miniatur|Lars „Lasse“ Kolstad (1980) Lars „Lasse“ Kolstad (* 10. Januar 1922 in Kristiania; † 14. Januar 2012 in Oslo) war ein norwegischer Film- und Theaterschauspieler sowie Sänger. In Norwegen erreichte er auf der Theaterbühne in der Rolle als Tewje in dem Stück Der Fiedler auf dem Dach (Spelemann på taket) eine große Bekanntheit und im Radio durch die humoristische Hörspielserie, um den „berühmten kriminalistischen Detektiv“ Dickie Dick Dickens. In Film und Fernsehen wirkte als Schauspieler in vielen norwegischen Produktionen mit. Besondere Aufmerksamkeit erreichte in der Fernsehserie Skipper Worse in der Hauptrolle als Skipper Worse. Kolstad spielte im Laufe seines Lebens auch in mehreren Musicals und Theaterstücken mit, vor allem am Det Norske Teatret, wo er über 30 Jahren tätig war.

Leben Lasse Kolstad wuchs in Oslo gemeinsam mit seinen älteren Bruder, dem bekannten norwegischen Schauspielers Henki Kolstad auf. Er war der Sohn von Andreas Kolstad (1883–1959) und Johanne (1884–1966). Als Gymnasiast legte Kolstad 1940 in Oslo sein Abitur ab. Bei der in Norwegen traditionellen Russfeier wurde er zum Präsidenten der 'Russ' (Russepräsident) gewählt. Die Russefeier konnte er aber mit seiner Abschlussklasse dazumal nicht feiern, denn sie fiel 1940 in ganz Oslo, wegen der deutschen Besetzung komplett aus. Lasse Kolstad war von 1946 bis 1955 mit der Schauspielerin Randi Kolstad verheiratet. Nach der Scheidung heiratete 1957 die Schauspielerin Bab Christensen. Sie hatten einen gemeinsamen Adoptivsohn, Lars Michael Kolstad (* 1965), der in Norwegen bekannter Theaterschauspieler und heute der Inspizient am Den Norske Opera & Ballett ist. Kolstad verstarb am 14. Januar 2012 im Alter von 90 Jahren im Osloer Diakonhjemmet Krankenhaus Kolstad war auch insbesondere für seine markante, klangvolle Bariton-Stimme bekannt.Lasse Kolstad. In: Store norske leksikon. 14. Januar 2012 (norwegisch).

Theater Kolstad debütierte 1943 am Trøndelag Teater, wo er bis 1949 spielte. Danach wechselte er zum Centralteatret 1949–1950, anschließend zum Edderkoppen teater 1950–1952, von 1952 bis 1956 am Riksteatret und am Fjernsynsteatret (Fernsehtheater) 1965–1969 und am Det Norske Teatret 1956–1965 sowie von 1969 an, wo er bis zu seinem Ruhestand 1992 spielte. Er trat jedoch auch danach noch gelegentlich auf der Bühne in einer Vielzahl von Aufführungen auf.

Kolstad größter Erfolg am Theater dort, unter anderem sein Auftritt als Tevje in dem Musical Der Fiedler auf dem Dach (Spelemann på taket), mit 400 Aufführungen seit 1968. Beim Fjernsynsteatret (Fernseh-Theater), wo für den Norwegischen Rundfunk (NRK), die Theaterstücke für das Fernsehen produziert werden, wirkte ebenfalls mehrere Jahre mit. Besondere Bekanntheit erlangte er dort für seine Rolle als Skipper Worse in Serie mit dem gleichen Titel (siehe Filmografie). Nachdem er 1992 in den Ruhestand gegangen war, feierte er 2002, nach zehn Jahren Pause, noch einmal ein Comeback beim norwegischen Theater Det norske teatret, mit dem Musical-Theaterstück von Noël Coward Kavalkade, das auch mehrfach im norwegischen Fernsehen gezeigt wurde.

Von Kolstads bedeutsamen, klassischen Theater-Rollen, waren unter anderem seine Auftritte in dem Shakespeare-Stücken Der Sturm als Caliban und bei Macbeth die gleichnamige Titelrolle, sowie auch als Teramenes in Jean Racines Phèdre. Er spielte außerdem die Hauptrolle in Peer Gynt (1962), in den Stücken von Henrik Ibsen Ein Volksfeind Dr. Stockmann und in Die Wildente den Großhändler Konsul Werle. Er trat des Weiteren in mehreren wichtigen Rollen am Det norske teatret auf, so auch in den Aufführungen von Kaiser und Galiläer (Kejser og Galilæer) von Henrik Ibsen unter der Regie von Sam Beskow. Mit seiner kraftvollen Stimme und seiner umfangreichen Sprachbegabung, war er einer der gefragtesten Schauspieler und Sänger bei musikalischen Darbietungen am norwegischen Theater. Einer seiner größten Erfolge war der Auftritt, so unter anderem die Hauptrolle von Zorba und der Rolle des Tewje, der Milchmann (Tevje) in Anatevka (Spellemann på taket), wofür er 1968 mit den norwegischen Kritikerprisen ausgezeichnet wurde. Für das Fernsehtheater (Fjernsynsteatret) wurde er speziell für die Hauptrollen in Tore Breda Thorsen's Mini-Serie und in Alexander Lange Kiellands Skipper Worse (1968) sowie als Claudius in Det lykkelige valg (1968) ausgewählt.

