Der Angriff auf Santa Cruz de Tenerife war eine amphibische Operation im Ersten Koalitionskrieg. Die Kämpfe dauerten vom 22. bis zum 25. Juli 1797. Sie fanden an der Küste, in der Bucht vor und im Stadtgebiet von Santa Cruz de Tenerife auf der Insel Teneriffa statt. Durch das Landeunternehmen wollte das Königreich Großbritannien sich den Besitz der Kanarischen Inseln sichern und dadurch die Schiffsverbindungen zwischen Spanien und den spanischen Kolonien in Amerika und Asien stören sowie die eigenen Verbindungen dorthin sichern. Die Royal Navy musste nach verlustreichen Kämpfen kapitulieren.
Frühere Angriffe auf Santa Cruz de Tenerife durch die englische bzw. britische Flotte Der Angriff auf Santa Cruz de Tenerife im Jahr 1797 war der dritte große Angriff einer englischen bzw. britischen Flotte auf den Hafen und die Stadt. Die Ziele und die Folgen der vorhergegangenen Angriffe unterscheiden sich allerdings von denen des Angriffes im Jahr 1797.
Angriff 1657 In der Seeschlacht von Santa Cruz (1657), an der auf englischer Seite 33 Schiffe beteiligt waren, hatte die Flotte des Commonwealth of England unter dem Befehl von Admiral Robert Blake das Ziel, elf Schiffe der Spanischen Silberflotte, die vor Santa Cruz de Tenerife vor Anker lagen, zu kapern oder zu versenken. Eine Landung wurde von Seiten der Engländer nicht versucht. Diese Aktion wird von der englischen als auch von der spanischen Seite als Sieg angesehen.Cioranescu: Historia de Santa Cruz de Tenerife 1494 – 1803 S. 278.
Angriff 1706 Bei dem Angriff auf den Hafen von Santa Cruz de Tenerife im Jahr 1706 während des Spanischen Erbfolgekrieges waren auf englischer Seite 13 Schiffe beteiligt, die mit 800 Kanonen bewaffnet waren. Sie standen unter dem Befehl von Admiral John Jennings. (Er wird in der Spanischen Literatur auch häufig als Juan Genings bezeichnet.) Das Ziel der Aktion war es nicht unbedingt, Teneriffa für das Vereinigte Königreich zu erobern, sondern vielmehr die Insel zur Anerkennung des von England unterstützten österreichischen Thronanwärters, des späteren Kaisers Karl VI., zu bewegen. Die Royal Navy hatte jedoch keinen Erfolg. Die Spanier konnten einen Invasionsversuch der Royal Navy abwehren. Der Schaden auf Seiten der Spanier war im Verhältnis zu den Verlusten der Britischen Marine gering.Cioranescu: S. 284.
Vorgeschichte
Seeschlacht bei Kap St. Vincent Im Februar 1797 besiegte die Britische Mittelmeerflotte unter dem Befehl von Admiral John Jervis in der Seeschlacht bei Kap St. Vincent die spanische Flotte. Der Rest der Flotte konnte sich in den Hafen von Cádiz retten. In der Folge befahl die Admiralität eine Blockade vor der Bucht von Cádiz, um die spanische Flotte dort festzuhalten. Am 12. April 1797 unterbreitete der damalige Rear Admiral of the Blue (Konteradmiral der Britischen Mittelmeerflotte) Nelson seinem Vorgesetzten Admiral Jervis in einem Brief den Plan, den zu dieser Zeit bereits wichtigsten Hafen der Kanarischen Inseln, Santa Cruz de Tenerife, zu erobern. Zu diesem Zweck sollten außer der Marine auch 3.700 Soldaten eingesetzt werden, die bis dahin auf Elba stationiert waren.Harris: The Dispatches and Letters of Viceadmiral Lord Viscount Nelson S. 378ff. Admiral Jervis ging offenbar zunächst nicht auf den Vorschlag ein.
