Die Hochschuldidaktik beschäftigt sich mit dem Lernen, Lehren und Prüfen speziell an Hochschulen und hilft, eine qualitativ hochwertige Hochschullehre zu gestalten, während die Didaktik (von ) allgemein die „Kunst“ und die „Wissenschaft“ des Lernens und Lehrens auf allen Stufen betrifft. Mit anderen Worten wird Lehren und Lernen in der Wissenschaft als Gegenstand und Zweck der didaktischen Auseinandersetzung betrachtet, wobei jeweils fach- bzw. disziplinenbezogene und hochschultypische Ausdifferenzierungen denkbar und notwendig sind. Im weitesten Sinne ist somit die Hochschuldidaktik ein wesentlicher Teil der Hochschulentwicklung. Hochschuldidaktik kann auf Ebenen betrachtet werden: Lehrveranstaltungen (Mikroebene), Studiengang- und Curriculumentwicklung (Mesoebene) und (Hochschul-)Politik (Makroebene).

Hochschuldidaktische Angebote werden in Deutschland interdisziplinär und fachbezogen von hochschuldidaktischen Zentren und Arbeitsstellen, Einrichtungen des Wissensmanagements, der Qualitätsentwicklung für Studium und Lehre, von Abteilungen für Weiterbildung und Personalentwicklung an Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften, in einzelnen Projekten und Programmen, in Netzwerken und von einzelnen Wissenschaftlern unterbreitet.

Beschreibung Die Hochschuldidaktik betrifft zum einen die kritische Auseinandersetzung mit Inhalten von Studiengängen, mit deren Reform und Weiterentwicklung. Dieser „Inhaltsaspekt“ von Studium und Lehre stand während der 1960er Jahre im Mittelpunkt und basierte auf einer grundlegend gesellschaftskritischen Haltung, welche Gegenkritik nach sich zog. Zum anderen befasst sich Hochschuldidaktik mit dem „Vermittlungsaspekt“, d. h. der Planung und Durchführung von Unterricht und Lehrveranstaltungen. Dieser Aspekt ist erst später in den Fokus gerückt, als verstärkt die Frage diskutiert wurde, was „gute“ Lehre ausmacht und wie diese gefördert werden kann. In der aktuellen Diskussion wird Hochschuldidaktik oft auf diesen Vermittlungsaspekt verkürzt, wenngleich gerade im Kontext des Bologna-Prozesses auch die Frage der Inhalte und der Struktur von Studiengängen einer kritischen Auseinandersetzung bedarf. Denn Hochschuldidaktik ist keine Verlängerung von Schulpädagogik oder deren Übertragung auf eine andere Institutionsform, sondern „sie ist vielmehr auf Wissenschaftstheorie, -geschichte, -soziologie angewiesen. Hochschuldidaktik ist von Wissenschaftsforschung und Wissenschaftsdidaktik nicht zu trennen […]“. In einigen wissenschaftlichen Diskussionen wird stärker der Begriff „Wissenschaftsdidaktik“ favorisiert und damit Hochschuldidaktik als Wissenschaft, die sich aus vielen disziplinären Quellen speist, thematisiert.

Neben das bisherige didaktische Modell mit seiner Fokussierung auf Planung und plangemässe Durchführung von Lehre tritt aktuell ein dynamischeres Verständnis, das aus einem teilweise neuen bzw. neugewichteten Rollenmodell der Hochschuldozierenden genährt wird: „Der Dozent als Coach“. Die Fähigkeit, Lehre studierendenzentriert statt dozierendenzentriert zu gestalten, das Lehren also vom Lernen her (nicht umgekehrt) zu denken und fortlaufend zu entwerfen, werden als wichtig eingeschätzt. Wie man allerdings ganz konkret der Selbststeuerung der Studierenden mehr Raum gibt und dann auf deren nicht vorhersehbare Aktivitäten wieder sinnvoll reagiert, dazu gibt es wenig Literatur und Weiterbildungsangebote, während aber die theoretische und empirischeGute Lehrende „beobachten, dass Lernprozesse stattfinden oder auch nicht stattfinden“ und „intervenieren […] auf wohl bedachte und sinnvolle Art und Weise“ (John Hattie: Lernen sichtbar machen. Schneider-Verlag, Hohengehren 2015, S. 28) Begründung dafür, dass ebendies wichtig ist, stabil zu sein scheint.

