Darżewo ( Darsow) ist ein Dorf in der polnischen Woiwodschaft Pommern. Es gehört zur Gmina Nowa Wieś Lęborska im Powiat Lęborski.

Geographische Lage Das Dorf liegt in Hinterpommern, etwa dreizehn Kilometer westsüdwestlich der Stadt Lębork und 28 Kilometer südlich der an der Ostsee gelegenen Stadt Łeba. Nördlich des Dorfes erhebt sich ein bewaldeter Hügel, Schlossberg genannt, auf dem sich ein Burgwall aus vorgeschichtlicher Zeit befindet.

Geschichte mini|Ehemaliges Herrenhaus der Familie von Stojentin in Darsow, im Vordergrund eine Tafel mit der Aufschrift v. St. 1869. Die ersten Nennungen von Darsow in pommerschen Urkunden des 14. Jahrhunderts gebrauchen Darsow als Herkunftsnamen: Im Juli 1310 beurkunden die brandenburgischen Markgrafen Waldemar und Johann V., dass sie Stolp zur Stadt erhoben und die städtische Gerichtsbarkeit dem Detbernus von Zirchow und dessen Sohn Johannes von Zirchow sowie dem Johannes von Darsow übertragen haben. 1313 wird Johannes von Darsow als Bürgermeister von Stolp genannt. Das ehemalige Rittergut Darsow war in älterer Zeit ein Lehen der Familie von Stojentin. 1453 werden in einer Urkunde ein Jereslaf Stoyentin to Darzowe und 1523 in der Musterrolle Teslaff Stoientin tho Darsow erwähnt.

1734 kam Darsow an das Adelsgeschlecht Grumbkow. Das Dorf wurde dann von Friederike von Podewils, geb. v. Grumbkow, geerbt. Um das Jahr 1784 gab es in Darsow ein Vorwerk, drei Vollbauern, zwei Halbbauern, sechs Kossäten, einen Schulmeister, auf der Feldmark das Vorwerk Drzigowa mit einem Kossäten und insgesamt zwanzig Haushaltungen.

Die auf der Feldmark gelegenen Vorwerke Schidlitz und Heide mit zusammen fünf Haushaltungen und das Vorwerk Schmelz waren ebenfalls alte Stojentinsche Lehen. Im 19. Jahrhundert hatte die Familie von Stojentin die in Schorin und in Darsow in Besitz, u. a. durch Oscar von Stojentin, der 1871 als Premierleutnant im Krieg blieb.Alexander Freiherr von Dachenhausen: Genealogisches Taschenbuch des Uradels. Band 2, Verlag Friedrich Irrgang, Brünn / Rudolstadt 1893, S. 514 f. In den 1880er Jahren verpachteten die Stojentin zu Schorin das 1801-ha-GutP. Ellerholz: Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reiche. I. Das Königreich Preussen. II. Lieferung: Pommern. 2. Auflage, Nicolaische Verlags-Buchhandlung Rudolf Stricker, Berlin 1884, S. 86 f. an einen Regierungsrat a. D. v. Voss. Letzte Eigentümer waren Robert von Stojentin und dessen Sohn Emil von Stojentin. Als Letzterer 1912 starb, erlosch mit ihm der gesamte Stojentinsche Familienzweig B.

Gut Darsow ging auf die Familie von Bonin über, an Leo Robert von Bonin (1902–1991), dessen Ehefrau Barbara von Rebeur-Paschwitz (* 1906) eine Tochter des Hubert von Rebeur-Paschwitz war.

Im Jahr 1925 standen in Darsow 44 Wohngebäude. 1939 wurden 89 Haushalte und 386 Einwohner gezählt. Zeitgleich beinhaltet das Rittergut Darsow 1313 ha, davon waren 588 ha Wald. Als Gutsverwalter für die Bonin agierte Otto Wincker.H. Seeliger (Hrsg.): Landwirtschaftliches Adressbuch der Provinz Pommern. . In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band I, 9. Auflage, Selbstverlag von Niekammer’s Adressbüchern GmbH, Leipzig 1939, S. 292.

Vor Ende des Zweiten Weltkriegs gehörte Darsow zum Landkreis Stolp im Regierungsbezirk Köslin der Provinz Pommern des Deutschen Reichs. Das Gemeindegebiet war 2110 Hektar groß. Auf dem Gemeindegebiet gab es neben dem Dorf Darsow die fünf Wohnplätze Alt Schidlitz, Forsthaus und Vorwerk Darsow, Hahnenberg, Laaske und Neu Schidlitz.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Darsow am 9. März 1945 von der Sowjetarmee besetzt und bald darauf zusammen mit ganz Hinterpommern der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Es begann danach die Zuwanderung polnischer Zivilisten. Darsow wurde unter der polonisierten Ortsbezeichnung Darżewo verwaltet. Das Gut blieb bis zum 5. November 1945 unter sowjetischer Militärverwaltung. Die deutschen Dorfbewohner wurden in der darauf folgenden Zeit von der polnischen Administration aus Darsow vertrieben; die letzten beiden Familien wurden 1958 ausgewiesen.Karl-Heinz Pagel: Der Landkreis Stolp in Pommern. Lübeck 1989, S. 440–441. (PDF) Gutsbesitzer Leo Robert von Bonin hielt sich mit Familienmitgliedern noch bis 1957 im alten Landkreis Stolp auf, in Kozy, pta Mikorowo, Powiat Słupski, und reiste dann aus.Hans Friedrich von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Jürgen von Flotow: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). 1957. Band III, Band 15 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Glücksburg/Ostsee 1957, , S. 36–37. Die Familie von Bonin-Darsow lebte dann in Hude, die Witwe Barbara von Bonin zuletzt in Celle.Christoph Franke, Moritz Graf Strachwitz, u. a.: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). 2001. Band XXVI, Band 126 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg/Lahn 2001, S. 49–103. , S. 53–55.

Später wurden in der Bundesrepublik Deutschland 178 und in der DDR 95 aus Darsow vertriebene Dorfbewohner ermittelt.

Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1818 113 adelige BesitzungAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 1: A–F, Halle 1821, S. 255, Ziffer 491.Friedrich von Restorff: Topographische Beschreibung der Provinz Pommern mit einer statistischen Uebersicht, Nicolaische Buchhandlung, Berlin und Stettin 1827, S. 275, Ziffer 32.1925 443 davon 427 Evangelische und 16 KatholikenDie Gemeinde Darsow im ehemaligen Kreis Stolp in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011) 1933 420 1939 386

Im Jahr 2011 hatte das Dorf 327 Einwohner.

Söhne und Töchter des Ortes Valentin von Stojentin (~1485–1528/1529), herzoglich-pommerscher Rat u. Schlosshauptmann, Streiter für das Luthertum

Literatur Karl-Heinz Pagel: Der Landkreis Stolp in Pommern. Mit: Ortsbeschreibung Darsow. (Ortsbeschreibung Darsow; PDF), Lübeck 1989, S. 438–441. Darsow, Dorf, Kreis Stolp, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, In: Meyers Orts- und Verkehrslexikon. (Insb. Historische Landkarte der Umgebung von Darsow). Ausgabe 1912, Bibliographisches Institut, Leipzig 1912. Pommersches Güter-Adressbuch. Friedrich Nagel (Paul Niekammer), Stettin 1892, S. 156–157. Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2, Stettin 1784, S. 959, Ziffer 53 (S. 980–983. u. Ziffer 83.)

Weblinks

Amtsbezirk Schurow (Territorial.de) Die Gemeinde Darsow im ehemaligen Kreis Stolp in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011)

Fußnoten

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