Polewoje (, ) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad. Er gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Gurjewsk im Rajon Gurjewsk.
Geographische Lage Das Dorf liegt in der historische Region Ostpreußen, 14 Kilometer südsüdwestlich der Stadt Kaliningrad (Königsberg).
Geschichte mini|Mahnsfeld, südsüdwestlich von Königsberg, auf einer Landkarte von 1910 Die ehemals MahnsfeldOrtsinformationen Bildarchiv Ostpreußen: Mahnsfeld genannte Landgemeinde wurde urkundlich erstmals 1488 als Mansfelt erwähnt. Bekannt wurde der Ort auch durch die Mahnsfeldsche MühleOrtsinformationen Bildarchiv Ostpreußen: Mühle Mahnsfeld, einer Wassermühle südlich des Dorfkerns am Nordufer des Flüsschens Frisching (russisch: Prochladnaja), das hier heute die Grenze zum benachbarten Rajon Bagrationowsk (Kreis Preußisch Eylau) bildet.
In der Zeit zwischen 1874 und 1945 war Mahnsfeld Amtsdorf und damit namensgebender Ort eines AmtsbezirksRolf Jehke, Amtsbezirk Mahnsfeld.
Mahnsfeld gehörte im Jahr 1945 zum Landkreis Samland im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen des Deutschen Reichs. Bis 1939 hatte das Dorf zum Landkreis Königsberg (Preußen) gehört.
Infolge des Zweiten Weltkrieges kam Mahnsfeld 1945 mit dem nördlichen Ostpreußen besatzungsrechtlich unter die Verwaltung der Sowjetunion. Im Jahr 1950 erhielt der Ort die russische Bezeichnung Polewoje und wurde gleichzeitig dem Dorfsowjet Zwetkowski selski Sowet im Rajon Kaliningrad zugeordnet.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 5 июля 1950 г., №745/3, «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung 745/3 des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte der Oblast Kaliningrad" vom 5. Juli 1950) Später gelangte der Ort in den Nowomoskowski selski Sowet im Rajon Gurjewsk. Von 2008 bis 2013 gehörte Polewoje zur Landgemeinde Nowomoskowskoje selskoje posselenije und seither zum Stadtkreis Gurjewsk.
Einwohnerentwicklung Jahr EinwohnerVolkszählungsdaten 1910 560 1933 524 1939 520 2002 115 2010 99
Verkehr Anschluss an das Straßennetz besteht über die Kommunalstraße 27K-089, welche die Oblasthauptstadt mit Swetloje (Kobbelbude) verbindet (ehemalige deutsche Reichsstraße 126). Nach Polowoje führt auch die Kommunalstraße 27K-090 von Kaliningrad. Die Autobahn Berlinka führt nordwestlich an Polewoje vorbei.
Die nächste Bahnstation (mit Anschluss an die Kaliningrader Elektritschka) ist das fünf Kilometer entfernte Golubewo (Seepothen) an der Bahnstrecke Kaliningrad–Mamonowo (frühere Preußische Ostbahn).
Amtsbezirk Mahnsfeld (1874–1945) Am 30. April 1874 wurde Mahnsfeld namensgebender Ort und Amtssitz des neu errichteten Amtsbezirks Mahnsfeld, zu dem anfangs zwei Landgemeinden und fünf Gutsbezirke gehörten:
Deutscher Name Russischer Name Bemerkungen Landgemeinden: Mahnsfeld Polewoje Ramsen Saretschnoje Gutsbezirke: Dopsattel Oktjabrskoje,seit 1993: Saretschnoje 1928 in eine Landgemeinde umgewandelt Hinterwalde 1928 in die Landgemeinde Ramsen eingegliedert Karplauken 1928 in die Landgemeinde Dopsattel eingegliedert Kobbelbude Swetloje 1928 in eine Landgemeinde umgewandelt Milgen 1928 in die Landgemeinde Dopsattel eingegliedertab 14. Mai 1930: Wernsdorf Podlesnoje gehörte vorher zum Amtsbezirk Gollau
Am 1. Januar 1945 waren dem Amtsbezirk Mahnsfeld noch fünf Gemeinden zugeordnet: Dopsattel (heute russisch: Saretschnoje), Kobbelbude (Swetloje), Mahnsfeld (Polewoje), Ramsen (Saretschnoje) und Wernsdorf (Podlesnoje, heute nicht mehr existent).