Musik und Musical Kolstad hatte über einen längeren Zeitraum eine umfassende Karriere als Musical-Schauspieler und Sänger am Det Norske Teatret bei vielen bekannten musikalischen Darbietungen und Musicals. So bei den dortigen erfolgreichen Aufführungen zu Zorba und Der Fiedler auf dem Dach (Spellemann på taket), erhielt er in Paul Burkhard-Stück, die Hauptrolle als Robert in Oh, mein Papa! (1958), Bruno und sersjanten („Bruno und der Sergant“), in Tingel Tangel i natt („Tingel, Tangel in der Nacht“, 1959), sowie mehrere Aufführungen zusammen mit Astrid Folstad, die ebenfalls auch auf EPs veröffentlicht wurden. Weitere Rollen hatte er auch in Richard Rodgers und Hammersteins Oklahoma (1960), und als Gustav Snekkersveen in Alf Prøysens Stück Trost i taklampa („Trost im Licht“, 1963).

Kolstad hatte ebenso viele musikalische Auftritte im Theater, Kabaretts, Revuen und Shows, so auch als in „Jacques Brel er her i kveld og bur bra i Paris“ bzw. Jacques Brel Is Alive and Well and Living in Paris („Jacques Brel ist sicher und lebt in Paris“, mit 148 Aufführungen von 1975 und eine Doppel-Langspielplatte), Evert-Taube-Aufführungen Så lenge skuta kan gå („So lange wie das Schiff weiterfahren kann“, von 1978, 211 Aufführungen und mit einer Doppel-LP), bei Snart gryr ein morgon! („Bald dämmert es im Morgen“, 1982) und Stephen-Sondheim-Kabarett Send inn ein klovn! (Send In The Clowns – Ballads Of, 1984).

In mehreren Theaterhäusern hatte er auch eigene Solo-Auftritte in mehreren Hauptszenen hatte und Hauptrollen wie z. B. Cabaret Becaud und bei Bentein Baardsons Inszenierungen der Dreigroschenoper.

Kolstads Platten-Karriere wird meist mit vielen Auftritten in Musicals und Kabarett verbunden, aber er hatte auch mehrere gemeinsame Veröffentlichungen mit Robert Levins Orchester und mit Kristian Hauger sowie Gunnar Kaspersen mit den Titeln «En liten ridetur på pappas kne» und «Kykeliky» (1953). Weitere gemeinsame Plattenaufnahmen entstanden mit Botten Soot und Sølvi Wang zu «Barna i fjøset» (1973). Des Weiteren mehrere auch Singles mit den Liedern «Jeg har en pike»/«Vil du hilse der hjemme» und nostalgische Lieder, wie «Windjammer» sowie die Titel «Christian Radich»/«Hils fra meg der hjemme» (1974). Er beteiligte sich auch mehreren Kinderlieder-Aufzeichnungen, so fünf Schallplatten (1950–1963) und die LP Tubaen Tobby/Tubaen Tobby på sirkus (1970).

Sein Schallplatten-Debüt hatte Kolstad 1949 mit den Liedern «Gammeldags», «I'm Strictly on the Corny Side», «Sjømannstrall» und «Så juger vi litt». In der weiteren Folge wurden noch viele mehrere Musikstücke von ihm auf LP und EP veröffentlicht.

Film, Fernsehen und Radio Im Film debütierte Kolstad 1953 in Nils R. Müllers Skøytekongen und hatte erst 1973 seine erste Hauptrolle in dem Film Kanarifuglen sowie seine zweite 1974, in dem Thriller Bortreist på ubestemt tid (auch bekannt unter: Gone until further notice; Regisseur Pål Bang-Hansen).

Neben seinen Auftritten im Fernseh-Theater, debütierte Kolstad 1981 in der norwegischen Comedy-Serie Fleksnes, wo er in der Episode Dobbeltgjengeren („Doppelgänger“) eine Hauptrolle spielte. Des Weiteren hatte er auch eine wichtige Rolle in der schwedischen Science-Fiction-Serie SK 917 har nettopp landet (1984). Im norwegischen Fernsehen TV 2, war für viele bekannt, als der unverwechselbare Geschichten-Erzähler bei der Weihnachtsserie The Julekalender (1994).

