mini|hochkant|Peter Feldmann (2017) Peter Manuel FeldmannSiehe Sitzungsprotokolle der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Frankfurt am Main auf: PARLamentsInformationsSystem Stadt Frankfurt am Main (* 7. Oktober 1958 in Helmstedt) ist ein deutscher Politiker (parteilos, bis 2023 SPD), der von 2012 bis 2022 Oberbürgermeister von Frankfurt am Main war. Infolge gegen ihn erhobener Korruptionsvorwürfe und persönlicher Entgleisungen musste er sich am 6. November 2022 einem Bürgerentscheid stellen, bei dem eine deutliche Mehrheit von 95 % für seine Abwahl stimmte. Am 23. Dezember 2022 wurde er vom Landgericht Frankfurt am Main rechtskräftig zu einer Geldstrafe verurteilt.
Ausbildung und Privatleben Peter Feldmann besuchte ab 1970 in Frankfurt die Ziehenschule und legte 1979 das Abitur an der Ernst-Reuter-Schule ab. 1979 und 1980 begab er sich auf einen Auslandsaufenthalt in Israel, den er mit einer Gärtnerausbildung verband. Anschließend studierte er Politologie an der Philipps-Universität Marburg und schloss das Studium 1986 mit dem Diplom ab. 2009 beendete er zudem eine Ausbildung zum Sozialbetriebswirt.
Feldmann rechnet sich dem liberalen Judentum zu. Im April 2016 heiratete er in zweiter Ehe die halb so alte Zübeyde Temizel. Diese war 2015, nach Beginn ihrer Beziehung mit Feldmann, von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) als Leiterin der ersten deutsch-türkischen Kindertagesstätte in Hessen eingestellt worden, was spätere Ermittlungen gegen Feldmann zur Folge hatte (siehe unten zur Korruptionsaffäre).Oberbürgermeister Feldmann heiratet, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. April 2016. Mit ihr hat er eine Tochter (* 2016) sowie eine zweite aus einer früheren Beziehung.Züleyha ist da! OB Peter Feldmann zum zweiten Mal Vater, Extratipp.com, 19. Juli 2016 Im August 2021 gab er das Ende seiner Ehe bekannt; nach Presseinformationen lebte man bereits Monate getrennt.OB Feldmann und Partnerin Zübeyde: Ehe-Aus nach mehr als fünf Jahren, hna.de, 11. August 2021 Im Rahmen des laufenden Strafverfahrens wegen des Verdachtes der Vorteilsannahme ließ Feldmann im Oktober 2022 – kurz vor dem Bürgerentscheid über seine Abwahl vom 6. November – per Anwalt verlautbaren, er habe die Ehe nur wegen Temizels Schwangerschaft geschlossen, da diese eine von ihm ins Gespräch gebrachte Abtreibung ausgeschlossen habe.
Tätigkeiten Bis 1988 arbeitete Feldmann als Dozent. Ab 1988 war er Sekretär des der SPD nahestehenden Jugendverbandes SJD – Die Falken in Rheinland-Pfalz. Von 1990 bis 1996 leitete er das „Jugendhaus Am Bügel“ in Frankfurt-Bonames, ein offenes Freizeit- und Begegnungszentrum für junge Menschen von 12 bis 21 Jahren. Anschließend wechselte er als Grundsatzreferent zum Paritätischen Wohlfahrtsverband. Von 2008 bis Ende 2009 war er Leiter des Altenhilfezentrums Kurt-Steinbrecher-Haus der Arbeiterwohlfahrt in Darmstadt-Eberstadt. Danach arbeitete er von 2009 bis 2011 für eine Stabsstelle für Belegungsmanagement bei der zur AWO Frankfurt gehörenden Johanna-Kirchner-Stiftung.
Neben seiner politischen Arbeit ist bzw. war Feldmann ehrenamtlich Vorstandsmitglied verschiedener Frankfurter Sozial-Organisationen sowie nicht-ehrenamtlicher Aufsichtsrat:
Aufsichtsratsvorsitzender In seiner Zeit als Oberbürgermeister war er Aufsichtsratsvorsitzender von: ABG Frankfurt Holding Alte Oper Frankfurt Konzert- und Kongresszentrum GmbH FrankfurtRheinMain GmbH International Marketing of the Region Messe Frankfurt GmbH Rhein-Main-Verkehrsverbund Schirn Kunsthalle Frankfurt am Main GmbH Stadtwerke Frankfurt am Main Holding GmbH
Mitglied des Aufsichtsrats In seiner Zeit als Oberbürgermeister war er Mitglied des Aufsichtsrats von: Fraport AG Nassauische Heimstätte Wohnungs- und Entwicklungsgesellschaft mbHStruktur & Unternehmensführung der NHW (naheimst.de, Stand: August 2022) Thüga Holding GmbH & Co. KGaA
Politik Politische Arbeit 1967 trat Feldmann der Sozialistischen Jugend, 1974 den Jusos und der SPD bei. 1981 wurde er zum stellvertretenden AStA-Vorsitzenden an der Philipps-Universität Marburg gewählt und im selben Jahr auch zum stellvertretenden Juso-Landesvorsitzenden. 1987 bis 1989 war er Juso-Vorsitzender in Frankfurt am Main. 1988 wurde er in die Stadtverordnetenversammlung von Frankfurt am Main gewählt und dort 1990 Sprecher für Jugend und Soziales der SPD-Fraktion. 1993 wurde er in den Fraktionsvorstand und 2004 zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der SPD gewählt. Von 2001 bis zur Kommunalwahl 2011 war er zudem Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses der Stadtverordnetenversammlung. Zugleich war er Mitglied des Ausschusses für Soziales und Gesundheit.
