mini|Heilige Dreifaltigkeit und St. Marien (Lebach), Turmfassade mini|Heilige Dreifaltigkeit und St. Marien (Lebach), Ansicht der Kirche von der Apsis her mit Sakristei von 1967 Die Pfarrkirche Heilige Dreifaltigkeit und St. Marien ist die katholische Hauptkirche der Stadt Lebach im Zentrum des Saarlandes. Sie ist ein neugotisches Gebäude im Stile gotischer Hallenkirchen. Die Kirche ist dem Bistum Trier zugeordnet. Patroziniumstag ist das Dreifaltigkeitsfest. Der zweite Patroziniumstag ist das Fest Mariä Geburt am 8. September.
Geschichte mini|links|Heilige Dreifaltigkeit und St. Marien (Lebach), Die alte Kirche kurz vor dem Abriss im Jahr 1881 mini|Heilige Dreifaltigkeit und St. Marien (Lebach), Lage der Kirche auf dem Katasterplan von 1845 mini|links|Heilige Dreifaltigkeit und St. Marien (Lebach), Grundriss der alten Lebacher Kirche um das Jahr 1835, Maße: Schiff = 70 Fuß Länge und 40 Fuß Breite; Chorbereich = 30 Fuß Länge und 30 Fuß Breite (Bistumsarchiv Trier, Abt. 122, Nr. 3, S. 18) mini|Heilige Dreifaltigkeit und St. Marien (Lebach), Apsis mit steinernem Hochaltar mini|hochkant|Carl Friedrich Müller (* 14. Juni 1833 in Hersfeld; † 1. August 1889 ebd.), Kreisbaumeister des Landkreises Saarlouis, Architekt der neogotischen Lebacher Kirche (Aufnahme aus dem Jahr 1870) mini|links|Heilige Dreifaltigkeit und St. Marien (Lebach), Auf der Grundlage des Lebacher Katasterplanes der Zeit um 1840 werden der Grundriss der alten Lebacher Kirche mit dem umgebenden Kirchhof (kleine Kreuzchen) und derjenige des neogotischen Neubaues übereinandergelegt. Die Ostungen der Sakralbauten divergieren leicht. Der alte Kirchturm befand sich in der Mitte des heutigen Kirchenschiffes mini|Heilige Dreifaltigkeit und St. Marien (Lebach), Orgelempore mini|Der durch den Sturm vom 28. Juli 1895 heruntergerissene Turmhelm mini|Kreuz an der Außenseite der Apsis, Das alte Friedhofskreuz wurde um 1820 errichtet und stand ursprünglich auf dem Lebacher Kirchhof, der bis zum Jahr 1880 um die Kirche herum angelegt war. Als der Friedhof verlegt wurde, stellte man das Kreuz an der Rückwand der Kirche auf. Es steht auf einer klassizistischen Mensa mit Feston im Sockel. Das Kruzifix mit Totenkopf und Knochen, den Gebeinen Adams, erhebt sich über einer mehrfach sich verjüngend-gebrochenen kannelierten runden Säule auf rechteckigem Unterbau. Das Kirchhofskreuz steht unter Denkmalschutz
Die erste urkundliche Erwähnung der Pfarrei Lebach stammt aus dem 10. Jahrhundert. Im Jahr 1537 kam die bis dahin selbständige Pfarrei Knorscheid als Filiale hinzu. Eidenborn gehört seit dem Jahr 1836 zu Lebach und Landsweiler wurde 1931 selbstständig.
Vom Mittelalter bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts stand die Pfarrei Lebach in engem historischem Zusammenhang mit dem reichsunmittelbaren Rittergeschlecht der Freiherrn von Hagen zur Motten, das aus der unmittelbaren Umgebung von Lebach stammte und hier auch residierte. Drei Grabplatten von Familienmitgliedern aus der frühen Neuzeit haben sich im Kircheninneren unter der Empore erhalten.
