Tscherepowez (, wiss. Transliteration Čerepovec) ist eine Stadt in Nordwestrussland. Sie ist mit 298.000 Einwohnern (Stand: 2025) die größte Stadt der Oblast Wologda.
Geografie Tscherepowez befindet sich etwa 375 km (Luftlinie) nördlich von Moskau und 110 km westlich der Oblasthauptstadt Wologda. Es liegt am Fluss Scheksna, am Nordufer des Rybinsker Stausees. Tscherepowez ist Verwaltungszentrum des gleichnamigen Rajons.
Geschichte miniatur|links|hochkant|Kirche der Geburt Christi in Tscherepowez Um 1360 wurde ein Kloster in den Hügeln nahe der Scheksna gegründet. Um dieses herum entstand später die Siedlung Tscherepowez, welche 1777 die Stadtrechte verliehen bekam. Auf Wepsisch, der Sprache der finnischen Einwohner dieser Gegend, bedeutet der Stadtname in etwa „Unser Fischberg“.
In der Stadt bestand das Kriegsgefangenenlager 437 für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.Maschke, Erich (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962–1977. Schwer Erkrankte wurden in den beiden Kriegsgefangenenhospitälern 3739 und 5091 versorgt. Das Hospital 5091 war außerdem dem Kriegsgefangenenlager 158 in Wologda und dem Kriegsgefangenenlager 150 Grjasowez zugeordnet. Auf mehreren Kriegsgefangenenfriedhöfen wurden über 30.000 Tote vorwiegend in Massengräbern bestattet.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1897 6.948 1926 21.783 1939 32.353 1959 92.356 1970 188.348 1979 265.933 1989 310.463 2002 311.869 2010 312.310 Anmerkung: Volkszählungsdaten
Wirtschaft Tscherepowez ist die wichtigste Industriestadt der Region. Hier sind unter anderem Eisenhütten, Stahlwerke (beispielsweise Severstal, der zweitgrößte Stahlerzeuger Russlands und Nr. 15 der Welt), große Werften und Chemiebetriebe ansässig. Die für die Verarbeitung benötigte Kohle wird aus Workuta geliefert, das Eisenerz von der Halbinsel Kola. Außerdem gibt es Sägewerke, in denen das Holz aus den umliegenden Nadelwäldern verarbeitet wird. Für die Entwicklung der Industrie in Tscherepowez war vor allem die verkehrstechnisch günstige Lage am Kreuzungspunkt der wichtigen Wasserwege und Eisenbahnen Nordrusslands entscheidend.
Verkehr Die Stadt besitzt einen Binnenhafen am Wolga-Ostsee-Kanal. In der Nähe von Tscherepowez verläuft die Föderale Fernstraße A114, die die Oblasthauptstadt Wologda mit Nowaja Ladoga bei Sankt Petersburg verbindet. Auf dem 25 km nördlich der Stadt befindlichen Flughafen hat die Fluggesellschaft Severstal Aircompany ihren Sitz.
Bildung Tscherepowez ist Sitz der Staatlichen Universität Tscherepowez.
Sport Zu den bekanntesten Sportvereinen Tscherepowezs gehört der Eishockey-Club HK Sewerstal Tscherepowez, der am Spielbetrieb der Kontinentalen Hockey-Liga (KHL) teilnimmt. Seine Heimspielstätte ist die 2007 fertiggestellte Mehrzweckhalle Eispalast Tscherepowez, die knapp 6000 Zuschauerplätze fasst und außer für Eishockeyspiele auch für Konzerte genutzt wird.
Städtepartnerschaften Tscherepowez listet folgende Partnerstädte auf: Aiud, Rumänien Gorna Orjachowiza, Bulgarien Celje, Slowenien Derry, Vereinigte Staaten Liaoyuan, Volksrepublik China Maladsetschna, Belarus Montclair, Vereinigte Staaten, seit 1990 Raahe, Finnland Balakowo, Russland Klaipėda, Litauen, seit 1992
Söhne und Töchter der Stadt
Wassili Wereschtschagin (1842–1904), Maler Alexander Kutepow (1882–1930), General während des Russischen Bürgerkriegs Jewpraksija Gurjanowa (1902–1981), Hydrobiologin, Zoogeographin und Hochschullehrerin Walentina Borissenko (1920–1993), Schachspielerin Juri Kajurow (* 1927), Schauspieler Alexander Baschlatschow (1960–1988), Poet, Liedautor und Sänger Galina Isotowa (* 1960), Ökonomin und Politikerin Sergei Fokitschew (* 1963), Eisschnellläufer Alexei Mordaschow (* 1965), Unternehmer Dmitri Juschkewitsch (* 1971), Eishockeyspieler Wladimir Worobjow (* 1972), Eishockeyspieler Alexei Kosnew (* 1975), Eishockeyspieler Michail Panschin (* 1983), Eishockeyspieler Juri Trubatschow (* 1983), Eishockeyspieler Andrei Lamow (* 1986), Ski-Orientierungsläufer Igor Skorochodow (* 1986), Eishockeyspieler Stanislaw Jegorschew (* 1987), Eishockeyspieler Wadim Schipatschow (* 1987), Eishockeyspieler Juri Alexandrow (* 1988), Eishockeyspieler Dmitri Kagarlizki (* 1989), Eishockeyspieler Jewgeni Mons (* 1989), Eishockeyspieler Alexander Rachmanow (* 1989), Schachspieler Bogdan Kisselewitsch (* 1990), Eishockeyspieler Jewgenija Lalenkowa (* 1990), Eisschnellläuferin Maxim Tschudinow (* 1990), Eishockeyspieler Pawel Butschnewitsch (* 1995), Eishockeyspieler Iwan Sergejew (* 1995), Fußballspieler Artjom Arefjew (* 2000), Eisschnellläufer
Einzelnachweise
Weblinks
Tscherepowez auf mojgorod.ru (russisch) Als Bauarbeiter in der Sowjetunion - Bericht aus vier Jahren Kriegsgefangenschaft, u. a. in Tscherepowez Über Tscherepowez für Touristen (russisch)
Kategorie:Ort in der Oblast Wologda
Kategorie:Hochschul- oder Universitätsstadt in Russland Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1777