN 978-84-00-08854-5, S. 1447–1459; hier: S. 1454. Die Truppe hat nach Meinung des Althistorikers Géza Alföldy (1935–2011) zu dieser Zeit in Tilurium möglicherweise eine Vexillation gestellt, lag aber mit der Hauptmacht in Andetrium.Géza Alföldy: Die Auxiliartruppen der Provinz Dalmatien. In: Géza Alföldy: Römische Heeresgeschichte. Beiträge 1962–1985. Brill, Amsterdam 1987, ISBN 90-70265-48-6, S. 239–297; hier: S. 246. Von dort ist auch die Grabinschrift eines Angehörigen dieser Truppe bekannt.. Laut Alföldy wurde die Truppe bereits im späten 2. Jahrhundert nach Pannonien versetzt, als der ostpannonische Limes während der Regierungszeit des Kaisers Commodus (180–192) neu organisiert wurde. Aus dieser Zeit sollen die in Ban (Baranyabán) und Bilje (Bellye) entdeckten Ziegelstempel der Kohorte stammen..Géza Alföldy: Die Auxiliartruppen der Provinz Dalmatien. In: Géza Alföldy: Römische Heeresgeschichte. Beiträge 1962–1985. Brill, Amsterdam 1987, ISBN 90-70265-48-6, S. 239–297; hier: S. 247. Allerspätestens im 3. Jahrhundert n. Chr. ist die Kohorte endgültig für Pannonien belegt. In der Folge könnte die Kohorte der Alpenbewohner daher die Cohors I Montanorum in Ad Novas abgelöst haben, während sie Lőrincz für diese Zeit im pannonischen Binnenkastell Lébény-Barátföldpuszta (Quadrata) sieht. Dort wurden während der Freilegung ihre Ziegelstempel entdeckt und der Umbauphase in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts zugeschrieben.Dénes Gabler: Vorbericht über die Freilegung des römischen Militärlagers von Barátföldpuszta im Jahre 1964/65. In: Arrabona. 8, 1966, S. 98. Gegen Ende des 3. Jahrhunderts ist Sisak (Siscia) ihr nächster Standort gewesen.Barnabás Lőrincz: Die römischen Hilfstruppen in Pannonien während der Prinzipatszeit. Band 1: Die Inschriften (= Wiener archäologische Studien 3). Forschungsgesellschaft Wiener Stadtarchäologie, Wien 2001, ISBN 3-902086-02-5, S. 51. 4./5. Jahrhundert n. Chr. Equites Dalmatae Novas, Auxilia Novensia Wie die Notitia dignitatum erwähnt, befanden sich in der Spätantike hintereinander die „Neuen dalmatinischen Reiter“Notitia dignitatum occ. XXXII 9: Novas; occ. XXXII 28: Equites Dalmatae, Novas. und die Hilfstruppeneinheit Auxilia NovensiaNotitia dignitatum occ. XXXII 40: Auxilia Novensia, Arsaciana (Antiana?) sive Novas. in Ad Novas.

Vicus