Feldmann gründete gemeinsam mit Sergey Lagodinsky 2007 den SPD-internen Arbeitskreis jüdischer Sozialdemokraten (AJS) und beide wurden Sprecher des Arbeitskreises. Der AJS ist die erste institutionelle Organisation von Juden in Deutschland in einer Partei seit 1933.dpa: Report: German party forms first Jewish caucus since Nazi era. In: Haaretz. 26. April 2007. Abgerufen am 26. März 2012. Feldmann setzte sich in dem Arbeitskreis fokussiert für eine jüdische Perspektive in der SPD auf außen- und innenpolitische Themen wie den Nahostkonflikt, Rechtsextremismus, Integration und Vergangenheitsbewältigung ein. Nach dem Rücktritt Lagodinskys, aufgrund des zugunsten Thilo Sarrazins ausgefallenen Parteiordnungsverfahrens, war Feldmann 2011 zeitweise alleiniger Sprecher des AJS. Er war bis 2012 Sprecher des AJS, zeitweise gemeinsam mit Ilia Choukhlov.
Am 3. Februar 2023 trat Feldmann aus der SPD aus. Er sagte dazu, dass er in keine andere Partei eintreten wolle: „Ich bin kein Partei-Hopper.“Hessenschau vom 3. Februar 2023, online
Im Oktober 2023 stellte Feldmann einen Mitgliedsantrag bei der Partei Die Linke und verkündete auf einer Pressekonferenz, er sei nun Mitglied der Linkspartei.Feldmann will sich den Linken anschließen – die sind allerdings skeptisch Danach zeichnete sich jedoch ab, dass sein Antrag bei der Linken auf erhebliche Vorbehalte stoßen und möglicherweise abgelehnt werden würde.Ex-OB Peter Feldmann will zur Linken wechseln – dort ist man skeptisch in www.t-online.de vom 12. Oktober 2023 Daher stellte er seinen Mitgliedsantrag zunächst ruhend und zog ihn im November 2023 zurück.
An der Kommunalwahl am 15. März 2026 nahm Feldmann mit der neu gegründeten Liste „Frankfurt – Sozial!“ teil, die sich als Bürgerinitiative mit der sozialen Frage in Frankfurt beschäftigte. Im Vorfeld der Zulassung zur Wahl gab es eine Hausdurchsuchung bei der Vertrauensperson für den Wahlantritt wegen Unstimmigkeiten bei den Unterstützerunterschriften. Mitte Februar 2026 gab die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main bekannt, dass 29 von 183 befragten Bürgern, deren Namen auf den Unterschriftenlisten zur Unterstützung der Bürgerinitiative standen, behaupteten, „niemals um ihre Unterstützung für das Wahlbündnis gebeten, zur Unterschrift auf dem Formular aufgesucht worden zu sein und Kenntnis von ihrer vermeintlichen Unterschrift auf dem Formular gehabt zu haben“. Dazu kamen vier Namen von Verstorbenen auf den Unterstützerlisten. Feldmann verfehlte den Einzug in die Stadtverordnetenversammlung, will seine politische Arbeit aber fortsetzen. Im Juli 2026 erklärte die Staatsanwaltschaft, dass die Unterstützerlisten ohne das Mitwissen der Bürgerinitiative gefälscht worden seien. Die Unterstützerlisten seien offen erlangt worden und mit persönlichen Angaben von Nutzenden eines Hausnotrufsystems sowie mit gefälschten Unterschriften versehen worden. Gegen Mitarbeiter des Frankfurter Verbands werde ermittelt. Feldmann erklärte, er verspüre eine „große Genugtuung“. Die Motive für die gefälschten Unterlagen sind unklar.