Bevor das Chorherrenstift Fraulautern in ein adeliges Frauenstift umgewandelt wurde, stellte es die Pfarrer der Pfarrei Lebach. Das Lebacher Dreifaltigkeitspatrozinium dürfte auf das von Fraulautern zurückzuführen sein. Die beiden ersten Kirchen der Pfarrei Lebach, die vermutlich im neunten und dreizehnten Jahrhundert entstanden, waren allein der Gottesmutter geweiht. Dieses Patrozinium wurde und wird am 8. September, dem Fest Mariä Geburt gefeiert. Anlässlich des marianischen Patroziniumfestes wird in Lebach bis heute im September der Mariä-Geburts-Markt abgehalten. Ab dem 12. Jahrhundert wurde die pastorale Betreuung der Pfarrei durch die Prämonstratenserabtei St. Marien zu Wadgassen übernommen.
Im Jahre 1630, während des Dreißigjährigen Krieges, wurde das Dorf Lebach geplündert und die Ausstattung der Kirche und des Pfarrhauses zerstört oder geraubt. Erst im Jahr 1657 konnte ein neuer Altar konsekriert werden. Es dauerte bis zum 18. Jahrhundert, bis die Kirche und das Pfarrhaus wiederhergestellt und eine neue Ausstattung angeschafft worden waren. Bei einem Einbruch in die Kirche im Jahr 1717 wurden kostbare Sakralgeräte gestohlen, sie konnten erst zwanzig Jahre später durch neue ersetzt werden. Als die Pfarrei weiter wuchs und gegen 1774 die alte Kirche zu klein wurde, entschied man sich für einen Neubau in Form einer Saalkirche. Die Pfarrei zählte damals 1000 Gläubige.
Im Gefolge der Wirren der Französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege kam es zu Plünderungen und dem Einzug des Kirchenvermögens, sodass in Lebach kein Gottesdienst mehr möglich war.
Bei dem Vorgängerbau des heutigen neogotischen Sakralbaues, dessen Anfänge vermutlich im 10. Jahrhundert begonnen worden waren, hatte es sich um einen geosteten, vierachsigen, walmdachgedeckten Saal mit leicht eingezogenem Polygonchor gehandelt. Der barocke Saal, der in den Jahren 1774/1775 unter der Ägide der Äbtissin der Abtei Fraulautern, Sophia von Neuenstein, errichtet worden war, ersetzte ein gotisches Kirchenschiff des 14. Jahrhunderts. Die Raumhöhe des barocken Saales war deutlich höher als die des gotischen Chorbereiches.Bistumsarchiv Trier, 122, Nr. 11.Historischer Kalender Lebach 2008. Architekt des Kirchenschiffes war Joseph Thomann aus Hottingen im Schwarzwald, der im Jahr 1775 in dem von ihm errichteten Sakralbau heiratete. Thomann ist ebenfalls der Baumeister des noch bestehenden Lebacher Pfarrhauses.
An der Nordostecke des Schiffes erhob sich ein aus Sandsteinquadern errichteter romanischer Kirchturm des 10. oder 11. Jahrhunderts auf rechteckigem Grundriss. Im Glockengeschoss öffnete er sich in Zwillingsbogenfenstern. Das verschieferte Kirchturmdach war als achteckiger Knickhelm gestaltet, wobei die oktogonale Spitze im Verhältnis zum Turm eine große Länge aufwies. Der Turm dürfte 10 m hoch gewesen sein. Der oktogonale Knickhelm wies vermutlich ebenfalls eine Höhe von 10 m auf. Der Glockenstuhl enthielt zwei Glocken aus dem Jahr 1743. Die kleinere Glocke wog fünf Zentner. Ihre Inschrift lautete: Laudo Deum celebro sanctos lugeo defunctos terrentes arceo nubes. Richart fecit 1743. (dt.: „Ich lobe Gott, ich rühme die Heiligen, ich betrauere die Toten, ich halte die schrecklichen Wolken fern. Richart hat mich im Jahr 1743 gemacht.“) Als Relief zeigte die Glocke eine Kreuzigungsszene und eine Darstellung der Gottesmutter Maria mit dem Jesuskind. Die größere Glocke wog acht Zentner. Ihre Inschrift lautete: Laudetur sancta trinitas et gloriosa virgo genetrica Dei Maria sine fine a superis et terrigenis. Richart fecit anno 1743. (dt.: „Die heilige Dreifaltigkeit und die ehrwürdige Jungfrau, die Gottesgebärerin Maria, soll ohne Ende von den Himmlischen und den Irdischen gelobt werden. Richart hat mich im Jahr 1743 gemacht.“). Als Relief zeigte die Glocke ebenfalls eine Kreuzigungsszene.
