mini|Historische Ansicht vom Ende des 19. Jahrhunderts

Die ursprünglich romanische Dorfkirche in Zittow ist ein denkmalgeschütztes Kirchengebäude in Zittow, einem Ortsteil der Gemeinde Leezen im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern. Das Bauwerk gehört zur Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Zittow-Retgendorf in der Propstei Wismar im Kirchenkreis Mecklenburg der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland.Zugehörigkeit der Gemeinde

Geschichte mini|hochkant|Helmuth von Plessen, Förderer der Kirche Das Kirchspiel Zittow (Zuttecowe, Zittekowe) wurde von 1211 bis 1220 im Rahmen der Besiedlung des Gebietes östlich des Schweriner Sees durch deutsche Einwanderer gegründet. 1251 hatte das Schweriner Domkapitel bedeutende Besitzrechte mit acht Hufen am Dorf Zittow und dessen See, den zwei dem Dom verpflichtete Fischer in seiner ganzen Ausdehnung befischten.MUB II. (1864) Nr. 672. 1286 wurde Domherr Simon als Pleban von Zittow genannt.MUB III. (1865) Nr. 1860. Das Patronat der Kirche aber schenkte Gunzelin III., Graf von Schwerin, dem Domkapitel im fernen Riga.

Streit über Privilegien, Rechte und über das Patronat der Kirche gab es 1326 zwischen dem Grafen Nicolaus von Schwerin auf der einen und dem Bischof, Propst, Dekan und dem Kapitel auf der anderen Schweriner Seite. Die Zittower Verhältnisse konnten nach Jahren beigelegt werden.MUB VII. (1872) Nr. 4790 Der Erzbischof mit dem Domkapitel von Riga überließen erst 1520 das Patronat von Zittow dem Antoniterkloster Tempzin.MJB 14 (1849) Urkunden zur Geschichte des Erzbistums Riga.Nr. LXIII. 1587 hatte dann Herzog Christoph zu Gadebusch, Administrator des Stifts Ratzeburg das Patronat. Später sind die jeweiligen Gutsherren vom Nachbarort Cambs die Patronatsherren. Nach den von Lützow und von Stralendorff folgten die von Pentz und von Raben auf Raben Steinfeld. 1632 erwarb der Hof- und Kanzleirat bei Wallenstein, Henning von Halberstadt auf Cambs das Patronat, das 1650 an Oberst Helmuth von Plessen auf Cambs überging.Wolf Lüdeke von Weltzien: Die von Halberstadt 1266 bis 1788. 1989, S. 111, 113. Ab 1818 hatte die Familie Johann Peter Heinrich Diestel neben Cambs auch das Kirchenpatronat von Zittow. Bis 1889 besaßen die Familie Diestel elf Güter in der nähern Umgebung.

Cambs, Rampe, Brahlstorf, Leezen und Langen Brütz gehörten im Mittelalter sämtlich zum Kirchspiel Zittow.

Baugeschichte Mit dem Kirchenbau wurde Mitte des 13. Jahrhunderts begonnen. Der Chor war schon 1261 unter Dach, doch das Langhaus war erst hundert Jahre später nutzbar.Tilo Schöfbeck: Dendrodaten aus Kirchen zwischen Trave und Peene. 2014, S. 364. Der hölzerne Vorgängerturm wurde während des Schwedisch-brandenburgischen Krieges im Jahre 1675 durch schwedische Truppen stark beschädigt. Erst 1698 wurde mit dem bestehenden quadratischen Westturm aus Backsteinen begonnen.

In der Nacht vom 28. zum 29. August 1810 schlug der Blitz in den Kirchturm ein und das Feuer vernichtete die Turmspitze, die Turmuhr, Teile des Glochenstühls, die Orgel und die Orgelempore. Auch die beiden Glocken waren zerschmolzen. Erst 1819 wurde der Turm durch Wariner Maurer und Zimmerleute, nun etwas niedriger, wieder aufgebaut und mit der alten Wetterfahne von 1699 bestückt. In der im Turmknopf eingelassenen Urkunde schreibt der damalige Pastor Hoeffler: Freylich ist der Turm nicht so schön wie er war, allein der Herr Patronus und ich waren der Meynung, dass es besser sey, Glocken, Uhr und Orgel wieder herzustellen, als alles Geld in die Luft zu baueun.Kirchgemeinde Zittow: Information Kirchenführer.

Bei den umfassenden Sicherungsmaßnahmen sowie Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten seit 1990 an den Fassaden, dem Dach mit dem Dachstuhl und dem Turm der Kirche wurden bis 2002 auch im Innern der Fußboden erneuert, die Bänke neu gestaltet und mit einer Bankheizung versehen, die Empore nach historischen Befunden restauriert und der Altarraum nach der Farbfassung von 1230 ausgemalt.

