Das Taunusgymnasium (bis 2006 Taunusschule) ist eine von vier weiterführenden Schulen in Königstein im Taunus in Hessen. Seit 1977 wurde das heutige Gymnasium als additive Gesamtschule geführt. Mit deren Auflösung 1996 gingen Haupt- und Realschulzweig auf die neu gegründete Friedrich-Stoltze-Schule im nebenan gelegenen Altbau über.
Geschichte Vorläufer und Taunus-Realschule mini|Die Schule 1918–1962, das „Alte Schülchen“ am Klärchenweg in Königstein, aufgenommen 1974 von der Burg aus. Zu nassauischer Zeit bestand keine höhere Schule in Königstein.Taunusschule Gymnasium Königstein/Ts. Einweihung des Neubaus am 22. September 1962. Zusammengestellt von StR Dr. Seiler. Druck Ludwig Oehms, Frankfurt am Main o. J. (1962), S. 12. Erst 1890 wurde eine „Privat-Rektoratsschule“ (Falkensteiner Straße 3 und Gerichtsstraße 17Taunusschule Gymnasium Königstein/Ts. Einweihung des Neubaus am 22. September 1962. Zusammengestellt von StR Dr. Seiler. Druck Ludwig Oehms, Frankfurt am Main o. J. (1962), S. 18, mit Fotos.) eingerichtet. Angeboten wurden alle Klassen bis inklusive Untertertia. 1899 zog die von der Stadt finanziell unterstützte dann sogenannte „Höhere Knabenschule“ in das Eckhaus Limburger Straße 36 / Altkönigstraße um.Taunusschule Gymnasium Königstein/Ts. Einweihung des Neubaus am 22. September 1962. Zusammengestellt von StR Dr. Seiler. Druck Ludwig Oehms, Frankfurt am Main o. J. (1962), S. 19. 1916 – mitten im Ersten Weltkrieg – erfolgte die Umwandlung in die Städtische Taunus-Realschule (bis Obertertia) und gleichzeitig die Verschmelzung mit der Mädchenschule Taunus-Institut,Der Obertaunuskreis und seine Gemeinden, 1927, Kreisverwaltung, Seite 88 das 1899 als Höhere Mädchenschule eröffnet worden war. Es handelte sich um ein Internat, das auch Externe besuchen konnten und in dem in der Spitze 40 Mädchen unterrichtet wurden. Die neue Schule lag nun in der Falkensteiner Straße 1. Das Jahr 1916 wird als Ursprungsjahr sowohl der späteren Taunusschule als auch des späteren Taunusgymnasiums angesehen und war dementsprechend 1991 Anlass zur 75-Jahr-FeierBeate Großmann: 75 Jahre Taunusschule. In: Königsteiner Woche, Band 22, Heft 17 (1991), S. 1. und 2016 Anlass zur 100-Jahr-Feier.
1918 erfolgte unter dem Leiter Molinar der Umzug in das von der Stadt erworbene Gebäude am Klärchenweg, wo das später sogenannte „Alte Schülchen“ 5 Klassen umfasste und bis zur Obertertia führte. Da kein Latein unterrichtet wurde, war der Übergang zu weiterführenden Schulen (dem Höchster Realgymnasium) schwierig. Auch der alternative Besuch der Oberurseler Oberrealschule war aufwändig.
Taunusschule Nach dem Zweiten Weltkrieg begann das Gymnasium am 6. Januar 1946Ernst Majer-Leonhard: 1946–1957. In: Taunusschule Gymnasium Königstein/Ts. Einweihung des Neubaus am 22. September 1962. Zusammengestellt von StR Dr. Seiler. Druck Ludwig Oehms, Frankfurt am Main o. J. (1962), S. 20–27, hier S. 20. wieder seinen Unterricht. Leiter wurde Ernst Majer-Leonhard, der die Schule bis 1957 führte und als „Humanist und Pädagoge aus Leidenschaft“ noch lange über seine Direktorenzeit hinaus verehrt wurde. Ein von ehemaligen Schülern gestiftetes Bronzestandbild Majer-Leonhards befindet sich seit 1996 am Standort des „Alten Schülchens“ am Klärchenweg. Die dargestellte Haltung des Direktors soll das „heimliche Programm“ der Schule nach 1945 symbolisieren: „Die (Latein-) Bücher im festen Griff, der gerade Blick, der feste Stand sowie die rhetorische Geste und der wehende Mantel drücken die Leitvorstellungen seiner Bildungsziele aus.“
In den 1950er-Jahren entspann sich um die Schulträgerschaft ein Streit zwischen Stadt, Kreis und Land. Das Schulkostengesetz vom 10. Juli 1953 hatte die Landkreise grundsätzlich zu Schulträgern bestimmt. Im Falle von Königstein verblieb aber gemäß § 29 des Gesetzes die Trägerschaft bei der Stadt. Die Stadt Königstein widersprach mit dem Verweis auf die fehlende Verwaltungs- und Finanzkraft. Mit Erlass vom 28. August 1958 bestätigte jedoch das Kultusministerium die Schulträgerschaft der Stadt.
