mini|hochkant=1.5|Landschaftsbild im Drömling mini|250px|Lage des Naturparks in Deutschland

Der Drömling ist ein etwa 340 km² großes, wenig besiedeltes Niederungsgebiet an der Grenze zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Der größere sachsen-anhaltische Teil im Osten war ab 1990 ein Naturpark und ist seit 2019 ein nationales sowie seit 2023 ein UNESCO-Biosphärenreservat. Das frühere Sumpfgebiet wurde im 18. Jahrhundert auf Weisung Friedrichs des Großen durch Entwässerung von einer Natur- in eine Kulturlandschaft umgewandelt. Heute ist die Niederung mit dem Mittellandkanal und den Flüssen Aller sowie Ohre Rückzugsgebiet für seltene oder vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Sie besteht größtenteils aus Natur- und Landschaftsschutzgebieten. Nahegelegene Städte sind Klötze, Oebisfelde-Weferlingen, Gardelegen und Wolfsburg.

Lage Der Drömling liegt in einer flachen Senke in den Ausmaßen von etwa 15 mal 20 Kilometern, die von der 60-Meter-Höhenlinie umschlossen wird. Er ist ein erweitertes Teilstück des Breslau-Magdeburg-Bremer Urstromtals. Grob beschrieben dehnt sich das Niederungsgebiet von Wolfsburg im Westen bis Calvörde im Osten und von Klötze im Norden bis Oebisfelde-Weferlingen im Süden aus. Im Westen grenzt der Geestrücken des Vorsfelder Werders an den Drömling.

Der Drömling erstreckt sich über die folgenden Gebietskörperschaften, hier nach abnehmendem Anteil am Drömling geordnet: Altmarkkreis Salzwedel, Landkreis Börde, Landkreis Gifhorn, Stadt Wolfsburg und Landkreis Helmstedt.

Entstehung Die Niederung entstand in der vorletzten Eiszeit, der Saaleeiszeit, vor rund 140.000 Jahren. Die Schmelzwässer des Urstromtales verfüllten die großflächige Senke des Drömlings zunächst mit bis zu 20 Meter mächtigen Sanden. Über die Entwicklung des Drömlings während der letzten Eiszeit, der Weichseleiszeit, ist wenig bekannt. Das Gebiet hatte damals den Charakter einer Tundra.

Am Ende der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren setzte die endgültige Bewaldung des Gebietes ein. Da auf Grund der Lage im Urstromtal das Gefälle von Aller und Ohre sehr gering ist, kam es zur Vernässung der Böden und zum Aufwachsen eines Niedermoores mit ausgedehnten Erlenbruchwäldern. Die Versumpfung schritt weiter fort, weil der Drömling ein natürliches Speicherbecken für die Hochwasser von Aller und Ohre war.

Beschreibung mini|Drömlingswiesen mit typischen Pappelreihen im NSG Wendschotter und Vorsfelder Drömling mit Kötherwiesen in Wolfsburg-Vorsfelde mini|Ehemalige Unterkunft der DDR-Grenztruppen im Drömling in Oebisfelde-Weferlingen, Ortsteil Buchhorst mini|links|Winterlicher Drömling Der Drömling ist eine in Deutschland einzigartige Niedermoorlandschaft. Neben dem rund 15 Kilometer westlich gelegenen Barnbruch ist er das ökologisch wertvollste Gebiet der oberen Aller-Niederung. Er gehört mit rund 280 Quadratkilometern größtenteils zu Sachsen-Anhalt und mit etwa 60 Quadratkilometern zum kleineren Teil zu Niedersachsen. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges war das Niederungsgebiet durch die innerdeutsche Grenze geteilt. Im kleineren westlichen Teil des Drömlings erhielt sich der biologisch wertvollere Teil des Feuchtgebietes. Hier wurden frühzeitig Naturschutzgebiete mit Betretungsverbotszonen und weitläufige Landschaftsschutzgebiete eingerichtet. Bis zur deutschen Wiedervereinigung 1990 unterlag der größere Ostteil des Drömlings in der damaligen DDR einer intensiven Nutzung durch Land- und Weidewirtschaft. Im Verlauf der Wende kam es dann auch dort zu einer Ausweisung von Naturschutzgebieten, teilweise sogar Totalreservaten.

Das heutige Landschaftsbild entstand erst durch die Entwässerungs- und Kultivierungsmaßnahmen im 18. Jahrhundert. Es ist von ausgedehnten Grünlandflächen und Horstwäldern sowie von einem engmaschigen Grabensystem geprägt, das vielfach mit Büschen oder Gehölzen bewachsen ist. Wegen der insgesamt 1.725 Kilometer langen Wasserläufe wird das Gebiet auch Land der tausend Gräben genannt. Typisch sind die langen Pappelreihen auf den Dämmen entlang der Entwässerungsgräben. Der ursprüngliche Bruchwald ist besonders im sachsen-anhaltischen Teil durch Äcker, Forsten und Wiesen verdrängt worden.