Kaperung der Fregatte „Príncipe Fernando“ Die Fregatte Príncipe Fernando war am 23. Oktober 1796 von der Insel Mauritius in Richtung Spanien unterwegs. Bei einem Zusammentreffen mit der amerikanischen Fregatte Washington erfuhr der Kapitän vom Kriegszustand zwischen Spanien und Großbritannien. Er entschloss sich dazu, im Hafen von Santa Cruz de Tenerife Schutz zu suchen, wo das Schiff am 23. Januar 1797 ankam und dort in der Bucht ankerte. In der Nacht vom 17. auf den 18. April 1797 näherten sich die britischen Fregatten HMS Terpsichore und HMS Dido der Bucht von Santa Cruz de Tenerife. Die Schiffe standen unter dem Kommando von Kapitän Richard Bowen. Es wurden sechs Boote zu Wasser gelassen, die mit insgesamt 80 Mann besetzt waren. Das Prisenkommando gelangte im Dunkeln unbemerkt an Bord der Príncipe Fernando und überwältigte die 17 anwesenden Besatzungsmitglieder. Die Príncipe Fernando verließ die Bucht unter Segeln und von den Booten gezogen. Durch die Gewehrschüsse, die bei dem Kampf an Bord des Schiffes fielen, waren die Mannschaften der Uferbefestigungsanlagen und eines ebenfalls in der Bucht liegenden Schiffs, der Fregatte Princesa, alarmiert worden. Das zwei Stunden andauernde Geschützfeuer der spanischen Seite hatte allerdings keine Folgen für die britische Marine.
Kaperung der französischen Korvette „La Mutine“ Die französische Korvette La Mutine war seit Anfang Mai 1797 von Brest aus auf dem Weg nach Indien. Die aus Gold, Silber, Edelsteinen und feinen Stoffen bestehende Ladung sollte als Geschenk der französischen Regierung an verschiedene indische Fürsten dazu dienen, diese bei ihrem Aufstand gegen die Briten zu unterstützen. Das Schiff war mit zwölf Kanonen und zwei Haubitzen bewaffnet und hatte eine Besatzung von 150 Mann. Am 27. Mai 1797 kreuzten die zwei Britischen Fregatten die HMS Minerve und HMS Lively vor Santa Cruz. Ein Boot mit einem Parlamentär ging an Land und machte das Angebot, spanische Gefangene, die sich an Bord der britischen Schiffe befänden, gegen britische Bürger auszutauschen, die sich auf Teneriffa befanden. Da General Antonio Gutiérrez (der vollständige Name ist Antonio Gutiérrez de Otero y Santayana), der Kommandant der spanischen Truppen auf den Kanarischen Inseln, davon ausgehen musste, dass sich an Bord der britischen Schiffe keine spanischen Gefangenen befanden, lehnte er das Angebot der Briten ab. Es schien ihm offensichtlich, dass der Parlamentär nur geschickt worden war, um die Hafenbefestigungen auszuspionieren. Die britischen Schiffe entfernten sich daraufhin aus der Sichtweite der Küste. In der Nacht vom 28. zum 29. Mai 1797, gegen 3:00 Uhr morgens, enterten Seeleute der Royal Navy von acht Ruderbooten aus das französische Schiff. Da ein Feiertag war, befand sich der größte Teil der französischen Besatzung an Land. Die durch die Schüsse an Bord des Schiffes alarmierten Truppen der Uferbefestigungen und die Besatzungen der anderen in der Bucht liegenden Schiffe beschossen La Mutine und richteten dort einigen Schaden an. Trotzdem konnten die britischen Seeleute mit dem beschädigten Schiff die Bucht verlassen. Die an Land verbliebenen französischen Matrosen spielten später bei der Verteidigung der Insel eine bedeutende Rolle.Cristellys: Cronología de los prolegómenos en la Gesta del 25 de Julio de 1797 S. 183ff.
Kampfhandlungen im Juli 1797 Am 14. Juli 1797 erhielt Nelson von Admiral Sir John Jervis, dem Oberkommandierenden der britischen Mittelmeerflotte, den Auftrag, die Stadt Santa Cruz de Tenerife durch einen plötzlichen und kräftigen Überfall in Besitz zu nehmenHarris: S. 413. und die Ladung des Schiffes El Principe d’Asturias zu beschlagnahmen. Das Schiff der Philippine Company sei auf dem Weg von Manila nach Cádiz und habe eine wertvolle Fracht an Bord, die Eigentum der Krone Spaniens sei. Ob es sich bei diesem Unternehmen um einen einfachen Akt der Piraterie handelte, also um den, einen finanziellen Gewinn der britischen Krone und einen Verlust der spanischen Krone,Cioranescu: S. 301. oder eine dauernde Besetzung der Kanarischen Inseln in der Art wie die Besetzung Gibraltars und anderer Stützpunkte geplant war, ist letztlich unbedeutend, da weder das Eine noch das Andere gelang. Obwohl es nach dem Wortlaut des ursprünglichen Befehls scheint, als sei hier nur ein weiterer Akt der Piraterie geplant, ergeben sich aus den von Admiral Jervis auf Anfragen Nelsons gegebenen Präzisierungen viele Anzeichen dafür, dass eine dauernde Besetzung der Kanarischen Inseln in der Art wie die Besetzung Gibraltars oder anderer Stützpunkte geplant war. Das Hauptziel der Aktion war es offenbar also nicht – wie bei früheren Aktionen in der Bucht von Santa Cruz de Tenerife – Schiffe und deren Ladung zu erbeuten und damit dem Gegner Schaden zuzufügen, sondern durch die Einnahme des wichtigsten Hafens die britische Herrschaft über die Kanarischen Inseln zu erlangen und dadurch die Schiffsverbindungen zwischen Spanien und den spanischen Kolonien in Amerika und Asien zu erschweren und die eigenen Verbindungen nach Asien und Amerika zu sichern.Oquillas, Benítez, Pulido: La historia del 25 de julio de 1797 a la luz de las fuentes documentales S. 77ff.