Neubau von 1962 mini|links|Neubau der Taunusschule von 1962, aufgenommen 2022 aus Richtung des westlich gelegenen Wolfswegs Die Taunusschule hatte ihre Bedeutung unterdessen über Königstein hinaus ausgedehnt: Im Jahr 1962 gab es 535 Schülerinnen und Schülern, von denen nur 162 aus Königstein kamen, 116 aus dem Obertaunuskreis, 242 aus den benachbarten Kreisen Main-Taunus-Kreis, Untertaunuskreis, Landkreis Friedberg usw. sowie 15 Schülerinnen und Schülern sogar aus anderen Bundesländern.Taunusschule Gymnasium Königstein/Ts. Einweihung des Neubaus am 22. September 1962. Zusammengestellt von StR Dr. Seiler. Druck Ludwig Oehms, Frankfurt am Main o. J. (1962), S. 13.
Die steigenden Schülerzahlen im „Alten Schülchen“ am Klärchenweg machten ab den 1950er-Jahren einen Neubau nötig, wozu auf ein Grundstück am Stadtrand an anderer Stelle zurückgegriffen werden konnte. Dies war ein 21.000 m² großes Gelände unterhalb der Falkensteiner Straße, das ursprünglich zum nördlich der Straße gelegenen Park der Villa Rothschild gehörte. Die Liegenschaft wurde 1955 von Rudolph von Goldschmidt-Rothschild (1881–1962), dem Sohn von Maximilian von Goldschmidt-Rothschild, an die Gemeinde Königstein verkauft, wobei das untere Grundstück für den geplanten Bau eines Sportplatzes – gewissermaßen als Zugabe – mit überlassen wurde.Juden in Königstein, Heinz Sturm-Godramstein, Hg. v. Magistrat der Stadt Königstein, Stadtarchiv. Königstein im Taunus (2015), Seite 74 Wenig später entstand dort auf einem Hanggrundstück mit der Adresse Wolfsweg/Falkensteiner Straße 18 in den Jahren von 1959 bis 1962 ein Neubau für die Taunusschule, der als Altbau bis heute steht.
Das zugrunde liegende Raumprogramm für den Schulneubau stellte die Lehrerkonferenz zusammen, den Entwurf lieferte eine Arbeitsgemeinschaft der Architekten Rudolf Kramer aus Königstein zusammen mit Bert Seidel und Heribert Hausmann aus Darmstadt.Herbert Albrecht: 1957–1962. in: Taunusschule Gymnasium Königstein/Ts. Einweihung des Neubaus am 22. September 1962. Zusammengestellt von StR Dr. Seiler. Druck Ludwig Oehms, Frankfurt am Main o. J. (1962), S. 27–31, hier S. 30. - Vgl. in der Festschrift auch S. 80 und 83.Das Architekten-Trio war später gemeinsam auch bei der Planung der ab 1965 in Darmstadt erbauten „Neuen Künstlerkolonie in Rosenhöhe“ im Rahmen der Künstlerkolonie Mathildenhöhe. Zu Seidel und Hausemann vgl. die Internetseite des Darmstädter Nachfolgebüros SHP Architekten (auf shp-architekte.de, abgerufen am 7. Juli 2022). Die neue Schule umfasste 22.000 KubikmeterNeubau der Königsteiner „Taunusschule“ wird heute eingeweiht. In: Taunus-Zeitung, 22. September 1962. umbauten Raum und bot 16-mal so viel Fläche wie die alte Schule; sie bestand als Gebäudeensemble am Hang aus einem viergeschossigen Klassentrakt mit 18 Klassenräumen, einem zweigeschossigen Hauptgebäude mit Sonderklassen, Fach-, Verwaltungs- und Aufenthaltsräumen sowie einer Turnhalle. Die Einweihung durch Regierungspräsident Walter Schubert erfolgte am 22. September 1962Taunusschule Gymnasium Königstein/Ts. Einweihung des Neubaus am 22. September 1962. Zusammengestellt von StR Dr. Seiler. Druck Ludwig Oehms, Frankfurt am Main o. J. (1962), S. 84., wozu eine informative Festschrift erschien.Taunusschule Gymnasium Königstein/Ts. Einweihung des Neubaus am 22. September 1962. Zusammengestellt von StR Dr. Seiler. Druck Ludwig Oehms, Frankfurt am Main o. J. (1962). Die Gesamtbaukosten betrugen 3.740.000 DM.Beate Großmann-Hofmann: Das Taunusgymnasium wird 100! (Teil 2). In: Königsteiner Woche, Jg. 47, 2016, Nr. 38 vom 22. September 2016, S. 11.Andere Kostenangabe nach: Taunusschule Gymnasium Königstein/Ts. Einweihung des Neubaus am 22. September 1962. Zusammengestellt von StR Dr. Seiler. Druck Ludwig Oehms, Frankfurt am Main o. J. (1962), S. 84, dort: 3.200.000 DM. Die Stadt Königstein beteiligte sich mit 855.000 DM, der Obertaunuskreis übernahm 560.000 DM, den Rest finanzierte das Land Hessen.Andere Angabe der Gesamtkosten laut Beate Großmann-Hofmann: Das Taunusgymnasium wird 100! (Teil 2). In: Königsteiner Woche, Jg. 47, 2016, Nr. 38 vom 22. September 2016, S. 11: 3.740.000 DM. Das „Alte Schülchen“ am Klärchenweg stand danach lange leer und wurde erst 1974 abgerissen.