In den frühen 1960er Jahren hatte Kolstad, gemeinsam mit Sverre Hansen, in der Rolle des Erzählers bei in der auch in Norwegen berühmten Radio-Hörspiel-Serie zu Dickie Dick Dickens. Die Hörspiel-Serie wurde bereits mehrfach wiederholt beim NRK-Radio, zuletzt 2007. Kolstad war auch an vielen anderen wichtigen norwegischen Film- und Fernsehproduktionen als Schauspieler beteiligt.

Filmografie (Film und Fernsehen) Film 1951: Dei svarte hestane als Bauernjunge 1953: Skøytekongen als Hans Hellemo 1958: Windjammer: The Voyage of the Christian Radich 1961: Hans Nielsen Hauge als Lensmann Ole Nielsen 1961: Bussen als Lars 1973: Kanarifuglen als Personalchef 1973: Jungelboken als Baloo (norwegischer Synchronsprecher) 1992: Flaggermusvinger als Per, der neue Kaplan 1979: Olsenbanden og Dynamitt-Harry mot nye høyder als Roy, Handwerker 1979: Fru Inger til Østråt als Olav Skaktavl 1973: Robin Hood als Little John (norwegischer Synchronsprecher) 1974: Insel am Ende der Welt (The Island at the Top of the World) als Erik 1974: Bortreist på ubestemt tid als Martin 1996: Jetzt oder nie! (Sånt är livet, norwegisch-schwedischer Film) als norwegischer Priester 2003: Olsenbanden Junior går under vann als Rudolf Bollerud

Fernsehserien 1981: Fleksnes (Fleksnes Fataliteter) – in der Episode Dobbeltgjengeren als Polizist 1984: SK 917 har nettopp landet als Amund Aune, Direktor 1994: The julekalender als Geschichtenerzähler

Auftritte im Fernsehen 1983: Hylands hörna 2002: Først & sist

Fernseh-Theater Im norwegischen Fernsehen NRK wurde von 1960 bis 1990 Fernsehtheater (Fjernsynsteatret) gesendet, als ein eigenes Sendeformat, wo auch Kolstad regelmäßig mitwirkte. 1968: Det lykkelige valg als Celius (1968) 1968: Skipper Worse als Skipper Worse (fler episoder) (1968) 1970: Selma Brøter als erster Pensionär (1970)

Computerspiel 1999: Videospiel: The Longest Journey (Stimme zu Baumgeist/alter Drachen) 1999: Videospiel: Sly Cooper (Synchronsprecher zu Mugshot und Bison)

Bühnenauftritte im Det Norske Teatret 1950: Teaterbåten als Joe 1960: Oklakoma als Curly Mc Clain 1960: Phèdre (Fedra) als Teramendes 1962: Peer Gynt als Peer 1963: Trost i taklampa als Gustav Snekkersveen 1968: Der Fiedler auf dem Dach (Spelemann på taket) als Tewye 1992: Tolvskillingsoperaen 92 als J. J. Peachum 1970: Mannen frå La Mancha als Don Quichotte 1973: Ein Volksfeind (En folkefiende) als Dr. Stockmann 1973: Zorba als Zorba 1977: Macbeth als Macbeth 1978: Så lenge skuta kan gå 1979: Vertshuset Haren og Hauken als Bellmann 1983: Ein månad på landet als Ignatij Spigelski 1985: Cats als Profetikus 1987: Spelemann på taket als Tevje 1991: Antigone 1991 als Korførar 1992: Frå Steinrøysa til Broadway 1995: Kirsebærhagen als Firs 2002: Musical Musikal

Diskografie 1958: Windjammer (Columbia/CBS USA, 1958) Originalsoundtrack 1959: Tingel Tangel i natt (HMV) Originalcast, EP 1968. Spelemann på taket (NorDisc) Norwegischer Originalcast, Mini-LP 1970: Mannen få La Mancha (Triola) Norwegischer Originalcast 1970: Tubaen Tobby/Tubaen Tobby på sirkus (Lunde) 1973: Elefantgutten (Polydor) Studiocast 1973: Jungelboken (Disneyland) Studiocast 1974: Robin Hood (Disneyland) Norwegischer Soundtrack 1975: Jacques Brel er her i kveld og bur bra i Paris (Polydor) Norwegischer Originalcast 2 LPs 1977: Dommerens hus (Philips) Studiocast 1979: Så lenge skuta kan gå (Polydor) Originalcast, 2 LPs 1981: Henning Hane og gjengen hans (Polydor) Studiocast 1985: Cats (Det Norske Teatret) Norwegischer Originalcast

Auszeichnungen 1968: Kritikerprisen (Norwegen) Teaterkritikerprisen für die Rolle als Tevje in Spelemann på taket. 1972: Kongens fortjenstmedalje (Königliche Verdienstmedaille) in Gold 2004: Aksel Waldemars minnepris

Weblinks

Lasse Kolstad im Store norske leksikon (norwegisch) Biografie auf nbl.snl.no im Norsk biografisk leksikon (norwegisch) Lasse Kolstad auf filmfront.no (norwegisch)

Einzelnachweise

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