Der Flottenverband bestand aus den folgenden Schiffen: Die Linienschiffe HMS Theseus als Flaggschiff unter dem Kommando von Kapitän Ralph Willett Miller, die HMS Culloden unter dem Kommando von Kapitän Thomas Troubridge, HMS Zealous unter dem Kommando von Kapitän Samuel Hood und die Fregatten HMS Seahorse unter dem Kommando von Kapitän Thomas Fremantle, HMS Emerald unter dem Kommando von Kapitän Thomas Waller und HMS Terpsichore unter dem Kommando von Kapitän Richard Bowen sowie der Kutter Fox, unter dem Kommando von Leutnant John Gibson und der vor Cádiz gekaperten Bombarde Rayo, unter dem Kommando von Leutnant Henry Crompton. Das Linienschiff HMS Leander unter dem Kommando von Kapitän Thomas B. Thompson schloss sich, von Lissabon kommend, erst am 24. Juli dem Geschwader an.Es fällt auf, dass ein großer Teil der an der Aktion teilnehmenden Kapitäne, wenn sie nicht bereits bei dieser Aktion getötet wurden, eine Karriere als Admirale machte und meist auch geadelt wurde. Die Biografien dieser Personen, sowie genauere Beschreibungen der meisten Schiffe die an dieser Aktion teilnahmen sind in der englischsprachigen Wikipedia nachzulesen.
Erster Angriff auf die Befestigungsanlage Castillo del Paso Alto
Strategie Die Angriffsstrategie war von Nelson in enger Absprache mit seinen Kapitänen erarbeitet worden. Einer dieser Berater war Kapitän Richard Bowen, der den Piratenüberfall zur Kaperung der Fregatte Príncipe Fernando geleitet hatte. Die Planung sah vor, nachts etwas nordöstlich der Befestigungsanlage Castillo del Paso Alto (Castillo del Santo Cristo de Paso Alto) mit etwa 1.000 Leuten ungesehen an Land zu gehen und die Höhe hinter der Anlage zu besetzen. Das Castillo sollte dann von der militärisch ungeschützten Landseite her angegriffen und erobert werden. Als zweiter Schritt war vorgesehen, die Militärführung in Santa Cruz aufzufordern, sich zu ergeben. Ein Brief an den Gouverneur oder den obersten Militärbefehlshaber von Santa Cruz („To the Governor or Commanding Officer of Santa Cruz“) war von Nelson mit Datum vom 20. Juli 1797 geschrieben worden. In diesem Ultimatum wird unter anderem die Herausgabe des Schiffes „El Principe d’Asturias“ gefordert. Abgesehen davon, dass es sich hier weder um eine englische, noch um eine spanische Schreibweise handelt (richtige spanische Schreibweise: „El Príncipe de Asturias“) hat es ein Schiff mit diesem Namen nicht gegeben. Im Jahr 1797 war der spätere König Ferdinand VII Fürst von Asturien. Ein Schiff mit dem Namen „Príncipe Fernando“ hatte die britische Marine aber bereits wie oben dargelegt gekapert, es konnte also nicht mehr herausgegeben werden. Dieser Brief, der so gehalten war, dass er die Spanier einschüchtern sollte, enthielt in fünf Artikeln die Kapitulationsbedingungen, in denen offensichtlich nicht nur von einer kurzfristigen Besetzung des Hafens, der Stadt und der Insel ausgegangen wurde.Oquillas, Benitez, Pilito: S. 307ff.
Ablauf