Kirche Kirchengebäude Die Mahnsfelder Kirche aus dem Jahre 1819 – ein Nachfolgebau der ehemaligen Ordenskirche – existiert nicht mehr. Sie kam zwar unbeschädigt durch den Zweiten Weltkrieg, verfiel dann jedoch rapide aufgrund zweckentfremdeter Nutzung als Lagerhalle. 1958 wurde das ehemalige Gotteshaus abgerissen, und auf seinen Fundamenten entstand erneut eine Lagerhalle. Lediglich das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges, das vor der Kirche stand, hat sich erhalten.
Kirchengemeinde Mahnsfeld war schon in vorreformatorischer Zeit ein Kirchdorf, und die Reformation hielt hier schon relativ früh Einzug. Früher der Inspektion des Königsberger Oberhofpredigers zugeordnet, war Mahnsfeld mit seiner überwiegend evangelischen Bevölkerung bis 1945 ein Pfarrdorf im Kirchenkreis Königsberg-Land I innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.
Heute liegt Polewoje im Einzugsgebiet der Auferstehungskirchengemeinde in Kaliningrad (Königsberg). Sie ist der Propstei Kaliningrad der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER) zugeordnet.
Kirchspielorte Zum Kirchspiel Mahnsfeld gehörten bis 1945:Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 462 Deutscher Name Russischer Name Deutscher Name Russischer Name Charlottenhof Bugrino Mahnsfeld Polewoje Dopsattel Saretschnoje Milchbude NN. Hinterwalde NN.kein russischer Name bekannt Milgen Johannisberg NN. Ramsen Saretschnoje Kobbelbude Swetloje Schäferei Karplauken NN. Wernsdorf Podlesnoje
Pfarrer (bis 1945) Von der Reformationszeit bis 1945 amtierten in Mahnsfeld als evangelische Geistliche die PfarrerFriedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, Seite 90: Stephan Zöllner, 1569–1593 Martin N., Johann Buchowius, bis 1623 Peter Buchowius, 1624 Jacob Gabius, 1629 Wilhelm Schultz, 1652 Christoph Malichius, bis 1652 Johann Christoph Heckenberg, 1666–1679 Michael Surckowius, ab 1679 Georg Falck, 1696–1738 Johann Georg Hofmann, 1738–1772 Michael Chr. Pilchowski, 1772–1787 Johann Christoph Prellwitz, 1788–1800 Johann Jacob Feggler, 1800–1835 Heinrich Becker, 1835–1867 Albert Fr. Wilh. H. Herford, 1867–1882 Friedrich Zimmer, 1882–1884 Carl Rudolf Theodor Colberg, 1884–1886 Karl Eugen K. Broscheit, 1887–1897 Gustav Ernst Grämer, 1898–1911 Eberhard Neumann, 1911–1914 Friedrich Otto Baehr, 1915–1933 Kurt Gräber, 1936 Friedrich Rzadtki, 1936–1940 Christoph Scherus, 1940–1942 Manfred Wilde von Wildemann, 1942–1945
Kirchenbücher Von den Kirchenbüchern haben zahlreiche Dokumente den Krieg überlebt und befinden sich heute im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-KreuzbergChrista Stache, Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen zentralarchiv in Berlin, Teil I: Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union, Berlin, 1992³, Seite 81
Taufen aus den Jahren 1833 bis 1944 Trauungen aus den Jahren 1839 bis 1944 Beerdigungen aus den Jahren 1843 bis 1944.
Persönlichkeiten des Ortes Mit dem Ort verbunden Friedrich Zimmer (1855–1919), Gründer des Evangelischen Diakonievereins (1894) sowie mehrerer Erziehungs- und Bildungseinrichtungen für junge Mädchen, war von 1882 bis 1884 Pfarrer in Mahnsfeld
Literatur Mahnsfeld, Dorf, Landkreis Känigsberg, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Mahnsfeld (meyersgaz.org). Adolf Boetticher: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen. Band 1: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Samlandes. Königsberg 1898, S. 85–86 (Google Books). Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Nipkow, Neidenburg 1890, S. 44–45 (Google Books).
Weblinks Amtsbezirk Mahnsfeld (Territorial.de) Polewoje bei bankgorodov.ru
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Rajon Gurjewsk (Kaliningrad)