In der Schweiz verlangen viele Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen von den Dozierenden bzw. Professoren eine didaktische Qualifikation, während eine solche an den Universitäten eher fakultativ ist. Demgegenüber und anders als in anderen europäischen und anglo-amerikanischen Ländern ist nur in den wenigsten Bundesländern in Deutschland der Nachweis einer didaktischen Qualifikation für die Tätigkeit als Lehrender einer Hochschule erforderlich. Die Venia Legendi der Professoren an Universitäten ist die Berechtigung zur Lehre, aber nicht zwingend ein Ausdruck hochschuldidaktischer Qualifikation. Hochschuldidaktische Weiterbildung ist keine Voraussetzung für die Berufung zum Hochschullehrer. Hochschuldidaktik wird hier primär als Angebot an Nachwuchswissenschaftler, Lehrbeauftragte oder bereits tätige Professoren gestaltet.

Geschichte und Entwicklung der Hochschuldidaktik Deutschland In Westdeutschland hatte Hochschuldidaktik in den 1960er Jahren Konjunktur. Hochschulen sollten grundlegend reformiert und eine „neue“ Lehre zur Geltung gebracht werden. Ausgehend aus dem Verband Deutscher Studentenschaften (VDS) und der Bundesassistentenkonferenz entwickelte sich der „Arbeitskreis für Hochschuldidaktik“ (AHD). Ende 1969 und Anfang 1970 wurden die ersten hochschuldidaktischen Zentren an der TU Berlin und der Universität Hamburg gegründet. 1971 wurde die Deutsche Gesellschaft für Hochschuldidaktik (dghd) gegründet.

Mit der Institutionalisierung hochschuldidaktischer Zentren wurde die Theoriebildung für die Hochschullehre zu einem Forschungsgegenstand: von 1972 bis 1979 existierte bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ein Schwerpunktprogramm Hochschuldidaktik.siehe hierzu: Senatskommission der DFG für Hochschuldidaktik (Hrsg.) (1982): Forschungsförderung in der Hochschuldidaktik. Arbeitsgemeinschaft Hochschuldidaktik, Hochschuldidaktische Materialien, AHD-Band 85, Hamburg In der zweiten Ausschreibung 1974 wurden die Themenbereiche festgelegtsiehe hierzu: Huber, Ludwig (1974): Förderung der Hochschuldidaktik durch die DFG. In: Arbeitsgemeinschaft Hochschuldidaktik e. V. (1974): Informationen zur Hochschuldidaktik, Heft 9/Mai 1974, S. 161–165: Forschungen zur Analyse der Berufsfelder, die professionelle Sozialisation, die Evaluation der Lernprozesse und die Curriculumentwicklung für fachübergreifende Studiengänge wurden gefördert. In den acht Jahren hochschuldidaktischer Forschungsförderung durch die DFG wurde ein deutlicher Anwendungsbezug und eine praxisnahe Forschungsorientierung sichtbar, fast alle geförderten Projekte arbeiteten gleichzeitig an einer praktischen Umsetzung ihrer Ergebnisse in die Studienreform.siehe hierzu: Senatskommission der DFG für Hochschuldidaktik (Hrsg.) (1982): Forschungsförderung in der Hochschuldidaktik. Arbeitsgemeinschaft Hochschuldidaktik, Hochschuldidaktische Materialien, AHD-Band 85, Hamburg

Nach einer Phase der Institutionalisierung von Hochschuldidaktischen Zentren an verschiedenen Universitäten ist die Hochschuldidaktik im deutschsprachigen Raum relativ schnell in die Kritik geraten. Ihre Fortbildungsangebote fanden oft ungenügend Nachfrage und die Umsetzung in den Hochschulen blieb gering. Statt die Widerstände zu analysieren, wurde die Hochschuldidaktik zunehmend infrage gestellt und immer mehr an den Rand gedrängt. Die meisten der seinerzeit gegründeten Einrichtungen wurden bis heute aufgelöst, umbenannt oder reorganisiert.