1829 baute man an die Apsis eine kleine Sakristei angebaut. Die Apsis, die vermutlich auf das 14. Jahrhundert zurückging, war mit einem Rippengewölbe überwölbt. Die Portalfassade wies eine mittig positionierte Pforte mit Sprenggiebel und einer darin enthaltenen Nische mit Marienfigur, der Kirchenpatroninin, auf. Das Dreifaltigkeitspatrozinium der Kirche griff man architektonisch mit drei Rundfenstern an der Fassade auf. Um die Kirche herum lag der Lebacher Kirchhof, wo die Toten des Ortes bestattet wurden.Johannes Naumann: Die Freiherren von Hagen zur Motten – ihr Leben und Wirken in der Saar-Mosel-Region. Blieskastel 2000, S. 521.
Die hohen Fenster des Kirchensaales schlossen rundbogig. Im Westen des Innenraumes erhob sich eine hölzerne Empore, die die Orgel trug. Ein Relief im Inneren der Kirche zeigte das fünfspeichige Radwappen der Abtei Fraulautern. Der Hauptaltar, der Heiligsten Dreifaltigkeit geweiht, stand in der Apsis. Acht korinthische Säulen umstanden ein Altarbild, das die Jungfrau Maria als Himmelskönigin zeigte. Nebenaltäre mit je vier flankierenden Säulen aus den 1770er Jahren (im Süden Josefsaltar, im Norden Marienaltar) befanden sich am Übergang des Schiffes zum Chorbereich. Reste eines Sakramentshäuschens hatten sich im nördlichen Bereich der Apsis erhalten. Ein geschnitztes Chorgestühl stammte aus den 1770er Jahren. Eine geschnitzte Kanzel soll im 17. Jahrhundert gefertigt worden sein. Der in den neogotischen Neubau übernommene Taufstein datiert aus dem 13. Jahrhundert. Er stammt aus der im Jahr 1765 abgerissenen Trierer Kirche St. Gervasius und wurde damals dem Lebacher Pfarrer Raab zum Geschenk gemacht. Die heute unter der Empore des neogotischen Baues angebrachten Grabplatten befanden sich ursprünglich im Chorbereich des Vorgängerbaues. Der Innenraum war reich mit Gemälden und Statuen ausgeschmückt. Ein bergkristallbesetztes Silberreliquiar enthielt eine Kreuzreliquie.
Im Jahr 1825 wurde Christian Geller Pfarrer in Lebach, er wirkte hier 38 Jahre. Gellert organisierte im Jahr 1844 eine Pfarreiwallfahrt zur Ausstellung des Heiligen Rockes im Trierer Dom. Die Ausstellung der Reliquie war ein religiöses Großereignis des 19. Jahrhunderts und eine katholische Glaubensdemonstration ersten Ranges im protestantisch geprägten Königreich Preußen. Der Lebacher Wallfahrergruppe schlossen sich die Dörfer Limbach, Bettingen, Hüttersdorf, die Gemeinden des Nalbacher Tales (Nalbach, Piesbach, Bettstadt, Körprich, Bilsdorf, Diefflen), Saarwellingen, Hülzweiler, Schwalbach, Schwarzenholz und Reisweiler (heute Reisbach) an. Insgesamt umfasste die Wallfahrtsgruppe der genannten Dörfer über 6000 Menschen. Die Wallfahrt begann in Lebach am 23. August 1844 um halb zwei Uhr in der Frühe mit einem Gebet in der Kirche. Am 25. August erreichte man Trier und verehrte im Dom die Tunika Christi. Am 29. August machte sich eine zweite Lebacher Pilgergruppe von etwa 350 Menschen nach Trier auf. Die Lebacher Pfarrkirche wurde darüber hinaus zur Durchgangsstation für Pilger aus südlicheren Regionen. Insgesamt wurden während der Wallfahrt, die vom 18. August bis zum 6. Oktober 1844 andauerte, fünfhunderttausend Pilger an dem religiösen Exponat in Trier vorbeigeleitet.