1970 ging die Schulträgerschaft von der Stadt auf den Obertaunuskreis (ab 1972 Hochtaunuskreis) über.
Ergänzungs-Neubau von 1974 mini|Der Neubau von 1974, aufgenommen 2022 aus Richtung des nördlich gelegenen Parkplatzes Infolge der in den 1970er-Jahren von der SPD Hessen intensiv betriebenen Schulreform sollte eine Gesamtschule auch in Königstein gebildet werden. Dazu entstand 1972–1974 nach Plänen des Architektenbüros Novotny & Mähnert (heute ATP Frankfurt) nordöstlich und hangabwärts neben der 1960er-Jahre-Schule unter der Adresse Falkensteiner Straße 24 ein großer Ergänzungsbau, in dem Haupt-, Realschule und Gymnasium bis zur 10. Klasse unter einem Dach versammelt wurden. Gegen erbitterte Proteste großer Teile des Kollegiums und der Elternschaft (der Slogan lautete auf orangem Aufkleber: „Gymnasium muss bleiben“) wurde auch die Taunusschule ab dem Schuljahr 1977/78 zu einer additiven Gesamtschule. Die 5. und 6. Klasse wurden zu einer „Förderstufe“ umgebildet, für die höheren Klassen wurden Hauptschul-, Realschul- und Gymnasialklassen gebildet. Die Schule nahm hierzu die Schüler der Mittelpunkthauptschule Königstein und der Realschule auf. Bereits 1991–1992 musste der damals noch keine 15 Jahre alte Gesamtschul-Neubau wegen des verwendeten Asbests bis auf die tragenden Betonelemente entkernt und umfangreich saniert werden. Während der Arbeiten wurden mehrere Klassen nach Stierstadt ausgelagert.
Aufteilung in Taunusgymnasium und Friedrich-Stoltze-Schule Nach der Landtagswahl in Hessen 1987 setzte die CDU Hessen „Schulfreiheit“ durch, verstanden als Freiheit zwischen dem gegliederten Schulsystem und Gesamtschulen zu wählen. 1987 wurde als erstes die Förderstufe abgeschafft und durch Eingangsklassen der drei Schulzweige ersetzt. 1994 entschied sich die Schule, die Gesamtschule aufzulösen. 1996 entstand daher eine selbstständige Real- und Hauptschule, die seit 1997 nach dem Dichter und Schriftsteller Friedrich-Stoltze-Schule benannt ist und vor allem im 1960er-Jahre-Altbau verblieb. Das Gymnasium nannte sich 2006 in Taunusgymnasium um und konzentrierte sich auf den 1970er-Jahre-Neubau.Taunusschule wird umgetauft, Taunus-Zeitung, Ausgabe Bad Homburg vom 11. Mai 2006, S. 13 / Lokales Der Name Taunusschule war seither in Königstein erloschen.
Die Nähe des Taunusgymnasiums und der Friedrich-Stoltze-Schule führte zu gemeinsam genutzten Räumen und verursachte immer größere Platzprobleme, die im Herbst 2017 durch den Bezug eines zweigeschossigen Erweiterungsbaus in Modulbauweise mit einer Gesamtfläche von knapp 1200 Quadratmetern behoben werden konnten.
Aufgrund sinkender Schülerzahlen wurde die Friedrich-Stolze-Schule 2023 geschlossen.
Schülerzahlen
Taunusrealschule
1926: 61 Schülerinnen und SchülerTaunusschule Gymnasium Königstein/Ts. Einweihung des Neubaus am 22. September 1962. Zusammengestellt von StR Dr. Seiler. Druck Ludwig Oehms, Frankfurt am Main o. J. (1962), S. 14. 1928: 39 Schülerinnen und Schüler in 5 KlassenBeate Großmann-Hofmann: Das Taunusgymnasium wird 100! Teil 1. In: Königsteiner Woche, Jg. 47, Nr. 37 vom 15. September 2016, S. 8. 1930: 53 Schülerinnen und Schüler Frühjahr 1945: 500 Schülerinnen und Schüler
Taunusschule
1958: 18 KlassenHerbert Albrecht: 1957–1962. in: Taunusschule Gymnasium Königstein/Ts. Einweihung des Neubaus am 22. September 1962. Zusammengestellt von StR Dr. Seiler. Druck Ludwig Oehms, Frankfurt am Main o. J. (1962), S. 27–31, hier S. 28.