Anders stellt sich die Situation der Hochschuldidaktik an den Fachhochschulen dar. Nachdem diese 1971 als eigene Hochschulart gegründet wurden, befasste sich noch im selben Jahr eine Tagung mit den Fragen der entsprechenden Hochschuldidaktik. Daraus gingen die grundlegenden Konzepte für das hochschuldidaktische Zentrum „DiZ“ hervor, das bis heute mit einem großen Volumen an Weiterbildung für die Dozierenden aller Fachhochschulen des Landes Bayern tätig ist. In der DDR begann die Institutionalisierung der Hochschulpädagogik als eigene Wissenschaftsdisziplin bereits Ende der 1950er Jahre, wenngleich unter politischem Vorzeichen: Neben hochschuldidaktischen Fragestellungen beschäftigte sich die DDR-Hochschulpädagogik besonders mit der politisch-ideologischen Erziehung der Studierenden. Das deutschlandweit erste „Institut für Hochschulpädagogik“ wurde 1961 in Rostock gegründet, an anderen Universitäten wurden „hochschulpädagogische Arbeitszentren“ gegründet, seit den 1970er Jahren bestanden an allen Universitäten und Hochschulen der DDR hochschulpädagogische Abteilungen. Für den Erwerb der seit der Dritten Hochschulreform von allen Hochschullehrern geforderten Facultas docendi war der Teilnahmenachweis hochschulpädagogischer Lehrveranstaltungen notwendig. Nach der Wiedervereinigung wurde die ostdeutsche Hochschulpädagogik aufgrund ihrer politischen Belastung vollständig abgewickelt. Infolge des sogenannten „Qualitätspakts Lehre“, im Rahmen dessen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung den deutschen Hochschulen von 2011 bis 2020 Mittel im Umfang von zwei Milliarden Euro zur Verfügung gestellt wurden, ist das Interesse an Hochschuldidaktik in jüngster Zeit in Deutschland stark gewachsen.

Schweiz In der Schweiz förderte das „Bundesgesetz über die Fachhochschulen“, das 1995 in Kraft trat, die Entwicklung der Hochschuldidaktik stark.admin.ch (PDF; 134 kB) Darin legt Artikel 12 die „Anforderungen an die Lehrkräfte“ fest, zu denen neben einer abgeschlossenen Hochschulausbildung, Forschungsinteresse und mehrjährige Berufserfahrung ausdrücklich auch eine „didaktische Qualifikation“ gehört. Da diese Vorgabe für die Fachhochschulen, nicht jedoch für die Universitäten wirksam war, entwickelte sich die Hochschuldidaktik in der Schweiz in den Fachhochschulen intensiver: Der Bund förderte die Entwicklung der Hochschuldidaktik und finanzierte das Projekt „Schweizerische Weiterbildungszentrale für Fachhochschulen“ (Projekt SWF). Die Idee einer gesamtschweizerischen Weiterbildungsstelle konnte jedoch nie wirklich erfolgreich realisiert werden. Nachdem die Strukturen der jeweiligen sieben Fachhochschulen geklärt waren, begann jede Fachhochschule ihre eigene Lösung der didaktischen Qualifizierung der Dozierenden zu entwickeln. Teilweise existierten bereits vorher mehrere Institutionalisierungsansätze: Die Direktorenkonferenz der Ingenieurschulen der Schweiz (DIS) bildete eine Kommission für die didaktische Weiterbildung ihrer Dozierenden und vergab eine Anerkennung. In Basel war eine Weiterbildungsstelle für Dozierenden an der Hochschule für Kunst (FLuG HGK CH) entstanden. Die Schulen für Sozialarbeit hatten die SASSA, welche sich mit didaktischen Weiterbildungsangeboten für Dozierende in diesem Fachbereich beschäftigte. Brigitta Pfäffli, die als Pionierin der Hochschuldidaktik das vom Bund geförderten Projekt SWF geleitet hatte, ließ ihre Aktivitäten zu großen Teilen in den Aufbau der Fachstelle für Hochschuldidaktik der Fachhochschule Zentralschweiz münden, das heutige „Zentrum für Lernen und Lehren“ der Hochschule Luzern. Diese Stelle gehört somit zu den ältesten in der Schweiz und weiterhin zu den großen. Anstelle der SWF wurde eine Schweizerische Fachgruppe für die Weiterbildung der Dozierenden (FdWB) als Teil der Aktivitäten der KFH (Konferenz der Fachhochschulen der Schweiz – Rectors’ Conference of the Swiss Universities of Applied Sciences) ins Leben gerufen mit der Aufgabe, Qualität zu pflegen durch fachlichen Austausch und die Angebote zu koordinieren. Aus dieser Gruppe sind die Empfehlungen „Weiterbildung für Dozierende an Fachhochschulen – Konzept für die didaktische Weiterbildung“ hervorgegangen. Diese empfehlen eine didaktische Weiterbildung für alle Fachhochschul-Dozierenden im Umfang von mindestens 7 ECTS-Credits (mind. 200 Stunden Workload). Diese Empfehlung wird von vielen Fachhochschulen in der Schweiz umgesetzt.

An den Schweizer Universitäten sind in der Folge ebenfalls Stellen für Hochschuldidaktik entstanden. Besonders umfangreich sind diejenigen in Bern und in Zürich. Weiter begannen auch Pädagogische Hochschulen, hochschuldidaktische Weiterbildungen anzubieten.

Die Bologna-Reform und der Einzug neuer Methoden