Im Drömling verläuft die Elbe-Weser-Wasserscheide. Die durch die Niederung fließende und in die Elbe mündende Ohre entwässert nach Osten, die Aller berührt die Niederung und entwässert zur Weser hin. Das Feuchtgebiet stellt auch eine Klimagrenze zwischen maritimem und kontinentalem Einfluss dar. Das unter Naturschutz stehende Kleine und Große Giebelmoor beim Forsthaus Giebel (Samtgemeinde Brome in Niedersachsen) ist bekannt für ein Naturwaldreservat mit Erlen- und Birkenbruchwald.

Natur mini|hochkant=1.8|Typisches Landschaftsbild Im Drömling mit seinen feuchten Wiesen und zahlreichen Wasserflächen haben viele vom Aussterben bedrohte Pflanzen- und Tierarten ihr letztes Rückzugsgebiet. Gefahr droht ihnen aber bei Absinken des Grundwasserspiegels, denn das vorhandene Wasser wird teilweise durch die Vorflutgräben des weit verzweigten Entwässerungssystems abgeleitet. Im Frühjahr sind regelmäßig große Bereiche überflutet, die aber bis zum Sommer trockenfallen. Die Anhebung des Wasserspiegels durch veränderte Wehre in den letzten Jahren hat die Lage für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten verbessert.

Im Bereich des Drömlings haben etliche Pflanzen- und Tierarten die Grenze ihres natürlichen Verbreitungsgebietes. Hier finden sich kontinentale, atlantische, nördliche und südliche Arten.

Flora Im Drömling findet man die bedeutendsten subatlantischen Florenelemente der neuen Bundesländer. Typische Vertreter, besonders im Naturschutzgebiet Jeggauer Moor, sind der Pillenfarn (Pilularia globulifera) und die Flutende Teichsimse (Eleogiton fluitans), die zur Grabenvegetation gehören. Ein weiterer charakteristischer Vertreter dieses Florenelements ist die Gelbe Wiesenraute (Thalictrum flavum). Im Giebelmoor liegt die westliche Grenze des Sumpfporstes. Zugleich ist das Gebiet Übergangszone zu zentraleuropäischen Florenelementen. So findet man im südlichen Drömling überwiegend Hochstaudenfluren, zum Beispiel mit der Glänzenden Wiesenraute (Thalictrum lucidum), die man sonst nicht zusammen mit der Gelben Wiesenraute findet. Die Stechpalme findet im Drömling ihre östliche Grenze.

Rund 450 Farn- und Blütenpflanzenarten findet man im Drömling, von denen 74 auf der Roten Liste stehen.

Fauna mini|Storchennest in freier Landschaft im Drömling mini|Kraniche bei Kahnstieg im Herbstnebel Auch die Tierwelt des Drömlings ist artenreich. Es gibt über 40 Säugetierarten, darunter 21 Arten, die auf der Roten Liste stehen. Zu ihnen gehört der Fischotter. Biber waren seit Beginn des 20. Jahrhunderts nur noch sporadisch gesichtet worden, siedeln sich aber seit 1994 zunehmend im Drömling an. 2003 wurden 25 besetzte Reviere gezählt. Weitere Arten sind Reh, Wildschwein, Rotfuchs, Dachs und kleinere Säugetierarten.

Die Vogelwelt ist besonders arten- und individuenreich. Auffälligster Großvogel ist der Kranich, von denen viele auf dem Durchzug im Drömling rasten, es aber auch einige Brutpaare gibt. Der Weißstorch hat etwa 30 Brutpaare im Drömling, so dass hier die größte Population westlich der Elbe in den neuen Bundesländern vorliegt. Außerdem brüten der Schwarzstorch und in zwei großen Kolonien Graureiher im Drömling. Auch gibt es mehrere Greifvogelarten mit hoher Individuenzahl, darunter den seltenen Rotmilan. Enten, Zwergtaucher und Höckerschwäne findet man auf und in der Nähe von Wasserflächen im Drömling. Der Große Brachvogel hat hier mit rund 30 Brutpaaren seine größte Population in Sachsen-Anhalt. Unter den zahlreichen Singvogelarten sind Pirol, Nachtigall und Kolkrabe hervorzuheben. Wacholderdrosseln und die gelegentlich brütenden Rotdrosseln leben normalerweise in borealen Wäldern. Der Neuntöter hat hier für Niedersachsen seine höchste Siedlungsdichte.

