Joseph-Louis Mundviller (Pseudonym in Russland Georges Meyer; * 10. April 1886 in Mülhausen, Reichsland Elsaß-Lothringen, Deutsches Kaiserreich; † 9. Juli 1967 in Enghien-les-Bains, Frankreich) war ein elsässischer Kameramann, der in Russland und Frankreich an zahlreichen Filmen beteiligt war.

Leben Elsass und Russland Joseph-Louis Mundwiller wurde 1886 in Mülhausen im Elsass geboren, als dieses zum Deutschen Reich gehörte.Sein offizieller Name war zuerst Joseph-Louis Mundwiller (mit w), in Frankreich dann Mundviller (mit v), beide Schreibweisen waren sonst in Frankreich selten und leiteten sich wahrscheinlich vom schweizerischen Namen Muntwyler ab Er sprach deutsch und französisch. 1907 begann er bei der Filmproduktionsfirma von Pathé in Paris, der auch aus dem Elsass stammte.Odile Gozillon-Fronsacq, Alsace et Cinéma, Paris 2003, p. 373, 375, 443 (Index) (kurze Auszüge), mit einigen biographischen Informationen Ende 1907 oder Anfang 1908 begann er als Kameramann für deren Niederlassung in Moskau zu arbeiten, am 25. Februar 1908 kam sein erster Dokumentarkurzfilm Die Donkosaken in Moskau in die Kinos. Danach war er an einigen weiteren Filmen beteiligt und machte 1909 einige Dokumentaraufnahmen vom Schriftsteller Leo Tolstoi. Er filmte auch Auftritte des Bolschoi-Balletts und Warenhäuser in Moskau für Wochenschauen, zeigte die bei Luftfahrtschauen vorgestellten ersten russischen Luftschiffe (sogenannte Duks) und porträtierte Abgeordnete der ersten Duma. 1912 wurde er Kameramann von Pathé am Zarenhof.Revue d'Alsace, 124, 1998, p. 269 (kurzer Auszug), kurze Angaben zu ihm Из истории кино, 6, 1968, стр. 132–134 (kurze Auszüge), mit einigen Einzelheiten

Frankreich Ende 1914 wurde Joseph-Louis Mundviller nach dem Beginn des Ersten Weltkrieges aus Russland ausgewiesen und kämpfte als Freiwilliger in der französischen Armee.Christine Leteux, Continental Films, 2022, p. 149, mit einigen kurzen biographischen Angaben, sie erwähnte auch seinen Bruder, der als Soldat gefallen war, dieser war wahrscheinlich Louis Paul Vincent Mundviller (1893, Mulhouse – 1915) 1919 begann er seine Tätigkeit als Kameramann in Frankreich, vor allem bei Filmen des russischen Exilproduzenten Jacques Ermolieff. 1925 erreichte er seinen Karrierehöhepunkt, als er von Abel Gance für das monumentale Epos Napoleon als einer von sieben Kameraleuten verpflichtet wurde. Streitigkeiten zwischen beiden führten dazu, dass diese Kooperation nur einen Film währte. Gegen Ende des Stummfilmzeitalters hatte Joseph Mundviller auch zwei Nebenwerke Jean Renoirs fotografiert.

In den 1930er Jahren drehte er nur noch durchschnittliche Kinoproduktionen, vor allem für den Konfektionär Pierre Chenal, die 1941 endeten.Pierre Chenal, Souvenirs du cinéaste, filmographie, documents, 1967, p. 67 (kurze Auszüge); Erinnerungen von Pierre Chenal 1942 engagierte ihn die französische Filmgesellschaft Continental Film im besetzten Paris für einen Propgandafilm Relève, da er deutsch konnte, der dann aber nach dem Tod des Regisseurs Pierre Ramelot nicht fertiggestellt wurde.Christine Leteux, Continental Films, 2022, pp. 149–150, mit Details

Kurz nach der Befreiung von Paris im Sommer 1944 wurde Joseph-Louis Mundviller an die neuerrichtete Filmschule Institut des hautes études cinématographiques (IDHEC) in Paris berufen und diente ihr 16 Jahre lang bis 1960 als Lehrer. Danach zog er sich ins Privatleben zurück und starb 1967 in einem Vorort von Paris.

Filmografie Russland

1908: Donskie kasaki w Moskwe (Don Cossacks à Moscou), Dokumentarfilm, auch als Regisseur 1908: Antoś pierwszy raz w Warszawie (Antoine la première fois à Varsovie) 1909: Moskau im Schnee (Москва в снежном убранстве), Dokumentarfilm 1909: Ouchard le marchand 1909: Dimitry Donskoy 1909: Pierre le grand 1909, 1910: Leo Tolstoy, Dokumentaraufnahmen 1910: Khmara 1910: Le duel 1910: La princesse Tarakanova et Catherine II 1910: Les tziganes 1911: Anna Karénine 1911: L’Chaim, über jüdisches Leben 1911: Le violon 1911: Martha Posadnitza 1911: André et Nadia 1912: Napoleons Feldzug in Russland (1812 god), Historienmonunentalfilm, mit vier weiteren Kamermännern 1912: Departure of A Grand Old Man, über Leo Tolstoi 1912: Les maladresse de Béta Michka 1912: La retraite de Russie 1913: Courroux de Czar 1913: Les tribulations de Mitiouchka 1913: La fiancée du feu 1913: La petite Geisha 1913: La ligne des blasés de la vie 1915: Brand (Бранд)

Frankreich 1921: L'ordonnance 1921: Arabische Nächte (Les contes des mille et une nuits) 1922: Das geheimnisvolle Haus (La maison du mystère) 1923: Ehegeschichten (Le brasier ardent) 1923: Le chant de l’amour triomphant 1923: La dame masquée 1924: Le lion des mogols 1924: Verlöschende Fackel (Kean) 1924: Der galante Prinz (Le prince charmant) 1925: Les aventures de Robert Macaires 1925: La cible 1926: Napoleon 1927: Der Schachspieler (Le joueur d’échecs) 1928: La vierge folle 1928: Le tournoi dans la cité 1929: Le Bled 1932: Monsieur de Pourceaugnac 1933: Chotard et Cie. 1933: Paris-Deauville 1933: La rue sans nom 1934: On a trouvé une femme nue 1935: Amants et voleurs 1935: Le chemineau 1935: Schuld und Sühne (Crime et châtiment) 1935: Odette 1936: Les mutinés de l’Elseneur 1936: L’homme de nulle part 1936: Paris 1937: La bataille silencieuse 1938: Paix sur le Rhin 1938: Thérèse Martin 1939: La famille Duraton 1940: Le roi des galéjeurs 1941: Opéra-Musette

Weblinks

Literatur Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Band 5 Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 585 f.

Einzelnachweise

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