Die feierliche Einweihung der Zittower Dorfkirche fand am 23. Juni 2002 statt.

Gebäude mini|Dorfkirche in Zittow (2008) Die Dorfkirche ist ein einschiffiger Feldsteinbau mit sorgfältig behauenen Eck- und Kantensteinen. Ältester Teil ist der aus lagenhaft versetzten Feldsteinen errichtete einjochige gewölbte Rechteckchor gleicher Breite von 1261 mit der Nordsakristei. Die Seitenwände haben Zwillingsfenster mit schrägen Laibungen und in der Ostwand des Chores befindet sich eine frühgotische Dreifenstergruppe aus schmalen gestaffelten Spitzbogenfenster. Darüber steht ein schlichter Blendengiebel aus Backstein. Das gewölbte Langhaus, auch aus Feldsteinen, wurde erst 1361 fertiggestellt. Die Seitenfenster sind in jüngerer Zeit stark verändert worden, vermutlich während der Umbauten zwischen 1450 und 1460. Der damaligen Bautechnik bei Feldsteinkirchen geschuldet, wurden auch in Zittow die beiden äußeren Ostecken des Chors und die beiden Westecken des Kirchenschiffs nachträglich mit geböschten Stützpfeilern versehen.Tilo Schöfbeck: Mittelalterliche Kirchen zwischen Trave und Peene. 2014, S. 178–179. An der Nordseite entstand, ebenfalls in Feldstein, die Sakristei. Die südliche Vorhalle, die heute die schöne spitzbogige Priesterpforte mit dem für ihre Entstehungszeit typischen Kämpferband verdeckt, ist sicher spätgotischen Ursprungs, ihr Giebel ist über einen Zahnfries als horizontales Schmuckband mit einfachen Blenden gefüllt.

Beim Bau des Langhauses gab es wahrscheinlich eine Planänderung, denn sichtbar gebliebene Mauerverzahnungen lassen vermuten, dass ein breiter angelegtes Kirchenschiff geplant war. Tatsächlich ausgeführt wurde aber nur ein zweijochiger Bau in der Breite des Chores und in wesentlich schlichterem Feldsteinmauerwerk.Horst Ende: Zittow. In: Kirchen in Schwerin und Umgebung. 1989, S. 195–196. Der Chor und das Langhaus haben ein Satteldach, das 1974 mit neuen Biberschwanzdachziegeln eingedeckt wurde. Vermutlich muss das Kirchendach bis ins 19. Jahrhundert mit Mönch-und-Nonnen-Ziegeln eingedeckt gewesen sein, denn um 1890 sollen sich an mehreren Stellen noch Mönchsziegel erhalten haben.Friedrich Schlie: das Kirchdorf Zittow. 1898, S. 655.

Der mächtige aus Backsteinen bestehende quadratische Westturm wurde nach dem Verlust des hölzernen Vorgängers von 1689 bis 1699 errichtet. Das frühbarocke Westportal mit ausdrucksvoller Rustikarahmung aus Quadern und Ziegeln im Wechsel, darüber die Inschriftentafel mit Stifterwappen datiert von 1689. Es sind die Wappen der Plessen, Oertzen, und Lepel. Die später beidseitig zugesetzten Ochsenaugen sind frühbarockes Formengut.

Der Kirchturm wurde 1810 von einem Blitz getroffen und das Feuer vernichtete den Turmaufbau, der wahrscheinlich höher und in Form einer doppelten Laterne ausgebildet war. 1819 hatte man den etwas aus der Achse gerückten dreigeschossigen Turm wieder hergerichtet und mit einem flachen Pyramidenhelm bekrönt.Katja Haescher: Frühes Zeugnis des Glaubens. Die Zittower Kirche führt Besucher weit zurück in die Geschichte einer ganzen Region. JOURNAL eins, März 2021, S. 32.

Innenausstattung Im Innern der Kirche sind sowohl der Chor als auch das Langhaus gewölbt, der Chor mit einem hoch ansteigenden Kreuzrippengewölbe aus der Bauzeit der Kirche, das Schiff mit zwei Kreuzgratgewölben vom Ende des 17. Jahrhunderts. Zuvor hatte das Schiff seit seiner Errichtung wahrscheinlich eine Flachdecke, wie die Reste einer mittelalterlichen Quaderbemalung an den jetzt über den Gewölben im Dachraum sichtbaren Partien der Seitenwände erkennen lassen.Horst Ende: Zittow. In: Kirchen in Schwerin und Umgebung. 1989, S. 195. Chor und Langhaus sind durch einen spitzbogigen Triumphbogen getrennt.