Auch Reptilien, Amphibien und Fische findet man im Drömling. Auf der Roten Liste stehen die Kreuzkröte, der Europäische Laubfrosch und die Ringelnatter. Im Drömling kommen vor allem Fischarten mit mäßigen Ansprüchen an die Gewässerqualität vor, da das Wasser in den Gräben meist wenig Sauerstoff enthält. Von 25 nachgewiesenen Fischarten stehen 10 auf der Roten Liste. Wegen der Wehre sind Fließgewässerfischarten selten.

Insekten kommen ebenfalls in großer Vielfalt vor. Hier fallen besonders zahlreiche Libellenarten auf, aber auch Heuschrecken, Wasserkäfer und andere Käfer sowie Tag- und Nachtfalter.

Natur- und Landschaftsschutz mini|Karte des ehemaligen NSG Nördlicher Drömling (grün)

Sachsen-Anhalt mini|Logo

Der sachsen-anhaltische, östliche Teil des Drömlings wurde 1990 auf 278 km² als Naturpark ausgewiesen. Mit der Erweiterung der bestehenden Naturschutzgebiete (NSG) zum NSG Ohre-Drömling am 30. Juni 2005 entstand ein 103 km² großes Naturschutzgebiet, das vollständig im Naturpark enthalten ist. Es gliedert sich in folgende Zonen: Kernzone, 840 Hektar Nässezone, 2.960 Hektar Erhaltungszone, 4.630 Hektar Verbindungszone, 1.910 Hektarnaturpark-droemling.de abgerufen am 14. August 2008

In der Kernzone soll langfristig Erlenbruchwald wachsen. Sie besteht aus vier Gebieten, darunter den Totalreservaten Breitenroder-Oebisfelder Drömling und Böckwitz-Jahrstedter Drömling. Das Gebiet Jeggauer Moor bei Trippigleben ist räumlich vom übrigen Naturschutzgebiet getrennt.

2008 stellte das Bundesumweltministerium zum Erhalt der Niedermoorlandschaft im sachsen-anhaltischen Drömling 2,5 Millionen Euro bereit.

Am 29. Juni 2019 wurde der Naturpark zum Biosphärenreservat Drömling Sachsen-Anhalt – nach Landesrecht – hochgestuft. Zu ihm gehört das Naturschutzgebiet Klüdener Pax-Wanneweh im Südosten des Gebiets. Die Fläche des Biosphärenreservats beträgt 340,7 km². (PDF), abgerufen am 4. September 2019

Das Gebiet des Biosphärenreservats, das nicht zu den beiden NSG gehört, ist als Landschaftsschutzgebiet Drömling ausgewiesen. Es weist eine Fläche von 19.180 ha auf.Beschreibung des LSG Drömling in Sachsen-Anhalt im Amtsblatt Mai 2016 (PDF), abgerufen am 7. April 2018

Niedersachsen Im niedersächsischen Teil des Drömling bestehen folgende Naturschutzgebiete (von Nord nach Süd): Kaiserwinkel, 407 Hektar Schulenburgscher Drömling, 519 Hektar Giebelmoor, 670 Hektar (auch Kleines und Großes Giebelmoor) Nördlicher Drömling, 1113 Hektar Politz und Hegholz, 484 Hektar Wendschotter und Vorsfelder Drömling mit Kötherwiesen, 722 Hektar Südlicher Drömling, 602 Hektar

Das niedersächsische Landschaftsschutzgebiet Drömling wurde 1966 eingerichtet. Es erstreckte sich bis zur Einrichtung von Naturschutzgebieten auf seinem Areal von Grafhorst über Rühen und Giebel nach Parsau (PDF) helmstedt.de; abgerufen am 8. April 2018 und liegt mit 32,8 Hektar auf dem Gebiet der Stadt Wolfsburg.LSG WOB 00011, abgerufen am 5. Dezember 2015 Ferner bestehen in Niedersachsen die LSG Kaiserwinkel und Lütjes Moor.Liste der NSG und LSG in Niedersachsen. (PDF) verwaltungsvorschriften-im-internet.de; abgerufen am 22. September 2014

Länderübergreifende Planungen Die Einrichtung eines länderübergreifenden UNESCO-Biosphärenreservats Drömling war seit dem Jahr 2014 in Planung. Erste Entwürfe wurden 2016 vorgestellt; der Antrag an die UNESCO wurde 2022 eingereicht. Im Juni 2019 wurde bekanntgegeben, dass der sachsen-anhaltische Teil, der dem Naturpark Drömling entspricht, den Status als Biosphärenreservat gemäß Landesrecht erhalten hat. Die Anerkennung des Drömlings als UNESCO-Biosphärenreservat erfolgte am 14. Juni 2023.

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