Oberbürgermeister von Frankfurt am Main mini|hochkant|Als Oberbürgermeister 2012 in der Frankfurter Paulskirche Wahlkampf 2012 2011 bewarb er sich als Kandidat seiner Partei für die Oberbürgermeisterwahl im März 2012 in Frankfurt am Main. Ganz besonders setzte Feldmann auf Bürger mit Migrationshintergrund. Er rief alle potenziellen Wähler dazu auf, darüber zu diskutieren, „wie wir unsere Stadt noch schöner, noch sozialer, noch erfolgreicher und lebenswerter machen“. Den Wahlkampf beschrieb er zugleich als „ein großes Fest“.
Gegen seinen parteiinternen Konkurrenten Michael Paris gewann er in einem Mitgliederentscheid mit 53,76 Prozent die Kandidatur. Im ersten Durchgang der Wahl zum Oberbürgermeister am 11. März 2012 erreichte er den zweiten Platz mit 33,0 Prozent nach dem CDU-Kandidaten Boris Rhein (39,1 Prozent).Oberbürgermeisterwahl Frankfurt: Hochburgen und Verlierer-Bezirke der Kandidaten. In: Frankfurter Rundschau. 12. März 2012. Abgerufen am 22. März 2012. In der Stichwahl am 25. März 2012 gewann er mit 57,4 Prozent der abgegebenen Stimmen klar gegen Rhein, der auf 42,6 Prozent kam. Die Wahlbeteiligung lag bei 35,1 Prozent.Feldmann neuer Rathauschef von Frankfurt. In: faz.net. 25. März 2012. Abgerufen am 25. März 2012.
Feldmann war nach Ludwig Landmann der zweite jüdische Frankfurter Oberbürgermeister.Damit hat niemand gerechnet. In: Jüdische Allgemeine. 26. März 2012. Abgerufen am 26. März 2012.Jewish politician elected as new mayor of German city of Frankfurt. In. World Jewish Congress. 26. März 2012. Abgerufen am 26. März 2012. Im Jahr 2013 wurde er ins Präsidium des Deutschen Städtetages gewählt.Hinweis in: Städtetag aktuell 3/2018, S. 14
Wahlkampf 2018 Im ersten Durchgang der Wahl zum Oberbürgermeister am 25. Februar 2018 erreichte er den ersten Platz mit 46,0 Prozent vor der CDU-Kandidatin Bernadette Weyland (25,4 Prozent).. In: frankfurt.de. 25. Februar 2018. Abgerufen am 25. Februar 2018. Im zweiten Wahlgang am 11. März 2018 erhielt er 70,8 Prozent der abgegebenen Stimmen und wurde somit für eine weitere Amtszeit wiedergewählt.
Zu Feldmanns politischen Kernthemen im Wahlkampf gehörten die Begrenzung des Fluglärms, die Bildung, die Situation älterer Menschen in der Stadt, der Bau bezahlbarer Wohnungen, die Internationalität der Stadt Frankfurt und der Kampf gegen die Armut von Kindern. Hier verfolgte er das Ziel, die Kinderarmut in Frankfurt während seiner Amtszeit zu halbieren. Außerdem wollte er den Verkauf der Nassauischen Heimstätte verhindern.. In: hr-online. 26. März 2012. Abgerufen am 26. März 2012.
Frühe Kontroversen Einige Zeit nach seinem Amtsantritt zeigten sich Spannungen zwischen dem schwarz-grün geführten Magistrat einerseits und dem sozialdemokratischen Oberbürgermeister andererseits. So bestand der Magistrat im Mai 2013 darauf, die Stelle des neunten hauptamtlichen Dezernenten neu zu vergeben, während Feldmann diese Stelle einsparen wollte. in fnp.de, abgerufen am 15. Dezember 2013. Nach dem Ausscheiden von Stadtrat Volker Stein (FDP) wurde am 6. Juni 2013 gegen den Willen Feldmanns der CDU-Politiker Jan Schneider zum neuen Stadtrat gewählt.Römer wählt Schneider zum Stadtrat in hr-online.de, abgerufen am 15. Dezember 2013. Der Zuschnitt der Dezernate obliegt jedoch dem Oberbürgermeister.
Als Feldmann die Dezernate im Oktober 2013 neu ordnete, gab es erneut Verstimmungen zwischen ihm und dem Magistrat, unter anderem, weil er die bisherige Schuldezernentin Sarah Sorge entmachten wollte. Nach Ansicht Feldmanns stand das Bildungsdezernat nach Jahren unter grüner Führung vor einem Scherbenhaufen. in fnp.de, abgerufen am 15. Dezember 2013. Ferner wurde Stadtrat Markus Frank (CDU) die Zuständigkeit für die Wirtschaftsförderung entzogen; eine Aufgabe, die Feldmann nun selbst übernahm.