Nach dem Brand von 1810 sind wesentliche Teile der Ausstattung erneuert worden. 1832 wurde auf der Westseite des Langhauses die Empore eingebaut worden. 1913 erfolgte der Einbau einer Warmluftheizung. Dazu hatte man einen Schacht durch den Altarraum verlegt und die sich darunter befindende Krypta geöffnet. Die entnommenen Wappenschilder und Beschläge der einstigen Särge wurden danach zu Beleuchtungskörpern umgearbeitet.

Während der Erneuerung des Fußbodens im Chorraum hatte man im Winter 2002 die Krypta wieder geöffnet. Sie hat die Größe des Altarraumes und ist in der Mitte geteilt. In der nördlichen Raumhälfte wurde die Familie Helmuth von Plessen beigesetzt. Dieser Raum wurde in den Jahren zwischen 1685 und 1700 ausgemalt. Unter den in guter Qualität erhaltene Wand- und Deckenbemalungen sind auch ein Auferstehungsbild, mehrere Engelsköpfe und zahlreiche Schriften.

Mittelalterliche Ausmalung mini|hochkant|Innenansicht (2008) Bei den restauratorischen Untersuchungen wurde 1986 festgestellt, dass die mittelalterlichen Bemalungen von Wänden und Gewölben in der zweiten Fassung aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts noch vollständig erhalten sind. Diese Fassung ist mit der ersten identisch und es wurden weitere Farbfassungen aus verschiedenen Jahrhunderten gefunden. Bei der 2000 bis 2002 durchgeführten Restaurierung wurden einige Schaufenster angelegt, die ursprüngliche Weihekreuze und Mariendarstellungen zeigen.

Gut erhaltene Wandmalereien des 17. Jahrhunderts konnten bei der Öffnung eine Krypta während der Fußbodenarbeiten gefunden werden.

Kanzel und Patronatsgestühl Von den Prinzipalstücken der Ausstattung stammt die Kanzel aus dem Jahre 1669. Der Kanzelkorb ist mit den gemalten Wappen der adligen Patronatsfamilien und Bibelzitaten geschmückt und an seinem Gesims finden sich daneben kleine geschnitzte Maskenköpfe.Horst Ende: Zittow. In: Kirchen in Schwerin und Umgebung. 1989, S. 196. Die sechs aufgemalten Wappen gehören zu den von Lepel, von Oertzen, von Holstein, von Halberstadt und von Plessen. Mitglieder dieser Familien sind in der Kirche beigesetzt worden.

Auch das an der Chornordseite stehende, von Oberst Helmuth von Plessen gestiftete zweigeschossige Patronatsgestühl wurde 1669 eingebaut. Dessen Brüstungen sind ebenfalls mit reichen Renaissanceornamenten sowie mit Wappenmalereien und den Initialen der Adelsfamilien bedeckt. HE. V. H, I. V. H, HE. V. E, OL. V. OR, D. I. V. E, G. E. V. L. Die Namen sind: Henning von Halberstadt auf Cambs, Herzoglich Mecklenburgischer Geheimer Rat war mit Ilsabe von Holstein, der Tochter des Amtshauptmannes Henning von Holstein auf Ankershagen. Der Oberst und Chef eines Kaiserlichen Kürassier-Regiments, Helmuth von Plessen, seit 1635 vermählt mit Oelgard von Oertzen, der Tochter des Jasper von Oertzen auf Roggow, starb im Jahre 1694. Er war im schwedischen und französischen Sold und leistete drei Kaisern, Ferdinand II., Ferdinand III. und Leopold I. gute Kriegsdienste. Ihm folgte als Besitzer von Cambs, Buchholz, Zittow und Brahlstorf, sein Sohn, der spätere Geh. Rath und Kammerpräsident Dietrich Joachim von Plessen, der seit 1697 mit Elenore Gertrud von Lepel, einer Tochter des Burchard Hartwig von Lepel auf Grambow, vermählt war. Zwischen dem Patronatsgestühl und Ostwand des Chores steht noch, aber kaum beachtet, ein mittelalterlicher Beichtstuhl. Ein weiterer Patronatsstuhl steht jetzt an der gegenüberliegenden Südwand des Chores.

Epitaph An der Südwand des Chores ließ Dietrich Joachim von Plessen 1711 ein sehr großes aus Holz geschnitztes, einst mit Wappen geschmücktes Epitaph für seine Eltern anbringen. Es handelt sich um den Oberst Helmuth von Plessen, Erbherrn auf Cambs und Buchholz, Zittow, Raben Steinfeld, Godern und Pinnow als Patron der Kirche und seine Gemahlin Oelgard von Plessen, geb. von Oertzen, die mit 76 Jahren 1711 gestorben war. 1939 wurde das Epitaph unter Mitwirkung des ehemaligen Pastors und Kirchenregierungsrat Edmund Albrecht zur Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges aus den Dörfern der Kirchgemeinde umgestaltet.